Das Mädchen, das in den Wellen verschwand – Axie Oh

Korea ist Hip. Ich glaube, damit erzähle ich niemandem etwas Neues. K-Drama, K-Pop tummeln sich bei allen bekannten Verdächtigen und damit wächst auch das Interesse an koreanischer Geschichte und Kultur. Aus diesem Grund habe ich mir den Jugendroman „Das Mädchen, das in den Wellen verschwand“ zu Gemüte geführt.

Jedes Jahr wüten in Minas Heimat tödliche Stürme. Und jedes Jahr wird das schönste Mädchen in die Fluten geworfen. Denn eines Tages, so die Legenden, soll die wahre Braut des Meeresgottes auserwählt werden und den Unwettern ein Ende bereiten. Doch dieses Jahr greift Minas Bruder in das Ritual ein und gerät dabei in Lebensgefahr. Um ihn zu retten, opfert Mina sich freiwillig. Im Reich der Geister stellt sie allerdings fest, dass auf dem Meeresgott ein Fluch liegt. Und ihr nur dreißig Tage bleiben, um ihn zu brechen und die Stürme für immer zu beenden …

Märchen neu erzählt

Der Roman basiert auf einer populären Legende: 심청전 (Shimcheongjeong) oder „Die Geschichte von Shim Cheong“. Die Ursprünge der Geschichte sind nicht genau geklärt, allerdings sind drei verschiedene Versionen vorhanden, die mit 18. Jahrhundert geschrieben wurde, was nahelegt das es unterschiedliche Fassungen und Versionen des Stoffes gegeben hat. Die Ausgangslage ist immer die gleiche, dass die 15 Jahre alte Shim Cheong in das Indang Meer springt und durch eine Gottheit zur Erde zurückgeschickt wird.

Ein historischer Stoff neu erzählt, ist immer was für mich. Die Quellenlage ist ein Erzählungssammlung, die ein Thema hat, dass wir in verschiedenen antiken Stoffen haben; Die Liebe eines Kindes zu seinen Eltern, die insbesondere in den Ländern Asiens ein umfangreiches Konzept darstellt, in dem Kinder für ihre Eltern in jedweder Weise sorge sie Rrspektieren und dieser Respekt ein Teil des Verhaltens innerhalb der Gesellschaft darstellt. Auch die antike, europäische Sagenkultur kennt eine Version der Idee. Die der Charitas Romana (die römische Liebe). Der Verurteilte Valerius Maximus wird durch die Muttermilch seiner Tochter vor dem Hungertod bewahrt und dieser Akt steht so für das Sinnbild der Liebe eines Kindes zu seinen Eltern.

Frischzellenkurs für antike Stoffe

Axie Oh hat sich also dieser populären Geschichte angenommen, und die für ein Jugendlichen Lesepublikum angepasst. Die Hauptfigur Mina tritt an die Stelle von Shim Cheong und gelangt dadurch in die Zwischenwelt von Leben und Tod im Reich des Meeresgottes. Dort hat sie 30 Tage Zeit den Fluch des Meeresgottes zu brechen und nicht eine der zahllosen Verlobten zu werden, die als Wachen, Ehefrauen oder Dienerinnen die Stadt unterhalb des Meeres bevölkern.

Mina ist eine dieser Protagonistinnen, die man schnell ins Herz schließt – sie ist ein fünfzehnjähriges Mädchen, was in eine Welt hineingerät in der sie überleben muss und in der sie durch die Hilfe dreier Freunde zwar die Regeln erfährt, aber sie logischerweise nicht immer beherrscht. Sie macht Fehler, ist temperamentvoll und liebenswert. Aber auch stur, was einen manchmal in den Wahnsinn treibt.

Shin, der Wächter dieser Welt, ist derjenige mit dem Mina am meisten aneinandergerät und dessen Schicksal mit ihrem verbunden ist. Natürlich startet die Beziehung der beiden von einem auf und ab geprägt, was auch viel auf Missverständnissen beruht.

Folklore ist das neue Pop

Alles in Allem, ist es eine schöne Geschichte, eines Vollmärchens, die sich gut lesen lässt. Neben den Protagonisten gibt es einen groben Einblick in die Vorstellungen von Jenseits, Folklore und verschiedenen magischen Wesen, die zugunsten im Stil einer Fantasy-Romance etwas abgemildert wurden und dadurch zu liebenswerten Charakteren werden. Allen voran Shins begleiter – ein Kirin und ein Imugi. Ein Kirin ist ein Fabelwesen in der ostasiatischen Mythologie, oft dargestellt als Mischung aus Hirsch, Drache und Pferd, und gilt als Glückssymbol. Imugi sind in der koreanischen Folklore schlangenartige, unvollständige Drachen, die als Vorstufe zu vollwertigen Drachen gelten. Daneben erfährt man von einer Vorstellung des Jenseits und des naturreligiösen Kults, im koreanischen Raum.

Bees and Crowns – Hauptsache Royal

Eine kleine Werbung in eigener Sache: es gibt einen neuen Podcast. Und nicht nur irgendeinen Podcast, sondern einen in dem ich mitwirke! Gemeinsam mit der lieben Petra von Straks und mir startet ab heute „Bees and Crowns“ – ein Podcast rund um Königsfamilien, Geschichte und Mode.

Petra kennt ihr sicher von „KTT – Kronen, Tee und Traditionen“ auf YouTube, wo sie sich mit viel Charme und Humor mit aktuellen und historischen Persönlichkeiten des europäischen Adels und der amerikanischen Oberschicht widmet. Ich bin seit einigen Jahren auch begeisterte Zuhörerin ihrer ausbalancierten und gut recherchierten Videos – und bastle gerade auch meinen eigenen YouTube-Kanal als Ergänzung zu meinem Blog.

Über was werden wir reden? Über Royale Familien, Geschichte und Mode. Über Zeitgenössisches und Historisches und das mit viel Humor und guter Laune.

Deswegen – wir freuen uns auf euch!

Der rote Palast – June Hur

Mord und Geschichte

Als ich den klappentext gelesen habe, wusste ich, dass ich das Buch lesen muss. Nachdem ich jetzt schon in das Rabbithole K-Drama gefallen bin, kann ich auch gleich Bücher lesen. Ich halte nichts von Altersangaben für ein Buch, denn ich bin der festen Überzeugung jeder sollte das Lesen was ihm Spaß macht und dieses war nun zufällig ein Jugendroman und dann auch eine Mischung aus Historienroman und Krimi. Mein letzter Ausflug in dieses Genre ist Jahre her, mit der Reihe um den Samurai/Ermittler Sano Ichiro von Laura Jho Rawland während des Tokugawa-Shogunats Ende des 17. Jahrhunderts.

Zeitlich sind wir nun also gar nicht so weit davon entfernt. Die Periode und auch das Königreich auf dem Gebiet der heutigen zwei Koreanischen Staaten wird als Joseon (조선) bezeichnet und dauerte von 1392 bis 1897. Mitte des 18. Jahrhunderts bewegen wir uns nun im späteren Drittel. Und die Autorin gibt im Nachwort Einblicke in den historischen Kontext des Romans und nennt Quellen, die sie bei ihrer Recherche genutzt hat.
Der Mord an drei Palastschwestern und einer Hofdame versetzt die Hauptstadt Seoul in Unruhe. Geschildert wird es aus Sicht der achtzehn Jahre alten Hyeon, die zunehmend in die glatte Welt der politischen Intrigen hineingezogen wird, als sie, gemeinsam mit dem Hofarzt und einer weiteren Palastschwester, in der Mordnacht von der Kronprinzessin Hyegyeonggung (혜경궁) in den Palast beordert wird, um den Kronprinzen zu pflegen.

Der Kronprinz

Den Palast zu betreten bedeutet, einen blutigen Pfad zu beschreiten. Joseon (Korea), 1758. Unehelichen Töchtern stehen in der Hauptstadt nur wenige Möglichkeiten offen, aber durch harte Arbeit und Studium hat sich die achtzehnjährige Hyeon eine Stelle als Palastschwester verdient. Alles, was sie will, ist, den Kopf unten halten, gute Arbeit leisten und vielleicht endlich die Anerkennung ihres entfremdeten Vaters gewinnen. Doch plötzlich wird Hyeon in die dunkle und gefährliche Welt der Hofpolitik gestoßen, als jemand in einer einzigen Nacht vier Frauen ermordet. Die Hauptverdächtige ist Hyeons Mentorin. Entschlossen, die Unschuld ihrer geliebten Lehrerin zu beweisen, beginnt Hyeon mit ihren eigenen geheimen Ermittlungen. Bei ihrer Suche nach der Wahrheit trifft sie auf Eojin, einen jungen Polizeiinspektor, der ebenfalls auf der Suche nach dem Mörder ist. Als die Beweise beginnen, auf den Kronprinzen als Mörder hinzuweisen, müssen Hyeon und Eojin zusammenarbeiten, um die dunkelsten Ecken des Palastes zu durchsuchen und die tödlichen Geheimnisse hinter dem Blutvergießen aufzudecken.

Bei Hyegeonggungs Mann handelt es sich um eine der tragischen Prinzengestalten der Geschichte: Prinz Sado (사도 세자 / Sado Seja). Prinz Sado, zu Lebzeiten Prinz Jangheon (장헌) war der ursprüngliche Thronfolger nach König  König Yeongjo (영조) von Joseon (1694–1776) in Korea.  Doch Prinz Sados Verhalten wurde zusehends sonderbarer, unberechenbarer und gewalttätig. Yeongjo übertrug ihm in der Hoffnung, es könnte ihm helfen sich zu bessern, königliche Pflichten und Verantwortung. Doch in Gewalt endende Ausbrüche, die mit dem Tod von Bediensteten endeten, führten schließlich dazu, dass Yeongjo seinem Sohn im August 1761 das Schwert zur Selbsttötung reichte. Als dieser seine Aufforderung zum Suizid ablehnte und die Spannung zwischen beiden zunahm, ließ Yeongjo ihn ein Jahr später in eine Reiskiste sperren, in der er ohne Nahrung und Wasser nach acht Tagen verstarb. Dieser Vorfall führte zu einer erneuten Lagerbildung am Hofe. Nach dem Tod seines Sohnes Prinz Sado ernannte Yeongjo seinen Enkel Jeongjo (정조) (1752–1800) (Sohn von Prinz Sado) zum Prinzen und späteren Thronfolger.

Zu Prinz Sados Verhhalten gibt es mehrere Theorien, die die Autorin alle geschickt aufgreift. Prinz Sado entwickelte ein zunehmend exzentrisches gewalttätiges Verhalten, welches ihm von einflussreichen Mitgliedern am königlichen Hof als Geisteskrankheit ausgelegt wurde. Ihm wurde nachgesagt, zahlreiche sexuelle Affären mit Frauen des Hofes gehabt zu haben, Inzest mit einer seiner Schwestern, und in Anfällen Bedienstete des königlichen Hofes misshandelt und auch getötet zu haben. Ursache seines Verhaltens soll eine Syphilisinfektion gewesen sein, die ihn schwachsinnig werden ließ.

Es gibt neben der Theorie einer Geisteskrankheit zwei alternative Theorien zu dem Verhalten des Prinzen. Die erste Theorie geht aus von persönlichen Differenzen zwischen Vater und Sohn, einer schlechten Behandlung durch seinen Vater als Ursache für die Depression und das anschließende Verhalten.

Die zweite Theorie nimmt an, dass Prinz Sado die Strömungen der neuen konfuzianischen Doktrin unterstützte und in diesem Machtkampf den Intrigen der Vertreter der alten Doktrin unterlag und ihm eine Verschwörung gegen seinen Vater am 22. Mai 1762 vorgeworfen wurde.

Sados Verhalten im Roman wird anhand der Aufzeichnungen seiner Frau beschrieben: Die Erinnerungen der Dame Hyegyeong (한중록/Hanjungnok), welche eine Besonderheit in der Geschichtsschreibung darstellen. Selten treten Frauen adliger Familien als Historikerinnen auf. In diesem Fall war es die Bitte ihres Neffen, ihre Erinnerungen aufzuschreiben, wodurch ein Verlauf des Krankheitsbildes des Kronprinzen nachzulesen ist.

Die Palastschwester und der Ermittler

Dreh- und Angelpunkt des Romans ist der Mord in Seoul und der Faktor, der den Spannungsbogen hält. Hyeon und Eojin sind durch ihr Alter ein Bezugspunkt für junge Leser. Es macht Spaß beiden bei ihren Ermittlungen zu folgen und man erfährt in Nebensätzen einiges zur Kleiderordnung und sozialen Zuordnung der Figuren.

Hyeon ist eine Palastschwester, wodurch sie Zugang in den Palast, als auch die Stadt hat. Sie lebt als uneheliche Tochter eines ranghohen Beamten kein einfaches Leben, da ihr ein Name fehlt und ihr dadurch ein Platz in der strengen sozialen Hierarchie nur durch ihre Arbeit zugebilligt werden. Durch ihre Ausbildung zur Schwester, vergleichsweise einer medizinischen Assistenz, kann sie eine Stelle annehmen und hat sich in harter Arbeit die Stellung einer Palastschwester erarbeitet.

Eojin hingegen ist der Sohn einer adligen Familie, der als außergewöhnliches Talent gilt und bereits den Rang eines Ermittlers innehat. Über seinen Hintergrund wird ebenso berichtet aber er bleibt im Vergleich zu Hyeon etwas blasser. Außer seinem Familiären Hintergrund und in den Situationen in denen Hyeon mit ihm interagiert erfährt man wenig über Eojin. Die zarte Liebesgeschichte zwischen den beiden, die sich langsam anbahnt, ist ein kleiner Seitenarm der Geschichte, aber er dominiert nicht, was sehr angenehm ist. Auch ist Eojin kein romantischer Held.

Hoch die Hände, schnelles Ende!

June Hur ist Geschichtsfan, das liest man in diesem Buch überall raus. Nur kommt dadurch das Ende etwas zu kurz, nachdem es zu einem großen Showdown im Palast mit Prinz Sado kam, plätschert dei Story dahin und man merkt, dass die Autorin eigentlich zum Ende kommen möchte. Obwohl da natürlich die Frage ist, wie viel wurde von Seiten des Verlags her gekürzt. Denn die Autorin lässt sich Zeit, Hyeon und Eojin Hinweise und Zeugen zu finden, beschreibt das Leben im Palast und die Aufgaben der einzelnen Palastschwestern, aber das Ende wird dann sehr schnell abgehandelt und plätschert etwas aus.

Fazit

Die Autorin verwebt geschickt Geschichte mit Unterhaltung und Krimi – heraus kam eine fesselnde Mischung die in den 2000ern schon einmal sehr populär war und jetzt wiederentdeckt wird – nicht zu unserem Nachteil. Die Charaktere waren gut ausgearbeitet und man kann sich ein paar Stunden in das 18. Jahrhundert mit „Mantel und Degen“-Mentalität entführen lassen. Jedoch wirkte die Auflösung des Falls etwas hastig. Trotzdem ein lesenswertes Buch, das ich gerne weiterempfehle.

Things I want to do in 2025

„Is anyone alive out there? Can you hear me?“ Um Officer Lowe aus Titanic zu zitieren.

Es ist jetzt schon eine ganze Zeit lang her, dass ich überhaupt hier geschrieben habe. Und ich gebe zu, ich dachte echt, ich habe keine Lust mehr, dass dieser Blog wieder einmal so eine kurze Idee war, die ich jetzt wieder liegen lasse. Aber ich habe doch gemerkt, ich bin noch nicht fertig damit. Ich brauche einen Ort um meiner Kreativität und meiner Leidenschaft für Geschichte und Geschichten einen Raum zu geben. Außerdem war wieder einmal die Frage da, über was will ich eigentlich schreiben?

2024 war für mich, wie so viele ein anstrengendes Jahr, was mir den Spaß am Schreiben verleidet hat und jetzt möchte ich diese kleine Ecke im Internet mit Leben füllen.

Wildflower Library

Ich habe in diesem Jahr nicht so viel gelesen, aber so langsam kommt wieder Freude auf und ich habe mir wieder Bücher geschnappt, die ich gerne vorstellen will.

Ich mag zwar Modegeschichte, aber ich möchte auch Themen behandeln, die mich aus der Geschichte in dem Moment interessieren und auch, wie die Quellenlage dazu ist.

Films & Knits

Ich glaube es ist ein offenes Geheimnis, das ich gerne Stricke und dazu gerne Filme sehe. Und natürlich möchte ich das gerne verbinden und über meine liebsten Genre: Fantasy, Historienfilme und Literaturverfilmungen reden.

Und was das Stricken betrifft? Ich will natürlich gerne Modelle, ob historische oder aktuelle Modelle vorstellen und zeigen.

Slow Living

Nachdem 2024 eine echte Achterbahnfahrt war, möchte ich 2025 wesentlich ruhiger  verbringen, mi Freunden und vielen schönen, aber ruhigen Momenten und Orten, die ich gerne besuchen will.

Außerdem habe ich vor, endlich wieder mit dem kreativen Schreiben beginnen und euch über die Entwicklungen darüber auf dem laufenden halten. Ich habe seit Jahren eine Idee für eine Geschichte im Kopf, die ich endlich beginnen möchte zu schreiben.

Und damit hoffe ich auf einen schönes, ruhiges 2025

Jeanne d’Arc, die Schutzheilige der Popkultur

Die Sache mit Jeanne

Zum Todestag einer der wohl berühmtesten Frau der französischen Geschichte.

Warum kann die Popkultur nicht genug von der jugendlichen Märtyrerin bekommen, die ihr Land zum Sieg führte? Sie ist schon seit langem eine Figur, die in jeder Generation auf großes Interesse stößt und angesichts ihrer asketischen Ausstrahlung eine unwahrscheinliche Ikone darstellt.

Im 14. Jahrhundert in einer Bauernfamilie geboren, wuchs sie während des blutigen hundertjährigen Krieges zwischen England und Frankreich auf. Im Alter von dreizehn Jahren hatte sie göttliche Visionen, dass sie Frankreich zum Sieg führen würde. Ihr Glaube war so stark, dass sie den zukünftigen König Karl VII. kennenlernte und ihn davon überzeugte, sie bei der Belagerung von Orléans anzuführen, als sie erst siebzehn Jahre alt war. Es folgten weitere Siege, die zur Krönung des Königs im Jahr 1429 führten. Jeannes Ruf wurde zur Legende, verstärkt durch das furchteinflößende Bild eines jugendlichen Mädchens in Rüstung, das den Angriff anführte. Im folgenden Jahr wurde sie jedoch von den mit den Engländern verbündeten Burgundern gefangen genommen und wegen Hexerei, Ketzerei und Tragen von Männerkleidung vor Gericht gestellt. Im Jahr 1431 wurde sie auf einem öffentlichen Platz in Rouen auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Sie wurde 1920 von der katholischen Kirche als Schutzpatronin Frankreichs heiliggesprochen.

Jeanne d’Arc und die Popkultur

In der Vorstellung der Modewelt ist der Teenager, der eine französische Armee zum Sieg führte, zum Symbol für Unberührbarkeit geworden – amazonenhaft, androgyn, abwechselnd transgressiv und erotisch. Ihre Jugend ist Teil der Anziehungskraft, ebenso wie ihre Kleidung. Was ist heißer als eine Frau in einer Rüstung? In den letzten dreißig Jahren wurde sie häufig auf Laufstegen und in Leitartikeln zitiert. Jean-Paul Gaultier steckte sie 1994 in eine verzierte Rüstung und ein bäuerliches Korsett. Alexander McQueen huldigte ihr 1998 in einer Kollektion mit dem Titel „Joan“ auf unheimliche Weise. 2006 milderte John Galliano ihre harten Kanten ab, indem er ihr eine goldene Halbschale über schwungvolle Couture-Drapierungen legte.

Für die Popkultur wurde Jeanne sowohl zur Kriegerkönigin als auch zum Opfer des Patriarchats – die unbezwingbare Frau in Rüstung, die dafür bestraft wurde (obwohl man selten zugeben wird, dass Jeanne d’Arc solche Kleidung nicht nur aus Gründen der Bequemlichkeit oder des Pragmatismus oder sogar der Vorliebe trug, sondern auch wegen der allgegenwärtigen Bedrohung durch sexuelle Gewalt).

Oft ist sie mehr Archetyp als reale Person und reiht sich ein in Reihe berühmter Heldinnen und realer oder erfundener Figuren, die häufig als Muse herangezogen werden: Elizabeth I., Alice im Wunderland, Princess Di, Virginia Woolfs Orlando. Sie wird auf den Laufstegen von High-Fashion-Models verkörpert und neigt dazu, in diesen Kontexten sehr schön zu sein, wobei sie sich auf der weiblichen Seite der Androgynität aufhält. In dieser Hinsicht lehnt sie sich an eine visuelle Tradition an, die von den schwülen Gemälden der Präraffaeliten bis zu den vielen Schauspielern reicht, die sie auf der Leinwand gespielt haben, darunter Ingrid Bergman, Jean Seberg und Milla Jovovich, die mitreißende Reden halten, während sie in die Schlacht reiten und sich den männlichen Autoritäten stellen, die sie schließlich töten werden.

Bands wie O.M.D huldigten ihr in Synthie Pop, in der eine Frau mit rotem Mantel durch die schneeweiße Landschaft galoppiert und Leonhard Cohen setzte ihr ein lyrisches Denkmal absoluter Einsamkeit. Jeanne d’Arc ist Heldin, Heilige, Märchenfigur in einem.

Sogar in den japanischen Manga hielt Jeanne Einzug. Die Mangaka Arina Tanemura konzipierte ihre erfolgreichste Serie „Jeanne die Kamikazediebin“ (Kamikaze Kaito Jeanne) um die französische Nationalheldin. Hier wird im Shojo Stil Jeanne in Gestalt einer 16-jährigen Schülerin wiedergeboren und fängt Dämonen, die Sie in Schachfiguren bannt.

Es ist nach wie vor die beste und beunruhigendste Interpretation der Heiligen, mit Modellen in Kettenhemden und kirchlich inspirierten Stücken mit blutroten Kontaktlinsen war die Schau „Joan“ von Alexander McQueen. Das Finale zeigte eine einsame Figur in einem Feuerring, deren roter Perlenrock die Feuersbrunst widerspiegelte. Für McQueen war Jeanne eine faszinierende Figur, nicht nur wegen ihres Charismas oder ihrer maskulinen Kleidung, sondern wegen ihrer Überzeugung.

Jeanne – ein Opfer des Zeitgeist?

In Jeanne d’Arc: The Image of Female Heroism (1981) stellt die Wissenschaftlerin Marina Warner fest, dass das Bild der Jeanne d’Arc im Laufe der Jahrhunderte zu einer Chiffre geworden ist, die „sofort vor dem geistigen Auge präsent ist: knabenhafte Haltung, kurzgeschnittenes Haar, mittelalterliche Kleidung, Rüstung, ein Hauch von spiritueller Erhabenheit gemischt mit physischem Mut“. Warners zentrales Argument ist, dass jede Epoche und jede kulturelle Bewegung Johanna für ihre eigenen Zwecke umgestaltet hat, indem sie von ihr nahm, was sie brauchte.

Obwohl sie eine reale historische Figur ist, ist sie auch „die Protagonistin einer berühmten Geschichte in der zeitlosen Dimension des Mythos, und die Art und Weise, wie diese Geschichte erzählt wird, erzählt eine andere Geschichte“ Jeanne wurde von Feministinnen bis hin zu rechtsextremen Nationalisten als Patriotin, Mystikerin, heilige Jungfrau, Hexe und vieles mehr dargestellt. Sie wurde im Einklang mit unserem Verständnis von Sexualität und Geschlecht neu gelesen und reklamiert. In ihrer Biografie von 1936 deutete Vita Sackville-West an, dass sie lesbisch gewesen sein könnte. In einer Inszenierung des Globe Theaters in London wurde Jeanne als nicht-binär vorgestellt.

Die Mode neigt dazu, den Mut und die Kleidung zu nehmen und das Göttliche wegzulassen. Religiöse Visionen und Stimmen sind künstlerisch schwieriger umzusetzen, da sie eine relativ komplexe Auseinandersetzung mit Fragen der Theologie und Mystik oder des Wahnsinns erfordern. Das Märtyrertum ist ebenfalls heikel, aber es ist reizvoll, in einer Zeit, in der der öffentliche Diskurs von Debatten über Hexenjagden, Annullierungen und Schwarz-Weiß-Moral beherrscht wird, flüchtig darauf anzuspielen. McQueens Antwort zeichnet sich nicht nur durch ihre Tiefe, sondern auch durch ihre Trostlosigkeit aus. Es ist einfach zu sagen, dass man sich auf einen Märtyrer bezieht. Schicken Sie ein Model mit kurzgeschorenem Haar und Kettenhemd, und Joan taucht sofort in der Vorstellung auf.

Es ist gewagter, eine gewisse Affinität zu dem Glauben, der Marginalisierung, dem Fanatismus und der Verletzlichkeit zu suggerieren, die das Märtyrertum erfordert das ist die ultimative Schwierigkeit für jede historische Figur, die von der Modeindustrie aufgegriffen wird. Es liegt in der Natur der Modenschau, dass sie erzählerische Anker braucht – einen Ausgangspunkt, eine „Muse“, eine Reihe visueller und historischer Anhaltspunkte. Ist es nicht unvermeidlich, dass solche Figuren in einem Bereich, in dem es letztlich um die Herstellung und den Verkauf von Kleidung geht, hohl und klischeehaft werden – reduziert auf bloße Oberfläche? McQueen hat bewiesen, dass es auch anders geht; andere sind ihm gefolgt, und in der Zukunft wird es unweigerlich weitere geben.

What’s in my bag: Historiker Edition

Anno Domini 2013. Es waren die letzten glorreichen Jahre des Streetstyle und eine Zeit, in der gefühlt jeder Blog zeigte, was in der Tasche ist. What’s in my bag hieß die Kategorie, die mit den Jahren langsam von der Bildfläche rückte. Aber mittlerweile nutzen große Modemagazine sie auch wieder – mal mehr, mal weniger kreativ für Werbebeiträge mit Promis. Ich kann nicht mit einer Lady Dior, einem Prada Rucksack oder irgend einer anderen großen Marke punkten. Aber was nimmt man eigentlich als Historikerin mit? Gute das irgendwer (nicht) fragt und ich die Antwort habe.

Ich mag die Idee, ein bisschen Alltag und Kleinigkeiten kennenzulernen, die andere Personen, die mich inspirieren, immer bei sich tragen. Deshalb dachte ich, zeige ich, was ich so mit mir trage.

Typischerweise brauche ich einen großen Rucksack und keine damenhafte kleine Tasche. Zum einen aus Praktischen, zum anderen aus bequemlichen Gründen.

Bücher

Ich glaube das erübrigt sich von selbst oder? In der Regel habe ich immer was zu lesen dabei, mal eine unterhaltsame Geschichte, mal ein Sachbuch, mal eine Biografie, ganz nach Muse. Wenn es mehr sein soll, hab ich auch einen alten, aber treuen Kindle, der mich begleitet. Ich habe meistens Kopien von Artikeln, Beiträgen, Büchern oder Quellenmaterial dabei und zwischendrinn ist es schön, mal was anderes zu lesen.

Kopfhörer

Manchmal ist es tierisch langweilig über Büchern zu sitzen und die absolute Stille um sich zu haben. Deswegen habe ich immer Kopfhörer dabei, egal ob Musik, Podcasts oder Hörspiele.

Strickzeug

Ein Strickprojekt habe ich immer dabei. Es gibt nichts beruhigenderes als sich ab und zu hinzusetzen und einfach ein paar Reihen zu stricken, gerade um den Kopf einfach etwas frei zu kriegen. Und je nach Qualität der Wolle eine echte Wohltat für die Finger. Gerade Stricke ich mit der wunderbaren Wolle von Artemis Yarns. Es gleitet leicht und flüssig von der Nadel und ich liebe die Farbkombination.

Make-Up Bag oder Survival Bag

Eigentlich mehr als das – das ist das Täschchen in dem so ziemlich alles für jeden Notfall eingepackt ist. Man kennt’s. Immer dabei die aktuellen Lippenstifte und das Parfüm. Derzeit ist das Happy von Clinique und ROMAND Juicy Lasting Tint Litchi Coral.

Haarnadel

Haargummis sind Rudeltiere, die von Tasche zu Jacke, zu Schalen wandern und nie gefunden werden. Deswegen habe ich meine Haarnadel dabei abgesehen davon, dass sie besser für die Haare sind, sieht es irgendwie automatisch stylischer aus.

Brille

Ohne Brille geht gar nichts.

Notizbücher & Stifte

Recherche heißt aufschreiben, vermerken und notieren. Ergo ohne eine Notizbuch geht überhaupt nichts. Ich benutze einen Ringhefter von Muji, Blätter raus, alles aufschreiben und einheften. Der Vorteil ist, man kann Notizen besser ordnen.

Und Stifte, Markierer und Post-Its! Man muss immer irgendwas markieren, ob bei Kopien, Büchern oder auch in den Notizen.

Meine ganz besondere Hochzeit

Im Sommer habe ich jeden Mittwoch mit Begeisterung diesen Anime gesuchtet – es war das perfekte Abendprogramm.

Die Geschichte von „My Happy Marriage“ spielt in der Taisho-Era (1912-1926) im Japan zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Geister oder Groteske suchen das land seit Jahrhhunderten heim und werden von Familien mit besonderen Talenten bekämpft. Diese Familien haben innserhalb der Gesellschaft einen besonderen Status. Miyo Saimori, eine junge Frau, die ohne übernatürliche Talente geboren wurde, lebt ein hartes, liebloses Leben unter der Obhut ihrer missbräuchlichen Stiefmutter und ihrer jüngeren Schwester. Aufgrund von Heiratspolitik und ihrem Status als Halbwaise ohne übernatürliche Fähigkeiten, wird Miyo mit Kiyoka Kudou verlobt, einem jungen Kommandanten und Familienoberhaupt der einflussreichen Familie Kudou, der für seine kalte und rücksichtslose Natur bekannt ist. Nach Jahrelangem Missbrauch und Schicksalsergebenheit akzeptiert Miyo die Verlobung, da sie weder eine andere Wahl noch einen Ort hat, den sie ihr Zuhause nennen kann. Über die Familie ihrer Mutter weiß sie nichts, allein und ohne nennenswerte Erziehung oder Ausstattung begibt sie sich in die Obhut ihres Verlobten.

Als Miyo ihr Leben mit Kiyoka das Monster ist, die sie erwartet hatte. Nach anfänglicher Distanziertheit blickt sie hinter die Fassade und findet sie ihn freundlich, was ihre vorgefassten Meinungen über ihn zunichte macht. Allmählich entsteht eine Bindung zwischen ihnen, während sie nach und nach ihre Herzen füreinander öffnen. In ihrer Beziehung erblüht die Liebe und in der Gesellschaft des anderen finden sie Glück und Zufriedenheit.

Während unter Kiyokas Schutz blüht Miyo auf. Und findet eine neue Familie in den Menschen, die ihr begegnen: Kiyokas Schwester Hazuki, Yurie und auch in dem etwas mysteriösen Arata Tsuruki.

Gemeinsam stellen sie sich verschiedenen Herausforderungen und Konflikten und bieten ihnen dabei Unterstützung und Kameradschaft. Während sich die Liebe zwischen Miyo und Kiyoka vertieft, bemühen sie sich eine erfüllende und freudige Beziehung aufzubauen.

Gleichzeitig wird Miyo von mysteriösen Albträumen heimgesucht und muss das Geheimnis ihrer verstorbenen Mutter lösen.

Mode zwischen Tradition und Westen

Es wundert mich bei Animes immer, warum so gerne die Taisho Era verwendet wird, weil ab und an macht es überhaupt keinen Sinn für mich. Hier, war diese Idee endlich einmal toll umgesetzt. Durch die Vermischung von traditioneller Mode und Lebensweise des gehobenen, japanischen Milieus und dem Einzug der Moderne. Elektrizität, Automobile und westliche Kleidung. Besonders gut sieht man es an Nebenfiguren. Während Kiyoka privat auch die traditionelle Kleidung bevorzugt trägt er im Dienst Uniform.

Andererseits trägt Kiyokas Schwester mit Begeisterung moderne, westliche Kleidung samt einer Armbanduhr! EIn völlig Kontrast zu dem eher traditionell wirkenden Pärchen Kiyoka und Miyo.

Vor allem sieht man aber westliche Herrenkleidung. Viele Herren tragen Hosen und Jacket oder Uniform. Darüber lässt sich leider das ganze nicht gut datieren, aber die gesamte Kleidung lässt vermuten: späte 1910er Jahren.

Cinderella in Japan

Das große Thema ist im Grunde genommen eine Version des CInderella-Stoffes. Aber nicht weniger schön und heimelig umgesetzt, in Verbindung mit Tropen des typischen Fantasy-Shojo Animes. Es folgt vorgezeichneten Ideen, ohne langweilig zu sein. Die Charaktere sind liebevoll und schön anzusehen. Mit vielen kann man sich anfreunden und eine schöne Zeit verbringen.

Get a Life! – Vivienne Westwood

Vivienne Westwood began Get A Life, her online diary, in 2010 with an impassioned post about Native American activist Leonard Peltier. Since then, she has written two or three entries each month, discussing her life in fashion and her involvement with art, politics and the environment.

Reading Vivienne’s thoughts, in her own words, is as fascinating and provocative as you would expect from Britain’s punk dame – a woman who always says exactly what she believes. And what a life! One week, you might find Vivienne up the Amazon, highlighting tribal communities‘ struggles to maintain the rainforest; another might see her visiting Julian Assange in the Ecuadorian Embassy, or driving up to David Cameron’s house in the Cotswolds in a full-on tank. Then again, Vivienne might be hanging out with her friend Pamela Anderson, or in India for Naomi Campbell’s birthday party, or watching Black Sabbath in Hyde Park with Sharon Osbourne.

The beauty of Vivienne Westwood’s diary is that it is so fresh and unpredictable. In book form, generously illustrated with her own selection of images, it is irresistible.

Inhaltsangabe

Vivienne Westwood war viel: Punkikone, Klimaaktivistin, Modeschöpferin, Ehefrau und Mutter. In „Get a life“ öffnete sie ihr Archiv – Notizen und Tagebucheinträge. Das Buch ist schön gebunden, illustriert, mit vielen Grafiken, Slogans und Fotos.

Ich hatte das Gefühl, Vivienne Westwood ist im Raum und redet. Und wir sehen wie sich die Stimme im Laufe der Jahre ändert. Von den knappen, pragmatischen Texten der 1970er Jahre, Ausführungen von Mode, Kunst und Literatur hin zu elaborierten Gedanken der Klimabewegung, der sozialen Umbrüche und ihr Versuch die Welt zu verstehen.

Sie ist die Designerin, die eine einzigartige Sichtweise auf die Welt hatte, die sie durch ihre Kunst, Stoff, und ihren Aktivismus, der ihrer Zeit voraus war, zum Ausdruck brachte.

Ihre Liebe zu Kunst und Mode ist wunderschön beschrieben. Ihre Botschaft zum Klimawandel hat meine eigenen Gewohnheiten in Frage gestellt

2024 – Keep walking weird

Wann machst du das alles eigentlich? Das ist irgendwie eine Frage, die ich immer wieder gestellt bekomme. Ja, womit eigentlich? Als sei Freizeit etwas was ich in rauen Mengen habe. Die Antwort ist: ich plane meine Wochenenden und ich pendele. Und wenn ich im Zug sitze: Strickzeug raus und Kopfhörer auf. Ich höre Podcasts oder schaue eine Serie, während die Hände beschäftigt sind.

Stricken ist eine tolle Beschäftigung. Und die meisten Muster sind gar nicht so schwer. Ich habe meistens ein oder zwei Sachen, dann denen ich arbeite und die ich wechselnd dabei habe, um etwas abwechselnd zu habe. Ich habe eine Kopie der Anleitung, die ich mitnehme und auf der ich Anmerkungen aufschreibe, markiere und aushake. Derzeit arbeite ich an einem Pullover und einer Strickjacke und ich hoffe euch demnächst bereits das eine oder andere zeigen zu können.

Ich habe 2023 irgendwie wenig gelesen. Überraschend, weil ich eigentlich gerne lese. Aber 2023 war irgendwie nicht das beste Jahr, obwohl ich die Buchmesse besucht habe und da habe ich zum ersten Mal seit langem wieder Bücher in der Hand gehabt, die ich lesen wollte. Ich habe seit langem wieder Bücher wirklich lesen wollen. Dieses Jahr kommt hoffentlich mehr. Außerdem suche ich gerne Bücher für Ausflüge und nach Dingen, die mich aktuell interessieren.

Museen sind etwas wunderschönes. Bei diversen Museen habe ich die Newsletter abonniert, um mir Ausstellungen zu suchen, die mich interessieren und auf dem neuesten Stand zu sein. Ausstellungen besuchen ist etwas wunderschönes. Man kann stundenlang in den Räumlichkeiten bleiben, sich die Werke ansehen und jeder hat seine eigene Sicht auf ein Werk, die Umstände warum Künstler wie etwas geschaffen haben oder welche Gegenstände zeigen uns etwas über unsere Geschichte.

Warum kleiden wir uns für Silvester?

Ab und zu ist es schön, die Jogginghose und das bequeme Shirt gegen ein bisschen Lametta und Glitzer zu tauschen. Aber haben Sie sich schon einmal gefragt, warum wir alle Register ziehen, um das neue Jahr einzuläuten? Die Geschichte des Mode zu Silvester ist interessant und führt uns über alle möglichen Umwege zu unseren auffälligen Pailletten und kilometerlangen falschen Wimpern. Von der Verkleidung in Kuhhäuten bis zum Anziehen von weißem Nerz, bevor der Wecker klingelt, haben sich die Menschen seit Tausenden von Jahren für diesen Anlass herausgeputzt.

Die Perlenstickerei und die teuren Kleider sind nur unsere eigene Interpretation in der Zeit, in der wir leben. Es ist nichts Neues, sich zu Beginn eines neuen Jahres herauszuputzen. Im Folgenden erfahren Sie, warum wir uns zu Silvester in Schale werfen – fühlen Sie sich mit den Legionen von Menschen verbunden, die vor tausend Jahren das Gleiche taten wie Sie.

Wie alles begann

Bevor man die Lametta-Version versteht, muss man die heidnische Version verstehen. Man nimmt an, dass die Schotten eine der ersten Gruppen waren, die Silvester feierten, und dass ihre Variante „Hogmanay“ genannt wurde. Und so wie man für eine große Feier eine Perlenkette auf dem Bett ausbreitet, so kleideten sie sich für das Ereignis, indem sie Rinderhäute anzogen. Menschen trugen Rinderhäute und entzündeten Lagerfeuer, wobei das Feuer symbolisch für die Reinigung des Gemenschaft und des Dorfes steht. Noch heute gibt es in Teilen Deutschlands ähnliche Versionen wie die Perchtläufe, in der Frau Perchta mit ihrem Gefolge durch das Dorf zieht.

Während sich die Schotten mit Fellen schmückten, feierten die Römer ihren Vorabend mit einem Bankett Als der heilige Bonifatius, ein Missionar aus England, im Jahr 742 Rom besuchte, war er entsetzt über das Ausmaß der Feierlichkeiten. Die Menschen tanzten auf den Straßen, die Tische waren mit Speisen und Getränken überladen, die Leute sangen in betrunkenem Zustand, und die Frauen trugen Amulette um den Hals, die sie dem Meistbietenden zum Kauf anboten.

In anderen Kulturen – wie im alten Babylon – wurde die Zeit zwischen dem alten und dem neuen Jahr als ein Kampf zwischen Chaos und Ordnung angesehen. Während die beiden miteinander kämpften, wurden die Regeln und die Ordnung umgekehrt, und die Menschen verkleideten sich, um diese Zeit zu markieren, bis die Kontrolle um Mitternacht wiederhergestellt war.

Neuere Traditionen

Spulen wir ein paar Jahrtausende zurück, und der neuere Aberglaube erklärt vielleicht, warum wir das Bedürfnis haben, in unseren besten und glitzerndsten Kleidern den Countdown bis Mitternacht zu zählen.

Für viele galt Neujahr als ein neuer Anfang. Aus diesem Grund begannen viele Menschen gerne so, wie sie es vorhatten, weiterzumachen. Viele Bräuche, Traditionen und Aberglauben sind mit dem gemeinsamen Glauben verbunden, dass das, was man in der Silvesternacht oder am Neujahrstag tut, den Ton oder das Muster für das kommende Jahr vorgibt.

Nach britischem Volksglauben durfte man zum Beispiel am 1. Januar nicht einmal Schmutz aus dem Haus fegen, da sonst die Gefahr bestand, dass man sein Glück wegfegt. Man durfte nur neue Dinge ins Haus bringen, um den Reichtum des kommenden Jahres zu garantieren.

Die 1800er brachten große Partys

Vor dem späten 19. Jahrhundert war Silvester eher eine Familienangelegenheit, bei der die Menschen zu Predigten gingen und das vergangene Jahr Revue passieren ließen. Doch als wir uns dem Goldenen Zeitalter näherten, verdrängten Partys mit Krachmachern und Wunderkerzen diese stillen Besinnungen der Erneuerung.

Da immer mehr Menschen in die Großstädte zogen, wollten sie die Kirchenbänke gegen Partys tauschen. Und das taten sie auch. In einem Artikel der Washington Post vom 1. Januar 1916 heißt es:

„Die New Yorker gaben sich heute Abend dem Feiern und Lärmen hin. Die fröhlichste Silvesternacht aller Zeiten“

so das Urteil derer, die die Geschichte des Broadway und anderer Straßen, in denen die weißen Lichter brennen, genau kennen. Eine halbe Stunde bevor das Glockenspiel der alten Trinity das Jahr 1916 offiziell ankündigte, kündigten das Läuten der Kirchenglocken, das Kreischen der Pfeifen von Fabriken, Fähren und Schiffen aller Art und das Getöse unzähliger Blechhupen das Herannahen von Mitternacht an. Je näher die Stunde rückte, desto lauter wurde das Geschrei.

Mit der Elektrifizierung der Städte wurde das Nachtleben durch eine umfassende Straßenbeleuchtung, die Beleuchtung verschiedener Vergnügungsstätten und elektrische Straßen- und U-Bahnen möglich, die es den Menschen ermöglichten, sich effektiv in den Städten zu bewegen.

Schließlich begannen die Amerikaner, die Uhrzeit genau zu verfolgen: Sie trugen Taschenuhren, füllten ihre Häuser mit Uhren und schmückten ihre öffentlichen Gebäude mit immer größeren Uhren und lauteren Glocken. So wurde der Countdown bis Mitternacht – bis zum exakten Zeitpunkt der Ankunft des neuen Jahres – zu einem sehr aufregenden Moment, in dem eine von Uhren besessene Öffentlichkeit ihre neue Orientierung an der genauen und präzisen Zeit in die Tat umsetzen konnte. Mit dieser Vorfreude im Hinterkopf bildete sich eine neue Partykultur heraus.

Das Nachtleben verwandelte Silvester in eine Modenschau

Und da immer mehr Restaurants üppige Bankette veranstalteten und in den Clubs Shows mit Cocktails und Tanz stattfanden, war Silvester nun nicht mehr nur ein besonderer Anlass, sondern die größte Party des Jahres – was sich auch in der Kleidung der Menschen widerspiegelte.

Viele Silvesterpartys wurden von Clubs, Restaurants und Hotels gesponsert. Sie beinhalteten mehrgängige Mahlzeiten, Champagner und Tanz zu Musik, die von einem Orchester gespielt wurde. Je näher Mitternacht rückte, desto mehr Lärm wurde gemacht, und um Punkt Mitternacht wurden Küsse ausgetauscht und Trinksprüche ausgesprochen“, erzählt sie. Und die Veranstaltung wurde noch spezieller, als sich der ganze Saal in Schale warf.

Aber wenn man nicht zu einem Bankett gehen wollte (oder sich die Eintrittskarte nicht leisten konnte), gab es immer noch zahlreiche Feste, die zu Hause veranstaltet wurden. Von der königlichen Gesellschaft bis hin zu Wohnungseigentümern in bescheidenen Häusern mussten alle in ihren besten Kleidern erscheinen. Andere Leute begannen, Partys zu Hause zu veranstalten und ersetzten die Orchester oft durch das Radio. Radiosender übertrugen aus Veranstaltungsorten und veranstalteten Silvester-‚Tanzpartys‘.

In der Washington Post vom 3. Januar 1909 beschrieb Page Six die Outfits bei einer viel besprochenen Silvesterparty in einem der Häuser der Prominenz.

Eine Silvesterparty wurde von Mrs. J. Ellen Foster, Miss Pierce und Miss Hellen Varick Boswell aus New York veranstaltet. Mrs. Foster trug ein Kleid aus schwarzer Fadenspitze über cremefarbenem Satin und Chiffon, mit vielen Verzierungen. Miss Pierce trug ein Pariser Kleid aus rosafarbener und bronzefarbener Chiffonseide, mit Applikationen aus Indescents. Miss Boswell trug ein Empire-Kleid aus schwarzem Chenille-Netz, das mit goldenen Stoffen besetzt war.

Und von da an wurden Glanz und Glamour nur noch größer. Es reichte nicht mehr aus, einfach das übliche Freitagabendkleid anzuziehen; die Leute mussten alle Register ziehen. In einem Artikel der New York Times vom 3. Januar 1923 wurde über einen Schmuckdiebstahl berichtet, der einer Partygängerin auf dem Heimweg nach den nächtlichen Festivitäten passiert war. Und die Menge an Glitzer, die gestohlen wurde, zeigt, wie sehr sich die Leute für diesen Anlass herausgeputzt haben.

Mrs. Irene Schoellkopf, Frau von C.P. Hugo Schoellkopf, einem Fabrikanten aus Buffalo, wurde am frühen Montagmorgen nach einer Silvesterparty in einer Wohnung in der 64 West Fifty-second Street, zwischen der Fifth und der Sixth Avenue, überfallen und ihres Schmucks im Wert von 500.000 Dollar beraubt.

Von Kuhfellen bis hin zu Glitzer im Wert von einer halben Million – wir hatten schon immer das Bedürfnis, uns für den Jahreswechsel in Schale zu werfen. Möge das diesjährige Outfit dieser langen Geschichte Ehre machen.