The Lady Di Look Book: What Diana Was Trying to Tell Us Through Her Clothes – Eloise Moran

Hin und wieder kaufe ich Bücher, weil ich durch Zufall auf sie aufmerksam werde. Einer meiner Lieblingspodcasts „Dressed. The History of Fashion“ – hatte vor einigen Monaten die Autorin des Buches „The Lady Di Look Book“ zu Gast. Ich kann mich noch an die Berichterstattung zum Tod von Lady Diana erinnern, auch wenn ich um die Bedeutung dieser Frau keinerlei Ahnung hatte.

Lady Diana Spencer ist eine Ikone. Allen voran wie sie die Wahrnehmung einer Prinzessin verändert hat und Wegbereiterin der modernen Königsfamilie war, im Bezug auf charitative Tätigkeit. Reden wir über Diana kommen verschiedene Schlaglichter hervor: die Märchenhochzeit 1981, die junge Mutter mit ihren zwei Kindern, das Enthüllungsbuch mit Andrew Morton, die Scheidung, die als „War of the Waleses“ betitelt wurde, Dianas umfassende charitative Arbeiten, ihre modischen Statements und ihr viel zu früher Unfalltod 1997.

Eine Tour-de-Force beim Rosinenpicken

Das Buch ist Visuell ein Genuss! Die Seiten sind laut und bunt, egal ob das Layot oder die Outfit. Allerdings kann es nicht über einen schlecht geschriebenen Text hinwegdeuten. Das Buch nimmt für sich in Anspruch Dianas Biographie und Persönlichkeit durch ihre Kleiderwahl zu nachzuvollziehen. Aber schnell fiel auf, dass die Autorin vor allem aus dem Bereich des Social Media kommt und die Aufteilung und Wortwahl genau so erfolgt: Di’s Revenge Gym Look! The Sloanie Look! Di’s 90’s buisness Look! Mit jeweils 5 kurzen Auflistungen, wie man ihn nachstylen kann. Es würde auch kein Problem darstellen, diese Looks in ihre Bestandteile aufzubrechen und zu erklären wie sie funktionieren – wenn die Autorin sich nicht dauernd in Widersprüche verstricken würde.

Das Hauptargument der Autorin ist, dass Dianas Outfits seien ein Narrativ ihrer Biographie. Allerdings fehlen völlig Dianas primäre Kleidung als junge Mutter: große weiße Krägen über Tunikakleidern. Moran beschreibt „There was no way to describe some of Diana’s early on duty looks as anything except utterly heinous – think royal-themed cosplay, but from the Crusade era. Robin Hood-esque, feather-adorned hats and terrifying tartans would have you thinking Camilla paid off Diana’s stylist for some serious sartorial sabotage.” Schauen wir uns Dianas soziales Umfeld an, war das eine Standardkleidung ihrer sozialen Gruppe. Und ob diese Looks der Autorin nun persönlich gefallen oder nicht ist irrelevant, denn sie sind ein Teil von Dianas Biographie und ihrem öffentlichen Auftreten.

Das Kleidung Botschaften und Statements sind, ist allgemein bekannt, egal ob soziale Proteste oder formelle Anlässe. Das was in Dianas Leben dem am Nächsten kam, dürfte der Auktionskatalog von Christies 1987 sein. Allerdings erwähnt Eloise Moran dies mit keinem Wort.

Selektive Wahrnehmung

Das wohl größte Problem ist Morans Wahrnehmung von Diana. So etwa ihre Darstellung, dass Diana in den 1980er Jahren eine konservative Kleiderwahl bestehend aus Pastelltönen und Karomustern getroffen hätte, aber dann immer wieder auf Dianas pinken Lama Pullover zu sprechen kommt. Mit Attributen wie „kawaii Sock „-Look überträgt sie Trends in eine Zeit, die diese Bezeichnung so nicht kannte. Und leider setzt sich dieser Trend im ganzen Buch fort. So bezeichnet sie Dianas Wahl die Spencer Tiara 1983 zu tragen als wegweisend, als ob sie davor und nach nie wieder diese Tiara getragen hat. Oder dass Moran Diana zuschreibt mit ihrem elfenbeinfarbenen Kleid am Tag der rechtskräftigen Scheidung ihre Freiheit darzustellen – und das obwohl man deutlich ihren Verlobungsring sieht.

Bedeutung, wo (nicht immer) eine ist

Die Grundproblematik des Buches liegt allerdings darin, dass Eloise Moran konstant versucht jedem Outfit eine Bedeutung zu geben. Z.B Der „Black Sheep Sweater“, wo sie schreibt: “because the Spencers were the UK’s oldest sheep farming family, the black sheep sweater Diana wore ‘certainly…reflects not just her inward thoughts about her new family and foray into public life, but memories of rejection from her childhood and teenage years.’ Es kann sich aber auch einfach um einen Pullover handeln, wie er in den 1980er Jahren üblich war.

Ein weiteres Beispiel war ein weißes Outfit von 1985 mit einer Fliege: Looking back, this suffragette white skirt set…and black bow tie strikes a more symbolic meaning—she’s the outcast, claustrophobically sandwiches between the Prince and the ‘men in grey.’” – Vielleicht ist es aber auch einfach nur ein typisches 1980er Jahre Outfit, wenn man sich die geladenen Gäste anschaut, sticht Diana nicht heraus, was Material, Schnitt oder Kombinationen betrifft.

Do your Research!

Das wohl bekannteste Bild von Diana in den 1990er Jahren dürfte wohl „Revenge Dress“ sein, dass sie 1994 trug, als Charles zugab eine Affäre zu haben: „When Diana bravely stepped out of the car, wearing her little black dress, she became the shining hero the country was pining for“ und „the mini-train of her dress fluttered symbolically, standing in contrast to the twenty-five foot train of her wedding dress“. Als Hintergrundinformation ist es Wichtig zu wissen, dass das Kleid von Christina Stambolian nicht die erste Wahl der Prinzessin für diesen Abend war. Und sicherlich hatte Diana nicht ihr Hochzeitskleid an diesem Abend im Kopf. Biographen und Zeitzeugen haben bestätigt, dass sie an diesem Abend Valentino tragen wollte, allerdings sich jemand verplappert hatte. Nichts destotrotz war dieses Kleid ein Statement.

Die Sache mit dem Schwarz

Das Gerücht, dass Mitglieder der Königlichen Familie kein Schwarz tragen dürfen. Das stimmt so nicht. Es stimmt, dass die mitgleider des Britischen Königshauses zu offiziellen Anlässen keine komplett schwarze Kleidung tragen, dass ist dem Remembrance Day vorbehalten und beim Tod eines Familienmitgliedes. Trotzdem ist es nicht so, dass man nie Schwarz in der Kleidung gesehen hat. Wie die Autorin es in ihrem eigenen Buch immer und immer wieder zeigt, hat Diana in seit den 1980er Jahren immer wieder schwarz getragen: Zu Filmpremieren, Theateraufführungen oder royalen Besuchen.

Recherche, Datierung, Zeit!

Ein nächstes Problem ist Morans durcheinanderwerfen von Ereignissen, Zeiten und Orten. So nennt Sie Diana „Duchess“ im ersten Viertel des Buches, ein Titel, den sie getragen hat sondern ein Spitzname. Das gleiche Gilt für die Behauptung, erst durch das Panorama Interview hätte die Öffentlichkeit Dianas Seite der Geschichte gehört. Andrew Morton, hatte bereits zuvor mit ihr gemeinsam „Diana. Her own words“ veröffentlicht. Ebenso gibt die Autorin Datierung an, die schlichtweg falsch sind: Dianas Morgenübelkeit in Australien, obwohl sie bei dem Australienbesuch nicht Schwanger war. Ein Kleid, dass angeblich ihre Schwangerschaft verbergen sollte, obwohl die Schwangerschaft bereits öffentlich gemacht worden war. Abschließend möchte ich noch auf die schrillen Kommentare zu den Erzählungen hinweisen. Es gibt einen schmalen Grat zwischen respektlos und unreif, und Moran hat ihn bei weitem nicht erreicht.

Neben sinnlosen Sprüchen wie „Jeez, bitter much ?“ und „All men are bastards“ bezeichnet sie den Vorfall, als Camilla, die 1994 in der Öffentlichkeit mit Brötchen beworfen wurde, als Gerechtigkeit. Diese infernalische Abneigung gegen die jetzige Queen Consort ist extrem beunruhigend, wenn man bedenkt, dass die Autorin fünf Jahre alt war, als Diana starb. Die Geschichte über die Ehe zwischen Charles und Diana ist gut dokumentiert und kommentiert, somit ist das wiederholen von Phrasen und einer festgefahrenen Meinung, die aus den 1990er Jahren resultiert, hat und blendet komplett aus, was Biographen nach Dianas Tod beschrieben haben.

Fazit

Ich weiß nicht, was sagen soll. Wenn man eine schöne Zusammenstellung von Bildern von Lady Diana sehen will, ein Coffetable book für Deko braucht – dann ist das Buch schön. Aber zum Lesen? Nein.

Über die Autorin:

Eloise Moran ist eine in London geborene und in Los Angeles lebende Modeschriftstellerin und Betreiberin des Instagram-Accounts @ladydirevengelooks, der derzeit 105.000 Follower hat. Über den Account wurde bereits in The New Yorker, The LA Times und The Telegraph berichtet, wo Eloise dafür gelobt wurde, die Instagram-Generation mit Dianas rachsüchtigem Kleidungsstil vertraut zu machen. Moran ist Modeschriftstellerin und Marketingstrategin und war in Großbritannien Redakteurin für die Luxusmodemarke Opening Ceremony. Sie lebt in East LA mit ihrem wertvollsten Besitz: einem originalen Virgin Atlantic Sweatshirt, das Lady Diana selbst getragen hat. Eloise hatte einen Auftritt in der Channel 4-Dokumentation Diana: Queen of Style.

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