Jeanne d’Arc – Heldin, Heilige und Ikone

Jeanne d’Arc, auch bekannt als die Jungfrau von Orleans, wurde Ende des 15. Jahrhunderts geboren und gilt als symbolische Figur der französischen Geschichte. Eine Geschichte, die filmreif ist. Ein Bauernmädchen aus der französischen Provinz, wird von Gott berufen, Frankreich von den Engländern im hundertjährigen Krieg zu befreien. Nach Siegen und dem Triumph der Krönung Karls VII. sinkt ihr Stern und sie wird von den Engländern auf dem Marktplatz von Rouen verbrannt.

Jeanne in der Popkultur

Als historische Figur wird Jeanne d’Arc immer wieder in der Popkultur dargestellt. Ob in Filmen, Büchern oder Musik, ihre Geschichte inspiriert Künstler seit ihrem Tod. Doch was macht den Reiz dieser Geschichte aus und wie wird Jeanne dargestellt?


Zu ihren Lebzeiten gibt es exakt ein Bild. Eine stilisierte Zeichnung einer Frau mit Kettenhemd, langen Haaren und Rock. Als gesichert gilt, dass der Verfasser Jeanne nie gesehen hat. Aussagen ihrer Kampf und Weggefährten schildern Jeanne als ca. 157 oder 158 cm groß, mit dunkeln, kurzgeschnittenen Haaren, sonnengebräunt und mit großen, dunkeln Augen. Der wichtigste Aspekt aber ist, in dem Moment, als Jeanne die Bühne der Weltgeschichte betritt, kleidet sie sich nicht in Frauenkleidern sondern in Männerkleidung. Sowohl, weil sie das Leben eines Soldaten führte, aber auch um der Vergewaltigung zu entgehen. In einer Welt in der Kleidung auch ein Ausdruck der sozialen Gefüge und einer gottgegebenen Weltordnung ist, stellt Jeanne etwas undenkbares dar.

Die Kleiderordnung

Das Tragen von Kleidung war in männlich und weiblich eingeteilt. Die Lehren der katholischen Kirchen sahen in dem Tragen von Kleidung die dem anderen Geschlecht zugeordnet waren eine Sünde, wobei es auch in Quellen wie Thomas von Aquin aussagen gibt, dass es Ausnahmen gibt, wie etwa dem Verkleiden um Feinden zu entfliehen oder weil keine anderen Kleider verfügbar sind oder ähnliche Gründe. Susan Schibanoff zufolge erlaubt die mittelalterliche Gesellschaft das tragen von Kleidung des anderen Geschlechtes als ein teil einer temporären Verkleidung, wie etwa bei Theateraufführungen oder Gauklern, verbot aber das aneignen und leben der Merkmale des dargestellten Geschlechtes.

Sicher ist, das es eine gewisse Akzeptanz für Travestie in bestimmten Kontexten gab. So etwa weibliche Heilige, die sich als Mönche verkleideten. Als Konsequenz bestand die Anklage von Jeanne d’Arc darin dass sie nichts getan habe um ihre Geschlecht vollständig zu verbergen und sich der männlichen Welt anzugleichen. Was bedeutet, dass anders als die weiblichen Heilige, die ihre Geschlecht vollständig verbargen und als Männer lebten, hatte Jeanne weder ihr Geschlecht noch die „Zeichen ihrer biologischen Weiblichkeit verborgen.

Ihre Anklage ist lang und kompliziert. Sie wird in zwölf von siebenundsechzig Anklagepunkten schuldig gesprochen. Da Jeanne d’Arc ihrem Glauben abschwört wird ihr Urteil in eine lebenslange Haft umgewandelt. Letztendlich wird das Tragen von Männerkleidung ihr zum Verhängnis und sie als notorisch rückfällige Häretikerin verbrannt.

Mit den Tod von Jeanne d’Arc beginnt aber auch ihr Mythos. Die Geschichte der gottgesandten Jungfrau, dass gegen die fremden Besatzer aufbegehrt und die politische Wende im hundertjährigen Krieg einleitet. Sie inspirierte Schriftsteller, Musiker und Künstler über jede Zeit hinaus.

In der Filmwelt wurde Jeanne d’Arc bereits mehrfach porträtiert. Ein bekannter Film ist die Verfilmung von Luc Bessons „Jeanne d’Arc“ aus dem Jahr 1999. Hier wird die Geschichte der Jungfrau von Orleans erzählt, die ihr Leben opferte, um Frankreich vor der englischen Invasion zu schützen. Der Film weist einige historische Ungenauigkeiten auf, vermittelt jedoch gut die entschlossene und mutige Jeanne d’Arc.

Joan of Arc!

Auch in der Musikwelt gibt es viele Songs über Jeanne d’Arc. Von Leonard Cohen und Arcarde Fire über die Band OMD haben unterschiedliche Künstler ihre Geschichte in verarbeitet. In dem Song wird das tragische Schicksal der Jungfrau von Orleans erzählt, die von den Engländern gefangen genommen und schließlich auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurde.

Jeanne in Fashion

Jeanne d’Arc hat auch Einflüsse in der Modeindustrie und anderen Bereichen des Kunsthandwerks. So war der 1920er Pagenschnitt für Frauen an Quellen von Jeanne d’Arcs verbrügten Kurzhaarschnitt angelehnt und ein Symbol zur Selbstermächtigung der Frau

Einzelne Designer haben sich von der Geschichte inspirieren lassen und Kleidungsstücke kreiert, die an die Rüstung eines mittelalterlichen Ritters erinnern.

Jeanne d’Arc ist eine zeitlose Figur, die immer wieder in verschiedenen Popkultur-Formen auftaucht. Obwohl ihre Geschichte tausend Jahre zurückliegt, regt sie immer noch die Kreativität von Künstlern an und ist ein wichtiger Bestandteil der Kulturgeschichte von Frankreich und der Welt.

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