Eingekleidetes Westeros: Identitäten durch Stoffe und Farben

Was sagen Farben und Kleidung über die soziale Stellung der Personen aus?

Westeros ist eine strikt nach Ständen geordnete Welt, geordnet nach den Prinzipien mittelalterlicher und frühneuzeitlicher Ständegesellschaft – der soziale Rang definiert den Zugang zu Bildung, Gütern, Macht und auch das Strafsystem ist darüber geregelt.  Die Zuordnung eines sozialen Ranges erfolgt vor allem über die getragene Kleidung, die die einzelnen Personen jeweils leicht dem sozialen Stand, dem sie angehören,  zuordnen lassen.

Adel

Die adligen Familien in Westeros  stehen an der Spitze einer sozialen Hierarchie und haben sowohl durch ihre Materialien als auch den sozialen Stand die Möglichkeit, diese durch ihre Kleidung auszudrücken. Dabei hat soziale Kleidung nicht nur die Funktion, den Wohlstand einer Familie auszudrücken, sondern ist auch Teil des ökonomischen als auch sozialen Gefüges – Adelsfamilien müssen ihren Herrschaftsanspruch nicht nur durch Geburt, als auch durch ihre soziale Performanz immer wieder legitimieren. Soziale Performanz ist das Auftreten und Gebaren  einer Person aus den jeweiligen Familien, das mittels Kleidung, ihrer Funktion als höchste gesetzgebende Autorität und dem Schutz der ihnen untergebenen Bevölkerung ausgedrückt wird. Durch Verwendung von kostbaren, seltenen Materialien, hoher Handwerkskunst vermitteln sie einen nonverbalen Eindruck von ihrer sozialen Stellung und ihrer Funktion und legitimieren dadurch wiederum ihren Status.

Cersei Lannister

Cersei Lannister nimmt innerhalb der Geschichte drei verschiedene Funktionen ein: die Königin von Westeros und Mutter des Kronprinzen, Tochter des Familienoberhauptes Tywin Lannister und später Herrin von Casterley Rock. Als Angehörige der reichsten Familie Westeros und Tochter des einflussreichen Lords und vormaligen Hand Tywin Lannister steht sie in der sozialen Hierarchie von allen weiblichen Figuren am höchsten. Dementsprechend kostspielig und aufwendig ist ihre Kleidung – von Brokat, Seide, myrrischer Spitze, edelsteinbesetztem Schmuck und aufwendigen Frisuren zielt alles darauf ab einen größtmöglichen Effekt zu erzielen und sie in der Position als Königin zu legitimieren.  Durch die offene Zuschaustellung von Wohlstand wird unmittelbar ihre Macht gezeigt.

Cerseis Farben

Ihre Farbwahl in den Büchern ist vor allem Grün oder Gold. Sowohl ihre Haar als auch ihre Augenfarbe, aber auch ihre Kleidung oder Schmuckwahl wird immer wieder auf diese Farbschemen zugesprochen. Die Farbe grün hatte in der Mittelalterlichen und Frühneuzeitlichen Ständegesellschaft allerdings unterschiedliche Formen. Grün galt als Farbe von Liebe und Hoffnung, aber auch Teufelsdarstellungen wird mit einem grünen Rock bekleidet gesehen. Fahle, blasse Gelb oder Grüne Farben waren soziale Randfiguren: Prostituierte, die jüdischen Stadtbewohner mussten den gelben Judenhut tragen oder einen kreisförmigen „gelben Fleck“. Goldgelb wiederum war dem Klerus vorbehalten.

Diese Legitimation wird später in Frage gestellt, als sie unter Anklage steht und von ihrem Onkel in Absprache mit den militanten Glaubensbrüdern zu einem Schandgang gezwungen wird.

Klerus und Orden

Eine weitere soziale Gruppe ist der Glaube in Westeros. Die zwei Religionen, die im Land dominierend sind ist der Glaube der Sieben und der Glaube an die Alten Götter, der sich im Norden erhalten hat. Wie in jeder Religion wird der Glaube der Sieben ist hierarchisch geregelt, je höher der Stand innerhalb der Kirche, desto aufwendiger die Kleidung, bis hin zur Kristallenen Krone des höchsten Amtsinhabers, des Hohen Septon, der in Königsmund residiert. Die einfachen Septone, die in der Bevölkerung den Glauben predigen, finden sich einfache Kleidung. Während der Bettelordern, der Spatzen, der militante Armut predigt, vor allem in Lumpen gekleidet sind um ihre Armut öffentlich zu zelebrieren.

Eine Besonderheit ist der Orden der schweigenden Schwestern. Ein nonnenähnlicher Ordnern, der vor allem für die Totensorge zuständig ist. Sie tragen grau und verhüllen sich vollständig, was ihren abgeschiedenen Status. Zudem sprechen sie nicht, was sie noch mehr zu sozialen Außenseitern macht.

Die zölibatären Krieger

Zwei Orden werden in den Büchern näher beschrieben. Die Nachtwache und die Königsgarde.

Die Nachtwache

Die Nachtwache ist ein Orden von Kriegern, die an der Mauer, der nördlichsten Grenze Westeros ewige Wache halten. Ihre Kleidung ist schwarz, weswegen sie von den Wildlingen auch als Krähen bezeichnet werden. Dienst in der Nachtwache bedeutet den Verzicht auf Land, Titel, Heirat und der Zugehörigkeit zu einer Familie. Aber Familien aus dem Norden des Landes schicken nach wie vor jüngere Söhne in diesen Orden, als teil von Tradition aber auch der Regelung von Erbangelegenheiten. Ihre Kleidung weißt vor allem auf ihre Rolle eines Ordens hin, der einer Tradition verbunden ist, aber keine Individualität kennt.

Die Westerosi selbst nehmen die Nachtwache vor allem als Soziale Randgruppe wahr. Verurteilte Verbrecher können, anstelle einer Todesstrafe in die Verbannung an die Mauer geschickt werden. Damit ist klar, dass die Nachtwache sich außerhalb der alltäglichen sozialen Gesellschaft befindet.

Die Königsgarde

Die Königsgarde oder auch „die weißen Brüder“ hingegen sind ein elitärer Verbund aus sieben der besten Krieger des Landes zum Schutz der Königsfamilie. Gekleidet in weiß sind sie das Gegenteil der schwarzen Nachtwache. Obwohl in den Büchern auch Krieger aus sozial niederen Familien genannt werden, versteht sich die Königsgarde vor allem als eine Auszeichnung für sozial Hochrangige Familien. So werden Namen wie Tyrell, Lannister, Hohenturm und Dayne genannt.

Wie die Nachtwache verzichtet auch die Königsgarde mit einem Gelübde auf Titel, Land und Ehe. Dennoch behalten die Mitglieder weitestgehend ihre individuelle Identität, da ihre Biografien in einem Buch gesammelt werden und sie ihren Familien zugeordnet werden.

Die Nichtfarben und deren Bedeutung

Die Farben der beiden Orden stehen sich gegenüber und als Nichtfarben haben sie auch eine symbolische Bedeutung. Schwarz als Farbe von Tod, Trauer und Nacht. Weiß hingegen die ist Farbe von Unschuld, Reinheit und Vollkommenheit.

Beide Orden erfüllen ähnliche Funktionen, sind aber durch ihre Farben mit unterschiedlichen Bedeutungen assoziiert und werden dementsprechend wahrgenommen. Obwohl ihre Farben einen symbolischen Charakter haben und dieser den jeweiligen Orden zugesprochen wird, ist in der Handlung klar, dass die Orden meist das genaue Gegenteil ihrer Assoziation sind.

Von Schweigenden Schwestern und gesichtslosen Männern

Kleidung kann eine Identität aber auch komplett eliminieren. SO die Orden, die unmittelbar mitd em Tod in Verbindung gebracht werden: Die Schweigenden Schwestern und die Gesichtslosen Männer.

Die Frauen des Fremden

Die schweigenden Schwestern sind ein nonnenähnlicher Orden, in dem die Frauen komplett in Grau gekleidet und verschleiert sind. ihre wichtigste Funktion ist die Totensorge: das Waschen, Aufbahren und Parfümieren. In dem Westerosi Glauben bringt der Anblick des Todes Unglück.

Die Schwestern nehmen Frauen und Mädchen aller sozialen Schichten auf. Vor allem aber ist es ein Rückzugsort für Witwen. Teilweise wird aber auch eine Frau zur Strafe zu den Schweigenden Schwestern geschickt.

Durch die Kleidung der Schwestern wird jede Individualität ausgeschlossen und die soziale Stellung ist nicht mehr zu kennen und Teil einer gesichtslosen Entität.

Die gesichtslosen Männer

Die Gesichtslosen Männer sind ein religiöser Orden der einen Totenkult aufgebaut hat. Sie dienen dem „gesichtslosen Gott“ indem sie Mordaufträge als Opfergabe an ihren Gott annehmen. Ungeachtet von sozialem Stand oder Bezahlung. Die Religion sieht den Gott der vielen Gesichter in jeder Religion.

Die Kleidung in Bravoos ist genau geregelt: die Priester tragen Kutten, in den nichtfarben Schwarz (rechts) und Weiß (links) mit einem Gürtel. Die Gehilfen der Priester tragen weiß rechts und schwarz links, aber keinen Gürtel. Während Novizen Schwarz weiße Roben mit einer schwarzen Tunika tragen. Die Diener des Ordens tragen ungefärbte Kleidung.

Keine Identität

Beiden Orden, die direkt mit Tod und Sterben assoziiert sind, kennen keine Identität mehr, da ihre Kleidung bereits darin angelegt ist. durch den Tod als schweigende, universelle Kraft werden die Vertreter dieser zu einer Gesichts- und identitätslosen Gestalt.

Bevölkerung – Die breite Masse

Der größte Teil der Bevölkerung von Westeros sind das „Smallfolk“. Die Bauern, Kaufleute, Händler und Handwerker in den jeweiligen Regionen, in denen sie leben. Aber wenig gibt es über sie zu sagen.

Die wichtigsten Quellen sind die Kapitel von Brienne von Tarth und Arya Stark. die Materialien und Qualität ihrer Kleidung ist im ersten Teil von „Eingekleidetes Westeros“ beschrieben. Die Vorstellung, dass die Bevölkerung aber nur in grau-braunen Lumpen herumlief dürfte nicht stimmen – da Kleidung Teuer in der Herstellung ist, wird sie regelmäßig ausgebessert. Die Färbetechniken von Stoffen sieht vor, dass Kleidung jeder Art gefärbt wurde. Meistens können Farbstoffe aus Pflanzen gewonnen werden, etwa Hölzern, Pilzen und verschiedenen Pflanzen und Mineralien.

So können Farben wie Grün, Gelb, Braun, matte Rot- oder Blautöne erzeugt werden. Je teurer und kostspieliger die Kleidung wird, desto höher der soziale Stand.

Fazit

Die Kleidung in Game of Thrones kommuniziert sehr viel über die sozialen Gefüge der Figuren und ihre Zuordnung – insbesondere durch Farben und Stile können Personen ihrem Sozialen Stand schnell zugeordnet werden, wobei Kleidung auch dafür sorgt, dass jede Individualität verschwindet. Vor allem bei religiösen Verbünden oder Kriegerorden.

Aber auch die Farben sorgen für eine eindeutige Assoziation einer Person oder Gruppe. So können intensiv gefärbte, Kleider den Status einer Adelfamilie anzeigen, während die Grauenroben der Schweigenden Schwestern diesen Status entziehen.

Quellen

Katrin Kania: Kleidung im Mittelalter. Materialien-Konstruktion-Nähtechnik. Ein Handbuch, Köln, Weimar und Wien 2010

Else Östergard: Woven into the earth, Aarhus Universitetsforlag 2004

A Wiki of Ice & Fire

https://www.mittelalterliche-kleidung.com/gewandungen-glossar/

5 Books for Fashion History Beginners

Ich liebe Modegeschichte, seit ich denken kann. Vieles davon kommt von den Märchenfilmen die ich als Kind geschaut habe und die Kostüme der Schauspieler gesehen habe. Und die Illustrationen in Märchenbüchern. Und irgendwann kamen dann neben Literatur auch Bücher über Modegeschichte zu und mein Bücherregal kann nicht voll genug davon sein.

Hier ist eine Liste, was für einen Einstieg hervorragend funktioniert.

Fashion. The definitive Visual Guide von DK (Autor), Caryn Franklin (Vorwort)

Einmal eine komplette Übersicht über die wichtigsten Abschnitte der Modegeschichte? Vom antiken Ägypten über Marie Antoinette zu Alexander McQueen und Chanel? Dann ist Fashion. The definitive Visual Guide ein guter Anfang, mit einer großen Bilder- und Fotoauswahl werden die wichtigsten Strömungen erklärt und zusammengefasst.

Achtung aber, der Schwerpunkt liegt auf westlicher Kleidung!

Geschichte der Mode vom 18. bis zum 20. Jahrhundert von Kyoto Costume Institute (KCI) (Herausgeber)

Dieses Buch der Modegeschichte wartet mit vielen schönen Bildern auf.  Mit einer Einführung in die wichtigsten Epochen. Eine absolute Empfehlung für jemanden, der sich in den Bereich Mode einlesen und einen Überblick gewinnen möchte. Allerdings wird hier Kenntnis von Stoffen und Schnitten vorausgesetzt. Jeder Epoche wird Rechnung getragen und ermöglichen es, die Fülle von Mode zu fassen.

Reading Fashion In Art von Ingrid E. Mida

Dieses Buch ist eine Mischung von Mordgeschichte und Kunstgeschichte. Aber Kleidung und Mode sind unerlässlich wenn wir uns mit ihr oder Kunst befassen. Wir lernen dabei eine ganze Menge über die Darstellung von Mode, die soziale Bedeutung und Mode als Kommunikationsmittel.  Reading Fashion In Art  ist eine Schritt für Schritt Anleitung um Kleidung in Kunst zu analysieren, mit Übungen zu Gemälden, Fotografien, Zeichnungen und Installationen.

Die ‘…in detail’ Reihe vom Victoria and Albert Museum

Wenn ich V&A lese, weiß ich, es kann nur gut sein. Das V&A Museum hat die „in Detail“ Reihe zur Mode des 18, 19. und 20 Jahrhunderts rausgebracht. Die Bände nehmen sich den leicht zu übersehenden Aspekten von Mode an wie Konstruktion, Abschlüssen, Knöpfen und Verschlüssen. Eine Reihe, die man immer wieder zur Hand nehmen kann. Ein Großteil der Bilder sind hochauflösend Online zu bestaunen.

Jedes Buch zur Modegeschichte vom V&A

Also falls man es noch nicht bemerkt hat, ich bin Fan des V&A. Sie stellen mit die besten Cofee Table Books für ihre Ausstellungen her. Und einige habe ich in meinem Besitz. Etwa Dior: Designer of DreamsAlice – Curiouser and Curiouser , Dior – A new Look, a New Enterprise, und Charles James Designer in Detail. Ein kleiner Tipp: als Paperback sind sie billiger und leichter zu tragen.

Meine Empfehlungen sind in diesem Falle etwas breiter und allgemeiner gehalten ohne in eine spezielle historische Richtung zu gehen oder einen bestimmten Designer zu nennen. Es gibt so viele unglaublich gute Bücher über Modegeschichte, nicht zu vergessen Biografien der wichtigsten Designer. Es gibt für jeden Aspekt der Modegeschichte, der einem am Herzen liegt.

Gibt es ein bestimmtes Buch, was ihr empfehlen würdet um sich in das Thema Modegeschichte einzulesen?