Fashion Eras I love: 1930er

Mit dem Börsencrash 1928 endeten die wilden 1920er Jahre mit einem dumpfen Schlag, die Folge war eine weltweite Wirtschaftskrise und das junge, enthusiastische Flapper der 1920er Jahre musste die die glitzernde Abendwelt gegen Gediegenheit und Praktikabilität eintauschen.

Die elegante Dame

Mode ändert sich nie über Nacht, sondern langsam. Allerdings deuteten sich bereits ende der 1920er Jahre eine Abkehr von der leichten Mode der 1920er an. Langsam wurden die Farben wieder dunkler. Braun, Grau und Erdtöne wurden im Winter populär, im Sommer blieb es bei hellen, leichten Stoffen, die meistens Pastellfarben oder mit kleinen Mustern bedruckt waren. Die Röcke wurden wieder länger und reichten an die Waden, die Schnitte wurden schmal und sparsam an Stoffen und Taschen an die Röcke.

Die Jacken wurden kurzer und kantiger aber meist mit dramatischen Umschlägen. Beliebt waren abnehmbare Pelzkrägen und Umschläge. Vervollständigt wurde diese Kombination mit einem kleinen Hut, der eng anliegend war, anstelle aber der 1920er Hüte selten zu ausladenden Formen tendierte.

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Die Silhouette der Mode wurde insgesamt eleganter und gediegener, dadurch das sie stärker auf Nähte wertlegte und weniger auf Dekor durch Stickerei oder Applikationen oder Accessoires wie Gürtel, Schuhspangen oder starke Farbkontraste.

Cally Blackman fasst es in 100 Years of Fashion treffend zusammen: “By the early 1930s, the fashionable silhouette was evolving into a slender, elongated torso with widening shoulders and a neat head with softly waved short hair” (13). 

Der Schrägschnitt

Neben den strengen Schnitten wurde vor allem in den 1930er Jahren ien Schnitt sehr beliebt: Der Schrägschnitt oder Biascut. Als wichtigste Vertreterin gilt Madeleine Vionnet. Die Designerin begann in den 1920er Jahren, den Schrägschnitt zu verwenden, und in den dreißiger Jahren wurde er zu einer beliebten Methode, um Kleider zu entwerfen, die die weiblichen Kurven umschmeichelten. Schrägschnitt bedeutet, dass der Stoff in einem Winkel von 45 Grad gegen das Gewebe geschnitten wird, wodurch ein fließendes, körperbetontes Kleidungsstück entsteht. Vor allem am Abend schufen Satinkleider mit tiefem Rücken eine schlanke und feminine Silhouette, die sich nach unten hin verbreiterte und Kurven umschloss, die zuvor nicht umschlossen waren. Auch andere Designer wendeten diese Methode an.

Eco Fashion Talk

Während die Abendmode von der körpernahen Silhouette dominiert wurde, kehrte die Tagesmode zu Romantik und Weiblichkeit zurück. Tageskleider gab es in einer Vielzahl von Mustern: geblümt, kariert, gepunktet und mit abstrakteren Mustern. Sie hatten eine klar definierte Taille und fielen von der Mitte der Wade bis knapp über den Knöchel. Beliebt waren elegante Anzüge mit klaren Linien und skulpturalen, definierten Schultern. Die übertriebene Schulterpartie – bei Anzügen oder Kleidern – war ein Markenzeichen der Mode der 1930er Jahre und wurde durch Polsterungen, Stoffschichten oder andere Verzierungen hervorgehoben.

Die Surerealisten und Elsa Schiaparelli

Die in den 1920er Jahren populär gewordene Designerin Elsa Schiaparelli hob ihre Entwürfe in den 1930er Jahren auf ein neues Niveau und arbeitete mit surrealistischen Künstlern wie Salvador Dalí und Jean Cocteau zusammen. Sie benutzte Zeichnungen der letzteren, um ihre Kleidungsstücke zu verzieren oder ganze Designideen neu zu entwickeln. Wie etwa der Hut-Schuh. Viele ihrer Kollektionen orientierten sich zwar an der vorherrschenden Mode, enthielten aber auch einzigartige Verzierungen und Wendungen, die nur ihr eigen waren. Ihre tadellos geschneiderten Entwürfe der dreißiger Jahre vertraten die starke Schulterpartie und die eingeschnürte Taille, die für diese Zeit charakteristisch waren.

Vintage.es

Hollywood-Stars werden Modevorbilder

In dieser Zeit ließen sich die Frauen zunehmend von den Filmstars modisch inspirieren. Hollywood verbreitete die Mode unter den Massen und Stars wie Greta Garbo, Marlene Dietrich und Bette Davis wurden zu den ersten Stilikonen Hollywoods. Viele Frauen in aller Welt versuchten, ihrem Stil nachzueifern. Erleichtert wurde dies durch das Aufkommen von Make-up und der Schönheitsindustrie, die es den Frauen ermöglichten, ihre Lieblingsstars für wenig Geld zu kopieren. Blackman schreibt:

“Every woman could imitate and buy into, at relatively little cost, the look of her favourite stars, if only through copying their makeup and hairstyles: cinema democratized the empire of fashion by making glamour accessible.”

Cally Blackmann: 100 years of Faschion, S. 14

Natürlich hatte auch die Depression Einfluss auf die Mode und trug zu dieser Demokratisierung bei, insbesondere in den Vereinigten Staaten. Vor den 1930er Jahren kauften die Käufer Kopien der Pariser Designs und verkauften sie in ihren Heimatländern weiter. Da die Weltwirtschaftskrise jedoch alle Bereiche der Wirtschaft und des Lebens in den USA betraf, wurden auf diese Kopien neue Zölle in Höhe von neunzig Prozent erhoben (Laver 246). Toiles (ein Musselin- oder anderes billiges Stoffmuster eines Kleidungsstücks) durften jedoch zollfrei eingeführt werden.

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Am Ende des Jahrzehnts war Europa in den Zweiten Weltkrieg eingetreten, und die USA hatten die Große Depression noch nicht hinter sich gelassen. Als die dreißiger Jahre zu Ende gingen, hatte sich bereits der beliebte Stil mit breiten, gepolsterten Schultern, schmalen Taillen und kürzeren A-Linien-Röcken herausgebildet, der die frühen vierziger Jahre dominieren sollte.

In den 1930er Jahren wurde die Mode stark vom Film und insbesondere von Hollywood beeinflusst. Männer-, Frauen- und Kindermode orientierten sich an der Filmmode, wobei Stars wie Clark Gable, Jean Harlow und Shirley Temple zu den vielen gehörten, die die Mode direkt beeinflussten. Auch die Rückkehr zum Konservatismus nach den Roaring Twenties prägte die Mode in dieser Zeit.

Fashion Eras I love: 1920s

Warum begeistere ich mich für Mode? Ja, gute Frage. Ich glaube es begann damit, dass ich immer gerne historische oder historisch inspirierte Filme gesehen habe. Als Kind Märchen, als Teenager Period Dramas (Hi Mr. Thornton!) und dann ging es weiter mit Bio-Pics, Ereignisfilmen und Literaturadaptionen. Und was mir immer gefiel waren, die Kleider der Figuren (Ich will immer noch Lady Ediths Gardrobe aus Downton Abbey.) Und angefangen hat es dann wirklich, als ich mich mit Mode als Gesellschaftlichen Konzept befasst habe. Wie die meisten erst einmal mit Rockabilly und irgendwann dann 1900er – 1910er bis ich festgestellt hab: eigentlich gefallen mir andere Schnitte und Silhouetten viel mehr.

Flapper Fashion

Eigentlich ist es ein Irrtum zu glauben um 1920er schnitten sich alle Fraen die Haare ab und wurden zu Flappern oder Moderne Frauen. Auch das Flapper Girl war eigentlich ein Konzept: eine schicke, junge Frau die als Sekretärin oder Verkäuferin arbeitete und Abends nach Nachtleben genoss. Aber eins stimmt: die Mode wurde nach Ende des I. Weltkrieges immer gradliniger. Die Röcke wurden gerade und begannen nach Oben zu wandern, um 1926 Knielänge zu erreichen. Auch aus dem Grund, dass nicht mehr mehrfach am Tag Kleidung gewechselt wurde – wer berufstätig ist, kann nicht vier oder fünf mal am Tag Kleider wechseln.

( Branger/Roger Viollet via Getty Images)

Abendmode

Die Abend Garderobe wurde bestickt, bedruckt, appliziert, Schmuck wurde zunehmend Modeschmuck, so dass Mode der höheren Gesellschaft immer leichter Nachzuahmen wurde. Aber eines wurde sie Nicht: Mit Fransen behängt. Das ist eine Erfindung der 1950er Jahre und später vor allem für Karnevalskostüme beliebt (wem es Spaß macht, tragt es!)

Sportmode

Sport wurde auch vorher schon betrieben – Fahrradfahren brachte zwischen 1900 und 1910 das Radkostüm und den Hosenrock, aber in den 1920er Jahren gab es ein Konzept für weibliche Sportmode mit Tennisdress und Schwimmgarderobe. Wandergarrobe wurde zunehmend auch an das weibliche Publikum angepasst. Vor allem Dank Vorbildern wie Anne Kellerman.

Avantgarde, Schrägschnitt und Coco Chanel

Mode in den 1920er Jahren wurde acuh imme rmehr von Künstlern beeinflusst. Madeleine Vionnet, Elsa Schiapparelli und Coco Chanel brachten eine neue IDee von Mode hervor. Wärhedn Madeleine Vionnet vor allem für den Schrägschnitt begannt ist, dass Schnitte Diagonal zum Webverlauf geschnitten wurden und damitder Stoff fließen konnte, brachte Coco Chanel eine reduzierte, androgyne Mode in die Gesellschaft. Im Fokus stand Bequemlichkeit und Bewegungsfreiheit. Und Elsa Schiapparelli? Diese Begann sehr für mit Künstlern zusammen zu arbeiten udn einen SUrrealen Stil zu entwickeln, der bis heute für das Haus Schiapparelli steht. Mode wurde immer mehr zu einem Experimentierfeld.

Bewegungsfreiheit

Was die 1920er Jahren durchzieht ist vor allem eines – Bewegungsfreiheit. KLeidung, egal ob für Männer oder Frauen erlaubtene ine wesentlich größere Bewegungsfreiheit als vorher. Kleidung wurde bequemer, weil sie den ganzen Tag getragen wurde.

Flappers im Film

In einem Artikel der Motion Picture Weekly aus dem Jahr 1922 über Marie Prevosts Ein gefährlicher kleiner Dämon, der die Kinobetreiber dazu bringen sollte, den Film zu verleihen, hieß es, dass die große Attraktion der Film sei: „Der Reiz der Flapper-Geschichte; das, was jeder sehen will, ob er es gut findet oder nicht, einfach weil er den Flapper selbst liebt.“

In der Tat war die Flapper-Kultur in den 1920er Jahren ein großes Geschäft für Hollywood. Zu den frühen Schauspielerinnen mit Flapper-Allüren gehörten Clarine Seymour, Olive Thomas und Dorothy Gish. Nach 1920 gehörten Schauspielerinnen wie Gladys Waton, Marie Prevost und Viola Dana zu den ersten, die als „Flapper-Typen“ bezeichnet wurden.

Es folgten weitere Flapper-Stars wie der Megastar Clara Bow, Joan Crawford und Louise Brooks. Die meisten „Flapper-Filme“ waren leichte Komödien, in denen brave Mädchen zumindest versuchten, sich schlecht zu benehmen, oder freche, aber nette Mädchen, die sich amüsierten, bevor sie sich schließlich auf eine Romanze einließen. Auch „College-Filme“ waren Teil des Flapper-Genres. Diese Filme waren es vielleicht, die den Flapper in der Kultur der 1920er Jahre „etablierten“ und den Bubikopf und die kürzeren Röcke zum alltäglichen Stil machten.

Und das letzte Wort gebührt selbstverständlich dem Chronisten der 1920er:

“It’s rather futile to analyze flappers. They are just girls–all sorts of girls. Their one common trait being that they are young things with a splendid talent for life.”

F. Scott Fitzgerald

Captivate! : Modefotografie der 90er – Claudia Schiffer

Die Supermodel waren und sind ein Phänomen, dass immer und immer wieder besprochen wird. Und ihre Namen sind uns alle bekannt Linda Evangelista, Naomi Campbell, Cindy Crawford, Claudia Schiffer und Kate Moss. Demnächst erscheint dazu auch auch eine Dokumentation auf ITV!

Doch obwohl viele von uns diese Supermodels kennen, ist ein Teil dieses Erfolgs auf die berühmten Modefotografen hinter der Linse zurückzuführen. Vor zwei Jahren hat Claudia Schiffer in Düsseldorf eine Ausstellung mitkuratiert: Captivate! Modefotografie der 90er. Viele Aufnahmen stammten aus ihrem privaten Archiv und wurden erstmal in der Öffentlichkeit gezeigt.

„Captivate!“ ist der Ausstellungsband und zeigt die Arbeiten von Fotografen wie Ellen von Unwerth, Patrick Demarchelier, Peter Lindbergh, Herb Ritts, Bruce Weber, Richard Avendon, Helmut Newton, Arthur Elgort, Corinne Day, Juergen Teller, um nur einige zu nennen.

Das Buch ist wunderschön aufgemacht: fester Einband, ausgezeichnetes Papier, blaue Ränder und eine hohe Bildauflösung. Die Bilder stammen von den Titelseiten wichtiger Zeitschriften und Werbekampagnen von Guess, Versace, Vogue.

Claudia Schiffer, eines der erfolgreichsten und schönsten Supermodels der Welt, war in den 90er Jahren ein bekanntes Gesicht und gehörte zu den Supermodels dieser Ära zu denen auch Naomi Campbell, Cindy Crawford, Linda Evangelista, Kate Moss, Christy Turlington, Tatjana Patitz, Helena Christensen und Nadja Auermann gehören.

Mit ihrem umwerfenden Brigitte-Bardot-Look, der in den Guess-Werbespots der 90er Jahre zu sehen war, und der enormen Anzahl an Magazin-Covern, auf denen sie zu sehen war, war Claudia Schiffer zweifellos eine der erfolgreichen Frauen, die vielen Models die Türen öffneten. Schiffer hält das Guinness-Buch der Rekorde für das Model mit den meisten Magazin-Covern.

Davon abgesehen gibt es in „Captivate!“ eine gute Menge an Claudia Schiffer-Inhalten, da sie Informationen über ihre Anfänge, den Kontext aus den Augen eines Supermodels, das in der Branche arbeitete, die Polaroids-Aufnahmen und wie sie in die Branche kam, gibt.

Aber in diesem Buch geht es nicht nur um Claudia Schiffer. Es ist eine Chronik der 90er Jahre Modeindustrie in der Models zu Superstars wurden: Christy Turlington und Kate Moss‘ Calvin Klein Fotos, Peter Lindberghs „Wild at Heart“ Vogue Foto, Kate Moss‘ Fotos von „The Face“, Tyra Banks „Sports Illustrated“ Cover und das „Vogue 100th Anniversary Special“ Foto von Patrick Demarchelier, um nur einige zu nennen.

Aber was mir an diesem Buch besonders gefällt, ist, dass Schiffer den Kontext beschreibt, in dem sie in die Branche eintrat, und einen Blick hinter die Kulissen berühmter Fotos wirft, wie z. B. ihr erstes Cover für die britische „Vogue“ und was sie von verschiedenen Fotografen gelernt hat. Da Claudia Schiffer mit vielen dieser berühmten Fotografen zusammengearbeitet hat, von denen einige heute nicht mehr unter uns weilen, erzählt sie, wie es war, mit diesen Fotografen zu fotografieren. Zum Beispiel, wie Helmut Newton vom Boden aus fotografierte. Außerdem ist das Handwerk ein anderes, da die meisten dieser Bilder vor der Digitalisierung entstanden sind, Polaroids für die Belichtung gebraucht wurden und ein Fotoshooting eine andere logistische Herausforderung war.

Es ist also nicht nur ein Fotobuch. Es ist eine Chronik der späten 1980er bis in die späten 1990er Jahre, die zweifellos zu einer aufregenden und schillernden Modeepoche wurden.

Eine kurze Geschichte der Modenschau

Die Pariser Fashion Week ist vorbei und die Augen der Modeinteressierten, Schaffenden, Fans sind auf die Plätze in der ersten Reihe ebenso gerichtet, wie auf den Laufsteg.

Es ist mittlerweile allgemein bekannt, dass Celebrities und A-Lister ein Teil der Modenschau sind. Es nutzt die Bekanntheit zu steigern, die neusten Looks zu präsentieren und ihr Image mit der Marke zu verknüpfen.

Aber auch die Modehäuser profitieren von dem Rummel um Kunst-, Kultur und Medienschaffende, Promis und Schauspieler. Ob Influencer, Schauspieler, bekannte Namen in der ersten Reihe ist ein festes Thema. Aber seit wann, ist das der Fall? Dieses Phänomen ist älter als Anna Wintour oder Doja Cat.

Charles Worth – Erfinder der Modenschau

So lange wie es Modenschauen gibt, gibt es die erste Reihe. Die Idee eines Exklusiven Erlebnisses, die neusten Kollektionen und Entwürfe präsentiert zu bekommen, entstand – wie zu erwarten – in Paris im Haus Worth. Der Engländer Charles Frederick Worth lies in den 1860er Jahren in seinem Modehaus seine Entwürfe von Verkäuferinnen, die als Models fungierten, seiner Kundschaft vorführen. Seine Käuferinnen waren die Adelshäuser Europas, unter anderem die österreichische Kaiserin Elisabeth II. genannt Sisi.

Charles Frederik Worth, 1892

Aber erst in den 1920er Jahren entwickelte sich die Idee hin dazu, dass Desingerinnen wie Coco Chanel, Madeleine Vionnet und Elsa Schiaparelli damen der gehobenen Gesellschaft einluden ihre Couture Schauen zu besuchen. Dabei handelte es sich um Kundinnen der Häuser. Darunter Hollywood Schauspielerinnen wie Marlene Dietrich. 1931 zeigte Elisa Schiaparelli eine Kollektion im Kaufhaus Saks, wozu allerdings keine Fotografen eingeladen wurden.

Fashion Royalty

Wenn es um die Macht von Bildern geht war es Christian Dior, der 1947 die Presse in dazubat. Er hatte bereits einen Kundenkreis von bekannten Persönlichkeiten. So waren der Photojournalist John Chillingworth, Marie Louise Bousquet und Carmel Snow von Harper’s Bazaar eingeladen. Und der Modefotograf Richard Avedon – einige der wichtigsten Vertreter ihrer Generation im Modegeschäft. Die Tatsache, dass Dior ein Genie der Inszenierung war, zeigt sich darin das er nicht nur Gesellschaftsdamen einlud, sondern auch Adelige. So besuchte Prinzessin Margaret (Schwester von Königin Elizabeth II.) eine Dior Schau 1954 in Blenheim Palace. Unter den geladenen Gästen war John Spencer-Churchill, Duke of Marlborough und seine Frau Alexandra Mary Cardogan Spencer-Churchill. Bis in die 1950er Jahre war das Verhältnis einer Modenschau das von Designer, die an Kunden verkaufen wollten und weniger ein großes, internationales Event.

In den 1960er Jahren änderte sich das Wesen einer Modenschau völlig vollkommen ausgebildet. Mit dem Aufstieg von Designern wie Yves Saint Laurent – der 1966 seine Rive Gauche Boutique eröffnet hatte. Stars wie Barbara Streisand, Marlene Dietrich, Catherine Deneuve und Bianca Jagger wurden Gesichter auf den Modenschauen. Mit ihrem Bekanntheitsgrad zogen sie Aufmerksamkeit auf die Marke YSL. Und die ersten Kollaborationen entstanden, mit der legendären Freundschaft zwischen Hubert de Givenchy und Audrey Hepburn. Bereits Givenchy erkannte den Wnadel und lancierte 1952 eine Pret-A-Porter Linie seines Hauses und 1968 eine Herrenkollektion. Allerdings wurde 1973 die erste „Pret -A-Porter“-Schau in Paris abgehalten, entstanden aus dem „Battle of Versailles“ einer Schau zwischen US-Amerikanischen und franzöischen Desigern. Aus diesem Event entstand die erste Ready-to-Wear Modenschau in Paris, während es die New Yorker Fashion Week bereits seit 1943 gab.

Kunst, Parties und das Supermodel

In den 1980er Jahren änderte sich das Wesen einer Modenschau erneut. Ging es bis zu diesem Moment um das Präsentieren von Kleidung entwickelte sich die Modenschau hin zu einer gigantischen Kunstinstallation. 1984 präsentierte Thierry Mugler seinen „Walk of Angels“ eine durchchoreographierte Schau, in der Models nicht mehr nur Kollektionen präsentierten sondern zu Charakteren wurden. Gleichzeitig wurden nicht mehr nur Künstler aus der Unterhaltungsindustrie eingeladen sondern auch Namen wie Andy Warhol saßen in der ersten Reihe. Andere Designer, aber auch persönliche Freunde und Bekannte wurden eingeladen. So etwa lud der amerikanische Designer Halston den Inhaber des Studio 54 Steve Rubell ein, Mick Jagger und Models, mit denen er persönlich befreundet war – Lauren Hutton, Marisa Berenson und Karen Bjornson. Diese Idee von einem intimen Zusammentreffen von Freunden, die aber alle Stars sind, gilt bis heute. So wirkte und wirkt es weniger wie eine geschäftliche Beziehung.

Die Industrie selbst begann auch eigene Superstars zu erzeugen. Waren es zunächst die Designer, bildete sich Ende der 80er Jahre ein Phänomen heraus, dass es zu vor nicht gab: das Supermodel. Bis zu diesem Zeitpunkt waren Models rein zur Präsentation der Kollektion zu verstehen. Mit dem veränderten Wesen der Modenschau mussten Models ein „mehr“ leisten. Sie brauchten eine eigene Persönlichkeit, die diesen Schauen gerecht wurde. Diese Namen sind noch heute bekannt: Naomi Champell, Linda Evangelista, Christy Turlington, Claudia Schiffer und Kate Moss. Supermodels gab es bereits zuvor, aber in den 90er Jahren wurden diese Models zu Prominenten.

Die Jahrhundertwende und darüber hinaus

Mit dem Supermodel und einem neuen Prominenzverständnis änderte sich auch das Verhältnis zu Celebrities. Diese wurden zunehmend auch in Schauen eingebunden. Nicht mehr nur als Gäste, sondern auch als Teil der Schauen. So lief Dita von Teese für Jean Paul Gaultier, Elizabeth Debicki ist Brand Ambassador für Dior, Vincent Cassel für [], Jeff Goldblum war das Gesicht von Prada. Wo die Reise hingeht, werden wir sehen.

The Lady Di Look Book: What Diana Was Trying to Tell Us Through Her Clothes – Eloise Moran

Hin und wieder kaufe ich Bücher, weil ich durch Zufall auf sie aufmerksam werde. Einer meiner Lieblingspodcasts „Dressed. The History of Fashion“ – hatte vor einigen Monaten die Autorin des Buches „The Lady Di Look Book“ zu Gast. Ich kann mich noch an die Berichterstattung zum Tod von Lady Diana erinnern, auch wenn ich um die Bedeutung dieser Frau keinerlei Ahnung hatte.

Lady Diana Spencer ist eine Ikone. Allen voran wie sie die Wahrnehmung einer Prinzessin verändert hat und Wegbereiterin der modernen Königsfamilie war, im Bezug auf charitative Tätigkeit. Reden wir über Diana kommen verschiedene Schlaglichter hervor: die Märchenhochzeit 1981, die junge Mutter mit ihren zwei Kindern, das Enthüllungsbuch mit Andrew Morton, die Scheidung, die als „War of the Waleses“ betitelt wurde, Dianas umfassende charitative Arbeiten, ihre modischen Statements und ihr viel zu früher Unfalltod 1997.

Eine Tour-de-Force beim Rosinenpicken

Das Buch ist Visuell ein Genuss! Die Seiten sind laut und bunt, egal ob das Layot oder die Outfit. Allerdings kann es nicht über einen schlecht geschriebenen Text hinwegdeuten. Das Buch nimmt für sich in Anspruch Dianas Biographie und Persönlichkeit durch ihre Kleiderwahl zu nachzuvollziehen. Aber schnell fiel auf, dass die Autorin vor allem aus dem Bereich des Social Media kommt und die Aufteilung und Wortwahl genau so erfolgt: Di’s Revenge Gym Look! The Sloanie Look! Di’s 90’s buisness Look! Mit jeweils 5 kurzen Auflistungen, wie man ihn nachstylen kann. Es würde auch kein Problem darstellen, diese Looks in ihre Bestandteile aufzubrechen und zu erklären wie sie funktionieren – wenn die Autorin sich nicht dauernd in Widersprüche verstricken würde.

Das Hauptargument der Autorin ist, dass Dianas Outfits seien ein Narrativ ihrer Biographie. Allerdings fehlen völlig Dianas primäre Kleidung als junge Mutter: große weiße Krägen über Tunikakleidern. Moran beschreibt „There was no way to describe some of Diana’s early on duty looks as anything except utterly heinous – think royal-themed cosplay, but from the Crusade era. Robin Hood-esque, feather-adorned hats and terrifying tartans would have you thinking Camilla paid off Diana’s stylist for some serious sartorial sabotage.” Schauen wir uns Dianas soziales Umfeld an, war das eine Standardkleidung ihrer sozialen Gruppe. Und ob diese Looks der Autorin nun persönlich gefallen oder nicht ist irrelevant, denn sie sind ein Teil von Dianas Biographie und ihrem öffentlichen Auftreten.

Das Kleidung Botschaften und Statements sind, ist allgemein bekannt, egal ob soziale Proteste oder formelle Anlässe. Das was in Dianas Leben dem am Nächsten kam, dürfte der Auktionskatalog von Christies 1987 sein. Allerdings erwähnt Eloise Moran dies mit keinem Wort.

Selektive Wahrnehmung

Das wohl größte Problem ist Morans Wahrnehmung von Diana. So etwa ihre Darstellung, dass Diana in den 1980er Jahren eine konservative Kleiderwahl bestehend aus Pastelltönen und Karomustern getroffen hätte, aber dann immer wieder auf Dianas pinken Lama Pullover zu sprechen kommt. Mit Attributen wie „kawaii Sock „-Look überträgt sie Trends in eine Zeit, die diese Bezeichnung so nicht kannte. Und leider setzt sich dieser Trend im ganzen Buch fort. So bezeichnet sie Dianas Wahl die Spencer Tiara 1983 zu tragen als wegweisend, als ob sie davor und nach nie wieder diese Tiara getragen hat. Oder dass Moran Diana zuschreibt mit ihrem elfenbeinfarbenen Kleid am Tag der rechtskräftigen Scheidung ihre Freiheit darzustellen – und das obwohl man deutlich ihren Verlobungsring sieht.

Bedeutung, wo (nicht immer) eine ist

Die Grundproblematik des Buches liegt allerdings darin, dass Eloise Moran konstant versucht jedem Outfit eine Bedeutung zu geben. Z.B Der „Black Sheep Sweater“, wo sie schreibt: “because the Spencers were the UK’s oldest sheep farming family, the black sheep sweater Diana wore ‘certainly…reflects not just her inward thoughts about her new family and foray into public life, but memories of rejection from her childhood and teenage years.’ Es kann sich aber auch einfach um einen Pullover handeln, wie er in den 1980er Jahren üblich war.

Ein weiteres Beispiel war ein weißes Outfit von 1985 mit einer Fliege: Looking back, this suffragette white skirt set…and black bow tie strikes a more symbolic meaning—she’s the outcast, claustrophobically sandwiches between the Prince and the ‘men in grey.’” – Vielleicht ist es aber auch einfach nur ein typisches 1980er Jahre Outfit, wenn man sich die geladenen Gäste anschaut, sticht Diana nicht heraus, was Material, Schnitt oder Kombinationen betrifft.

Do your Research!

Das wohl bekannteste Bild von Diana in den 1990er Jahren dürfte wohl „Revenge Dress“ sein, dass sie 1994 trug, als Charles zugab eine Affäre zu haben: „When Diana bravely stepped out of the car, wearing her little black dress, she became the shining hero the country was pining for“ und „the mini-train of her dress fluttered symbolically, standing in contrast to the twenty-five foot train of her wedding dress“. Als Hintergrundinformation ist es Wichtig zu wissen, dass das Kleid von Christina Stambolian nicht die erste Wahl der Prinzessin für diesen Abend war. Und sicherlich hatte Diana nicht ihr Hochzeitskleid an diesem Abend im Kopf. Biographen und Zeitzeugen haben bestätigt, dass sie an diesem Abend Valentino tragen wollte, allerdings sich jemand verplappert hatte. Nichts destotrotz war dieses Kleid ein Statement.

Die Sache mit dem Schwarz

Das Gerücht, dass Mitglieder der Königlichen Familie kein Schwarz tragen dürfen. Das stimmt so nicht. Es stimmt, dass die mitgleider des Britischen Königshauses zu offiziellen Anlässen keine komplett schwarze Kleidung tragen, dass ist dem Remembrance Day vorbehalten und beim Tod eines Familienmitgliedes. Trotzdem ist es nicht so, dass man nie Schwarz in der Kleidung gesehen hat. Wie die Autorin es in ihrem eigenen Buch immer und immer wieder zeigt, hat Diana in seit den 1980er Jahren immer wieder schwarz getragen: Zu Filmpremieren, Theateraufführungen oder royalen Besuchen.

Recherche, Datierung, Zeit!

Ein nächstes Problem ist Morans durcheinanderwerfen von Ereignissen, Zeiten und Orten. So nennt Sie Diana „Duchess“ im ersten Viertel des Buches, ein Titel, den sie getragen hat sondern ein Spitzname. Das gleiche Gilt für die Behauptung, erst durch das Panorama Interview hätte die Öffentlichkeit Dianas Seite der Geschichte gehört. Andrew Morton, hatte bereits zuvor mit ihr gemeinsam „Diana. Her own words“ veröffentlicht. Ebenso gibt die Autorin Datierung an, die schlichtweg falsch sind: Dianas Morgenübelkeit in Australien, obwohl sie bei dem Australienbesuch nicht Schwanger war. Ein Kleid, dass angeblich ihre Schwangerschaft verbergen sollte, obwohl die Schwangerschaft bereits öffentlich gemacht worden war. Abschließend möchte ich noch auf die schrillen Kommentare zu den Erzählungen hinweisen. Es gibt einen schmalen Grat zwischen respektlos und unreif, und Moran hat ihn bei weitem nicht erreicht.

Neben sinnlosen Sprüchen wie „Jeez, bitter much ?“ und „All men are bastards“ bezeichnet sie den Vorfall, als Camilla, die 1994 in der Öffentlichkeit mit Brötchen beworfen wurde, als Gerechtigkeit. Diese infernalische Abneigung gegen die jetzige Queen Consort ist extrem beunruhigend, wenn man bedenkt, dass die Autorin fünf Jahre alt war, als Diana starb. Die Geschichte über die Ehe zwischen Charles und Diana ist gut dokumentiert und kommentiert, somit ist das wiederholen von Phrasen und einer festgefahrenen Meinung, die aus den 1990er Jahren resultiert, hat und blendet komplett aus, was Biographen nach Dianas Tod beschrieben haben.

Fazit

Ich weiß nicht, was sagen soll. Wenn man eine schöne Zusammenstellung von Bildern von Lady Diana sehen will, ein Coffetable book für Deko braucht – dann ist das Buch schön. Aber zum Lesen? Nein.

Über die Autorin:

Eloise Moran ist eine in London geborene und in Los Angeles lebende Modeschriftstellerin und Betreiberin des Instagram-Accounts @ladydirevengelooks, der derzeit 105.000 Follower hat. Über den Account wurde bereits in The New Yorker, The LA Times und The Telegraph berichtet, wo Eloise dafür gelobt wurde, die Instagram-Generation mit Dianas rachsüchtigem Kleidungsstil vertraut zu machen. Moran ist Modeschriftstellerin und Marketingstrategin und war in Großbritannien Redakteurin für die Luxusmodemarke Opening Ceremony. Sie lebt in East LA mit ihrem wertvollsten Besitz: einem originalen Virgin Atlantic Sweatshirt, das Lady Diana selbst getragen hat. Eloise hatte einen Auftritt in der Channel 4-Dokumentation Diana: Queen of Style.

Eine Studie in Pink

Mit den ersten Bildern von Greta Gerwigs Barbie ging es los: Pink kommt mit Wucht zurück. Und nicht zwingend zarte Rosétöne. Nein, das leuchtende „Barbie Pink“. Doch keine Farbe war so unterschiedlich im Laufe der Geschichte wie Pink.

Wie die meisten, habe ich als Kind mit Barbie gespielt. Eine Puppe, die man mit verschiedenen Kleidern in unterschiedliche Situationen stellen konnte. Aber auch die Laufstege zeigten in den letzten zwei Jahren Mut zur Farbe. Barbie konnte alles tragen. Und darum die Frage, warum wird Pink immer als Mädchenfarbe beschrieben

Elegant, rebellisch und nicht nur für Mädchen

Elvis Presley fuhr einen Cadillac, Marilyn Monroes figurformendes Kleid in „Blondinen bevorzugt“ oder der „Pussyhat“. Sie alle sind Pink!

Im laufe der Jahrhunderte wurde Pink in vielen Nuancen und sozialen Konzepten wahrgenommen: feminin, erotisch, kitschig, elegant und progressiv. Pink wandelt sich immer wieder.

Pink wandelte sich in den letzten drei Dekaden von einer zarten, fragilen Farbe in die neue Farbe für hip, androgyn stark. Pink kam und blieb!

Eine bunte Geschichte

In Europa wurde Pink das erste mal Mitte des 18. Jahrhunderts beliebt. Die Europäische Aristokratie, Männer wie Frauen, trugen zarte Farbtöne als Zeichen für Luxus und Aristokratie. Madame de Pompadour, die einflussreichste Geliebte von Ludwig XV und Politikerin, wurde 1757 sogar Namensgeberin eines Farbe der Porzellanmanufaktur Sèvres: Rose Pompadour.

Die Assoziation mit Weiblichkeit begann erst in der Post-Napoleonischen Welt des 19. Jahrhunderts. Die Kleidung der Männer wurde dunkler und gediegener, während Frauen sich in hellen Pastelltönen kleideten. Pink wurde zum Ausdruck von Zerbrechlichkeit. Passend zu dem vorherrschenden, puppenhaften Schönheitsideal. Gleichzeitig wurde Pink auch zunehmend mit Erotik assoziiert. Insbesondere durch die Darstellung in Literatur uns Kunst – und immer in Verbindung mit Weiblichkeit.

Mit der Industrialisierung und der Herstellung chemischer Farben wurde Pink immer billiger in der Herstellung. Vor allem starke, zuweilen grelle Töne wie Magenta. Pink wurde von einer luxuriösen Farbe zu einer billigen Ware, die vor allem mit Prostitution assoziiert wurde.

Seien Rückkehr in die Haute Couture begann erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Der französische Couturier Paul Poiret begann Roben in hellen und pastellenen Tönen zu kreieren, neben Kirschrot, Korallenrot und Fuchsie. Ab den 1950er Jahren wurde Pink zum stereotypen Farbbild für Frauen der Nachkriegszeit.

Pretty in Pink

Pink wurde in den 1960er Jahren wieder neu gedacht. Coco Chanel stellte ihr Kostüm in zarten Pinktönen vor, Jackie Kennedy und Marilyn Monroe verbanden Pinkt mit der Vorstellung von Eleganz und Luxus. Nach und nach wurde von der Musikwelt Pink übernommen, bunter und lauter. Auch wurde dank Madonna Pink 1990 durch ihren Auftritt mit Jean Paul Gaultier erotischer als zuvor. Und obwohl Pink seit den 2000er Jahren erst als Farbe für Männer (wieder) verstanden wird, gab es doch immer ein roséfarbenes Herrenhemd.

Pink in aller Welt

Pink scheint eine Farbe zu sein, die wohl die heftige Diskussionen hervorruft. Im positiven, wie negativen. Und genauso unterschiedlich wird Pink wahrgenommen. Während Pink in asiatischen Kulturen, insbesondere in Japan, oft mit einer jugendlichen, weiblichen Niedlichkeit versehen wird, ist es auf dem indischen Subkontinent Geschlechtsneutral mit Kleidungsstücken, Schmuck und Turbanen in Pinktönen.

Pinke Merkmale

Pink ist aber nicht nur eine Frage von Modeerscheinungen sondern auch sozialen Gruppen. In der NS-Diktatur wurden Rosa Winkel in Konzentrationslagern dazu verwendet, Homosexuelle zu erkennen und in dne 1970er Jahren wurde dieses Symbol verkehrt, und wurde zum Symbol der Schwulenbewegung. Pink wurde zunehmend eine Frage die in verschiedenen Flaggen innerhalb der LGBTQ Bewegung nutzt wurde.

Darüber hinaus wurde Pink das Symbol gegen Brustkrebs, in Form einer Pinken Schleife. In den USA wurde Pink von Protestierenden als Symbol für körperliche Selbstbestimmung und Soziale Gerechtigkeit.

Pink, wie jede Farbe, durchläuft eine Neudeutung in gesellschaftlichen Kontexten. Es ist nicht mehr nur eine Farbe für die für eine kindliche Mädchenhaftigkeit steht. Pink kann hübsch und stark sein, feminin und feministisch.

Quellen

Steele, Valerie: Pink. The History of a punk, pretty, powerfl Color. Thames & Hudson, London 2018.

Paetz, Annette, Isa Fleischmann-Heck (Hrsg.): Zeitkolorit. Mode und Chemie im Farbenrausch 1850-1930, Nünnich-Asmus Verlag und Media GmbH, Oppenheim am Rhein 2019

Von Bild-Lilli zu Barbie

Große Kulleraugen, lange blonde Mähne und ein rosa Lippenstiftlächeln. Jeder redet über Barbie. Oder viel mehr jeder redet über den Trailer von Greta Gerwings neuem Film „Barbie“ und Barbies unvergessenen pinken Puschelheels!

Barbie Teaser Trailer 2

Doch was macht Barbie eigentlich zu diesem dauerhaften Kultphänomen? Das Franchise ist mittlerweile riesig. Barbie hat verschiedene Berufe, einen großen Freundeskreis, drei kleine Schwestern, Haustiere, einen Freund – Ken. Sogar in diversen Filmen hat sie unterschiedliche Rollen gespielt: Ballerina, Prinzessin, Meerjungfrau, Fee, Modejournalistin, Rockstar – Barbie ist wandelbar und immer wieder neu zu entdecken. Und vielleicht ist es auch genau das, was Barbie so interessant macht.

Aber Barbie war nicht immer diese erste emanzipatorische Spielfigur für. Tatsächlich war ihr originales Design angelehnt an eine deutsche Comic Figur. Eine freche Sekretärin namens Lilli. Ja, keine Zahnärztin, keine Chirurgin sondern einmal eine schicke, freche Angestellte. Und ganz sicher war sie nicht als Spielzeug gedacht.

Bild-Lilli

Als Barbie in den 1950ern auf den Markt kam, gab es bereits ihre deutsche Vorgängerin „Bild Lilli“- eine Comicfigur von Reinhard Beuthien, erschienen in der Bild Zeitung. Lilli war ein Phänomen der Nachkriegszeit, schick, ehrgeizig, auf der Suche nach einem reichen Gönner und leicht verrucht.

Sie war schnell und frech mit ihren Antworten. In einem Comic wurde Lilli von einem Polizisten ermahnt, dass es verboten sei einen Bikini auf der Straße zu tragen. Ihre Antwort? „Zweiteilige Badeanzüge sind verboten? Na gut, welches Teil soll ich ausziehen?“

Vom Comic zur Puppe

Lilli wurde in den 1950er Jahren extrem beliebt. So sehr, dass das sie als Puppe verkauft wurde. Sie war in zwei Größen erhältlich – 30 cm und 19cm. Ihre Arme und Beine waren beweglich aber anstelle von geknickten Füßen, trug Lilli angegossene schwarze High Heels. Ihre Lippen und Fingernägel waren rot und ihre halbgeschlossenen Augen mit einem Cat-Eye geschminkt. Ihre Haare waren Blond, Schwarz oder Rot, mit einem Pferdeschwanz und einem gelockten Pony. Dazu eine maßstabsgetreue Bildzeitung.

Sie war als Werbegeschenk in Bars und Tabakläden zu erwerben. Besonders beliebt war sie als Geschenk zu Junggesellenabschieden und hing an den Rückspiegeln von Autos oder LKWs. Allerdings wurde sie zunehmend bei Kindern als Spielzeug beliebt, da es Puppen bis zu diesem Zeitpunkt nur als Kinder gab. Bild-Lilli war eine der ersten Modepuppen, die eine erwachsene Frau darstellten.

Modepuppe

Die Bild-Lilli wurde mit einem Kleiderset verkauft, außerdem gab es zahlreiche Kleidungsstücke für sie. Diese spiegeln den Zeitgeist der 50er Jahre wider – Lilli hatte für alle Gelegenheiten etwas Passendes: Cocktailkleider, Strandanzüge, Baumwollkleider, Pyjamas und Kostüme aus Popeline. Eine Werbebroschüre nannte Lilli als mit ihrer Garderobe „der Star jeder Bar“.

Mitte der 50er Jahre kaufte Ruth Handler, eine der Gründerinnen von Mattel, Modelle von Lilli und schuf nach ihren Vorlagen Barbie. Diese hatte ihr Debut am 9. März 1959

1964 erwarb Mattel die Recht von Bild-Lilli und die Produktion wurde eingestellt. Und jetzt „I’m a Barbie Girl, in my Barbie World – Life in Plastic, I’ts Fantastic!“ – Gerngeschehen Freunde!

Quellen

sammeln-Sammler: Bild-Lilli

Gerling, Peggy und Swantje Köhler: The Truth about Lilli – A Politically Correct Report about Germany’s most Famous Fashion Doll. In: Barbie Bazaar, Februar 1999

Knaak, Silke: Deutsche Modepuppen der 50er und 60er Jahre, 2005

Modegeschichte mit KI – Teil 2

Eigentlich hatte ich darüber nachgedacht über den tragischen Fall der Tiefseeerforschung zu sprechen, aber ich fühle mich schlichtweg nicht qualifiziert genug das zu tun. Die Titanic ist eines meiner ersten Geschichtsinteressen gewesen und hat einen besonderen Platz in meinem Geschichtsverständnis. Der verstorbene Paul-Henry „PH“ Nargeolet war einer meiner frühesten Helden und es wird einfach dauern, bis ich dieses Ereignis verstanden habe und mich berufen fühle darüber zu sprechen. Zumal dieses Unglück nichts mit dem Gegenstand zu tun hat, über den ich in Geschichte spreche: Mode. In den letzten Tagen habe ich die ersten Schauen in Paris verfolgt und insbesondere LOEWE und DIOR Men war ein sehr interessantes Konzept, auf das ich, in den nächste Tagen zurück kommen werde. Doch zunächst geht es hier weiter mit den drei Dekaden, die ich mit KI habe erstellen lasse. Für alle die noch mal zwishcen 1920 und 1940 schauen wollen, geht es hier zum Teil 1.

1950s Fashionista in a Little Black Dress

Ja, nun, dann schauen wir uns das hier einmal an. Make-up und Frisur stimmt. Das Kleid hat alle Attribute eines 1950er Kleides, wie es Christian Dior gefertigt hätte. Oberkörper enganliegend, die Taille betont und darunter ein weiter Glockenrock. Allerdings die Knopfleiste stimmt in dem Sinne nicht. Blusenkleider wurden in den 195er getragen, waren aber praktischer und glatter im Schnitt. Der Ausschnitt ist viel zu tief für ein Tageskleid und wäre so nur in Abendgarderobe aufgetreten. Auf ihrem Kopf trägt sie… ich würde vermuten einen Fascinator, was ein netter Aspekt ist, aber in den 1950er würde eine Dame einen Hut tragen. Der Schmuck ist sehr überdreht – es soll vermutlich eine mehrreihige Perlenkette sein, ebenso ein mehrreihiges Perlenarmband.

Aber nun zum eigentlichen. Ein petite robe noir, das „Kleine Schwarze“ oder jüngst LBD (Little Black Dress) unterlegt einem sehr klaren Stil. Es handelt sich seit den 1950er Jahren um ein glattes Etuikleid nach den Entwürfen von Hubert de Givenchy für Audrey Hepburn in Frühstück bei Tiffany 1961. die orprulente Mode Diors war zu diesem Zeitpunkt und schon Mitte der 1950er bereits abgeklungen und wurde schlichter, gerader und schnörkelloser. Diesen KI Entwurf konnte man also eher in die frühen 1950er datieren, wenn nicht sogar ende der 1940er als Dior 1948 mit seinem Bar-Kleid die Frugalmode beendete.

1960s London Carnaby Street

Ja nun…. ich glaube hier hat die KI völlig versagt. Wenn wir an die Mode London der 1960er denken. Kommt natürlich ein Name sofort in den Sinn: Mary Quant! Die britische Designerin schuf Mitte der 1960er Jahre eine neue, an Jugend gerichtete Mode und einen unerhört kurzen Rock: den Mini! Allerdings werden dabei der Minirock und der Mirkorock sehr gerne verwechselt. Der Mini endet kurz über dem Knie, der Mikro rock bedeckt ur die Oberschenkel.

Aber dieses Bild ist… 2010 Cosplays 1966. Die der Trenchcoat der Dame Links ja, könnte man damals in Vinyl getragen werden. Der Herr ist definitiv im Preppylook unterwegs und die Kombination Rechts… na ja. Gut: Setzen 6.

1970s Fashion

Das Bild hier wiederum hat mich doch etwas ausgesöhnt. Die Farbwahl Stimmt, denn die 1970er sind vor allem zu beginn in sehr warmen, erdtönen belegt. Mit Yves Saint Laurents Le Smoking (1967) wurden Hosenanzüge für Damen Mode. Diese Kombination Rollkragen und Hemd sieht etwas merkwürdig aus, aber beide Stile wurden in den 70ern getragen. Allerdings nicht zusammen. Die große Sonnenbrille war ein Phänomen der 70er und wurde vor allem durch Jackie O. stilisiert. Was die Kopfbedeckung betrifft… seltsam. Ich weiß nicht mal genau was es sein soll.

Fazit

KI ist unterhaltsam, bedrohlich und ein neues Konzept, von dem wir nicht wissen, wie es am Ende ausgeht. Allerdings war dieses kurze Experiment extrem unterhaltsam. Ich hoffe es hat euch gefallen. Und welches Bild war euer Liebling?

Warum Game of Thrones besser ist

Ein Vergleich – Game of Thrones vs. House of the Dragons

Ja, Game of Thrones ist seit vier Jahren vorbei und House of the Dragon hat einen fulminanten Start hingelegt. Trotz Pandemie und anderen Voraussetzungen. Dennoch ist der Name Game of Thrones immer noch ein Begriff. Googlesuchen, Merchandise und Interviews mit den Darstellern sind immer noch hoch. Obwohl das Ende kontrovers war. Doch was macht Game of Thrones tatsächlich besser?  Oder vielmehr woran liegt es, dass Game of Thrones trotz vergleichsweise kleinem Budget einen viel größeren Einfluss ausgeübt hat als House of the Dragon? Es kann nicht an den Schauspielern, Regisseuren und Produzenten liegen oder an Skripten.

Game of Thrones und Michele Clapton

Eine ganze Welt – Einflüsse in Game of Thrones

Als vor mehr als zehn Jahren die Serie Game of Thrones anlief, wurde eine neue Fantasy-Welt in die Öffentlichkeit getragen. Die Welt von Westeros. Verantwortlich für die Kostüme war Michele Clapton. Bekannt war sie bereits für die Kostüme von Die Mätresse des Teufels bekannt. Die Britin gewann für Game of Thrones zwei EMMYs und später auch für ihre Kostüme in The Crown.

Arbeit hatten sie und ihr Team engen Kontakt zu George R. R. Martin, konnten aber sehr frei agieren, was die Entwürfe und Entwicklungen der Kostüme betraf. Michele Clapton hatte verschiedene Einflüsse, die immer wieder in den einzelnen Kostümen auftauchen. Als wichtigste Kernelemente können folgende genannt werden: Renaissance, die byzantinische Epoche, Samurai -Rüstungen, römische und griechische Antike. Ferner nennt sie Folklore und Mythologien verschiedener Nomadenstämme als wichtigen Ankerpunkt. 

Die Kleidung von Game of Thrones konzentrierte sich vor allem auf die zwei prominenten Familien: Stark und Lannister. Später auch auf die Familie Tyrell. Einzelne Figuren, deren Kleidung eine prominente Rolle einnahm waren Daenerys Targaryen, Brienne von Tarth und die Nachtwache als Gruppe  Die wichtigsten Kostüme der Serie waren die von Cersei Lannister, Sansa Stark und Daenerys Targaryen

Game of Thrones musste die Welt von Westeros in einem Mikrokosmos zusammenfassen und für den Zuschauer leicht zuzuordnen sein. Dadurch sind Farben, Stoffe, Schnittmuster und Motive das wichtigste, die Figuren einzelnen Gruppen schnell zuzuordnen.

Kostüme in Gruppen

Die Kleidung der Figuren sorgt für eine Unterstützung der Geschichte auf mehreren Ebenen. Es hilft verschiedene Regionen der sieben Königslande und anderen Teilen dieser Welt zuzuordnen und die Figuren voneinander zu unterscheiden, jede dieser Kleidergruppen ist beeinflusst von ihrem Umfeld und der Landschaft. So ist etwa der Norden nicht sehr reich, demzufolge ist die Kleidung der Starks schwere Pelze mit wenig Verzierung oder Schmuck, während die Westlande reich an Edelmetallen sind und die Lannister-Kleidung das zum Ausdruck bringt. Dazu kommt das, was Michele Clapton als „Trickle Down Principle” bezeichnete. Die Kleidung der Adligen ist Vorbild für die Kleidung der Bevölkerung, von den Bediensteten, über den Haushalt bis hin zur Bevölkerung der Region.

Neben diesen Eigenschaften stellt die Kleidung auch politische Beziehungen untereinander her. Etwa die Verbindung von Wappentieren bei Hochzeiten, aber auch Motive, die die Figuren in ihrer Kleidung nutzen, um ihre Situation zum Ausdruck zu bringen.

Die Familie Stark

Als zentrales Beispiel ist die Familie Stark zu sehen. Und die wichtigsten Figuren dieses Stils, gerade zu Beginn der Serie, sind Eddard Stark (Ned), seine Frau Catelyn Stark und die älteste Tochter Sansa Stark. Die Kleidung besteht aus verschiedenen Blau- und Brauntönen. Die Starks herrschen von der Burg Winterfell über den Norden von Westeros, eine dünn besiedelte, kalte Landschaft. Und die Kleidung der Starks ist an das Wetter angepasst: Es gibt graue Blautöne und braune Farben. Die Kleidung ist häufig gefüttert und gesteppt und schwere Wollmäntel mit Fell. Die Kleider haben vornehmlich die Funktion, die Träger vor den Temperaturen zu schützen und wirken auf den ersten Blick schlicht und funktional. Dennoch hebt sich die Kleidung der Starks durch verschiedene Details hervor. Michele Clapton zog Inspiration vor allem aus der nordeuropäischen Kleiderordnung, aber auch asiatische Motive. Gerade die Waffenröcke der Männer sind eher Hosenröcken nachempfunden. Dominierend für die Männerkleidung sind Hemden mit Tunnelzügen, ein Lederwamms, verschiedene gesteppte Westen, Hosen aus dichter Wolle oder Leder und derbe Stiefel.

Die Kleidung der Frauen sind gerade geschnittene Wollkleider. Diese unterscheiden sich lediglich in den Volumen ihrer Röcke, da weite Röcke eine höhere soziale Stellung anzeigen. Die weiteren Röcke sind unpraktischer für Feldarbeit. Ein dekoratives Element sind Knoten um den Halsausschnitt. Nach Michele Clapton impliziert es, dass ein Mädchen noch nicht im heiratsfähigen Alter ist. Eine Figur, die dieses Motiv zu Beginn trägt, ist Sansa Stark, als älteste Tochter von Eddard Stark und Catelyn Tully ist sie im passenden Alter für mögliche Heiratspläne.

Catelyn Stark stammt aus der wohlhabenden Familie Tully, die über die Flusslande herrscht. Sie hat Eddard Stark nach dem Tod seines älteren Bruders geheiratet und ist Herrin von Winterfell. Auch nach fünfzehn Jahren empfindet Catelyn den Norden immer noch als Fremd und pflegt eine gewisse höfische Kultur, die eher von den anderen Adelsfamilien der sieben Königslande praktiziert wird. Anders als Eddard Stark ist sie mit der Religion der Sieben aufgewachsen. Ihre Kleidung ist immer wieder mit Fischmotiven versehen, da der Fisch das Wappentier der Tullys ist. Catelyn trägt häufiger grünblaue Töne, was sie sowohl als Tully als auch als Stark kennzeichnet. Ihre Krägen sind mit Stickereien versehen. Michele Clapton zufolge hat Catelyn diese Technik mit in den Norden gebracht.

Die Familie Lannister

Die reichste Familie in Westeros stellt das auch sehr deutlich dar. Die Materialien sind Edelmetalle. Gold wird in Dekorationen verwendet, ob an den Rüstungen oder der zivilen Kleidung. Die zweite wichtige Farbe ist rot. Die Wappenfarben der Lannisters ziehen sich durch die Kleidung und repräsentieren ihren Reichtum, ihre Macht und das Selbstverständnis der Familie. Insbesondere durch das Familienoberhaupt Tywin Lannister (Charles Dance). Seine Kinder Cersei, Jaime und Tyrion zeigen in ihren Kostümen auch jeweils Referenzen. Insbesondere Cersei Lannister in Staffel 2, nach dem Tod von Robert Baratheon, stellt ihre Familienzugehörigkeit deutlich heraus. Die Brüder Jamie und Tyrion hingegen sind variabel, Jamie trägt zu Beginn die Rüstung der Königsgarde, Tyrions Kleidung wird im Laufe der Zeit aufwändiger. Besonders als Hand des Königs.

Die Kleidung der Lannister hat stärkere asiatische Einflüsse, insbesondere weite Arme, die auch in Kennzeichnend für Königsmund (Kings Landing) sind. Noch deutlicher wird es an der Rüstung von Tywin Lannister in Staffel 2, wo deutlich ein Einfluss japanischer Rüstungen zu finden ist.  Ein weiteres Motiv ist ein deutlich militärischer Einfluss auf die Kleidung. Für die Lannisters ist Kleidung eine Rüstung in den sozialen Gefügen, in denen sie leben. Insbesondere für Cersei.

Die Familie Tyrell

Der dritte, prominente Familie, die eine bestimmte Dominanz in Mode zeigt, ist die Familie Tyrell. Die neben den Lannisters die wohlhabendste Familie in Westeros ist. Die Tyrells regieren die Weite, die landwirtschaftlich stärkste Region des Landes, die vor allem für ihren Wein bekannt ist, aber auch die anderen Regionen mit Lebensmitteln versorgt. 

Die Tyrells sind anders als die Lannisters zeigen ihren Wohlstand vor allem durch die Materialien ihrer Kleidung

Anders als die Familie Lannister sind die Tyrells mit floralen Motiven umgeben – zum einen weil die Rose das Hauswappen ist, zum anderen aber auch weil der Wohlstand der Familie auf Landwirtschaft begründet ist. Auch sind bei den Tyrells starke Einflüsse moderner Designer zu finden. Etwa sind die Kleider von Margaery Tyrell in starker Anlehnung an Alexander McQueen zu finden. Auch steht sie in direktem Kontrast zu Cersei Lannister.

Kleider als Teil der Figur

Ein weiterer Punkt ist, dass Kleidung eine Geschichte transportieren muss, und an welchem Punkt der Geschichte die Figur sich befindet. Drei gute Beispiele dafür sind Cersei Lannister, Sansa Stark und Margaery Tyrell. Sansa Stark wird zu Beginn der Geschichte in den Farben der Stark gezeigt. Wobei ihre Farben etwas heller sind, da Sansa sich gerne von ihrer Familie absetzen möchte und die Vorstellung hat, einmal als Königin in Königsmund zu herrschen. Als Eddard Stark zur Hand des Königs berufen wird und nach Königsmund reist, übernimmt Sansa, die ihren Vater begleitet, sehr schnell die höfische Kleidung. Vor allem imitiert sie Cersei Lannister und ihre Hofdamen. Sansa Stark wird in die Intrigen am Hof hineingezogen und zunehmend zum Spielball der Lannisters. Ihre Kleidung wird heller, fragiler und Motive wie Libellen tauchen auf und Sansas Kleidung wird voluminöser, um sie zu schützen. Mit der Flucht aus Königsmund verlässt sie Pastelltöne und trägt, schwarz oder graue Blautöne. Sansa Stark, mit ihrer Rückkehr zu Winterfell übernimmt wieder ihre Familienfarben.

Cersei Lannister im Gegensatz dazu trägt in der ersten Staffel helle, leichte Pastelltöne mit bestickten Vogelmotiven. Sie sieht sich selbst als Frau, die ihre Intelligenz nicht ausnutzen kann und von ihrem Mann, Robert Baratheon, unterdrückt ist. Mit dem Tod von Robert beginnt eine farbliche Veränderung. Sie beginnt die Familienfarben der Lannisters zu tragen und anstelle der Vogelmotive trägt sie den Löwen der Lannisters. Dieses Motiv zieht sich danach durch ihre ganzen Kostüme. Da sie in Margaery zunehmend Konkurrenz sieht, beginnt Cersei ab Staffel 4 einige Kleiderschnitte von Margaery zu übernehmen, aber nach dem Schandgang, wird Cerseis Kleidung zunehmend gerader und glatter, mit militärischen Motive wie etwa Schulterklappen und Brustplatten. Auch verschwinden starke Farben, und Cersei Lannister trägt schwarz, mit Referenzen an ihren Vater Tywin Lannister, aber auch noch die Motive des Löwen.

Margaery Tyrell hingegen beginnt mit leichten, mädchenhaften Kleidern mit fließenden Schnitten. Sie heiratet Renley Baratheon, Robert Baratheons jüngeren Bruder, in der Hoffnung auf eine politische Allianz zu bilden, da Renley Ansprüche auf den Eisernen Thron erhebt. Renley stirbt durch ein Attentat seines Bruders Stannis. Margaery als junge Witwe wird nun mit Joffrey Lannister verheiratet. Ihre Kleidung wird nun extravaganter, körperbetonter und expressionistischer. Motive wie die goldene Rose, oder Rosen im Allgemeinen werden immer wieder genutzt und zeigen sie vor allem als Teil einer Familie. Vor allem einer wohlhabenden Familie, die ihren Wohlstand zur Schau stellt, aber anders als die Lannisters stärker darauf angewiesen ist.

House of the Dragon – Jany Temime 

Als Erweiterung der Welt um Westeros ist nun House of the Dragon. Die Serie zeigt die Familie Targaryen zu einem Zeitpunkt ihrer unangefochtenen Herrschaft über Westeros. Die erste Staffel steht unter den Vorboten des “Tanz der Drachen”, einem Krieg, der die Thronansprüche von Rhanerya Targaryen und ihrem Halbbruder Aemon Targaryen auslöste. Das Kostümdesign wurde von Jany Temime übernommen. Jany Temines Arbeit findet sich vor allem in Filmen und House of the Dragon war ihre erste Serienarbeit. Anders als Michele Clapton konnte Jany Temime bereits auf eine bestehende Welt aufbauen.

Der Höhepunkt der Targaryen

Der Vorteil, den Jany Temime hatte, war, dass es bereits eine feste, etablierte Ausstattung der Welt gab, die sie erweitern sollte. Anders aber als für Michele Clapton bestand die Herausforderung das Haus Targaryen, das in Game of Thrones nur durch Daenerys Targaryen und ihren Bruder Viserys dargestellt wurde. Für die Familie Targaryen gab es zudem keine genaue Rhetorik, da Daenerys’ auf dem Kontinent Essos in verschiedenen Kulturen lebt und deren Kleidung trägt. Viserys’ Kleidung zeigt Drachenmotive als Stickereien. Anders aber als die beiden Geschlechter ist die Geschichte der Targaryens in House of the Dragons zum Höhepunkt ihrer Macht angesiedelt. Die Familie hat einen unangefochtenen Herrschaftsanspruch auf Westeros, durch lebende Drachen und den Reichtum der Krone. Jany Temime legte daher den Fokus auf zwei Punkte – zum einen, dass die Handlung 200 Jahre vor den Handlungen von Game of Thrones spielte und die Kleidung dementsprechend aussehen musste und Kleidung die auf antike Hochkulturen schließen ließ. Ihre Inspiration waren Byzanz und die Renaissance. Der Wohlstand der Targaryens sollte sich vor allem durch ihre Kleidung darstellen, die kostspielig und aufwändig war.

Rhaenyra und Alysanne – Kommunikation durch Kleidung

Die beiden wichtigsten weiblichen Figuren, Rhaenyra Targaryen und ihre Kindheitsfreundin Alysanne Hohenturm sind zu beginn der Handlung in leicht, wenig aufwendige Kleider. Wobei Rhaenyra Targaryen bereits von Beginn hat viele Drachenmotive in irgendeiner  Weise trägt, Alysanne hingegen weiche Schnitte. Nach dem Tod von Rhaenyras Mutter beginnt ihr Vater, Otto Hohenturm, seine Tochter als zweite Ehefrau des Königs zu positionieren. Alysanne trägt zunehmend erwachsene Kleidung, zum Teil auch Kleidung ihrer eigenen Mutter, um reifer und weiblicher zu wirken. 

In der gleichen Zeit wird Rhaenyra als Erbin ihres Vaters Viserys eingeführt. Und ab diesem Moment wird ihre Kleidung aufwendiger. Sie trägt antikisierenden Schmuck und Kleidung, die an rituelle Kleidung erinnert. Nach Angaben von Jany Temime ist dieses Kleid ein antikes Kleidungsstück, das in den Generationen weitergereicht wird und inspiriert ist von antiken Mosaiken und orthodoxen Heiligendarstellungen aus byzantinischen Kirchen. Die Hochzeitskleidung von Rhaenyra und Daemon ist inspiriert von traditioneller japanischer Kleidung und Kopfschmuck. 

Je weiter die Handlung voranschreitet, umso mehr ändert sich die Kleidung der beiden Mädchen/Frauen. Rhaenyra trägt stark strukturierte Kleidung, mit hohen Taillenabschlüssen und voluminösen Röcken. Ihre Position als Erbin ihres Vaters wird durch die Verwendung von Farben und Stickereien gezeigt. Sie trägt Drachenmotive in Form von Knöpfen und Stickereien, ihre Kleidung nimmt Schuppenmotive und Feuerelemente mit auf. 

Alysanne hingegen beginnt ihre Kleidung vor allem immer mehr als kommunikative Waffe einzusetzen. Nachdem sie als Frau in einem männerdominierten Umfeld immer wieder der Faustpfand war, wird ihre Kleidung hochgeschlossen und in den Familienfarben der Hohenturms. 

Daemon Targaryen – Royal Rouge

Daemon ist der jüngere Bruder von König Viserys und der Anführer der Stadtwache. Seine Kleidung zeichnet sich auch genau dadurch aus. Er ist meist in praktischer Kleidung zu sehen: Stiefeln, Hemd, Wams und Hosen. Anders als sein Bruder ist er schlichter gekleidet, aber immer in den Familienfarben und der entsprechenden Qualität und Eleganz.  Er ist der militärische der beiden Brüder, aber auch vergleichsweise zupackend. Er gräbt die Dracheneier aus, führt die militärischen Gegenschläge gegen die Aufstände durch und setzt die Thronansprüche seiner Familie über alles. Dennoch ist Daemon auch gefährlich, frustriert in seiner Rolle und eine gefährliche Figur in der politischen Landschaft. 

Seine Position innerhalb der Familie wechselt immer wieder, aber letztendlich gehört er zu dem Familienverbund der Targaryen. 

Viserys – der Statuenkönig.

Die interessanteste, aber auch tragische Figur ist König Viserys Targaryen, gespielt von Paddy Considine. Viserys durchläuft eine extreme, physische Veränderung durch eine nicht näher benannte Krankheit. 

Im Laufe der Handlung wird seine Kleidung immer schwerer, drückender, aber auch kaschierender, um den Verlust von Gliedmaßen zu verstecken. Ebenso wird seine Kleidung voluminöser, ausladender, um den körperlichen Verfall zu betonen. Und je mehr die Krankheit seinen Körper zeichnet, umso mehr wird mit Prothesen versucht, das zu verstecken. So dass Viserys am Ende eher einer lebenden Statue als einem Menschen gleicht. 

Warum Game of Thrones besser ist?

Obwohl die Produktion von House of the Dragon deutlich ausgereifter und nach dem Standard moderner Fernsehserien gedreht wurde, blieb sie hinter Game of Thrones zurück. Die Ausstattung der Figuren, der Sets aber auch der einzelnen Schauspieler war überragend, aber sie blieb genau das: einzeln betrachtete Elemente. Jede Figur durchlebt ihre eigene Geschichte, ihren eigenen Handlungsstrang, ohne dass es sich zu einer gemeinsamen Einheit verbindet. Allerdings beschränkt sich ihre Arbeit auch auf eine Staffel, so dass man auf die folgenden Staffeln und die Entwicklung gespannt sein kann.

Michele Claptons Design schuf über acht Staffeln eine Zusammengehörigkeit von Gruppen in sozialen Gefügen, Normen und Orten. Und schaffte es, den Spagat Figuren sowohl einer Familie oder einem Verbund zuzuordnen und sie gleichzeitig eine individuelle Geschichte durchleben zu lassen.

5 Books for Fashion History Beginners

Ich liebe Modegeschichte, seit ich denken kann. Vieles davon kommt von den Märchenfilmen die ich als Kind geschaut habe und die Kostüme der Schauspieler gesehen habe. Und die Illustrationen in Märchenbüchern. Und irgendwann kamen dann neben Literatur auch Bücher über Modegeschichte zu und mein Bücherregal kann nicht voll genug davon sein.

Hier ist eine Liste, was für einen Einstieg hervorragend funktioniert.

Fashion. The definitive Visual Guide von DK (Autor), Caryn Franklin (Vorwort)

Einmal eine komplette Übersicht über die wichtigsten Abschnitte der Modegeschichte? Vom antiken Ägypten über Marie Antoinette zu Alexander McQueen und Chanel? Dann ist Fashion. The definitive Visual Guide ein guter Anfang, mit einer großen Bilder- und Fotoauswahl werden die wichtigsten Strömungen erklärt und zusammengefasst.

Achtung aber, der Schwerpunkt liegt auf westlicher Kleidung!

Geschichte der Mode vom 18. bis zum 20. Jahrhundert von Kyoto Costume Institute (KCI) (Herausgeber)

Dieses Buch der Modegeschichte wartet mit vielen schönen Bildern auf.  Mit einer Einführung in die wichtigsten Epochen. Eine absolute Empfehlung für jemanden, der sich in den Bereich Mode einlesen und einen Überblick gewinnen möchte. Allerdings wird hier Kenntnis von Stoffen und Schnitten vorausgesetzt. Jeder Epoche wird Rechnung getragen und ermöglichen es, die Fülle von Mode zu fassen.

Reading Fashion In Art von Ingrid E. Mida

Dieses Buch ist eine Mischung von Mordgeschichte und Kunstgeschichte. Aber Kleidung und Mode sind unerlässlich wenn wir uns mit ihr oder Kunst befassen. Wir lernen dabei eine ganze Menge über die Darstellung von Mode, die soziale Bedeutung und Mode als Kommunikationsmittel.  Reading Fashion In Art  ist eine Schritt für Schritt Anleitung um Kleidung in Kunst zu analysieren, mit Übungen zu Gemälden, Fotografien, Zeichnungen und Installationen.

Die ‘…in detail’ Reihe vom Victoria and Albert Museum

Wenn ich V&A lese, weiß ich, es kann nur gut sein. Das V&A Museum hat die „in Detail“ Reihe zur Mode des 18, 19. und 20 Jahrhunderts rausgebracht. Die Bände nehmen sich den leicht zu übersehenden Aspekten von Mode an wie Konstruktion, Abschlüssen, Knöpfen und Verschlüssen. Eine Reihe, die man immer wieder zur Hand nehmen kann. Ein Großteil der Bilder sind hochauflösend Online zu bestaunen.

Jedes Buch zur Modegeschichte vom V&A

Also falls man es noch nicht bemerkt hat, ich bin Fan des V&A. Sie stellen mit die besten Cofee Table Books für ihre Ausstellungen her. Und einige habe ich in meinem Besitz. Etwa Dior: Designer of DreamsAlice – Curiouser and Curiouser , Dior – A new Look, a New Enterprise, und Charles James Designer in Detail. Ein kleiner Tipp: als Paperback sind sie billiger und leichter zu tragen.

Meine Empfehlungen sind in diesem Falle etwas breiter und allgemeiner gehalten ohne in eine spezielle historische Richtung zu gehen oder einen bestimmten Designer zu nennen. Es gibt so viele unglaublich gute Bücher über Modegeschichte, nicht zu vergessen Biografien der wichtigsten Designer. Es gibt für jeden Aspekt der Modegeschichte, der einem am Herzen liegt.

Gibt es ein bestimmtes Buch, was ihr empfehlen würdet um sich in das Thema Modegeschichte einzulesen?