Modegeschichte mit KI – Teil 2

Eigentlich hatte ich darüber nachgedacht über den tragischen Fall der Tiefseeerforschung zu sprechen, aber ich fühle mich schlichtweg nicht qualifiziert genug das zu tun. Die Titanic ist eines meiner ersten Geschichtsinteressen gewesen und hat einen besonderen Platz in meinem Geschichtsverständnis. Der verstorbene Paul-Henry „PH“ Nargeolet war einer meiner frühesten Helden und es wird einfach dauern, bis ich dieses Ereignis verstanden habe und mich berufen fühle darüber zu sprechen. Zumal dieses Unglück nichts mit dem Gegenstand zu tun hat, über den ich in Geschichte spreche: Mode. In den letzten Tagen habe ich die ersten Schauen in Paris verfolgt und insbesondere LOEWE und DIOR Men war ein sehr interessantes Konzept, auf das ich, in den nächste Tagen zurück kommen werde. Doch zunächst geht es hier weiter mit den drei Dekaden, die ich mit KI habe erstellen lasse. Für alle die noch mal zwishcen 1920 und 1940 schauen wollen, geht es hier zum Teil 1.

1950s Fashionista in a Little Black Dress

Ja, nun, dann schauen wir uns das hier einmal an. Make-up und Frisur stimmt. Das Kleid hat alle Attribute eines 1950er Kleides, wie es Christian Dior gefertigt hätte. Oberkörper enganliegend, die Taille betont und darunter ein weiter Glockenrock. Allerdings die Knopfleiste stimmt in dem Sinne nicht. Blusenkleider wurden in den 195er getragen, waren aber praktischer und glatter im Schnitt. Der Ausschnitt ist viel zu tief für ein Tageskleid und wäre so nur in Abendgarderobe aufgetreten. Auf ihrem Kopf trägt sie… ich würde vermuten einen Fascinator, was ein netter Aspekt ist, aber in den 1950er würde eine Dame einen Hut tragen. Der Schmuck ist sehr überdreht – es soll vermutlich eine mehrreihige Perlenkette sein, ebenso ein mehrreihiges Perlenarmband.

Aber nun zum eigentlichen. Ein petite robe noir, das „Kleine Schwarze“ oder jüngst LBD (Little Black Dress) unterlegt einem sehr klaren Stil. Es handelt sich seit den 1950er Jahren um ein glattes Etuikleid nach den Entwürfen von Hubert de Givenchy für Audrey Hepburn in Frühstück bei Tiffany 1961. die orprulente Mode Diors war zu diesem Zeitpunkt und schon Mitte der 1950er bereits abgeklungen und wurde schlichter, gerader und schnörkelloser. Diesen KI Entwurf konnte man also eher in die frühen 1950er datieren, wenn nicht sogar ende der 1940er als Dior 1948 mit seinem Bar-Kleid die Frugalmode beendete.

1960s London Carnaby Street

Ja nun…. ich glaube hier hat die KI völlig versagt. Wenn wir an die Mode London der 1960er denken. Kommt natürlich ein Name sofort in den Sinn: Mary Quant! Die britische Designerin schuf Mitte der 1960er Jahre eine neue, an Jugend gerichtete Mode und einen unerhört kurzen Rock: den Mini! Allerdings werden dabei der Minirock und der Mirkorock sehr gerne verwechselt. Der Mini endet kurz über dem Knie, der Mikro rock bedeckt ur die Oberschenkel.

Aber dieses Bild ist… 2010 Cosplays 1966. Die der Trenchcoat der Dame Links ja, könnte man damals in Vinyl getragen werden. Der Herr ist definitiv im Preppylook unterwegs und die Kombination Rechts… na ja. Gut: Setzen 6.

1970s Fashion

Das Bild hier wiederum hat mich doch etwas ausgesöhnt. Die Farbwahl Stimmt, denn die 1970er sind vor allem zu beginn in sehr warmen, erdtönen belegt. Mit Yves Saint Laurents Le Smoking (1967) wurden Hosenanzüge für Damen Mode. Diese Kombination Rollkragen und Hemd sieht etwas merkwürdig aus, aber beide Stile wurden in den 70ern getragen. Allerdings nicht zusammen. Die große Sonnenbrille war ein Phänomen der 70er und wurde vor allem durch Jackie O. stilisiert. Was die Kopfbedeckung betrifft… seltsam. Ich weiß nicht mal genau was es sein soll.

Fazit

KI ist unterhaltsam, bedrohlich und ein neues Konzept, von dem wir nicht wissen, wie es am Ende ausgeht. Allerdings war dieses kurze Experiment extrem unterhaltsam. Ich hoffe es hat euch gefallen. Und welches Bild war euer Liebling?

Warum Game of Thrones besser ist

Ein Vergleich – Game of Thrones vs. House of the Dragons

Ja, Game of Thrones ist seit vier Jahren vorbei und House of the Dragon hat einen fulminanten Start hingelegt. Trotz Pandemie und anderen Voraussetzungen. Dennoch ist der Name Game of Thrones immer noch ein Begriff. Googlesuchen, Merchandise und Interviews mit den Darstellern sind immer noch hoch. Obwohl das Ende kontrovers war. Doch was macht Game of Thrones tatsächlich besser?  Oder vielmehr woran liegt es, dass Game of Thrones trotz vergleichsweise kleinem Budget einen viel größeren Einfluss ausgeübt hat als House of the Dragon? Es kann nicht an den Schauspielern, Regisseuren und Produzenten liegen oder an Skripten.

Game of Thrones und Michele Clapton

Eine ganze Welt – Einflüsse in Game of Thrones

Als vor mehr als zehn Jahren die Serie Game of Thrones anlief, wurde eine neue Fantasy-Welt in die Öffentlichkeit getragen. Die Welt von Westeros. Verantwortlich für die Kostüme war Michele Clapton. Bekannt war sie bereits für die Kostüme von Die Mätresse des Teufels bekannt. Die Britin gewann für Game of Thrones zwei EMMYs und später auch für ihre Kostüme in The Crown.

Arbeit hatten sie und ihr Team engen Kontakt zu George R. R. Martin, konnten aber sehr frei agieren, was die Entwürfe und Entwicklungen der Kostüme betraf. Michele Clapton hatte verschiedene Einflüsse, die immer wieder in den einzelnen Kostümen auftauchen. Als wichtigste Kernelemente können folgende genannt werden: Renaissance, die byzantinische Epoche, Samurai -Rüstungen, römische und griechische Antike. Ferner nennt sie Folklore und Mythologien verschiedener Nomadenstämme als wichtigen Ankerpunkt. 

Die Kleidung von Game of Thrones konzentrierte sich vor allem auf die zwei prominenten Familien: Stark und Lannister. Später auch auf die Familie Tyrell. Einzelne Figuren, deren Kleidung eine prominente Rolle einnahm waren Daenerys Targaryen, Brienne von Tarth und die Nachtwache als Gruppe  Die wichtigsten Kostüme der Serie waren die von Cersei Lannister, Sansa Stark und Daenerys Targaryen

Game of Thrones musste die Welt von Westeros in einem Mikrokosmos zusammenfassen und für den Zuschauer leicht zuzuordnen sein. Dadurch sind Farben, Stoffe, Schnittmuster und Motive das wichtigste, die Figuren einzelnen Gruppen schnell zuzuordnen.

Kostüme in Gruppen

Die Kleidung der Figuren sorgt für eine Unterstützung der Geschichte auf mehreren Ebenen. Es hilft verschiedene Regionen der sieben Königslande und anderen Teilen dieser Welt zuzuordnen und die Figuren voneinander zu unterscheiden, jede dieser Kleidergruppen ist beeinflusst von ihrem Umfeld und der Landschaft. So ist etwa der Norden nicht sehr reich, demzufolge ist die Kleidung der Starks schwere Pelze mit wenig Verzierung oder Schmuck, während die Westlande reich an Edelmetallen sind und die Lannister-Kleidung das zum Ausdruck bringt. Dazu kommt das, was Michele Clapton als „Trickle Down Principle” bezeichnete. Die Kleidung der Adligen ist Vorbild für die Kleidung der Bevölkerung, von den Bediensteten, über den Haushalt bis hin zur Bevölkerung der Region.

Neben diesen Eigenschaften stellt die Kleidung auch politische Beziehungen untereinander her. Etwa die Verbindung von Wappentieren bei Hochzeiten, aber auch Motive, die die Figuren in ihrer Kleidung nutzen, um ihre Situation zum Ausdruck zu bringen.

Die Familie Stark

Als zentrales Beispiel ist die Familie Stark zu sehen. Und die wichtigsten Figuren dieses Stils, gerade zu Beginn der Serie, sind Eddard Stark (Ned), seine Frau Catelyn Stark und die älteste Tochter Sansa Stark. Die Kleidung besteht aus verschiedenen Blau- und Brauntönen. Die Starks herrschen von der Burg Winterfell über den Norden von Westeros, eine dünn besiedelte, kalte Landschaft. Und die Kleidung der Starks ist an das Wetter angepasst: Es gibt graue Blautöne und braune Farben. Die Kleidung ist häufig gefüttert und gesteppt und schwere Wollmäntel mit Fell. Die Kleider haben vornehmlich die Funktion, die Träger vor den Temperaturen zu schützen und wirken auf den ersten Blick schlicht und funktional. Dennoch hebt sich die Kleidung der Starks durch verschiedene Details hervor. Michele Clapton zog Inspiration vor allem aus der nordeuropäischen Kleiderordnung, aber auch asiatische Motive. Gerade die Waffenröcke der Männer sind eher Hosenröcken nachempfunden. Dominierend für die Männerkleidung sind Hemden mit Tunnelzügen, ein Lederwamms, verschiedene gesteppte Westen, Hosen aus dichter Wolle oder Leder und derbe Stiefel.

Die Kleidung der Frauen sind gerade geschnittene Wollkleider. Diese unterscheiden sich lediglich in den Volumen ihrer Röcke, da weite Röcke eine höhere soziale Stellung anzeigen. Die weiteren Röcke sind unpraktischer für Feldarbeit. Ein dekoratives Element sind Knoten um den Halsausschnitt. Nach Michele Clapton impliziert es, dass ein Mädchen noch nicht im heiratsfähigen Alter ist. Eine Figur, die dieses Motiv zu Beginn trägt, ist Sansa Stark, als älteste Tochter von Eddard Stark und Catelyn Tully ist sie im passenden Alter für mögliche Heiratspläne.

Catelyn Stark stammt aus der wohlhabenden Familie Tully, die über die Flusslande herrscht. Sie hat Eddard Stark nach dem Tod seines älteren Bruders geheiratet und ist Herrin von Winterfell. Auch nach fünfzehn Jahren empfindet Catelyn den Norden immer noch als Fremd und pflegt eine gewisse höfische Kultur, die eher von den anderen Adelsfamilien der sieben Königslande praktiziert wird. Anders als Eddard Stark ist sie mit der Religion der Sieben aufgewachsen. Ihre Kleidung ist immer wieder mit Fischmotiven versehen, da der Fisch das Wappentier der Tullys ist. Catelyn trägt häufiger grünblaue Töne, was sie sowohl als Tully als auch als Stark kennzeichnet. Ihre Krägen sind mit Stickereien versehen. Michele Clapton zufolge hat Catelyn diese Technik mit in den Norden gebracht.

Die Familie Lannister

Die reichste Familie in Westeros stellt das auch sehr deutlich dar. Die Materialien sind Edelmetalle. Gold wird in Dekorationen verwendet, ob an den Rüstungen oder der zivilen Kleidung. Die zweite wichtige Farbe ist rot. Die Wappenfarben der Lannisters ziehen sich durch die Kleidung und repräsentieren ihren Reichtum, ihre Macht und das Selbstverständnis der Familie. Insbesondere durch das Familienoberhaupt Tywin Lannister (Charles Dance). Seine Kinder Cersei, Jaime und Tyrion zeigen in ihren Kostümen auch jeweils Referenzen. Insbesondere Cersei Lannister in Staffel 2, nach dem Tod von Robert Baratheon, stellt ihre Familienzugehörigkeit deutlich heraus. Die Brüder Jamie und Tyrion hingegen sind variabel, Jamie trägt zu Beginn die Rüstung der Königsgarde, Tyrions Kleidung wird im Laufe der Zeit aufwändiger. Besonders als Hand des Königs.

Die Kleidung der Lannister hat stärkere asiatische Einflüsse, insbesondere weite Arme, die auch in Kennzeichnend für Königsmund (Kings Landing) sind. Noch deutlicher wird es an der Rüstung von Tywin Lannister in Staffel 2, wo deutlich ein Einfluss japanischer Rüstungen zu finden ist.  Ein weiteres Motiv ist ein deutlich militärischer Einfluss auf die Kleidung. Für die Lannisters ist Kleidung eine Rüstung in den sozialen Gefügen, in denen sie leben. Insbesondere für Cersei.

Die Familie Tyrell

Der dritte, prominente Familie, die eine bestimmte Dominanz in Mode zeigt, ist die Familie Tyrell. Die neben den Lannisters die wohlhabendste Familie in Westeros ist. Die Tyrells regieren die Weite, die landwirtschaftlich stärkste Region des Landes, die vor allem für ihren Wein bekannt ist, aber auch die anderen Regionen mit Lebensmitteln versorgt. 

Die Tyrells sind anders als die Lannisters zeigen ihren Wohlstand vor allem durch die Materialien ihrer Kleidung

Anders als die Familie Lannister sind die Tyrells mit floralen Motiven umgeben – zum einen weil die Rose das Hauswappen ist, zum anderen aber auch weil der Wohlstand der Familie auf Landwirtschaft begründet ist. Auch sind bei den Tyrells starke Einflüsse moderner Designer zu finden. Etwa sind die Kleider von Margaery Tyrell in starker Anlehnung an Alexander McQueen zu finden. Auch steht sie in direktem Kontrast zu Cersei Lannister.

Kleider als Teil der Figur

Ein weiterer Punkt ist, dass Kleidung eine Geschichte transportieren muss, und an welchem Punkt der Geschichte die Figur sich befindet. Drei gute Beispiele dafür sind Cersei Lannister, Sansa Stark und Margaery Tyrell. Sansa Stark wird zu Beginn der Geschichte in den Farben der Stark gezeigt. Wobei ihre Farben etwas heller sind, da Sansa sich gerne von ihrer Familie absetzen möchte und die Vorstellung hat, einmal als Königin in Königsmund zu herrschen. Als Eddard Stark zur Hand des Königs berufen wird und nach Königsmund reist, übernimmt Sansa, die ihren Vater begleitet, sehr schnell die höfische Kleidung. Vor allem imitiert sie Cersei Lannister und ihre Hofdamen. Sansa Stark wird in die Intrigen am Hof hineingezogen und zunehmend zum Spielball der Lannisters. Ihre Kleidung wird heller, fragiler und Motive wie Libellen tauchen auf und Sansas Kleidung wird voluminöser, um sie zu schützen. Mit der Flucht aus Königsmund verlässt sie Pastelltöne und trägt, schwarz oder graue Blautöne. Sansa Stark, mit ihrer Rückkehr zu Winterfell übernimmt wieder ihre Familienfarben.

Cersei Lannister im Gegensatz dazu trägt in der ersten Staffel helle, leichte Pastelltöne mit bestickten Vogelmotiven. Sie sieht sich selbst als Frau, die ihre Intelligenz nicht ausnutzen kann und von ihrem Mann, Robert Baratheon, unterdrückt ist. Mit dem Tod von Robert beginnt eine farbliche Veränderung. Sie beginnt die Familienfarben der Lannisters zu tragen und anstelle der Vogelmotive trägt sie den Löwen der Lannisters. Dieses Motiv zieht sich danach durch ihre ganzen Kostüme. Da sie in Margaery zunehmend Konkurrenz sieht, beginnt Cersei ab Staffel 4 einige Kleiderschnitte von Margaery zu übernehmen, aber nach dem Schandgang, wird Cerseis Kleidung zunehmend gerader und glatter, mit militärischen Motive wie etwa Schulterklappen und Brustplatten. Auch verschwinden starke Farben, und Cersei Lannister trägt schwarz, mit Referenzen an ihren Vater Tywin Lannister, aber auch noch die Motive des Löwen.

Margaery Tyrell hingegen beginnt mit leichten, mädchenhaften Kleidern mit fließenden Schnitten. Sie heiratet Renley Baratheon, Robert Baratheons jüngeren Bruder, in der Hoffnung auf eine politische Allianz zu bilden, da Renley Ansprüche auf den Eisernen Thron erhebt. Renley stirbt durch ein Attentat seines Bruders Stannis. Margaery als junge Witwe wird nun mit Joffrey Lannister verheiratet. Ihre Kleidung wird nun extravaganter, körperbetonter und expressionistischer. Motive wie die goldene Rose, oder Rosen im Allgemeinen werden immer wieder genutzt und zeigen sie vor allem als Teil einer Familie. Vor allem einer wohlhabenden Familie, die ihren Wohlstand zur Schau stellt, aber anders als die Lannisters stärker darauf angewiesen ist.

House of the Dragon – Jany Temime 

Als Erweiterung der Welt um Westeros ist nun House of the Dragon. Die Serie zeigt die Familie Targaryen zu einem Zeitpunkt ihrer unangefochtenen Herrschaft über Westeros. Die erste Staffel steht unter den Vorboten des “Tanz der Drachen”, einem Krieg, der die Thronansprüche von Rhanerya Targaryen und ihrem Halbbruder Aemon Targaryen auslöste. Das Kostümdesign wurde von Jany Temime übernommen. Jany Temines Arbeit findet sich vor allem in Filmen und House of the Dragon war ihre erste Serienarbeit. Anders als Michele Clapton konnte Jany Temime bereits auf eine bestehende Welt aufbauen.

Der Höhepunkt der Targaryen

Der Vorteil, den Jany Temime hatte, war, dass es bereits eine feste, etablierte Ausstattung der Welt gab, die sie erweitern sollte. Anders aber als für Michele Clapton bestand die Herausforderung das Haus Targaryen, das in Game of Thrones nur durch Daenerys Targaryen und ihren Bruder Viserys dargestellt wurde. Für die Familie Targaryen gab es zudem keine genaue Rhetorik, da Daenerys’ auf dem Kontinent Essos in verschiedenen Kulturen lebt und deren Kleidung trägt. Viserys’ Kleidung zeigt Drachenmotive als Stickereien. Anders aber als die beiden Geschlechter ist die Geschichte der Targaryens in House of the Dragons zum Höhepunkt ihrer Macht angesiedelt. Die Familie hat einen unangefochtenen Herrschaftsanspruch auf Westeros, durch lebende Drachen und den Reichtum der Krone. Jany Temime legte daher den Fokus auf zwei Punkte – zum einen, dass die Handlung 200 Jahre vor den Handlungen von Game of Thrones spielte und die Kleidung dementsprechend aussehen musste und Kleidung die auf antike Hochkulturen schließen ließ. Ihre Inspiration waren Byzanz und die Renaissance. Der Wohlstand der Targaryens sollte sich vor allem durch ihre Kleidung darstellen, die kostspielig und aufwändig war.

Rhaenyra und Alysanne – Kommunikation durch Kleidung

Die beiden wichtigsten weiblichen Figuren, Rhaenyra Targaryen und ihre Kindheitsfreundin Alysanne Hohenturm sind zu beginn der Handlung in leicht, wenig aufwendige Kleider. Wobei Rhaenyra Targaryen bereits von Beginn hat viele Drachenmotive in irgendeiner  Weise trägt, Alysanne hingegen weiche Schnitte. Nach dem Tod von Rhaenyras Mutter beginnt ihr Vater, Otto Hohenturm, seine Tochter als zweite Ehefrau des Königs zu positionieren. Alysanne trägt zunehmend erwachsene Kleidung, zum Teil auch Kleidung ihrer eigenen Mutter, um reifer und weiblicher zu wirken. 

In der gleichen Zeit wird Rhaenyra als Erbin ihres Vaters Viserys eingeführt. Und ab diesem Moment wird ihre Kleidung aufwendiger. Sie trägt antikisierenden Schmuck und Kleidung, die an rituelle Kleidung erinnert. Nach Angaben von Jany Temime ist dieses Kleid ein antikes Kleidungsstück, das in den Generationen weitergereicht wird und inspiriert ist von antiken Mosaiken und orthodoxen Heiligendarstellungen aus byzantinischen Kirchen. Die Hochzeitskleidung von Rhaenyra und Daemon ist inspiriert von traditioneller japanischer Kleidung und Kopfschmuck. 

Je weiter die Handlung voranschreitet, umso mehr ändert sich die Kleidung der beiden Mädchen/Frauen. Rhaenyra trägt stark strukturierte Kleidung, mit hohen Taillenabschlüssen und voluminösen Röcken. Ihre Position als Erbin ihres Vaters wird durch die Verwendung von Farben und Stickereien gezeigt. Sie trägt Drachenmotive in Form von Knöpfen und Stickereien, ihre Kleidung nimmt Schuppenmotive und Feuerelemente mit auf. 

Alysanne hingegen beginnt ihre Kleidung vor allem immer mehr als kommunikative Waffe einzusetzen. Nachdem sie als Frau in einem männerdominierten Umfeld immer wieder der Faustpfand war, wird ihre Kleidung hochgeschlossen und in den Familienfarben der Hohenturms. 

Daemon Targaryen – Royal Rouge

Daemon ist der jüngere Bruder von König Viserys und der Anführer der Stadtwache. Seine Kleidung zeichnet sich auch genau dadurch aus. Er ist meist in praktischer Kleidung zu sehen: Stiefeln, Hemd, Wams und Hosen. Anders als sein Bruder ist er schlichter gekleidet, aber immer in den Familienfarben und der entsprechenden Qualität und Eleganz.  Er ist der militärische der beiden Brüder, aber auch vergleichsweise zupackend. Er gräbt die Dracheneier aus, führt die militärischen Gegenschläge gegen die Aufstände durch und setzt die Thronansprüche seiner Familie über alles. Dennoch ist Daemon auch gefährlich, frustriert in seiner Rolle und eine gefährliche Figur in der politischen Landschaft. 

Seine Position innerhalb der Familie wechselt immer wieder, aber letztendlich gehört er zu dem Familienverbund der Targaryen. 

Viserys – der Statuenkönig.

Die interessanteste, aber auch tragische Figur ist König Viserys Targaryen, gespielt von Paddy Considine. Viserys durchläuft eine extreme, physische Veränderung durch eine nicht näher benannte Krankheit. 

Im Laufe der Handlung wird seine Kleidung immer schwerer, drückender, aber auch kaschierender, um den Verlust von Gliedmaßen zu verstecken. Ebenso wird seine Kleidung voluminöser, ausladender, um den körperlichen Verfall zu betonen. Und je mehr die Krankheit seinen Körper zeichnet, umso mehr wird mit Prothesen versucht, das zu verstecken. So dass Viserys am Ende eher einer lebenden Statue als einem Menschen gleicht. 

Warum Game of Thrones besser ist?

Obwohl die Produktion von House of the Dragon deutlich ausgereifter und nach dem Standard moderner Fernsehserien gedreht wurde, blieb sie hinter Game of Thrones zurück. Die Ausstattung der Figuren, der Sets aber auch der einzelnen Schauspieler war überragend, aber sie blieb genau das: einzeln betrachtete Elemente. Jede Figur durchlebt ihre eigene Geschichte, ihren eigenen Handlungsstrang, ohne dass es sich zu einer gemeinsamen Einheit verbindet. Allerdings beschränkt sich ihre Arbeit auch auf eine Staffel, so dass man auf die folgenden Staffeln und die Entwicklung gespannt sein kann.

Michele Claptons Design schuf über acht Staffeln eine Zusammengehörigkeit von Gruppen in sozialen Gefügen, Normen und Orten. Und schaffte es, den Spagat Figuren sowohl einer Familie oder einem Verbund zuzuordnen und sie gleichzeitig eine individuelle Geschichte durchleben zu lassen.

Eingekleidetes Westeros: Identitäten durch Stoffe und Farben

Was sagen Farben und Kleidung über die soziale Stellung der Personen aus?

Westeros ist eine strikt nach Ständen geordnete Welt, geordnet nach den Prinzipien mittelalterlicher und frühneuzeitlicher Ständegesellschaft – der soziale Rang definiert den Zugang zu Bildung, Gütern, Macht und auch das Strafsystem ist darüber geregelt.  Die Zuordnung eines sozialen Ranges erfolgt vor allem über die getragene Kleidung, die die einzelnen Personen jeweils leicht dem sozialen Stand, dem sie angehören,  zuordnen lassen.

Adel

Die adligen Familien in Westeros  stehen an der Spitze einer sozialen Hierarchie und haben sowohl durch ihre Materialien als auch den sozialen Stand die Möglichkeit, diese durch ihre Kleidung auszudrücken. Dabei hat soziale Kleidung nicht nur die Funktion, den Wohlstand einer Familie auszudrücken, sondern ist auch Teil des ökonomischen als auch sozialen Gefüges – Adelsfamilien müssen ihren Herrschaftsanspruch nicht nur durch Geburt, als auch durch ihre soziale Performanz immer wieder legitimieren. Soziale Performanz ist das Auftreten und Gebaren  einer Person aus den jeweiligen Familien, das mittels Kleidung, ihrer Funktion als höchste gesetzgebende Autorität und dem Schutz der ihnen untergebenen Bevölkerung ausgedrückt wird. Durch Verwendung von kostbaren, seltenen Materialien, hoher Handwerkskunst vermitteln sie einen nonverbalen Eindruck von ihrer sozialen Stellung und ihrer Funktion und legitimieren dadurch wiederum ihren Status.

Cersei Lannister

Cersei Lannister nimmt innerhalb der Geschichte drei verschiedene Funktionen ein: die Königin von Westeros und Mutter des Kronprinzen, Tochter des Familienoberhauptes Tywin Lannister und später Herrin von Casterley Rock. Als Angehörige der reichsten Familie Westeros und Tochter des einflussreichen Lords und vormaligen Hand Tywin Lannister steht sie in der sozialen Hierarchie von allen weiblichen Figuren am höchsten. Dementsprechend kostspielig und aufwendig ist ihre Kleidung – von Brokat, Seide, myrrischer Spitze, edelsteinbesetztem Schmuck und aufwendigen Frisuren zielt alles darauf ab einen größtmöglichen Effekt zu erzielen und sie in der Position als Königin zu legitimieren.  Durch die offene Zuschaustellung von Wohlstand wird unmittelbar ihre Macht gezeigt.

Cerseis Farben

Ihre Farbwahl in den Büchern ist vor allem Grün oder Gold. Sowohl ihre Haar als auch ihre Augenfarbe, aber auch ihre Kleidung oder Schmuckwahl wird immer wieder auf diese Farbschemen zugesprochen. Die Farbe grün hatte in der Mittelalterlichen und Frühneuzeitlichen Ständegesellschaft allerdings unterschiedliche Formen. Grün galt als Farbe von Liebe und Hoffnung, aber auch Teufelsdarstellungen wird mit einem grünen Rock bekleidet gesehen. Fahle, blasse Gelb oder Grüne Farben waren soziale Randfiguren: Prostituierte, die jüdischen Stadtbewohner mussten den gelben Judenhut tragen oder einen kreisförmigen „gelben Fleck“. Goldgelb wiederum war dem Klerus vorbehalten.

Diese Legitimation wird später in Frage gestellt, als sie unter Anklage steht und von ihrem Onkel in Absprache mit den militanten Glaubensbrüdern zu einem Schandgang gezwungen wird.

Klerus und Orden

Eine weitere soziale Gruppe ist der Glaube in Westeros. Die zwei Religionen, die im Land dominierend sind ist der Glaube der Sieben und der Glaube an die Alten Götter, der sich im Norden erhalten hat. Wie in jeder Religion wird der Glaube der Sieben ist hierarchisch geregelt, je höher der Stand innerhalb der Kirche, desto aufwendiger die Kleidung, bis hin zur Kristallenen Krone des höchsten Amtsinhabers, des Hohen Septon, der in Königsmund residiert. Die einfachen Septone, die in der Bevölkerung den Glauben predigen, finden sich einfache Kleidung. Während der Bettelordern, der Spatzen, der militante Armut predigt, vor allem in Lumpen gekleidet sind um ihre Armut öffentlich zu zelebrieren.

Eine Besonderheit ist der Orden der schweigenden Schwestern. Ein nonnenähnlicher Ordnern, der vor allem für die Totensorge zuständig ist. Sie tragen grau und verhüllen sich vollständig, was ihren abgeschiedenen Status. Zudem sprechen sie nicht, was sie noch mehr zu sozialen Außenseitern macht.

Die zölibatären Krieger

Zwei Orden werden in den Büchern näher beschrieben. Die Nachtwache und die Königsgarde.

Die Nachtwache

Die Nachtwache ist ein Orden von Kriegern, die an der Mauer, der nördlichsten Grenze Westeros ewige Wache halten. Ihre Kleidung ist schwarz, weswegen sie von den Wildlingen auch als Krähen bezeichnet werden. Dienst in der Nachtwache bedeutet den Verzicht auf Land, Titel, Heirat und der Zugehörigkeit zu einer Familie. Aber Familien aus dem Norden des Landes schicken nach wie vor jüngere Söhne in diesen Orden, als teil von Tradition aber auch der Regelung von Erbangelegenheiten. Ihre Kleidung weißt vor allem auf ihre Rolle eines Ordens hin, der einer Tradition verbunden ist, aber keine Individualität kennt.

Die Westerosi selbst nehmen die Nachtwache vor allem als Soziale Randgruppe wahr. Verurteilte Verbrecher können, anstelle einer Todesstrafe in die Verbannung an die Mauer geschickt werden. Damit ist klar, dass die Nachtwache sich außerhalb der alltäglichen sozialen Gesellschaft befindet.

Die Königsgarde

Die Königsgarde oder auch „die weißen Brüder“ hingegen sind ein elitärer Verbund aus sieben der besten Krieger des Landes zum Schutz der Königsfamilie. Gekleidet in weiß sind sie das Gegenteil der schwarzen Nachtwache. Obwohl in den Büchern auch Krieger aus sozial niederen Familien genannt werden, versteht sich die Königsgarde vor allem als eine Auszeichnung für sozial Hochrangige Familien. So werden Namen wie Tyrell, Lannister, Hohenturm und Dayne genannt.

Wie die Nachtwache verzichtet auch die Königsgarde mit einem Gelübde auf Titel, Land und Ehe. Dennoch behalten die Mitglieder weitestgehend ihre individuelle Identität, da ihre Biografien in einem Buch gesammelt werden und sie ihren Familien zugeordnet werden.

Die Nichtfarben und deren Bedeutung

Die Farben der beiden Orden stehen sich gegenüber und als Nichtfarben haben sie auch eine symbolische Bedeutung. Schwarz als Farbe von Tod, Trauer und Nacht. Weiß hingegen die ist Farbe von Unschuld, Reinheit und Vollkommenheit.

Beide Orden erfüllen ähnliche Funktionen, sind aber durch ihre Farben mit unterschiedlichen Bedeutungen assoziiert und werden dementsprechend wahrgenommen. Obwohl ihre Farben einen symbolischen Charakter haben und dieser den jeweiligen Orden zugesprochen wird, ist in der Handlung klar, dass die Orden meist das genaue Gegenteil ihrer Assoziation sind.

Von Schweigenden Schwestern und gesichtslosen Männern

Kleidung kann eine Identität aber auch komplett eliminieren. SO die Orden, die unmittelbar mitd em Tod in Verbindung gebracht werden: Die Schweigenden Schwestern und die Gesichtslosen Männer.

Die Frauen des Fremden

Die schweigenden Schwestern sind ein nonnenähnlicher Orden, in dem die Frauen komplett in Grau gekleidet und verschleiert sind. ihre wichtigste Funktion ist die Totensorge: das Waschen, Aufbahren und Parfümieren. In dem Westerosi Glauben bringt der Anblick des Todes Unglück.

Die Schwestern nehmen Frauen und Mädchen aller sozialen Schichten auf. Vor allem aber ist es ein Rückzugsort für Witwen. Teilweise wird aber auch eine Frau zur Strafe zu den Schweigenden Schwestern geschickt.

Durch die Kleidung der Schwestern wird jede Individualität ausgeschlossen und die soziale Stellung ist nicht mehr zu kennen und Teil einer gesichtslosen Entität.

Die gesichtslosen Männer

Die Gesichtslosen Männer sind ein religiöser Orden der einen Totenkult aufgebaut hat. Sie dienen dem „gesichtslosen Gott“ indem sie Mordaufträge als Opfergabe an ihren Gott annehmen. Ungeachtet von sozialem Stand oder Bezahlung. Die Religion sieht den Gott der vielen Gesichter in jeder Religion.

Die Kleidung in Bravoos ist genau geregelt: die Priester tragen Kutten, in den nichtfarben Schwarz (rechts) und Weiß (links) mit einem Gürtel. Die Gehilfen der Priester tragen weiß rechts und schwarz links, aber keinen Gürtel. Während Novizen Schwarz weiße Roben mit einer schwarzen Tunika tragen. Die Diener des Ordens tragen ungefärbte Kleidung.

Keine Identität

Beiden Orden, die direkt mit Tod und Sterben assoziiert sind, kennen keine Identität mehr, da ihre Kleidung bereits darin angelegt ist. durch den Tod als schweigende, universelle Kraft werden die Vertreter dieser zu einer Gesichts- und identitätslosen Gestalt.

Bevölkerung – Die breite Masse

Der größte Teil der Bevölkerung von Westeros sind das „Smallfolk“. Die Bauern, Kaufleute, Händler und Handwerker in den jeweiligen Regionen, in denen sie leben. Aber wenig gibt es über sie zu sagen.

Die wichtigsten Quellen sind die Kapitel von Brienne von Tarth und Arya Stark. die Materialien und Qualität ihrer Kleidung ist im ersten Teil von „Eingekleidetes Westeros“ beschrieben. Die Vorstellung, dass die Bevölkerung aber nur in grau-braunen Lumpen herumlief dürfte nicht stimmen – da Kleidung Teuer in der Herstellung ist, wird sie regelmäßig ausgebessert. Die Färbetechniken von Stoffen sieht vor, dass Kleidung jeder Art gefärbt wurde. Meistens können Farbstoffe aus Pflanzen gewonnen werden, etwa Hölzern, Pilzen und verschiedenen Pflanzen und Mineralien.

So können Farben wie Grün, Gelb, Braun, matte Rot- oder Blautöne erzeugt werden. Je teurer und kostspieliger die Kleidung wird, desto höher der soziale Stand.

Fazit

Die Kleidung in Game of Thrones kommuniziert sehr viel über die sozialen Gefüge der Figuren und ihre Zuordnung – insbesondere durch Farben und Stile können Personen ihrem Sozialen Stand schnell zugeordnet werden, wobei Kleidung auch dafür sorgt, dass jede Individualität verschwindet. Vor allem bei religiösen Verbünden oder Kriegerorden.

Aber auch die Farben sorgen für eine eindeutige Assoziation einer Person oder Gruppe. So können intensiv gefärbte, Kleider den Status einer Adelfamilie anzeigen, während die Grauenroben der Schweigenden Schwestern diesen Status entziehen.

Quellen

Katrin Kania: Kleidung im Mittelalter. Materialien-Konstruktion-Nähtechnik. Ein Handbuch, Köln, Weimar und Wien 2010

Else Östergard: Woven into the earth, Aarhus Universitetsforlag 2004

A Wiki of Ice & Fire

https://www.mittelalterliche-kleidung.com/gewandungen-glossar/

Hebt die Titanic!

Warum die Titanic das perfekte Popkultur Phänomen ist

Ich bin fast eine Woche zu spät, aber es wurden neue Aufnahmen vom Wrack des wohl bekanntesten Schiffsunglück des 20. Jahrhunderts an die Öffentlichkeit gegeben. Und Was soll ich sagen? Ja, wenn der Name Titanic kommt, bin ich doch immer wieder aufgeregt und neugierig.

Wie die meisten, habe ich die Titanic das erste Mal durch den Film von James Cameron wahrgenommen. Und dann, als Schülerin, bei einer Freundin den Tauchbericht von Robert Ballard entdeckt. Ballards Bericht war sozusagen der Einstieg in mein anhaltendes Interesse an dem Schiff. Seitdem kam noch ein Film 2012 heraus, ich habe ältere Filme und die Miniserie von 1997 gesehen. Und die Frage, die mich beschäftigt ist: was macht die Titanic zu diesem Phänomen.

Das schwimmende First Class Hotel

Das Konzept der White Star Line war Luxus. Man wollte keine Geschwindigkeit bieten, sondern aller höchsten Komfort. Von der 1. bis zur 3. Klasse. Ja, auch die dritte Klasse war im Vergleich zu anderen Transferschiffen komfortabel eingerichtet – dementsprechend der Preis. Die erste Klasse entsprach der Ausstattung eines Luxushotels mit allen Annehmlichkeiten sowie ein Türkisches Bad, ein Fitnessraum und Café. Auch ein Luxus war, die Nutzung einer modernen Funkanlage Marconi GmbH um persönliche Nachrichten für 9 Pence pro Wort zu übermitteln.

Ebenso wie die zweite Klasse, deren Speiseplan sich nur minimal von 2. Klasse unterschied, waren die Möglichkeiten verschiedene Einrichtungen gemeinsam mit der 1. Klasse zu benutzen. Aber vor allem komfortabel, im Vergleich zu anderen Schiffen waren die Kabinen der 3. Klasse. Mit Tagesdecken auf den Betten, drei Gängen zur Mahlzeit und Aufenthaltsmöglichkeiten.

Gleichzeitig vermittelt das Schiff einen Querschnitt der edwardianischen Gesellschaft zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Diese Schiffe waren vor allem für die anhaltenden Emigrationswellen von Europa in die USA konzipiert. Wenn die 3. Klasse ausgebucht war, waren die Einnahmen der 1. und 2. Klasse reiner Gewinn.

Die unvollendete Reise

Die Geschichte von der Jungfernfahrt, die nie zu Ende gebracht wurde, regt ei Phantasie der Menschen an. Diese Idee, dass etwas nicht beendet wurde, zehrt an unseren Konzepten, wie etwas zu funktionieren hat und beflügelt unsere Vorstellung von „Was wäre wenn.“

Was wäre, wenn Kapitän Smith nicht bei voller Geschwindigkeit in ein Eisfeld gefahren wäre

Was wäre, wenn der 1. Offizier Murdoch nicht in der Nacht die Entscheidung Backbord oder Steuerbord hätte wählen müssen?

Was wäre, wenn die letzten Funkmeldungen über Eiswarnungen doch an die Brücke weiter geleitet worden wären?

Was wäre, wenn es genug Rettungsbote gegeben hätte und 2. Offizier Charles Lighttoller nicht ausschließlich Frauen und Kinder in die Boote gelassen hätte?

Im Grunde wollen wir, dass die Reise fortgesetzt und zu Ende geführt wird. Was aber nie geschehen kann.

Die perfekte Tragödie

Das Schiffsunglück ist wie aus dem Lehrbuch eine griechische Tragödie. Der Mensch, in seiner Hybris, erschafft ein Scheinbar perfektes Objekt mit modernster Technik, dass die Natur besiegen kann. Und dann rammt das Schiff einen Eisberg und sinkt. Und zwar in einer Zeitspanne, die es ermöglicht, dass Menschen ihre Charaktere zeigen können. Es gibt Zeit für Helden und Zeit für Feiglinge. Und diese werden von Filmen immer wieder Rezipiert. John Jacob Astor, der seine schwangere Frau in das Rettungsboot setzte und nach Aussagen von Überlebenden tatkräftig geholfen hat Kinder und Frauen in die Boote zu setzen. Die Musiker, die auf einen Platz im Rettungsboot verzichteten und bis zum Schluss Musik spielten. Die Geschichte des Ehepaar Strauss, dass zusammen bleiben wollte.

Aber auch die der Menschen, die in Todesangst im Sinkvorgang in den Atlantik sprangen, die von dem Schiff in die Tiefe gerissen wurden. Der Reedereibesitzer, der ein in Rettungsboot stieg, während immer noch Menschen auf dem Schiff waren. Zum Teil Migranten, die kein Wort englisch verstanden und nie die Chance hatten sich zu retten.
Diese Geschichten beflügeln unsere Phantasie von dem, was in dieser Nacht passiert sein muss.

Die lange Suche

Das Schiff war nach seinem Untergang von 1912 verschwunden. Kein Geld, keine Technik der Welt schafften es, dass man zu ihr gelangen konnte. Und langsam, aber sicher wurde die Titanic zum Mythos. Geleichzeitig begann sofort die Mediale Erzählung. Durch die Funknotsignale kamen die Informationen im Grunde sehr schnell an und bereits am Tag darauf gab es unterschiedliche Meldungen, was passiert sein müsste.

Durch die Unauffindbarkeit des Wracks und dem Untersuchungsausschuss 1912 bildetes sich der Mythos von der schlafenden Schönen in der tiefe des Atlantiks. Bis 1981 das Schiff durch Robert Ballard und Jean – Marie Michel entdeckt wurde. Ein Wrack, in zwei Teile zerbrochen, in fast vier Kilometern tiefe. Bis dahin gab es die Vorstellung der Titanic als perfekt erhaltenes Schiff. Was zu Szenen, wieder hier führte und auch die Sehnsucht greift, das Schiff wieder an die Oberfläche zu bringen:

Raise the Titanic, 1980

Die ewige Warnung

Die Geschichte des Schiffes ist aber vor allem eines. Eine Warnung zu glauben, der Mensch könnte die Natur beherrschen. Wir können über viele kleine Details Simmelieren, wie der Untergang hätte verhindert werden können. Was bleibt, ist die Tatsache dass ein Eisberg diesen Stahlkoloss auf den Grund des Ozeans geschickt hat. Und dass kein Mensch glauben sollte, er könne die Natur beherrschen.

Quellen

Titanic International Society

Titanic Historical Society Org.

Robert D. Ballard: Das Geheimnis der Titanic

Daniel Klistorner, Steve Hall und Bruce Beveridge: Titanic in Photographs

Lawrence Beesley: Titanic. Wie ich den Untergang überlebte