Das Mädchen, das in den Wellen verschwand – Axie Oh

Korea ist Hip. Ich glaube, damit erzähle ich niemandem etwas Neues. K-Drama, K-Pop tummeln sich bei allen bekannten Verdächtigen und damit wächst auch das Interesse an koreanischer Geschichte und Kultur. Aus diesem Grund habe ich mir den Jugendroman „Das Mädchen, das in den Wellen verschwand“ zu Gemüte geführt.

Jedes Jahr wüten in Minas Heimat tödliche Stürme. Und jedes Jahr wird das schönste Mädchen in die Fluten geworfen. Denn eines Tages, so die Legenden, soll die wahre Braut des Meeresgottes auserwählt werden und den Unwettern ein Ende bereiten. Doch dieses Jahr greift Minas Bruder in das Ritual ein und gerät dabei in Lebensgefahr. Um ihn zu retten, opfert Mina sich freiwillig. Im Reich der Geister stellt sie allerdings fest, dass auf dem Meeresgott ein Fluch liegt. Und ihr nur dreißig Tage bleiben, um ihn zu brechen und die Stürme für immer zu beenden …

Märchen neu erzählt

Der Roman basiert auf einer populären Legende: 심청전 (Shimcheongjeong) oder „Die Geschichte von Shim Cheong“. Die Ursprünge der Geschichte sind nicht genau geklärt, allerdings sind drei verschiedene Versionen vorhanden, die mit 18. Jahrhundert geschrieben wurde, was nahelegt das es unterschiedliche Fassungen und Versionen des Stoffes gegeben hat. Die Ausgangslage ist immer die gleiche, dass die 15 Jahre alte Shim Cheong in das Indang Meer springt und durch eine Gottheit zur Erde zurückgeschickt wird.

Ein historischer Stoff neu erzählt, ist immer was für mich. Die Quellenlage ist ein Erzählungssammlung, die ein Thema hat, dass wir in verschiedenen antiken Stoffen haben; Die Liebe eines Kindes zu seinen Eltern, die insbesondere in den Ländern Asiens ein umfangreiches Konzept darstellt, in dem Kinder für ihre Eltern in jedweder Weise sorge sie Rrspektieren und dieser Respekt ein Teil des Verhaltens innerhalb der Gesellschaft darstellt. Auch die antike, europäische Sagenkultur kennt eine Version der Idee. Die der Charitas Romana (die römische Liebe). Der Verurteilte Valerius Maximus wird durch die Muttermilch seiner Tochter vor dem Hungertod bewahrt und dieser Akt steht so für das Sinnbild der Liebe eines Kindes zu seinen Eltern.

Frischzellenkurs für antike Stoffe

Axie Oh hat sich also dieser populären Geschichte angenommen, und die für ein Jugendlichen Lesepublikum angepasst. Die Hauptfigur Mina tritt an die Stelle von Shim Cheong und gelangt dadurch in die Zwischenwelt von Leben und Tod im Reich des Meeresgottes. Dort hat sie 30 Tage Zeit den Fluch des Meeresgottes zu brechen und nicht eine der zahllosen Verlobten zu werden, die als Wachen, Ehefrauen oder Dienerinnen die Stadt unterhalb des Meeres bevölkern.

Mina ist eine dieser Protagonistinnen, die man schnell ins Herz schließt – sie ist ein fünfzehnjähriges Mädchen, was in eine Welt hineingerät in der sie überleben muss und in der sie durch die Hilfe dreier Freunde zwar die Regeln erfährt, aber sie logischerweise nicht immer beherrscht. Sie macht Fehler, ist temperamentvoll und liebenswert. Aber auch stur, was einen manchmal in den Wahnsinn treibt.

Shin, der Wächter dieser Welt, ist derjenige mit dem Mina am meisten aneinandergerät und dessen Schicksal mit ihrem verbunden ist. Natürlich startet die Beziehung der beiden von einem auf und ab geprägt, was auch viel auf Missverständnissen beruht.

Folklore ist das neue Pop

Alles in Allem, ist es eine schöne Geschichte, eines Vollmärchens, die sich gut lesen lässt. Neben den Protagonisten gibt es einen groben Einblick in die Vorstellungen von Jenseits, Folklore und verschiedenen magischen Wesen, die zugunsten im Stil einer Fantasy-Romance etwas abgemildert wurden und dadurch zu liebenswerten Charakteren werden. Allen voran Shins begleiter – ein Kirin und ein Imugi. Ein Kirin ist ein Fabelwesen in der ostasiatischen Mythologie, oft dargestellt als Mischung aus Hirsch, Drache und Pferd, und gilt als Glückssymbol. Imugi sind in der koreanischen Folklore schlangenartige, unvollständige Drachen, die als Vorstufe zu vollwertigen Drachen gelten. Daneben erfährt man von einer Vorstellung des Jenseits und des naturreligiösen Kults, im koreanischen Raum.

Jeanne d’Arc, die Schutzheilige der Popkultur

Die Sache mit Jeanne

Zum Todestag einer der wohl berühmtesten Frau der französischen Geschichte.

Warum kann die Popkultur nicht genug von der jugendlichen Märtyrerin bekommen, die ihr Land zum Sieg führte? Sie ist schon seit langem eine Figur, die in jeder Generation auf großes Interesse stößt und angesichts ihrer asketischen Ausstrahlung eine unwahrscheinliche Ikone darstellt.

Im 14. Jahrhundert in einer Bauernfamilie geboren, wuchs sie während des blutigen hundertjährigen Krieges zwischen England und Frankreich auf. Im Alter von dreizehn Jahren hatte sie göttliche Visionen, dass sie Frankreich zum Sieg führen würde. Ihr Glaube war so stark, dass sie den zukünftigen König Karl VII. kennenlernte und ihn davon überzeugte, sie bei der Belagerung von Orléans anzuführen, als sie erst siebzehn Jahre alt war. Es folgten weitere Siege, die zur Krönung des Königs im Jahr 1429 führten. Jeannes Ruf wurde zur Legende, verstärkt durch das furchteinflößende Bild eines jugendlichen Mädchens in Rüstung, das den Angriff anführte. Im folgenden Jahr wurde sie jedoch von den mit den Engländern verbündeten Burgundern gefangen genommen und wegen Hexerei, Ketzerei und Tragen von Männerkleidung vor Gericht gestellt. Im Jahr 1431 wurde sie auf einem öffentlichen Platz in Rouen auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Sie wurde 1920 von der katholischen Kirche als Schutzpatronin Frankreichs heiliggesprochen.

Jeanne d’Arc und die Popkultur

In der Vorstellung der Modewelt ist der Teenager, der eine französische Armee zum Sieg führte, zum Symbol für Unberührbarkeit geworden – amazonenhaft, androgyn, abwechselnd transgressiv und erotisch. Ihre Jugend ist Teil der Anziehungskraft, ebenso wie ihre Kleidung. Was ist heißer als eine Frau in einer Rüstung? In den letzten dreißig Jahren wurde sie häufig auf Laufstegen und in Leitartikeln zitiert. Jean-Paul Gaultier steckte sie 1994 in eine verzierte Rüstung und ein bäuerliches Korsett. Alexander McQueen huldigte ihr 1998 in einer Kollektion mit dem Titel „Joan“ auf unheimliche Weise. 2006 milderte John Galliano ihre harten Kanten ab, indem er ihr eine goldene Halbschale über schwungvolle Couture-Drapierungen legte.

Für die Popkultur wurde Jeanne sowohl zur Kriegerkönigin als auch zum Opfer des Patriarchats – die unbezwingbare Frau in Rüstung, die dafür bestraft wurde (obwohl man selten zugeben wird, dass Jeanne d’Arc solche Kleidung nicht nur aus Gründen der Bequemlichkeit oder des Pragmatismus oder sogar der Vorliebe trug, sondern auch wegen der allgegenwärtigen Bedrohung durch sexuelle Gewalt).

Oft ist sie mehr Archetyp als reale Person und reiht sich ein in Reihe berühmter Heldinnen und realer oder erfundener Figuren, die häufig als Muse herangezogen werden: Elizabeth I., Alice im Wunderland, Princess Di, Virginia Woolfs Orlando. Sie wird auf den Laufstegen von High-Fashion-Models verkörpert und neigt dazu, in diesen Kontexten sehr schön zu sein, wobei sie sich auf der weiblichen Seite der Androgynität aufhält. In dieser Hinsicht lehnt sie sich an eine visuelle Tradition an, die von den schwülen Gemälden der Präraffaeliten bis zu den vielen Schauspielern reicht, die sie auf der Leinwand gespielt haben, darunter Ingrid Bergman, Jean Seberg und Milla Jovovich, die mitreißende Reden halten, während sie in die Schlacht reiten und sich den männlichen Autoritäten stellen, die sie schließlich töten werden.

Bands wie O.M.D huldigten ihr in Synthie Pop, in der eine Frau mit rotem Mantel durch die schneeweiße Landschaft galoppiert und Leonhard Cohen setzte ihr ein lyrisches Denkmal absoluter Einsamkeit. Jeanne d’Arc ist Heldin, Heilige, Märchenfigur in einem.

Sogar in den japanischen Manga hielt Jeanne Einzug. Die Mangaka Arina Tanemura konzipierte ihre erfolgreichste Serie „Jeanne die Kamikazediebin“ (Kamikaze Kaito Jeanne) um die französische Nationalheldin. Hier wird im Shojo Stil Jeanne in Gestalt einer 16-jährigen Schülerin wiedergeboren und fängt Dämonen, die Sie in Schachfiguren bannt.

Es ist nach wie vor die beste und beunruhigendste Interpretation der Heiligen, mit Modellen in Kettenhemden und kirchlich inspirierten Stücken mit blutroten Kontaktlinsen war die Schau „Joan“ von Alexander McQueen. Das Finale zeigte eine einsame Figur in einem Feuerring, deren roter Perlenrock die Feuersbrunst widerspiegelte. Für McQueen war Jeanne eine faszinierende Figur, nicht nur wegen ihres Charismas oder ihrer maskulinen Kleidung, sondern wegen ihrer Überzeugung.

Jeanne – ein Opfer des Zeitgeist?

In Jeanne d’Arc: The Image of Female Heroism (1981) stellt die Wissenschaftlerin Marina Warner fest, dass das Bild der Jeanne d’Arc im Laufe der Jahrhunderte zu einer Chiffre geworden ist, die „sofort vor dem geistigen Auge präsent ist: knabenhafte Haltung, kurzgeschnittenes Haar, mittelalterliche Kleidung, Rüstung, ein Hauch von spiritueller Erhabenheit gemischt mit physischem Mut“. Warners zentrales Argument ist, dass jede Epoche und jede kulturelle Bewegung Johanna für ihre eigenen Zwecke umgestaltet hat, indem sie von ihr nahm, was sie brauchte.

Obwohl sie eine reale historische Figur ist, ist sie auch „die Protagonistin einer berühmten Geschichte in der zeitlosen Dimension des Mythos, und die Art und Weise, wie diese Geschichte erzählt wird, erzählt eine andere Geschichte“ Jeanne wurde von Feministinnen bis hin zu rechtsextremen Nationalisten als Patriotin, Mystikerin, heilige Jungfrau, Hexe und vieles mehr dargestellt. Sie wurde im Einklang mit unserem Verständnis von Sexualität und Geschlecht neu gelesen und reklamiert. In ihrer Biografie von 1936 deutete Vita Sackville-West an, dass sie lesbisch gewesen sein könnte. In einer Inszenierung des Globe Theaters in London wurde Jeanne als nicht-binär vorgestellt.

Die Mode neigt dazu, den Mut und die Kleidung zu nehmen und das Göttliche wegzulassen. Religiöse Visionen und Stimmen sind künstlerisch schwieriger umzusetzen, da sie eine relativ komplexe Auseinandersetzung mit Fragen der Theologie und Mystik oder des Wahnsinns erfordern. Das Märtyrertum ist ebenfalls heikel, aber es ist reizvoll, in einer Zeit, in der der öffentliche Diskurs von Debatten über Hexenjagden, Annullierungen und Schwarz-Weiß-Moral beherrscht wird, flüchtig darauf anzuspielen. McQueens Antwort zeichnet sich nicht nur durch ihre Tiefe, sondern auch durch ihre Trostlosigkeit aus. Es ist einfach zu sagen, dass man sich auf einen Märtyrer bezieht. Schicken Sie ein Model mit kurzgeschorenem Haar und Kettenhemd, und Joan taucht sofort in der Vorstellung auf.

Es ist gewagter, eine gewisse Affinität zu dem Glauben, der Marginalisierung, dem Fanatismus und der Verletzlichkeit zu suggerieren, die das Märtyrertum erfordert das ist die ultimative Schwierigkeit für jede historische Figur, die von der Modeindustrie aufgegriffen wird. Es liegt in der Natur der Modenschau, dass sie erzählerische Anker braucht – einen Ausgangspunkt, eine „Muse“, eine Reihe visueller und historischer Anhaltspunkte. Ist es nicht unvermeidlich, dass solche Figuren in einem Bereich, in dem es letztlich um die Herstellung und den Verkauf von Kleidung geht, hohl und klischeehaft werden – reduziert auf bloße Oberfläche? McQueen hat bewiesen, dass es auch anders geht; andere sind ihm gefolgt, und in der Zukunft wird es unweigerlich weitere geben.

My Demon

Es dauerte zwar etwas, aber ich bin jetzt auch in das Thema K-Drama reingekommen. Und zwar mit der Serie „My demon“.

Do Do-Hee ist die Erbin der Future Group. Sie hat eine arrogante und kühle Persönlichkeit, die niemandem vertraut. Der Liebe gegenüber ist sie zynisch. Do Do-Hee lässt sich mit einem Dämon namens Jeong Gu-Won ein und geht mit ihm eine Scheinehe ein. Ihr Leben erfährt große Veränderungen.

Jeong Gu-Won kann bis in alle Ewigkeit leben, indem er gefährliche, aber reizvolle Geschäfte mit Menschen macht – 10 Jahre leben sie ihr Traumleben und werden darauf hin in die Hölle geschickt. Er sieht auf die Menschen herab und streift seit 200 Jahren wie ein Raubtier über diese Welt. Als er sich mit Do Do-Hee einlässt, verliert er auf einmal seine Macht. Um seine eigene Auslöschung zu verhindern, muss er Do Do-Hee beschützen, die ihm seine ganze Macht genommen hat. Ihre Beziehung entwickelt sich romantisch.

Why do we love a K-Drama ?

Eine Frage, die ich mir ständig gestellt habe. Als Teenager war es ziemlich schwer an Filme, Serien oder Musik aus dem asiatischen Raum heran zu kommen. J-Pop kam damals auf und einige Überbleibsel finden sich noch in den Untiefen einiger Kisten bei mir. Jetzt auf einmal ist es mit einem Klick möglich und ich musste mich daran erst gewöhnen, was mal exotisch und fremd war auf einmal leicht zugänglich ist. Und dann war es auf einmal wieder da: die Storylines, die Musik, eine gute Slow-Burn Romanze, das Pretty Boy-Syndrom und eine Gesellschaft, die so fremd und doch vertraut erscheint. Doch zurück zu My Demon.

Fashion Galore!

Ein Blick auf dieses Drama genügt um zu sehen, dass sich hier Marken die Klinke in die Hand gedrückt haben. Die Hauptdarsteller tragen Couronne Thom Browne, Valentino, JOHNNY HATES JAZZ, Tiffin, Swarovski,  SONGZIO, WOOYOUNGMI – die Liste kann ewig weiter gehen.

Die Mode die gezeigt wird, ist elegant, häufig betont es die Schultern, markante Reviers und Blusen mit Schluppen. Übergroße Strickwaren, Zopfmuster und fließende Roben. Wenn ich es zusammenfassen würde, war es ein Gefühl von „Chanel in Business“.

Past Life Love

Ein Thema, das neben der Slow Burn Romanze niemand so gut beherrscht wie das K-Drama – natürlich ist Do Do-Hee eine Reinkarnation, und zwar die von Gu-Wons großer Liebe, weswegen er zum Dämon wurde. Traditionelle Kleidung der Joseon Era (1392–1897), in diesem Fall der 1830er Jahre.

Ein spannender Aspekt war aber auch die Einführung des christlichen Glaubens. Deswegen ist die Geschichte hier sehr gut datierbar, Missionare kamen erst 1837 aus China nach Korea, ebenso die gewaltsame Verfolgung und Ermordung von Christen. Erst 1886 wurden die Verfolgungen eingestellt und 1899 die Religionsfreiheit gewährt.

Christliche Themen wie Erlösung, Sünden und Vergebung ziehen sich durch das ganze Drama.

Just two kids being married

Wenn es um Romanzen geht, sobald dann der Aspekt des gegenseitigen Anschmachtens und heimlicher Blicke vorbei ist – wird es zuckrig süß. My Demon bildet keine Ausnahme und dabei fällt auf, wie jung beide Hauptdarsteller wirken und wie jung sie tatsächlich sind. Und genau so sind die Bilder der beziehungen. Sparziergänge, seifenblasen, gemeinsam was süßes Essen.

Die Formel für schwierige Fragen in Zuckerguss

Das, was K-Dramen immer wieder schaffen und was mich verblüfft ist, dass sie schwierige Themen: Kindesvernachlässigung, Trauma, Kriegsvergangenheit, Spiritualität, Schönheitsops in ein Umfeld zu packen, in dem man sich damit balanciert auseinandersetzen kann, ohne das es schwierig wird.

Das ist eine erzählerische Leistung, die gar nicht so einfach ist. Gleichzeitig sind die Serien ein Exzess an Wohlstand, Konsum von Luxusmarken und wirken beinahe nostalgisch an die Technikcolorfilme der 1950er Jahre.

Nächste Station: My ID is Gangnam Beauty!

Meine ganz besondere Hochzeit

Im Sommer habe ich jeden Mittwoch mit Begeisterung diesen Anime gesuchtet – es war das perfekte Abendprogramm.

Die Geschichte von „My Happy Marriage“ spielt in der Taisho-Era (1912-1926) im Japan zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Geister oder Groteske suchen das land seit Jahrhhunderten heim und werden von Familien mit besonderen Talenten bekämpft. Diese Familien haben innserhalb der Gesellschaft einen besonderen Status. Miyo Saimori, eine junge Frau, die ohne übernatürliche Talente geboren wurde, lebt ein hartes, liebloses Leben unter der Obhut ihrer missbräuchlichen Stiefmutter und ihrer jüngeren Schwester. Aufgrund von Heiratspolitik und ihrem Status als Halbwaise ohne übernatürliche Fähigkeiten, wird Miyo mit Kiyoka Kudou verlobt, einem jungen Kommandanten und Familienoberhaupt der einflussreichen Familie Kudou, der für seine kalte und rücksichtslose Natur bekannt ist. Nach Jahrelangem Missbrauch und Schicksalsergebenheit akzeptiert Miyo die Verlobung, da sie weder eine andere Wahl noch einen Ort hat, den sie ihr Zuhause nennen kann. Über die Familie ihrer Mutter weiß sie nichts, allein und ohne nennenswerte Erziehung oder Ausstattung begibt sie sich in die Obhut ihres Verlobten.

Als Miyo ihr Leben mit Kiyoka das Monster ist, die sie erwartet hatte. Nach anfänglicher Distanziertheit blickt sie hinter die Fassade und findet sie ihn freundlich, was ihre vorgefassten Meinungen über ihn zunichte macht. Allmählich entsteht eine Bindung zwischen ihnen, während sie nach und nach ihre Herzen füreinander öffnen. In ihrer Beziehung erblüht die Liebe und in der Gesellschaft des anderen finden sie Glück und Zufriedenheit.

Während unter Kiyokas Schutz blüht Miyo auf. Und findet eine neue Familie in den Menschen, die ihr begegnen: Kiyokas Schwester Hazuki, Yurie und auch in dem etwas mysteriösen Arata Tsuruki.

Gemeinsam stellen sie sich verschiedenen Herausforderungen und Konflikten und bieten ihnen dabei Unterstützung und Kameradschaft. Während sich die Liebe zwischen Miyo und Kiyoka vertieft, bemühen sie sich eine erfüllende und freudige Beziehung aufzubauen.

Gleichzeitig wird Miyo von mysteriösen Albträumen heimgesucht und muss das Geheimnis ihrer verstorbenen Mutter lösen.

Mode zwischen Tradition und Westen

Es wundert mich bei Animes immer, warum so gerne die Taisho Era verwendet wird, weil ab und an macht es überhaupt keinen Sinn für mich. Hier, war diese Idee endlich einmal toll umgesetzt. Durch die Vermischung von traditioneller Mode und Lebensweise des gehobenen, japanischen Milieus und dem Einzug der Moderne. Elektrizität, Automobile und westliche Kleidung. Besonders gut sieht man es an Nebenfiguren. Während Kiyoka privat auch die traditionelle Kleidung bevorzugt trägt er im Dienst Uniform.

Andererseits trägt Kiyokas Schwester mit Begeisterung moderne, westliche Kleidung samt einer Armbanduhr! EIn völlig Kontrast zu dem eher traditionell wirkenden Pärchen Kiyoka und Miyo.

Vor allem sieht man aber westliche Herrenkleidung. Viele Herren tragen Hosen und Jacket oder Uniform. Darüber lässt sich leider das ganze nicht gut datieren, aber die gesamte Kleidung lässt vermuten: späte 1910er Jahren.

Cinderella in Japan

Das große Thema ist im Grunde genommen eine Version des CInderella-Stoffes. Aber nicht weniger schön und heimelig umgesetzt, in Verbindung mit Tropen des typischen Fantasy-Shojo Animes. Es folgt vorgezeichneten Ideen, ohne langweilig zu sein. Die Charaktere sind liebevoll und schön anzusehen. Mit vielen kann man sich anfreunden und eine schöne Zeit verbringen.

Get a Life! – Vivienne Westwood

Vivienne Westwood began Get A Life, her online diary, in 2010 with an impassioned post about Native American activist Leonard Peltier. Since then, she has written two or three entries each month, discussing her life in fashion and her involvement with art, politics and the environment.

Reading Vivienne’s thoughts, in her own words, is as fascinating and provocative as you would expect from Britain’s punk dame – a woman who always says exactly what she believes. And what a life! One week, you might find Vivienne up the Amazon, highlighting tribal communities‘ struggles to maintain the rainforest; another might see her visiting Julian Assange in the Ecuadorian Embassy, or driving up to David Cameron’s house in the Cotswolds in a full-on tank. Then again, Vivienne might be hanging out with her friend Pamela Anderson, or in India for Naomi Campbell’s birthday party, or watching Black Sabbath in Hyde Park with Sharon Osbourne.

The beauty of Vivienne Westwood’s diary is that it is so fresh and unpredictable. In book form, generously illustrated with her own selection of images, it is irresistible.

Inhaltsangabe

Vivienne Westwood war viel: Punkikone, Klimaaktivistin, Modeschöpferin, Ehefrau und Mutter. In „Get a life“ öffnete sie ihr Archiv – Notizen und Tagebucheinträge. Das Buch ist schön gebunden, illustriert, mit vielen Grafiken, Slogans und Fotos.

Ich hatte das Gefühl, Vivienne Westwood ist im Raum und redet. Und wir sehen wie sich die Stimme im Laufe der Jahre ändert. Von den knappen, pragmatischen Texten der 1970er Jahre, Ausführungen von Mode, Kunst und Literatur hin zu elaborierten Gedanken der Klimabewegung, der sozialen Umbrüche und ihr Versuch die Welt zu verstehen.

Sie ist die Designerin, die eine einzigartige Sichtweise auf die Welt hatte, die sie durch ihre Kunst, Stoff, und ihren Aktivismus, der ihrer Zeit voraus war, zum Ausdruck brachte.

Ihre Liebe zu Kunst und Mode ist wunderschön beschrieben. Ihre Botschaft zum Klimawandel hat meine eigenen Gewohnheiten in Frage gestellt

Violet Evergarden

Violet wurde im Krieg einst als „Waffe“ eingesetzt – sie kennt keine Emotionen und handelt ausschließlich nach Befehlen. Nach dem Krieg wird sie mit neuen, metallenen Armen aus dem Krankenhaus entlassen und ihrem ehemaligen Vorgesetzten Hodgins übergeben. Dieser vermittelt Violet eine Anstellung in einem Postunternehmen als sogenannte „Autonome Korrespondenz Assistentin“, wo sie für die größtenteils analphabetische Bevölkerung Briefe verfasst. Durch ihre Arbeit kommt sie mit vielen verschiedenen Menschen, Emotionen und Formen der Liebe in Kontakt. Jeder Auftrag bringt sie dabei ihrem Ziel näher: die Worte zu begreifen, die ihr ein ganz besonderer Mensch einst auf dem Schlachtfeld anvertraute

Puppe & Kriegswaffe

Die Steampunk-Welt in der diese Geschichte spielt ist circa auf dem Stand vom Anfang des 20. Jahrhunderts. Und spielt kurz dem Ende eines Krieges zwischen den Ländern Leidenschaft, Drossel, Flügel und Ctrigal. Violet Evergarden ist eine Kindersoldatin, die nur den Krieg und das kämpfen kennt. In vielen Fällen wird sie nur al Maschine bezeichnet, denn sie kann keine Gefühle deuten oder verstehen. Nach dem Ende des Krieges zieht sie nach Leiden, die Hauptstadt des Landes Leidenschaft, wo sie unter einem ehemaligen Offizier, Claudia Hodgekins, in einer privaten Postfirma, der CH Postgesellschaft, arbeitet. Im Laufe der Zeit wird sie zu einer professionellen Texterin, einer Autonomen Korrespondenzassistentin (kurz. AKORA) und reist in verschiedene Ort um die Gefühle ihrer Klienten niederzuschreiben. Violets Gesicht bleibt immer ausdruckslos und bietet jedem die optimale Projektionsfläche für ihr eigenes Trauma und dessen Bewältigung. Das Mädchen mit dem puppenhaften Gesichtsausdruck und ihrer ordentlichen, fast militärischen Kleidung ist anrührend und unheimlich zu gleich.

Der Major

Violets einzige Bezugsperson war Major Gilbert Bougainvillea. In Rückblenden erfährt man, dass Gilbert sie von seinem älteren Bruder, Dietfried, als Waffe bekam. Doch im Gegensatz dazu behandelte Gilbert Violet menschlich, gibt ihr ihren Namen und lehrt sie lesen und schreiben. Sie befolgt jeden Befehl den sie erhält. Gefühle sind ihr fremd, da sie seit ihrer Kindheit nur als Kriegsmaschine benutzt wurde. in der letzten Schlacht, in der Violet bei dem Versuch den verletzten Major zu retten, beide Arme verlor, gab er ihr einen letzten Befehl der lautete: „Bitte sei frei und lebe.“ Die letzten Worte des Majors zu ihr waren: „Ich liebe dich.“, welche für Violet unverständlich waren. Daher ist ihr Ziel diese Worte zu verstehen und zu verstehen, was Gefühle sind. In der Arbeit als „Akora“ und der Auseinandersetzung der Gefühle ihrer Klienten versteht sie mehr und mehr was Gefühle sind.

Später erfährt sie, dass ihr Major als „verschollen“ gilt und ein Grab für ihn aufgestellt wurde. Für Violet ist dies ein schwerer Schlag, da sie die Person, für die sie gelebt hat nicht mehr da ist. Sie zeigt zum ersten Mal starke Gefühle zeigt und weint und sich etwas später von einer „Maschine“, die Befehle erwartet zu einem eigenständigen Menschen entwickelt.

Die Reise

Diese Geschichte handelt um Gefühle und das auseinandersetzen mit Ihnen. Der eigenen Gefühle und der Gefühle anderer bewusst zu werden, sie zu verstehen und sie auch auszudrücken, der Verlust von Angehörigen und der Umgang damit, sowie eigenständig werden.

Violet reist zu ihren Kunden. Ob in ein anderes Viertel von Leiden, ein kleines Haus auf dem Land oder in ein Kriegsgebiet. Violet reist an jeden Ort, an dem sie gebraucht wird. Eine Reiseschreibmaschine im Gepäck. Jeder Kunde, für den sie schreibt, ist eine Station auf dem Weg zu sich selbst.


Kriegstrauma und Rückkehr


Ein großes Thema, dass sich durch die ganze Handlung zieht, ist das Trauma des Krieges. Violet und auch Claudia waren beide im Krieg. Im Laufe der Zeit erfährt man, dass Violet als Kriegssoldatin für tödliche Einsätze verantwortlich war. Dennoch ist die es vor allem die Beziehung von Major Gilbert und Violet, die in den Rückblenden aus Kriegszeit und Erinnerungen zeigen und wie wichtig er für sie ist.

Im laufe der Zeit lernt Violet immer mehr zu kommunieren. Mit Briefen. Die, die sie für ihre Kunden schreibt aber auch wie Violet wie sie immer mehr über Gefühle lernt. Am Ende schreibt sie einen Brief an sich selbst.

Mit den Monologen und Dialogen, die Violet führt, wird anfangs verdeutlicht, wie Violet ist. Sie spricht sehr monoton, förmlich und nur das Nötigste. Ihre Verhaltensweise ist die, eines Soldaten im Dienst. Nach und nach wird sie empathischer und zeigt selbst Gefühle. Dies spiegelt sich auch in dem Ton der Stimme wieder sowie in der Art, wie ihre Sätze formuliert sind. Die Geschichte führt einen durch die Gefühlswelten von Violet, den Personen um sie herum, ihren Klienten und die Entwicklung Violets Gefühlswelt.

Dadurch, dass Violet anfangs keine Emotionen zeigt, ist es noch verständlich um dem Zuschauer eine ähnliche Stimmung wie Violet zu geben. Jedoch bei den letzteren Klienten, wo Violet wirklich mit ihnen mitfühlt und dies deutlich zeigt, war der Aufbau der Gefühle des Zuschauers zu den Figuren nicht ausreichend um mich tiefergehend zu bewegen. In Violet Evergarden wird in den ersten Minuten klar, dass der Major Gilbert nicht mehr bei Violet sein kann um ihr Befehle zu geben.


Als Gesamtwerk ist Violet Evergarden ein Anime, welcher in erster Linie unterhält, welcher besondere Charaktere zeigt und kleinere, in sich geschlossene, aber auch lehrreiche Geschichten der Klienten enthält, jedoch auch zum Nachdenken anregt.

The Costumes of Downton Abbey – Emma Marriot

An Official Companion to the Downton Abbey Films and TV SeriesAn exclusive inside look at the intricate and glamorous costuming of the popular PBS series, with complete historical detail and beautiful imagery.

An inside look at the intricate costuming of the popular PBS series, including character costume choices and the historic fashion trends characteristic of the aristocracy during the Edwardian era.

Appealing to Anglophiles, costume and sewing aficionados, and fans of the hit series, The Costumes of Downton Abbey presents—with comprehensive historical detail and beautiful imagery—the design decisions and wardrobe intricacies that shaped the glamour and elegance of the characters of Downton Abbey.

Featuring the fashion of both upstairs and downstairs cast members, this title explores the unique daytime, evening, special occasion, and wedding wardrobes that led to a 2011 Emmy and several Emmy nominations for Outstanding Costumes for a Series. Detailed photographs, fan-favorite stills from the television series, and designer notes and insights make this a delightful and informative guide to the role costumes played in the character portrayal, story development, and art direction of the series.

Inhaltsangabe

Ich habe nicht gezögert, dieses Buch zu kaufen, weil es so teuer war und weil es keine Bilder vom Inneren des Buches gab. Ich bin einfach ein Fan der Serie und ich bereue es nicht, dieses Buch bestellt zu haben.

Es ist sehr umfangreich, mit vielen detaillierten, vollfarbigen Bildern. Es befasst sich mit jeder Figur, sowie mit verschiedenen Ereignissen und anderen Elementen. Von Entwürfen, über Materialien und Schnitten, sowie der Entwicklung der Garderobe in der Handlung wird alles abgedeckt.

Natürlich ist es bei so vielen Charakteren/Kostümen unmöglich, alles unterzubringen, aber die Autoren leisten gute Arbeit, wenn es darum geht, wie die Kostüme verwendet wurden, um Charaktere/Settings/Handlungen zu etablieren.

Es enthält eine Menge toller Farbfotos von Kleidung und Accessoires aus der Serie – nicht nur Fotos der Darsteller, sondern auch Design-Skizzen und Fotos derer, die einige der Looks beeinflusst haben. Viele Beschreibungen und Informationen über die Mode.

Das Buch deckt jede Staffel der Fernsehserie und beide Filme ab. Es ist ein Muss für Downton-Fans, für Leute, die sich für historische Kostüme interessieren, für Leute, die sich für Mode interessieren (vor allem die 1920er Jahre).

Dressing for a Director: Tim Burton

Niemand beherrscht den wohligen Grusel so sehr wie Tim Burton. Der Regisseur dem wir Edward mit den Scherenhänden oder Sleepy Hollow verdanken. Er begann als Animator bei Disney und führte Regie bei viel beachteten Kurzfilmen wie Vincent (1982) und Frankenweenie (1984), bevor er den Sprung ins Spielfilmgeschäft schaffte.

Sein Kinodebüt gab er 1985 mit Pee-Wee’s Big Adventure. Seitdem hat Burton eine bemerkenswerte Karriere hingelegt. Sein visueller Stil ist einzigartig und verbindet die europäische Kunstästhetik des 19. und 20. Jahrhunderts mit amerikanischem Kitsch. Dieser Stil wird mittlerweile als „Burtonesque“ bezeichnet.

Gothic in der Vorstadt

Die visuelle Vorstellungskraft des Regisseurs bringt oft gotische Architektur und Atmosphäre mit seiner eigenen Erziehung im sonnigen Los Angeles zusammen. Eigentlich sollte das gar nicht funktionieren – eine Welt der Dunkelheit, der wilden Moore und Spukschlösser, gekreuzt mit pastellfarbenen Bungalows, Lattenzäunen und grünen Rasenflächen, so amerikanisch wie Apfelkuchen. Und doch ist Burton bei der Verschmelzung dieser unwahrscheinlichen Welten auf kreatives Gold gestoßen. Der Kontrast ist in fast allen seinen Filmen zu sehen. Die Burgruine, die in Edward Scissorhands“ über der Vorstadt thront, ist ein klassischer Burton-Touch. Die gotische Vorstadt wird in „Frankenweenie“ in animierter Form wieder aufgegriffen. In „Dark Shadows“ ist das gotische Herrenhaus der Familie Collins in den Bäumen über dem Fischerhafen von Collinsport versteckt.

Deutscher Expressionismus

Der Regisseur beschrieb die berühmte deutsche Kunstrichtung in dem Buch „Burton on Burton“ (Mark Salisbury, 1995) als „das Innere des Kopfes von jemandem, wie ein verinnerlichter Zustand, der nach außen getragen wird.“ Das gilt nicht nur für die Hell-Dunkel-Lichteffekte, sondern auch für das Produktionsdesign und die wild übertriebenen Kulissen und Dekors. Man denke nur an das Schloss des Erfinders in Edward Scissorhands oder ganz Gotham City in Batman Returns. Burtons filmisches Universum ist dem deutschen Expressionismus geschuldet.

Die schwebende Kamera

In den Filmen von Tim Burton gibt es eine Menge Kamerabewegungen. Sie wird ausdrucksstark eingesetzt, und der Effekt ist pure filmische Handwerkskunst. Die Kamera ist oft an einem Dolly, einem Kran, manchmal sogar an einem Hubschrauber oder dem traditionellen Steadicam-Gerät befestigt. Manchmal hat man das Gefühl, sich in einer Achterbahn oder Geisterbahn zu befinden. Eine der charakteristischen Kamerabewegungen von Burton ist die Kamerafahrt in hohem Winkel, die gleitet und sich schlängelt. Sie wird eingesetzt, um die Kulissen zur Geltung zu bringen und das maximale filmische Potenzial der Bilder zu erreichen. Beispiele für diese Kameraästhetik sind in jedem einzelnen Film zu sehen. Vor allem in den Vorspannsequenzen setzt Burton die hochwinklige, wandernde Kamera ein.

Keine Streifen, kein Burton

Wir wissen, dass die Figuren von Tim Burton einzigartig sind – und das nicht nur um ihrer selbst willen, sondern weil sie ein wesentlicher Aspekt der Ästhetik von Tim Burton sind. Seine Figuren zeichnen sich durch ihre übertriebenen Merkmale aus: langes, krauses Haar, hängende Augen, schlaksige Gliedmaßen usw. Aber die übertriebenen Merkmale dieser Figuren dienen oft als Vorwand, um ihre menschliche Seite zu verbergen.

Das ist auf die lange Zusammenarbeit mit Colleen Atwood zurückzuführen. Die Kostümdesignerin hat in mehr als 12 Burton-Produktionen die Kostüme entworfen. Ihre Zusammenarbeit hat einige der besten Kostüme der jüngeren Kinogeschichte hervorgebracht, wie zum Beispiel die Kostüme von Edward Scissorhands und Sweeney Todd.

Kennzeichnend für Burton sind Elemente aus der Gothic-Subkultur, Viktorianische Andeutungen und Gestreifte Kleidung. Etwa Beetlejuice’s Anzug, Wednesday Addams Schuluniform oder Sweeney Todds Standkleidung.

Der blasse Junge

Burtons männliche Protagonisten sind blass und groß, schlaksig und mit wirren Haaren. Die wichtigste Figure, die dabei sofort auffällt ist Edward mit den Scherenhänden. Der starke Kontrast zwischen der pastellfarbenen Kleidung aus den 1950er Jahren und dem schwarzen Gothic-Anzug, den Edward Scissorhands trägt, ist ein visueller Hinweis darauf, wie sehr er sich vom Rest der Gesellschaft unterscheidet und isoliert ist. Aber nicht nur Edward bedient diese Figur – Sweeny Todd, Beetlejuice und Barnabas Collins. Sie sind verrückt, weise, Außenseiter und zugehörig in einem.

Die schöne Puppe

Jede weibliche Hauptfigur von Tim Burton entspricht diesem Bild. Egal ob Blond oder Brünett. Sie sind das genaue Gegenteil zu dem blassen Jungen. Mit ordentlichem Haar in perfekter Kleidung. Fast eine viktorianische Puppe. Häufig in 1950er New Look von Christian Dior, wahlweise mit offenen Haaren oder strenger Frisur. So etwa in Alice im Wunderland: Wir beginnen das Bild mit dem klassischen blauen Alice-Kleid, einer Silhouette, die von Christian Diors Kollektion von 1947 inspiriert ist. Als Alice in den Kaninchenbau fällt und in eine fremde Welt eintritt, macht ihr Kleid eine bedeutende Veränderung durch, während sie schrumpft und wächst. Schwarze Verzierungen, Streifen und kontrastierende Farben werden hinzugefügt, um den bekannten Gothic-Stil vieler seiner Werke zu erreichen. Zusammen mit den scharfen Wangenknochen, den großen Augen, dem bleichen Teint und den dunklen Augenringen sind diese Figuren unverkennbar für Burton. Genauso wie Sally, Mrs. Lovett und Emma Bloom.

Johnny Depp

Johnny Depp und Tim Burton haben acht sehr erfolgreiche Filme zusammen gedreht. Wenn Depp auf der Leinwand eine Reihe seltsamer und wunderbarer Figuren spielt – den jungen Mann mit der Schere an der Hand, den schlechtesten Regisseur der Welt in „Ed Wood“, den trotteligen Polizisten Ichabod Crane aus „Sleepy Hollow“, Willy Wonka in „Charlie und die Schokoladenfabrik“, Victor in „Corpse Bride“ (Synchronisation), den mörderischen Barbier in „Sweeney Todd: The Demon Barber of Fleet Street“; der verrückte Hutmacher aus „Alice im Wunderland“ oder der Vampir Barnabas Collins in „Dark Shadows“ – es ist zweifellos ein Element von Burtons Persönlichkeit darin zu finden.

Die Burton Renaissance

Burtons Geschichten, die oft wie verschleierte Autobiografien wirken, verwenden Kostüme, um einen für Burton typischen Stil zu erreichen. Diese „burtoneske“ Anziehungskraft, die in den späten 80ern bis in die 90er Jahre hinein sehr ausgeprägt war, wurde mit seinen neueren Werken wie Miss Peregrine’s Home for Peculiar Children stark abgeschwächt, aber in nach der Veröffentlichung des Addams Family-Spinoffs Wednesday hoffe ich, wie viele andere auch, auf ein Wiederaufleben des Stils von Tim Burton in seiner Fortsetzung von Beetlejuice.

The Birds

Eigentlich muss man zu diesem Hitchcock Klassiker nichts mehr schreiben. Das kleine Örtchen Bodega Bay wird von Vögeln angegriffen und niemand sagt warum. Dafür muss man die Filmvorlage von Daphne du Maurier kennen, denn in dieser Kurzgeschichte von 1952 wird die Handlung deutlicher.

Die ursprüngliche Handlung spielt in Daphne du Mauriers Wahlheimat Cornwall. Dort lebt der Kriegsinvalide Nat Hocken, der die Schwarmbildung und die Invasion der Vögel miterleben muss und hinter dieser Invasion eine kollektive Intelligenz fürchtet, die sich gegen ihn und seine Landsleute richtet. In einem mentalen Kriegszustand erwartet er den Morgen.

Die Grundgeschichte hat Alfred Hitchcock übernommen und in einen klassischen, amerikanischen Ferienort verlegt. Das fiktive Badegebiet Bodega Bay. Die attraktive Melanie Daniels, die dem Anwalt Mitch Brenner gefolgt ist, wird schnell zum Ziel der Angriffe.

Die Hitchcock Blondine

Alfred Hitchcocks weibliches Ideal in den Filmen war die kalte Blondine, wie sie von Grace Kelly, Kim Novak und Tippi Hedren gespielt wurden. Perfekt sitzende Kleidung, kein Luftzug bewegt das Haar – es heißt Hitchcocks ideales Frauenbild wäre Marlene Dietrich gewesen und die Inspiration für „Die rote Lola“. Mit Grace Kellys Heirat verlor Hitchcock seine favorisierte Schauspielerin und suchte nach einer Neuen. Die Wahl fiel auf die Newcomerin Tippi Hedren. Die geschiedene, alleinerziehende Mutter lebte in New York und arbeitete erfolgreich als Model für Werbefilme wie den Diätdrink Sego. Dadurch fiel sie Hitchcock und seiner Frau auf, die nach einer passenden Besetzung für Die Vögel suchten. Tippi Hedren hatte nicht viel Praktische Schauspielerfahrung, außer einer kleinen Nebenrolle. Hitchcock gab Hedren die Hauptrolle. Für Die Vögel erhielt sie 1964 den Golden Globe als beste Nachwuchsdarstellerin. Ihre Zweite Arbeit mit Hitchcock, Marnie, wurde gemischt aufgenommen. 2016 wurde ihre Darstellung von Richard Brody als eine der besten Darstellungen der Filmgeschichte bezeichnet.

Hitchcock allerdings hatte mehr Interesse an Hedren, als das rein Berufliche. In ihrer 2016 erschienen Biografie warf Hedren Hitchcock vor, sie mehrfach sexuell belästigt zu haben. Hedren selbst beschrieb ihre Empfindungen Hitchcock gegenüber mit „Dankbarkeit und Abscheu. Respekt und Fassungslosigkeit.“

Nachdem sie ihn mehrfach abgelehnt hatte und Hitchcock eine Zusammenarbeit verweigerte, hielt er sie dennoch zwei weitere Jahre unter Vertrag. Das Studiosystem in Hollywood ermöglichte es ihm, ohne ihr Wissen, Rollenangebote abzulehnen. Als Hedren nach zwei Jahren aus dem Vertrag herauskam, hatte ihre Karriere an Momentum verloren und sie konnte, trotz guter Filmproduktionen nie mehr an ihren Erfolg anknüpfen.

Die Vögel – Ein Kriegsfilm

Alfred Hitchcock entwirft das apokalyptische Bild eines Kriegszustandes. Durch eine Hobby-Ornithologin wird von der Schwarmintelligenz der Vögel gesprochen, aber auch die Frage gestellt, aus welchem Grund Vögel angreifen sollten. Ein genauer Grund wird nie genannt. Die Vögel verkörpern eine feindliche Macht, die von der See aus in das Landesinnere eindringen. Immer wieder kommen durch Radiodurchsagen Andeutungen, dass die Vögel an verschiedenen Stellen angreifen und sich weiter ins Landesinnere vorwagen. Sie formieren sich und rasen im Sturzflug auf ihre Opfer zu, als würde gleich eine Luftschlacht beginnen. Diese Sturzflüge werden durch den Lärm des bedrohlichen Vogelgeschreis untermalt.

Man verbarrikadiert sich im Haus, als würden gleich die Bomber einer Luftstreitmacht herannahen und Alfred Hitchcock inszeniert diese klaustrophobische Angst als Angriff der Vögel.

Die Mutterfigur

Es gibt aber auch noch eine Weitere Eben, die ein typisches Element von Hitchcock ist: Oedipus. Auch diese Thematik sehen wir in diesem Film, auf einer zwischenmenschlichen Ebene, wenn es um die Beziehung von Mutter und Kind geht. So wird die Mutter von Mitch als eine anhängliche, von Verlustängsten geplagte Frau inszeniert, die jede Beziehung ihres Sohnes unterbindet.

Daher gibt es im Film zwei Erzählungen: Die globale Invasion der Vögel, die in den Krieg zieht. Die andere Ebene ist die zwischenmenschliche Beziehung der Menschen.

Andrew Wilson- Alexander McQueen. Blood beneath the Skin

Hinweis: diese Rezension beinhaltet Suizid, Drogenmissbrauch und psychische Erkrankungen. Sollte das jemanden triggern bitte nicht weiterlesen.

When Alexander McQueen committed suicide in February 2010, aged just 40, a shocked world mourned the loss of its most visionary fashion designer.

McQueen had risen from humble beginnings as the youngest child of an East London taxi driver to scale the heights of fame, fortune and glamour. He designed clothes for the world’s most beautiful women including Kate Moss and Naomi Campbell. In business he created a multi-million pound luxury brand that became a favourite with both celebrities and royalty, most famously the Duchess of Cambridge who wore a McQueen dress on her wedding day.

But behind the confident facade and bad-boy image, lay a sensitive soul who struggled to survive in the ruthless world of fashion. As the pressures of work intensified, so McQueen became increasingly dependent on the drugs that contributed to his tragic end. Meanwhile, in his private life, his failure to find lasting love with a string of boyfriends only added to his despair. And then there were the dark secrets that haunted his sleep.

Inhaltsbeschreibung

Ich gebe zu, dass ich vor der Lektüre dieses Buches nur Eckdaten über Leben von Lee Alexander McQueen wusste. Ich bin niemand, der seine unkritisch Arbeit verehrt, aber sie zählt zu den wichtigsten der modernen Mode – fast einzigartig könnte sie alle Funktionen erfüllen und den Rang von bildender Kunst erreichen. Nicht zuletzt widmete das V&A und das MET McQueen Ausstellungen und beide Häuser sind im Besitz zahlreicher Arbeiten. Und ich war neugierig auf die Figur hinter der Gestalt „Alexander McQueen“ – den Privatmann, den seine Freunde Lee nannten.

Für mich war der Widerhall des gesamten Buches ein sehr kreativer Mensch, der mehr als ein problematischer Mensch war, dem aber alle um ihn herum dieses Verhalten „verziehen“ haben, weil er so war, wie er war.

Der Mythos Alexander McQueen

Das Buch wurde von seiner Kindheit bis zu seinem frühen Tod geschrieben. Es schildert das Leben eines Mannes mit Talent, Tatendrang, künstlerischer Selbstüberzeugung und einem Workaholic, der bis in die Nacht hinein arbeitete. Und das Buch zeigt ein Leben in Extremen. McQueen war ein sensibler und schüchterner Mann der, wie die meisten von uns, sowohl zu außergewöhnlicher Liebe und Großzügigkeit fähig war, als auch ein grausamer Tyrann gegenüber seinen Partnern und Arbeitskollegen.

Das Buch schildert eines deutlich: McQueen war nicht in der Lage, die Gefühle anderer zu verstehen. Es war ihm unmöglich, gesunde Beziehungen zu führen und aufgrund seines geringen Selbstwertgefühls und seines Drogenmissbrauchs hatte er ernsthafte Vertrauensprobleme. Sein lebenslanges Gewichtsproblem, dass er teils mit radikalen Diäten zu bekämpfen versuchte, trug wenig zu seinem Selbstwertgefühl in einem Arbeitsumfeld bei, dass von Äußerlichkeiten, Frivolität und Schönheitsidealen lebt.

Isabella Blow

Die wohl wichtigste Figur in McQueens kreativer Wirkung war die Modejournalistin Isabella Blow, die McQueen einmal als eine Mischung aus Herzogin und Fischverkäuferin bezeichnete. Seine Beziehung zu Isabella Blow war der interessanteste Part, denn obwohl sie aus sehr unterschiedlichen Verhältnissen stammten, waren sie sich sehr ähnlich. Im Bezug auf ihren modischen Scharfsinn und kreative Ausdrucksweise, aber auch im Bezug auf ihr geringes Selbstwertgefühl, ihr destruktives Verhalten und ihre psychischen Probleme. Und obwohl Alexander McQueen sich damals bereits von ihr distanziert hatte, traf Blows Selbstmord ihn schwer.

Blow spielte eine wichtige Rolle bei der Förderung der großen, kreativen Köpfe der Modebranche. Die nach ihr benannte Isabella Blow Foundation, fördert bis heute junge Talente.

Was von McQueen übrig blieb

Jedes Kapitel stand für eine Periode mit interessanten Interviews, die Andrew Wilson über diese Zeit geführt hat. Alle Freunde von McQueen verschmolzen in meinem Kopf miteinander, ebenso wie seine Kollegen. Seine Liebe zur Landschaft, zum Meer, zu den schottischen Familienwurzeln und zu seiner Hunde floss in sein Werk ein, stand aber gleichzeitig im Widerspruch zu einer städtischen Existenz, die in rasendem Tempo geführt wurde.

Aber ich hatte das Gefühl, dass über bestimmte Themen geschwiegen wurde. Es gab viele Aussagen von Menschen aus seinem Umfeld, dass er sich gefangen fühlte oder unter großem Druck zu stehen schien. Andere sagten, dass sie ihrem ärgsten Feind den Erfolg in der Modebranche nicht wünschen würden. Warum genau?

Es mag daran liegen, dass viele Weggefährten von McQueen noch leben und das Andenken an McQueen und ihre Profession schützen wollen, ebenso wie die Tatsache das Familie und Freunde natürlich ein ganz bestimmtes Bild vermitteln wollten. Sein kometenhafter Aufstieg führte gleichzeitig zu einem Fall ins Bodenlose, auf Euphorie folgten Phasen tiefster Depressionen.

Er beging Selbstmord. Das ist bitter und schlimm. Aber nach diesem Buch hatte ich keine Kraft für Mitleid mit diesem Mann, außer dass er diese Erde in einem relativ jungen Alter verlassen hat.

Herausgeber ‏ : ‎ Simon + Schuster Inc.

Erscheinungsdatum: 10. März 2016

Sprache ‏ : ‎ Englisch

Taschenbuch ‏ : ‎ 400 Seiten

Preis: 8,39 €

Hinweise:

Telefonseelsorge zur Suizidprävention

Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung – Sucht & Drogenhilfe