Jeanne d’Arc, die Schutzheilige der Popkultur

Die Sache mit Jeanne

Zum Todestag einer der wohl berühmtesten Frau der französischen Geschichte.

Warum kann die Popkultur nicht genug von der jugendlichen Märtyrerin bekommen, die ihr Land zum Sieg führte? Sie ist schon seit langem eine Figur, die in jeder Generation auf großes Interesse stößt und angesichts ihrer asketischen Ausstrahlung eine unwahrscheinliche Ikone darstellt.

Im 14. Jahrhundert in einer Bauernfamilie geboren, wuchs sie während des blutigen hundertjährigen Krieges zwischen England und Frankreich auf. Im Alter von dreizehn Jahren hatte sie göttliche Visionen, dass sie Frankreich zum Sieg führen würde. Ihr Glaube war so stark, dass sie den zukünftigen König Karl VII. kennenlernte und ihn davon überzeugte, sie bei der Belagerung von Orléans anzuführen, als sie erst siebzehn Jahre alt war. Es folgten weitere Siege, die zur Krönung des Königs im Jahr 1429 führten. Jeannes Ruf wurde zur Legende, verstärkt durch das furchteinflößende Bild eines jugendlichen Mädchens in Rüstung, das den Angriff anführte. Im folgenden Jahr wurde sie jedoch von den mit den Engländern verbündeten Burgundern gefangen genommen und wegen Hexerei, Ketzerei und Tragen von Männerkleidung vor Gericht gestellt. Im Jahr 1431 wurde sie auf einem öffentlichen Platz in Rouen auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Sie wurde 1920 von der katholischen Kirche als Schutzpatronin Frankreichs heiliggesprochen.

Jeanne d’Arc und die Popkultur

In der Vorstellung der Modewelt ist der Teenager, der eine französische Armee zum Sieg führte, zum Symbol für Unberührbarkeit geworden – amazonenhaft, androgyn, abwechselnd transgressiv und erotisch. Ihre Jugend ist Teil der Anziehungskraft, ebenso wie ihre Kleidung. Was ist heißer als eine Frau in einer Rüstung? In den letzten dreißig Jahren wurde sie häufig auf Laufstegen und in Leitartikeln zitiert. Jean-Paul Gaultier steckte sie 1994 in eine verzierte Rüstung und ein bäuerliches Korsett. Alexander McQueen huldigte ihr 1998 in einer Kollektion mit dem Titel „Joan“ auf unheimliche Weise. 2006 milderte John Galliano ihre harten Kanten ab, indem er ihr eine goldene Halbschale über schwungvolle Couture-Drapierungen legte.

Für die Popkultur wurde Jeanne sowohl zur Kriegerkönigin als auch zum Opfer des Patriarchats – die unbezwingbare Frau in Rüstung, die dafür bestraft wurde (obwohl man selten zugeben wird, dass Jeanne d’Arc solche Kleidung nicht nur aus Gründen der Bequemlichkeit oder des Pragmatismus oder sogar der Vorliebe trug, sondern auch wegen der allgegenwärtigen Bedrohung durch sexuelle Gewalt).

Oft ist sie mehr Archetyp als reale Person und reiht sich ein in Reihe berühmter Heldinnen und realer oder erfundener Figuren, die häufig als Muse herangezogen werden: Elizabeth I., Alice im Wunderland, Princess Di, Virginia Woolfs Orlando. Sie wird auf den Laufstegen von High-Fashion-Models verkörpert und neigt dazu, in diesen Kontexten sehr schön zu sein, wobei sie sich auf der weiblichen Seite der Androgynität aufhält. In dieser Hinsicht lehnt sie sich an eine visuelle Tradition an, die von den schwülen Gemälden der Präraffaeliten bis zu den vielen Schauspielern reicht, die sie auf der Leinwand gespielt haben, darunter Ingrid Bergman, Jean Seberg und Milla Jovovich, die mitreißende Reden halten, während sie in die Schlacht reiten und sich den männlichen Autoritäten stellen, die sie schließlich töten werden.

Bands wie O.M.D huldigten ihr in Synthie Pop, in der eine Frau mit rotem Mantel durch die schneeweiße Landschaft galoppiert und Leonhard Cohen setzte ihr ein lyrisches Denkmal absoluter Einsamkeit. Jeanne d’Arc ist Heldin, Heilige, Märchenfigur in einem.

Sogar in den japanischen Manga hielt Jeanne Einzug. Die Mangaka Arina Tanemura konzipierte ihre erfolgreichste Serie „Jeanne die Kamikazediebin“ (Kamikaze Kaito Jeanne) um die französische Nationalheldin. Hier wird im Shojo Stil Jeanne in Gestalt einer 16-jährigen Schülerin wiedergeboren und fängt Dämonen, die Sie in Schachfiguren bannt.

Es ist nach wie vor die beste und beunruhigendste Interpretation der Heiligen, mit Modellen in Kettenhemden und kirchlich inspirierten Stücken mit blutroten Kontaktlinsen war die Schau „Joan“ von Alexander McQueen. Das Finale zeigte eine einsame Figur in einem Feuerring, deren roter Perlenrock die Feuersbrunst widerspiegelte. Für McQueen war Jeanne eine faszinierende Figur, nicht nur wegen ihres Charismas oder ihrer maskulinen Kleidung, sondern wegen ihrer Überzeugung.

Jeanne – ein Opfer des Zeitgeist?

In Jeanne d’Arc: The Image of Female Heroism (1981) stellt die Wissenschaftlerin Marina Warner fest, dass das Bild der Jeanne d’Arc im Laufe der Jahrhunderte zu einer Chiffre geworden ist, die „sofort vor dem geistigen Auge präsent ist: knabenhafte Haltung, kurzgeschnittenes Haar, mittelalterliche Kleidung, Rüstung, ein Hauch von spiritueller Erhabenheit gemischt mit physischem Mut“. Warners zentrales Argument ist, dass jede Epoche und jede kulturelle Bewegung Johanna für ihre eigenen Zwecke umgestaltet hat, indem sie von ihr nahm, was sie brauchte.

Obwohl sie eine reale historische Figur ist, ist sie auch „die Protagonistin einer berühmten Geschichte in der zeitlosen Dimension des Mythos, und die Art und Weise, wie diese Geschichte erzählt wird, erzählt eine andere Geschichte“ Jeanne wurde von Feministinnen bis hin zu rechtsextremen Nationalisten als Patriotin, Mystikerin, heilige Jungfrau, Hexe und vieles mehr dargestellt. Sie wurde im Einklang mit unserem Verständnis von Sexualität und Geschlecht neu gelesen und reklamiert. In ihrer Biografie von 1936 deutete Vita Sackville-West an, dass sie lesbisch gewesen sein könnte. In einer Inszenierung des Globe Theaters in London wurde Jeanne als nicht-binär vorgestellt.

Die Mode neigt dazu, den Mut und die Kleidung zu nehmen und das Göttliche wegzulassen. Religiöse Visionen und Stimmen sind künstlerisch schwieriger umzusetzen, da sie eine relativ komplexe Auseinandersetzung mit Fragen der Theologie und Mystik oder des Wahnsinns erfordern. Das Märtyrertum ist ebenfalls heikel, aber es ist reizvoll, in einer Zeit, in der der öffentliche Diskurs von Debatten über Hexenjagden, Annullierungen und Schwarz-Weiß-Moral beherrscht wird, flüchtig darauf anzuspielen. McQueens Antwort zeichnet sich nicht nur durch ihre Tiefe, sondern auch durch ihre Trostlosigkeit aus. Es ist einfach zu sagen, dass man sich auf einen Märtyrer bezieht. Schicken Sie ein Model mit kurzgeschorenem Haar und Kettenhemd, und Joan taucht sofort in der Vorstellung auf.

Es ist gewagter, eine gewisse Affinität zu dem Glauben, der Marginalisierung, dem Fanatismus und der Verletzlichkeit zu suggerieren, die das Märtyrertum erfordert das ist die ultimative Schwierigkeit für jede historische Figur, die von der Modeindustrie aufgegriffen wird. Es liegt in der Natur der Modenschau, dass sie erzählerische Anker braucht – einen Ausgangspunkt, eine „Muse“, eine Reihe visueller und historischer Anhaltspunkte. Ist es nicht unvermeidlich, dass solche Figuren in einem Bereich, in dem es letztlich um die Herstellung und den Verkauf von Kleidung geht, hohl und klischeehaft werden – reduziert auf bloße Oberfläche? McQueen hat bewiesen, dass es auch anders geht; andere sind ihm gefolgt, und in der Zukunft wird es unweigerlich weitere geben.

Gods and Kings – Dana Thomas

In Gods and Kings Dana Thomas, author of Deluxe, tells the story of how John Galliano and Alexander McQueen changed the face of fashion

In the first decade of the 21st century the fashion world was dominated by two different but equally successful and turbulent figures. WIn the first decade of the 21st century the fashion world was dominated by two different but equally successful and turbulent figures. Within twelve months, Alexander McQueen had committed suicide, and John Galliano had professionally imploded. Who was to blame? And how was fashion changed by their rise and fall? Spanning the 80s, 90s and noughties, Gods and Kings tells the story of these two charismatic figures and times of great change in the world of fashion, from London’s raucous art and club scene to the old-world glamour of Parisian couture, and reveals the machinations of this notoriously secretive industry.

Klappentext

Am Donnerstagabend feierte John Galliano einen Triumph in Paris. Mit Artisanal, der Frühjahr/Sommer Kollektion 2024 für Maison Margiela hat John Galliano mit einem Schlag all das Zurückgeholt, was ich in den letzten Jahren an Mode schmerzlich vermisst habe: Das Gefühl, dass Mode uns Träumen lassen kann.

John Galliano ist ein Designer, über den man nur schwer sprechen kann. Er ist ein unvergleichliches Talent und kreatives Genie, das für einige der denkwürdigsten Kollektionen verantwortlich ist, die je gezeigt wurden. Er hat auch mit einigen Dämonen gekämpft und wurde „cancelled“, bevor dieser Begriff wirklich aufkam.

Seit seiner Entlassung bei Dior im Jahr 2011 ist es relativ ruhig um ihn geworden, auch nachdem er 2014 als Kreativdirektor zu Maison Margiela kam. Doch seit der Artisanal-Show 2024 von Maison Margiela am Donnerstagabend ist es mit der Zurückhaltung vorbei. Galliano ließ sich von dem ungarisch-französischen Künstler Brassaï und seinen voyeuristischen Fotografien des nächtlichen Paris inspirieren, was sich in der Kulisse der Show – unter der vom Vollmond beleuchteten Pont Alexandre III – ebenso widerspiegelte wie in den Figuren, die über den Laufsteg schritten, und in der Farbpalette der Kollektion.

Unter dem Eindruck dieser Show habe ich eines meiner Lieblingsbücher über die Modeindustrie der letzten 10 Jahres herausgeholt und erneut gelesen: Gods and Kings. Ein Buch, dass sich mit dem kometenhaften Aufstieg und olympischen Fall der wichtigsten Designer der 1990er und 2000er Jahre: John Galliano und Alexander McQueen.

Beide sind streitbare Personen. Insbesondere John Galliano ist für mich eine persönliche Herausforderung. Er ist ein Künstler seines Metiers. Aber zurecht wurde er 2011 wegen wiederholtem Antisemitismus gefeuert. Alexander McQueen ist ein nicht weniger kreativer, aber problematischer Designer gewesen.

Das Buch beschreibt alternierend den Werdegang der beiden Modedesigner. Dabei erhält man auch einen sehr guten Einblick wie das doch harte Modebuisness hinter den Kulissen das Leben der Designer prägen: der Druck innerhalb von sechs Monaten eine neue Kollektion zu entwerfen. Und dabei nicht nur eine: Haute Couture, Ready to wear, Cruise… die Liste wächst und wächst. Dabei ist das Ganze nicht reißerisch sondern sehr gut recherchiert.

Beide Designer, kamen nicht aus einem klassischen Bürgerlichen Hintergrund, sondern aus der Arbeiterklasse, was sie beide zu Außenseitern machte. Insbesondere Alexander McQueen litt unter vermeintlichem oder echtem Getuschel über ihn.

Gods and Kings ist eine hervorragende Chronik über das Leben zweier Modesuperstars und den Tribut, den es für ihr Leben forderte. Als Wunderkinder für ihre Visionen und handwerklichen Fähigkeiten anerkannt, wuchsen sie nie über ihren Ruhm hinaus, um ihre persönlichen Dämonen zu beruhigen. McQueen brachte seine zum Schweigen, indem er Selbstmord beging, und Galliano implodierte sozial, wie beruflich.

Ihre Geschichten sind interessant, weil sich ihre Lebenswege in der Schule auf einem ähnlichen Weg zu Ruhm und Erfolg kreuzten. Sie stürzten zur gleichen Zeit ab, wobei Galliano mehr oder weniger aufrecht blieb. Es hinterließ bei mir den Eindruck, dass wahre Kreativität zwar ein wenig verrückt ist, aber auch zerstört, wenn sie völlig verrückt ist, was im Fall dieser beiden Männer sicherlich der Fall war. Alles in allem ein interessantes Buch.

Und nun 10 Jahre später scheint Galliano eine Renaissance zu erleben.

  • Herausgeber ‏ : ‎ Penguin (4. Februar 2016)
  • Sprache ‏ : ‎ Englisch
  • Taschenbuch ‏ : ‎ 432 Seiten
  • Preis : 13,16 €

Get a Life! – Vivienne Westwood

Vivienne Westwood began Get A Life, her online diary, in 2010 with an impassioned post about Native American activist Leonard Peltier. Since then, she has written two or three entries each month, discussing her life in fashion and her involvement with art, politics and the environment.

Reading Vivienne’s thoughts, in her own words, is as fascinating and provocative as you would expect from Britain’s punk dame – a woman who always says exactly what she believes. And what a life! One week, you might find Vivienne up the Amazon, highlighting tribal communities‘ struggles to maintain the rainforest; another might see her visiting Julian Assange in the Ecuadorian Embassy, or driving up to David Cameron’s house in the Cotswolds in a full-on tank. Then again, Vivienne might be hanging out with her friend Pamela Anderson, or in India for Naomi Campbell’s birthday party, or watching Black Sabbath in Hyde Park with Sharon Osbourne.

The beauty of Vivienne Westwood’s diary is that it is so fresh and unpredictable. In book form, generously illustrated with her own selection of images, it is irresistible.

Inhaltsangabe

Vivienne Westwood war viel: Punkikone, Klimaaktivistin, Modeschöpferin, Ehefrau und Mutter. In „Get a life“ öffnete sie ihr Archiv – Notizen und Tagebucheinträge. Das Buch ist schön gebunden, illustriert, mit vielen Grafiken, Slogans und Fotos.

Ich hatte das Gefühl, Vivienne Westwood ist im Raum und redet. Und wir sehen wie sich die Stimme im Laufe der Jahre ändert. Von den knappen, pragmatischen Texten der 1970er Jahre, Ausführungen von Mode, Kunst und Literatur hin zu elaborierten Gedanken der Klimabewegung, der sozialen Umbrüche und ihr Versuch die Welt zu verstehen.

Sie ist die Designerin, die eine einzigartige Sichtweise auf die Welt hatte, die sie durch ihre Kunst, Stoff, und ihren Aktivismus, der ihrer Zeit voraus war, zum Ausdruck brachte.

Ihre Liebe zu Kunst und Mode ist wunderschön beschrieben. Ihre Botschaft zum Klimawandel hat meine eigenen Gewohnheiten in Frage gestellt

The Costumes of Downton Abbey – Emma Marriot

An Official Companion to the Downton Abbey Films and TV SeriesAn exclusive inside look at the intricate and glamorous costuming of the popular PBS series, with complete historical detail and beautiful imagery.

An inside look at the intricate costuming of the popular PBS series, including character costume choices and the historic fashion trends characteristic of the aristocracy during the Edwardian era.

Appealing to Anglophiles, costume and sewing aficionados, and fans of the hit series, The Costumes of Downton Abbey presents—with comprehensive historical detail and beautiful imagery—the design decisions and wardrobe intricacies that shaped the glamour and elegance of the characters of Downton Abbey.

Featuring the fashion of both upstairs and downstairs cast members, this title explores the unique daytime, evening, special occasion, and wedding wardrobes that led to a 2011 Emmy and several Emmy nominations for Outstanding Costumes for a Series. Detailed photographs, fan-favorite stills from the television series, and designer notes and insights make this a delightful and informative guide to the role costumes played in the character portrayal, story development, and art direction of the series.

Inhaltsangabe

Ich habe nicht gezögert, dieses Buch zu kaufen, weil es so teuer war und weil es keine Bilder vom Inneren des Buches gab. Ich bin einfach ein Fan der Serie und ich bereue es nicht, dieses Buch bestellt zu haben.

Es ist sehr umfangreich, mit vielen detaillierten, vollfarbigen Bildern. Es befasst sich mit jeder Figur, sowie mit verschiedenen Ereignissen und anderen Elementen. Von Entwürfen, über Materialien und Schnitten, sowie der Entwicklung der Garderobe in der Handlung wird alles abgedeckt.

Natürlich ist es bei so vielen Charakteren/Kostümen unmöglich, alles unterzubringen, aber die Autoren leisten gute Arbeit, wenn es darum geht, wie die Kostüme verwendet wurden, um Charaktere/Settings/Handlungen zu etablieren.

Es enthält eine Menge toller Farbfotos von Kleidung und Accessoires aus der Serie – nicht nur Fotos der Darsteller, sondern auch Design-Skizzen und Fotos derer, die einige der Looks beeinflusst haben. Viele Beschreibungen und Informationen über die Mode.

Das Buch deckt jede Staffel der Fernsehserie und beide Filme ab. Es ist ein Muss für Downton-Fans, für Leute, die sich für historische Kostüme interessieren, für Leute, die sich für Mode interessieren (vor allem die 1920er Jahre).

Warum kleiden wir uns für Silvester?

Ab und zu ist es schön, die Jogginghose und das bequeme Shirt gegen ein bisschen Lametta und Glitzer zu tauschen. Aber haben Sie sich schon einmal gefragt, warum wir alle Register ziehen, um das neue Jahr einzuläuten? Die Geschichte des Mode zu Silvester ist interessant und führt uns über alle möglichen Umwege zu unseren auffälligen Pailletten und kilometerlangen falschen Wimpern. Von der Verkleidung in Kuhhäuten bis zum Anziehen von weißem Nerz, bevor der Wecker klingelt, haben sich die Menschen seit Tausenden von Jahren für diesen Anlass herausgeputzt.

Die Perlenstickerei und die teuren Kleider sind nur unsere eigene Interpretation in der Zeit, in der wir leben. Es ist nichts Neues, sich zu Beginn eines neuen Jahres herauszuputzen. Im Folgenden erfahren Sie, warum wir uns zu Silvester in Schale werfen – fühlen Sie sich mit den Legionen von Menschen verbunden, die vor tausend Jahren das Gleiche taten wie Sie.

Wie alles begann

Bevor man die Lametta-Version versteht, muss man die heidnische Version verstehen. Man nimmt an, dass die Schotten eine der ersten Gruppen waren, die Silvester feierten, und dass ihre Variante „Hogmanay“ genannt wurde. Und so wie man für eine große Feier eine Perlenkette auf dem Bett ausbreitet, so kleideten sie sich für das Ereignis, indem sie Rinderhäute anzogen. Menschen trugen Rinderhäute und entzündeten Lagerfeuer, wobei das Feuer symbolisch für die Reinigung des Gemenschaft und des Dorfes steht. Noch heute gibt es in Teilen Deutschlands ähnliche Versionen wie die Perchtläufe, in der Frau Perchta mit ihrem Gefolge durch das Dorf zieht.

Während sich die Schotten mit Fellen schmückten, feierten die Römer ihren Vorabend mit einem Bankett Als der heilige Bonifatius, ein Missionar aus England, im Jahr 742 Rom besuchte, war er entsetzt über das Ausmaß der Feierlichkeiten. Die Menschen tanzten auf den Straßen, die Tische waren mit Speisen und Getränken überladen, die Leute sangen in betrunkenem Zustand, und die Frauen trugen Amulette um den Hals, die sie dem Meistbietenden zum Kauf anboten.

In anderen Kulturen – wie im alten Babylon – wurde die Zeit zwischen dem alten und dem neuen Jahr als ein Kampf zwischen Chaos und Ordnung angesehen. Während die beiden miteinander kämpften, wurden die Regeln und die Ordnung umgekehrt, und die Menschen verkleideten sich, um diese Zeit zu markieren, bis die Kontrolle um Mitternacht wiederhergestellt war.

Neuere Traditionen

Spulen wir ein paar Jahrtausende zurück, und der neuere Aberglaube erklärt vielleicht, warum wir das Bedürfnis haben, in unseren besten und glitzerndsten Kleidern den Countdown bis Mitternacht zu zählen.

Für viele galt Neujahr als ein neuer Anfang. Aus diesem Grund begannen viele Menschen gerne so, wie sie es vorhatten, weiterzumachen. Viele Bräuche, Traditionen und Aberglauben sind mit dem gemeinsamen Glauben verbunden, dass das, was man in der Silvesternacht oder am Neujahrstag tut, den Ton oder das Muster für das kommende Jahr vorgibt.

Nach britischem Volksglauben durfte man zum Beispiel am 1. Januar nicht einmal Schmutz aus dem Haus fegen, da sonst die Gefahr bestand, dass man sein Glück wegfegt. Man durfte nur neue Dinge ins Haus bringen, um den Reichtum des kommenden Jahres zu garantieren.

Die 1800er brachten große Partys

Vor dem späten 19. Jahrhundert war Silvester eher eine Familienangelegenheit, bei der die Menschen zu Predigten gingen und das vergangene Jahr Revue passieren ließen. Doch als wir uns dem Goldenen Zeitalter näherten, verdrängten Partys mit Krachmachern und Wunderkerzen diese stillen Besinnungen der Erneuerung.

Da immer mehr Menschen in die Großstädte zogen, wollten sie die Kirchenbänke gegen Partys tauschen. Und das taten sie auch. In einem Artikel der Washington Post vom 1. Januar 1916 heißt es:

„Die New Yorker gaben sich heute Abend dem Feiern und Lärmen hin. Die fröhlichste Silvesternacht aller Zeiten“

so das Urteil derer, die die Geschichte des Broadway und anderer Straßen, in denen die weißen Lichter brennen, genau kennen. Eine halbe Stunde bevor das Glockenspiel der alten Trinity das Jahr 1916 offiziell ankündigte, kündigten das Läuten der Kirchenglocken, das Kreischen der Pfeifen von Fabriken, Fähren und Schiffen aller Art und das Getöse unzähliger Blechhupen das Herannahen von Mitternacht an. Je näher die Stunde rückte, desto lauter wurde das Geschrei.

Mit der Elektrifizierung der Städte wurde das Nachtleben durch eine umfassende Straßenbeleuchtung, die Beleuchtung verschiedener Vergnügungsstätten und elektrische Straßen- und U-Bahnen möglich, die es den Menschen ermöglichten, sich effektiv in den Städten zu bewegen.

Schließlich begannen die Amerikaner, die Uhrzeit genau zu verfolgen: Sie trugen Taschenuhren, füllten ihre Häuser mit Uhren und schmückten ihre öffentlichen Gebäude mit immer größeren Uhren und lauteren Glocken. So wurde der Countdown bis Mitternacht – bis zum exakten Zeitpunkt der Ankunft des neuen Jahres – zu einem sehr aufregenden Moment, in dem eine von Uhren besessene Öffentlichkeit ihre neue Orientierung an der genauen und präzisen Zeit in die Tat umsetzen konnte. Mit dieser Vorfreude im Hinterkopf bildete sich eine neue Partykultur heraus.

Das Nachtleben verwandelte Silvester in eine Modenschau

Und da immer mehr Restaurants üppige Bankette veranstalteten und in den Clubs Shows mit Cocktails und Tanz stattfanden, war Silvester nun nicht mehr nur ein besonderer Anlass, sondern die größte Party des Jahres – was sich auch in der Kleidung der Menschen widerspiegelte.

Viele Silvesterpartys wurden von Clubs, Restaurants und Hotels gesponsert. Sie beinhalteten mehrgängige Mahlzeiten, Champagner und Tanz zu Musik, die von einem Orchester gespielt wurde. Je näher Mitternacht rückte, desto mehr Lärm wurde gemacht, und um Punkt Mitternacht wurden Küsse ausgetauscht und Trinksprüche ausgesprochen“, erzählt sie. Und die Veranstaltung wurde noch spezieller, als sich der ganze Saal in Schale warf.

Aber wenn man nicht zu einem Bankett gehen wollte (oder sich die Eintrittskarte nicht leisten konnte), gab es immer noch zahlreiche Feste, die zu Hause veranstaltet wurden. Von der königlichen Gesellschaft bis hin zu Wohnungseigentümern in bescheidenen Häusern mussten alle in ihren besten Kleidern erscheinen. Andere Leute begannen, Partys zu Hause zu veranstalten und ersetzten die Orchester oft durch das Radio. Radiosender übertrugen aus Veranstaltungsorten und veranstalteten Silvester-‚Tanzpartys‘.

In der Washington Post vom 3. Januar 1909 beschrieb Page Six die Outfits bei einer viel besprochenen Silvesterparty in einem der Häuser der Prominenz.

Eine Silvesterparty wurde von Mrs. J. Ellen Foster, Miss Pierce und Miss Hellen Varick Boswell aus New York veranstaltet. Mrs. Foster trug ein Kleid aus schwarzer Fadenspitze über cremefarbenem Satin und Chiffon, mit vielen Verzierungen. Miss Pierce trug ein Pariser Kleid aus rosafarbener und bronzefarbener Chiffonseide, mit Applikationen aus Indescents. Miss Boswell trug ein Empire-Kleid aus schwarzem Chenille-Netz, das mit goldenen Stoffen besetzt war.

Und von da an wurden Glanz und Glamour nur noch größer. Es reichte nicht mehr aus, einfach das übliche Freitagabendkleid anzuziehen; die Leute mussten alle Register ziehen. In einem Artikel der New York Times vom 3. Januar 1923 wurde über einen Schmuckdiebstahl berichtet, der einer Partygängerin auf dem Heimweg nach den nächtlichen Festivitäten passiert war. Und die Menge an Glitzer, die gestohlen wurde, zeigt, wie sehr sich die Leute für diesen Anlass herausgeputzt haben.

Mrs. Irene Schoellkopf, Frau von C.P. Hugo Schoellkopf, einem Fabrikanten aus Buffalo, wurde am frühen Montagmorgen nach einer Silvesterparty in einer Wohnung in der 64 West Fifty-second Street, zwischen der Fifth und der Sixth Avenue, überfallen und ihres Schmucks im Wert von 500.000 Dollar beraubt.

Von Kuhfellen bis hin zu Glitzer im Wert von einer halben Million – wir hatten schon immer das Bedürfnis, uns für den Jahreswechsel in Schale zu werfen. Möge das diesjährige Outfit dieser langen Geschichte Ehre machen.

Andrew Wilson- Alexander McQueen. Blood beneath the Skin

Hinweis: diese Rezension beinhaltet Suizid, Drogenmissbrauch und psychische Erkrankungen. Sollte das jemanden triggern bitte nicht weiterlesen.

When Alexander McQueen committed suicide in February 2010, aged just 40, a shocked world mourned the loss of its most visionary fashion designer.

McQueen had risen from humble beginnings as the youngest child of an East London taxi driver to scale the heights of fame, fortune and glamour. He designed clothes for the world’s most beautiful women including Kate Moss and Naomi Campbell. In business he created a multi-million pound luxury brand that became a favourite with both celebrities and royalty, most famously the Duchess of Cambridge who wore a McQueen dress on her wedding day.

But behind the confident facade and bad-boy image, lay a sensitive soul who struggled to survive in the ruthless world of fashion. As the pressures of work intensified, so McQueen became increasingly dependent on the drugs that contributed to his tragic end. Meanwhile, in his private life, his failure to find lasting love with a string of boyfriends only added to his despair. And then there were the dark secrets that haunted his sleep.

Inhaltsbeschreibung

Ich gebe zu, dass ich vor der Lektüre dieses Buches nur Eckdaten über Leben von Lee Alexander McQueen wusste. Ich bin niemand, der seine unkritisch Arbeit verehrt, aber sie zählt zu den wichtigsten der modernen Mode – fast einzigartig könnte sie alle Funktionen erfüllen und den Rang von bildender Kunst erreichen. Nicht zuletzt widmete das V&A und das MET McQueen Ausstellungen und beide Häuser sind im Besitz zahlreicher Arbeiten. Und ich war neugierig auf die Figur hinter der Gestalt „Alexander McQueen“ – den Privatmann, den seine Freunde Lee nannten.

Für mich war der Widerhall des gesamten Buches ein sehr kreativer Mensch, der mehr als ein problematischer Mensch war, dem aber alle um ihn herum dieses Verhalten „verziehen“ haben, weil er so war, wie er war.

Der Mythos Alexander McQueen

Das Buch wurde von seiner Kindheit bis zu seinem frühen Tod geschrieben. Es schildert das Leben eines Mannes mit Talent, Tatendrang, künstlerischer Selbstüberzeugung und einem Workaholic, der bis in die Nacht hinein arbeitete. Und das Buch zeigt ein Leben in Extremen. McQueen war ein sensibler und schüchterner Mann der, wie die meisten von uns, sowohl zu außergewöhnlicher Liebe und Großzügigkeit fähig war, als auch ein grausamer Tyrann gegenüber seinen Partnern und Arbeitskollegen.

Das Buch schildert eines deutlich: McQueen war nicht in der Lage, die Gefühle anderer zu verstehen. Es war ihm unmöglich, gesunde Beziehungen zu führen und aufgrund seines geringen Selbstwertgefühls und seines Drogenmissbrauchs hatte er ernsthafte Vertrauensprobleme. Sein lebenslanges Gewichtsproblem, dass er teils mit radikalen Diäten zu bekämpfen versuchte, trug wenig zu seinem Selbstwertgefühl in einem Arbeitsumfeld bei, dass von Äußerlichkeiten, Frivolität und Schönheitsidealen lebt.

Isabella Blow

Die wohl wichtigste Figur in McQueens kreativer Wirkung war die Modejournalistin Isabella Blow, die McQueen einmal als eine Mischung aus Herzogin und Fischverkäuferin bezeichnete. Seine Beziehung zu Isabella Blow war der interessanteste Part, denn obwohl sie aus sehr unterschiedlichen Verhältnissen stammten, waren sie sich sehr ähnlich. Im Bezug auf ihren modischen Scharfsinn und kreative Ausdrucksweise, aber auch im Bezug auf ihr geringes Selbstwertgefühl, ihr destruktives Verhalten und ihre psychischen Probleme. Und obwohl Alexander McQueen sich damals bereits von ihr distanziert hatte, traf Blows Selbstmord ihn schwer.

Blow spielte eine wichtige Rolle bei der Förderung der großen, kreativen Köpfe der Modebranche. Die nach ihr benannte Isabella Blow Foundation, fördert bis heute junge Talente.

Was von McQueen übrig blieb

Jedes Kapitel stand für eine Periode mit interessanten Interviews, die Andrew Wilson über diese Zeit geführt hat. Alle Freunde von McQueen verschmolzen in meinem Kopf miteinander, ebenso wie seine Kollegen. Seine Liebe zur Landschaft, zum Meer, zu den schottischen Familienwurzeln und zu seiner Hunde floss in sein Werk ein, stand aber gleichzeitig im Widerspruch zu einer städtischen Existenz, die in rasendem Tempo geführt wurde.

Aber ich hatte das Gefühl, dass über bestimmte Themen geschwiegen wurde. Es gab viele Aussagen von Menschen aus seinem Umfeld, dass er sich gefangen fühlte oder unter großem Druck zu stehen schien. Andere sagten, dass sie ihrem ärgsten Feind den Erfolg in der Modebranche nicht wünschen würden. Warum genau?

Es mag daran liegen, dass viele Weggefährten von McQueen noch leben und das Andenken an McQueen und ihre Profession schützen wollen, ebenso wie die Tatsache das Familie und Freunde natürlich ein ganz bestimmtes Bild vermitteln wollten. Sein kometenhafter Aufstieg führte gleichzeitig zu einem Fall ins Bodenlose, auf Euphorie folgten Phasen tiefster Depressionen.

Er beging Selbstmord. Das ist bitter und schlimm. Aber nach diesem Buch hatte ich keine Kraft für Mitleid mit diesem Mann, außer dass er diese Erde in einem relativ jungen Alter verlassen hat.

Herausgeber ‏ : ‎ Simon + Schuster Inc.

Erscheinungsdatum: 10. März 2016

Sprache ‏ : ‎ Englisch

Taschenbuch ‏ : ‎ 400 Seiten

Preis: 8,39 €

Hinweise:

Telefonseelsorge zur Suizidprävention

Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung – Sucht & Drogenhilfe

Am Anfang steht das Fell

Denken wir an Mode, drängt sich automatisch die Kleidermode auf. Die Trends die uns in regelmäßigen Abständen von Zeitungen, Online-Portalen und Influencern gezeigt werden. Doch die Ursprünge von Kleidung und Mode, ist weitaus mehr und liegt in den Anfängen der Menschheitsgeschichte. Warum sollte man sich überhaupt mit Mode beschäftigen? Weil Mode viel mehr über uns aussagt, als wir zuerst meinen.

Kleidung – Von der Notwendigkeit zum Statussymbol

Kleidung gehört neben Nahrung und Obdach zu den Grundbedürfnissen des Menschen. Sie erfüllt eine Schutzfunktion vor Kälte, Wind und Regen, schützt vor Verletzungen, im Verkehr oder im Sport. Jedoch kann man Bekleidung, die rein Funktional ist und Mode, die eher Selbstdarstellung oder den sozialen Status Ausdruck vermittelt, unterscheiden.

Vor ca. 130 000 Jahren hängten sich Menschen zum Schutz Tierfelle um den Körper, um sich vor Kälte zu schützen. Auch die erste bearbeitete Kleidung der Steinzeit (ca. 35 000 Jahren), bestand aus dem Fell erlegter Tiere sowie aus Pflanzenfasern oder Baumrinden. Bereits in der frühen Steinzeit begannen Menschen Kleidung in verschiedenen Formen, Farben und mit Mustern herzustellen was vermutet, dass Kleidung mehr Zwecken diente als den Schutz vor Witterung. Historiker gehen davon aus, dass schon von Anfang an ein besondere Felle auch als Schmuck oder Auszeichnung gedient hat. Kleidung signalisierte sehr früh etwas über die Stellung in der Gemeinschaft. Die Textilien und Kleidung der Steinzeitmenschen wurden mit Gürtel, Knöpfen und Hüten kombiniert. Somit bestand auch die Eitelkeit und die soziale Ordnung und nicht ausschließlich die Nützlichkeit bereits in den Anfängen der Kleidung.

Durch die Nähnadel revolutioniert

Für den Modehistoriker James Laven ist die Erfindung der Nähnadel einer der bedeutendsten technologischen Fortschritte der Menschheitsgeschichte. Diese bestanden aus Knochen oder Fischgräten. Erste Funde gehen bis in die Jungsteinzeit zurück und auch das Weben und Spinnen von Fasern. Hochkulturen wie die ägyptische Kultur im Nildelta, die griechische und römische Antike beeinflussten die Mode in Europa weit bis in das 20. Jahrhundert.

Die gesellschaftliche Macht der Mode

Mode leitet sich vom lateinischen Wort modus ab, was so viel bedeutet, wie Maß, Art und Weise oder Zeitgeschmack. Das Wort Mode taucht ab dem 15. Jahrhundert in Frankreich als Beschreibung der neuesten Bekleidungsform auf. Die wichtigsten Merkmale der Mode sind immer die Silhouette, die Farbe und die Materialien. Am auffälligsten ist die Silhouette, wie die Form und Länge des Rockes, das Oberteil mit bestimmten Ärmeln und auch die Körperhaltung, die durch die Kleidung angenommen wurde.

Die Mode beeinflusst nicht nur die Kleidung, sondern das ganze Erscheinungsbild, Verhalten und die Lebensumwelt. Dem „Diktat der Mode“ unterwerfen sich die meisten Menschen bewusst oder unbewusst. Das spricht für die Macht, die Mode auf eine Gesellschaft ausübt, indem sie entweder soziale Schichten abgrenzte oder Schönheitsideale vorgab.

Mode in Epochen

Bis zur Romanik unterschied sich die Frauen- und Männerkleidung nur geringfügig. Erst im 14. Jahrhundert begann man Schnitttechniken zu entwickeln, wodurch die Kleidung unterschiedlicher wurde. Gleichzeit begannen auch Reiseunternehmungen neue Eindrücke und Stoffe aus China, Vorderafrika und später dem amerikanischen Kontinent modische Einflüsse mitzubringen.

Fashion Eras I love: 1950s

Die 1950er sind beinahe ein Mythos der Modegeschichte. Nach der stoffsparenden, pragmatischen Mode der 1940er schwelgte Europa und die USA in extravaganten Stoffen und Schnitten. Das letzte Jahrzehnt der Grandezza und dem Schwelgen in Eleganz und Stoffen.

Gleichzeitig sind die 1950er Jahre das Jahrzehnt, in der Mode immer bequemer und lockerer wurde. Insbesondere durch amerikanische Filme und Lebensweise, die sich in Europa etablierte.

Cocktailkleid und Tiki-Party

Obwohl es für Frauen zunehmend akzeptabel wurde, zu bestimmten Anlässen Hosen zu tragen, tendierte die Modestimmung in den fünfziger Jahren insgesamt zu Weiblichkeit und Förmlichkeit. Dies gilt insbesondere für die Abendmode, als das Cocktailkleid in der Öffentlichkeit eingeführt wird. Weniger formell als das bodenlange Abendkleid aber eleganter als Tageskleidung. Diese Kleider, die zu den neuen Cocktailpartys getragen wurden, hatten die Länge eines Tageskleides, waren stilistisch eher an einem Abendkleid orientiert. Populär wurden auch Mottopartys wie etwa die Tikiparty, basierend auf polynesischer, ozeanischer und hawaiianischer Popkultur – Gartenfackeln, bunte Cocktailschirmchen, tropische Blumenmuster und der Mai Tai.

Schwelgen in Haute Couture

Bei der formellen Abendgarderobe blieb das Kleid mit vollem Rock während des gesamten Jahrzehnts die Mode, auch wenn Etuikleider und figurbetonte Kleider populär wurden. Das relativ neue trägerlose Mieder war besonders beliebt.

Quelle: Pinterest

Doch obwohl der Look allgegenwärtig war, war er nicht der einzige, der in den fünfziger Jahren an Bedeutung gewann. Tatsächlich entwickelten sich im Laufe der Zeit in der 50er Jahre Mode zwei Strömungen: der volle, schwingende Rock und ein gerader, eleganter Bleistiftrock.

Im Laufe der 50er wurde diese Auswahl vielfältiger. Auch da Couturiers wie Christóbal Balenciaga, Charles James und Hubert de Givenchy andere Silhouetten einführten. Die Mode wurde weniger strukturiert und geradliniger. Chanel und Dior entwarfen Kostüme, die weniger formell waren sondern sich an der Figur von Frauen orientierten. Givenchy führte das Etuikleid ein und Balenciaga Chemise-Kleider, mit der von ihm bevorzugten, schwingenden Silhouette.

Das Kostüm

Es wäre aber auch falsch zu glauben, dass Mode nur rein repräsentativ sein konnte. Die 1950er Jahren brachten nämlich auch eine zunehmende Kultur mit sich, die in den 1920er Jahren bereits begonnen hatte. Frauen wurden in Berufen sichtbar – zum Teil aus Not heraus, da Ehemänner im Krieg geblieben waren, aber auch, weil Berufstätigkeit für Frauen erstrebenswert wurde. Nach wie vor allerdings schieden viele Frauen nach der Heirat aus dem Berufsleben aus.

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Auch wenn in den 1930er und 1940er Jahren Frauen als Arbeitskräfte ebenso beschäftigt waren, wurde in den 50er Jahren das optische Bild dazu geschaffen: Das Kostüm. Ein zweiteiliges Kleidungsstück bestehend aus Rock und Jacke, angelehnt an die klassische Herrenschneiderei und den Uniformen der 1940er. Die Sekretärin, Bürokraft, Verkäuferin, Flugbegleiterin, Lehrerin – das Kostüm war ein perfekte Ergänzung in nahezu jedem, damals für Frauen typischen Beruf.

Sportlich-casual

Während Designer wie Dior, Balenciaga und Charles James wunderschöne Couture-Stücke kreierten, hielt die Begeisterung für Sportbekleidung an. Für Männer und Frauen. James Dean und Elvis Presley avancierten zu Superstars der Jugendlichen.

Die amerikanische Designerin Claire McCardell, die in den 1940er Jahren berühmt wurde, produzierte weiterhin ihre beliebten Wickelkleider. Während die Mode in den 1950er Jahren insgesamt auf Eleganz setzte, wendeten sich junge Frauen sportlichen und weniger formellen Designs wie denen von McCardell zu, wie dem Sommerkleid und dem Badeanzug. Eines der vielleicht dauerhaftesten Bilder der Alltagsmode der fünfziger Jahre ist der Tellerrock. Dieser einfache Bahnenrock wurde mit engen Twinsets, Pullovern oder Blusen kombiniert und obwohl sie viel lässiger waren als die Haute Couture aus Paris, folgten diese Kombinationen der Idee des New Look mit einer definierten Taille und einem vollen Rock. Beliebt wurden zur Mitte der 1950er Jahre auch Capri-Hosen für Frauen – in knie- oder wadenlänge mit seitlichem Schlitz. Populär machte diesen Look Audrey Hepburn,als Gesicht einer jungen, modernen Frau.

Stilvolle Kleidung & Filmstars

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Unabhängig von der Tageszeit war es in diesem Jahrzehnt außerordentlich wichtig, dass eine Frau tadellos gekleidet war. Das bedeutete perfekt gepflegtes Haar, makelloses Make-up und passende Accessoires: Hut Handschuhe und passende Handtasche. Dies wurde durch die glamouröse Modefotografie der Zeit gefördert. Und nicht zuletzt weil Designer zunehmend auch Popstars ihrer Zeit wurden und in Sachen Stil und Mode Tipps gaben. Christian Dior veröffentlichte seinen Stilratgeber ebenso wie die Hollywood-Designerin Edith Head. Schauspielerinnen wie Grace Kelly, Audrey Hepburn und Marilyn Monroe wurden zu Stilikonen der 50er Jahre. Nicht zuletzt weil Hollywood den Wunsch nach Haute Couture bediente und Schauspielerinnen in abgeänderten Entwürfen von Designern zeigte. Zeitschriften, Schallplatten und Sonderartikel bedienten den Wunsch es Stars in Hollywood gleich zu tun.

Fashion Eras I love: 1940s

Mode in den 1940er Jahren. Aus irgendeinem Grund ist sie gerade im Vintage und Retro Bereich sehr beliebt geworden. Insbesondere die Mode der ersten Hälfte der 1940er Jahre. Diese ist überschattet von dem II. Weltkrieg. Daher ist es verwunderlich, denn die originale Fotos der Zeit zeigen Männer und Frauen hauptsächlich in ihren Uniformen und wenn nicht, dann ist klar zu sehen dass Mode durch Rationierung nicht gerade übermäßig raffiniert ist. Mode wurde vor allem in dieser Zeit in Heimarbeit gefertigt. Magazine und Bücher, ebenso Textile Beispiele geben darüber Aufschluss. Nach dem Krieg lanciert Christian Dior 1947 den Stil, der als New Look bezeichnet wurde. Eine sehr feminine Silhouette, mit weiten schwingenden Röcken und enger Taille, während die Kleidung der von Männern und Kindern durch die sportliche Lässigkeit zunehmend amerikanisiert wirkt.

Das Ende der 1930r Jahre ist der Anfang des II. Weltkrieges. Und genau wie der I. Weltkrieg in den 1910er Jahren, Hatte der II. Weltkrieg einen großen Einfluss auf die Entwicklung der Mode in der ersten Hälfte der 1940er Jahre, und sogar über sein Ende hinaus. Frankreich, das Vereinigte Königreich und die Vereinigten Staaten hatten bereits etablierte Modeindustrien, die von dem II. Weltkrieg beeinflusst wurden. Nach dem Krieg, wurden diese durch Christian Diors New Look Wiederbelebt.

Anfang der 1940er war Frankreich bereits etabliert als das Zentrum für Damenmode. Allerdings wurde im Juni 1940 Paris von den Deutschen Kräften besetzt und diese Besatzung blieb bis 1944. Obwohl diese zu einer Abwanderung der Pariser Couturiers führt, blieben einige in Paris und gingen weiter ihrem Beruf nach. Aber da Paris von den USA und dem UK abgeschnitten wahr, fand kein genauere Austausch zwischen den drei Ländern statt, so dass diese Designs sich vergleichsweise unterschieden. Die Schnitte waren schwingender und weiter, als zu vergleichsweise geradlinigen Konzepte mit einem glatten Rock die in den USA und dem Vereinigten Königreich vorherrschten.

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Außerhalb Frankreich, wurde die Mode von Rationierung dominiert. Kleidung wurde praktisch und sparsam hergestellt und die „Utility clothing“, die durch die Rationierungspolitik im vereinigten Königreich prägend für die 1940er Jahre, dass mit Coupons erworben werden konnte. James Laver schreibt in Costume and Fashion : A Concise History: “ The look was simple but stylish, with good proportion and line. It incorporated padded shoulders, a nipped-in waist, and hems to just below the knee,” (253). Abs 1943 wurde aber auch die Mode ind en USA oder im Deutschen Reich von ähnlcihen Silouhetten gekenntzeichnet. DIe Anzüge waren eher kastenförmig mit aehnlehnung an Militäruniformen und mit runden Krägen. Tweeds und Karomuster wurden von 1930er Jahren übernommen, egenau wie die hellen Farben und Muster, die die sparsame Mode etwas durchbrachen.

Um die rationierte Mode im Vereinigten Königreich etwas Schmeichelnder erscheinen zu lassen wurde vom britischen Parlament die Incorporated Society of London Fashion Designer (Inc.Soc) eingebunden. Designer wie Norman Hartnell, Hardy Amies und Edward Molyneux entwarfen Kleiderschnitte, die in Heimarbeit gefertigt werden konnten um die Coupons für Lebensmittel zu nutzen. Die Historikerin Jayne Shrimpton schreibt in Fashion in the 1940s„: “The [Utility Clothing] initiative might never have succeeded had the government not taken the inspired decision to involve leading London couturiers in the design of Utility clothing” (31). Obwohl das Erscheinen dieses Kleidungsstils sehr einfach war, sollte es durch die Beiträge von namlhaften Designern aufgewertet werden und England als einen Vertreter der Mode über die Kriegsjahre helfen.

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In den USA wurde nie eine so starke Rationierung von Kleidung in die Wege geleitet wie im Vereinigten Königreich, und die Abwanderung von Deutschen und französischen Designern sorgte für ein erstes Aufblühen der amerikanischen Modeindustrie, die aufgrund mangelnder Entwürfe aus Paris sich begann zu emanzipieren. Insbesondere in der Kauffertigen Mode. Die zwei wichtigsten Designer dieser Zeit waren Norman Norell und CLaire McCardell. Norell entwarf qualitativ Hochwertige Mode, die die Lücke der Pariser Couture füllte und mit der Verwendung von Strass und Pallietten wurden glitzernder Abendkleider entworfen. McCardell hingegen war maßgeblich and er Entwicklung der amerikanischen Alltagsmode beteiligt. Sie entwarf sportliche, bequeme und praktische Kleider aus Denim, Seersucker und Jersey.

1940 entwickelte sie ein „Popover“-Kleid. Ein Wickelkleid, dass ursprünglich auch teil der Rationierungsmode war und schnell eine Grundlage von McCardells Kollektionen wurde. McCardells einfache, bequeme aber fröhliche Mode waren bis in die 1950er Populär. In den USA begannen aber auch die geflohenen Designer ihre Arbeit aufzunehmen und einen Beitrag in der Amerikanischen Mode zu leisten und NEW York und San Francisco bildeten seit den 1930er Jahren die zwei wichtigsten Modezentren des Landes. Mit der Befreiung von Paris begann auch Frankreich wieder einen Platz in der internationalen Mode zu behaupten

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Der Krieg endete mit der Bedingungslosen Kapitulation von Naz-.Deutschland im Mai 1945, aber das Leben ging nicht automatisch in die Normalität über. Obwohl die Nachkriegszeit bereits ab März 1945 in den meisten Fällen angefangen hatte. In Großbritannien wurde Mode bis 1949 weiterhin rationiert und auch danach waren die Handelsketten und Lieferungen gestört was zu Materialknappheit in UK und den USA führte. Dennoch verlor die pragmatische Mode der Kriegsjahre ihren Reiz als im Februar 1947 Dior seine erste Kollektion vorstellt, die von der Modejournalistin Carmel Snow als „The New Look“ bezeichnet wurde.

Offiziell trug die Kollektion den Namen „Corolle“ (Blütenkrone) . Charakteristisch waren die runden Schultern, die enge Taille und der lange, volle Rock. Ikonisch dafür war der „Bar Suit“, eine weiße, taillierte Jacke und einen vollen, plissierten schwarzen Rock. Obwohl als „New Look“ bezeichnet nimmt Dior Rückgriff auf Mode des frühen 20 Jahrhunderts und bediente sich der Techniken der 19. Jahrhunderts. Dennoch erschuf es einen genauen Gegenentwurf zu der sparsamen Mode der 1940er.

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Nach den Jahren der pragmatischen Sparsamkeit und einfachen Linien war der volle Rock Diors sehr verlockend. Magazine und Schnittmuster nahmen relativ Schnell diese Silhouette. Allerdings deutlich Sparsamer als die Entwürfe Diors, die bis zu 10 oder 20 Meter Stoff brauchen konnten. Diese Entwürfe waren allerdings auch durchaus Kontrovers: von Vorwürfen der Verschwendung von Material hin zu veralteten Frauenrollen der Vorkriegszeit. Dennoch wurde der New Look die populäre modische Silhouette der späten 1940er bis in die 1950er hinein.

Alexander McQueen: Savage Beauty – Andrew Bolton

An Lee Alexander McQueen kommt man einfach nicht vorbei. Der britische Designer war eine der zentralen Figuren der jüngeren Modegeschichte und vor allem bekannt für seine dramatischen Inszenierungen. Sein Tod 2010 erschütterte die Mode- und Kreativwelt und beendete auch schlagartig die hedonistische Lebensweise innerhalb der Modeszene um die Jahrhundertwende. Bereits 2011 widmete das Metropolitan Museum of Modern Art ihm eine retrospektive Ausstellung: “ Alexander McQueen: Savage Beauty“. Und passend dazu gab es diesen Ausstellungsband.

Alexander McQueen (1969 – 2010) was one of the most influential, imaginative and inspirational designers at the turn of the millennium. His fashions both challenged and expanded the conventional parameters of clothing beyond utility to a compelling expression of culture, politics and identity. Focusing on the most iconic and acclaimed designs of his prolific career, this stunning book examines McQueen’s inimitable technical virtuosity and its subversion of traditional tailoring and dressmaking practices. This book also focuses on the highly sophisticated narrative structures found in McQueen’s collections and in his astonishing and extravagant runway presentations, which suggested the most avant-garde installation and performance art. Intended as an assessment of Alexander McQueen’s entire career, this book includes in-depth studies of six collections that illustrate and encapsulate thematic chapters as well as an interview with Sarah Burton, the new creative director of Alexander McQueen who had been the designer’s right-hand design aide since 1996.

Inhaltsangabe

Wer sich mit Alexander McQueen als Label befasst, kommt um McQueens Stationen nicht herum, um seine Formsprache zu lernen. Alexander McQueen wurde als Schneider in der altehrwürdigen Saville Row ausgebildet, der Straße der gehobenen Herrenschneider. Nach Saville Row arbeitete er kurzzeitig für die Theaterkostümbildner Angels and Bermans, wo er Kostüme für Stücke wie Les Misérables anfertigte. Mit 20 Jahren arbeitete er für Koji Tatsuno und dann für Romeo Gigli in Mailand, bevor er nach London zurückkehrte, um 1990 das Central Saint Martins College of Art and Design zu besuchen. 1992 fiel er der einflussreichen Journalistin Isabella „Izzy“ Blow mit seiner Abschlusskollektion Jack the Ripper stalks his Victims auf, die seine ganze Kollektion aufkaufte und McQueen förderte. Heute befindet sich die Kollektion in der Sammlung von Daphne Guinness.

McQueen war unter anderem einer der jüngsten Designer, die den Titel „British Designer of the Year“ erhielten, den er zwischen 1996 und 2003 viermal gewann; er wurde außerdem zum CBE ernannt und 2003 vom Council of Fashion Designers zum „International Designer of the Year“ gekürt.

Der romantische Künstler

McQueen gilt als derjenige, der Dramatik und Extravaganz auf den Laufsteg brachte; er nutzte neue Technologien und Innovationen, um seinen Schauen eine andere Note zu verleihen, und schockierte und überraschte das Publikum oft. Die von ihm kreierten Silhouetten haben der Mode ein Gefühl von Romanti, Fantasie und Rebellion verliehen. Gleichzeitig wurden seine Entwürfe maßgeblich auch in der Alltagsmode verwendet, wie die von ihm kreierten Bumster, tiefgeschnittene Hüfthosen, die einen Teil des Gesäß freiließen.

Genau dieses Gefühl wird in diesem Ausstellungsband vermittelt. Der Band unterteilt sich in die Bereiche: the Romantic Mind, Romantic Gothic, Romantic Nationalism, Romantic Exoticism, Romantic Primitivism, Romantic Naturalism und Cabinet of Curiosities. Das Werk Alexander McQueens ist vor allem durch dramtische, romantische Extravaganz inszeniert worden, kombiniert mit morbiden Details aus der Viktorianischen Kultur, aber auch Musealer Strukturen wie Nationalismus und den Sammlungen des British Museum und des Victoria & Albert Museum aus der Zeit des Empire. Insbesondere die schottische Kultur und Geschichte inspirierte McQueen.

McQueen und die Popkultur

McQueen war nicht nur ein Künstler sondern hatte auch einen erheblichen Einfluss auf die zeitgenössischen Künstler, die in der ersten Dekade dieses Jahrtausends auftauchten. Er entwarf maßgeschneiderte Designs für die Musikkünstler David Bowie und Björk, die für ihre Albumcover und Tourneen verwendet wurden. Lady Gaga trug in ihrem Video zu „Bad Romance“ mehrere Entwürfe von McQueen, darunter das letzte Outfit aus Platons Atlantis.

Kontroversen und ein menschliches Drama

Es wäre aber auch zu leicht McQueen als dieses große, kreative Genie zu sehen, dass in seiner Traumwelt existierte. Durchaus gab es mehrere Punkte in seiner Person, die in seinem Nachleben nicht gern besprochen werden.

McQueen wurde 1996 zum Chefdesigner von Givenchy ernannt. Hubert de Givenchy, der Gründer des für seine elegante Couture bekannten Labels, kritisierte McQueens Ernennung und bezeichnete sie als „totales Desaster“, woraufhin McQueen bei seiner Ankunft bei Givenchy den Gründer als „irrelevant“ beschimpfte. Später gab er zu die Stelle aufgrund des Gehalts angenommen zu haben

Bei anderen Schauen wurde McQueen wegen frauenfeindlicher Entwürfe kritisiert, die manche als erniedrigend für Frauen betrachteten. In La Poupée (F/S 1997), das von Hans Bellmers Die Puppe inspiriert war, ließ McQueen Models in Metallfesseln stecken, was Beobachter als Sklaverei auffassten, während das silberne Mundstück in Eshu (H/W 2000) die Trägerin zwang, ihre Zähne zu entblößen. Auch das Sexpuppen-Lippen-Make-up der Models in The Horn of Plenty (H/W 2009-10) wurde als hässlich und frauenfeindlich kritisiert.

Ebenso wird sein Lebensstil nicht genauer betrachtet. Alexander McQueen galt als menschenscheu und hatte wenige Freunde. Keine seiner Beziehungen, auch die kurze Ehe mit seinem Partner George Forsyth, hielten lange. Dennoch blieb er meist mit ihnen in freundschaftlichem Kontakt. McQueen litt zeitlebens unter seinem Übergewicht, was er teils mit radikalen Diäten und Konsum von Drogen versuchte zu bekämpfen. Er war HIV-positiv und wurde zunehmend mit Sterblichkeit konfrontiert – sowohl mit seiner eigenen als auch mit der der Menschen, die ihm am nächsten standen. Obwohl seine Beziehung zu Isabella Blow litt, war er am Boden zerstört, als sie 2007 Selbstmord beging. in den letzten drei Jahren entwickelte er zunehmend psychische Probleme, war jedoch psychisch und physisch nicht immer in der Verfassung Therapiesitzungen wahrzunehmen. Im Februar 2010 verstarb seine Mutter, was McQueen in eine tiefe Krise stürzte und auf seinem Twitteraccount dokumentiert war. Im März 2010 wählte McQueen den Freitod.

Nachleben

Das Label Alexander McQueen besteht bis heute. Die derzeitige Chefdesignerin ist McQueens rechte Hand, Sarah Burton. Ihre Entwürfe haben das Label in eine kohärente Marke umgewandelt. Heute bekannt sind die asymmetrischen Hosenanzüge und dramatischen Kleider. Bekannt ist die Marke vor allem für kräftige Farbpaletten. Die Kollektionen richten sich an Damen und Herren im oberen Preissegment.

Die wohl wichtigste Arbeit, seit dem Ableben von Alexander McQueen waren das Brautkleid von bürgerlichen Catherine Middleton, heute Prinzessin von Wales, anlässlich ihrer Hochzeit mit Prinz William Mountbatten-Windsor und das Brautjungfernkleid ihrer Schwester Philippa am 29. April 2011.

Fazit

Andrew Bolton hatte die Aufgabe den Ausstellungsband zu schreiben und das ist ihm gelungen. Das Buch befasst sich hervorragend mit McQueen als kreativem Designer, als Künstler und Visionär der Laufstegkunst. Da es 2011 noch sehr nah an McQueens Schaffensphase war, sind viele seine Kontroversen nicht in die Betrachtung eingeflossen – was verständlich ist. Ist das aber gut? Das finde ich nicht, denn McQueens problematisches Verhalten gehört ebenso zu seiner Biografie wie sein künstlerisches Schaffen und beeinflusste viele seine Arbeiten.

  • Alexander McQueen: Savage Beauty
  • Yale University Press (May 31, 2011)
  • ISBN-10: 0300169787
  • ISBN-13: 978-0300169782
  • Preis: 31,99 €