Fashion Eras I love: 1950s

Die 1950er sind beinahe ein Mythos der Modegeschichte. Nach der stoffsparenden, pragmatischen Mode der 1940er schwelgte Europa und die USA in extravaganten Stoffen und Schnitten. Das letzte Jahrzehnt der Grandezza und dem Schwelgen in Eleganz und Stoffen.

Gleichzeitig sind die 1950er Jahre das Jahrzehnt, in der Mode immer bequemer und lockerer wurde. Insbesondere durch amerikanische Filme und Lebensweise, die sich in Europa etablierte.

Cocktailkleid und Tiki-Party

Obwohl es für Frauen zunehmend akzeptabel wurde, zu bestimmten Anlässen Hosen zu tragen, tendierte die Modestimmung in den fünfziger Jahren insgesamt zu Weiblichkeit und Förmlichkeit. Dies gilt insbesondere für die Abendmode, als das Cocktailkleid in der Öffentlichkeit eingeführt wird. Weniger formell als das bodenlange Abendkleid aber eleganter als Tageskleidung. Diese Kleider, die zu den neuen Cocktailpartys getragen wurden, hatten die Länge eines Tageskleides, waren stilistisch eher an einem Abendkleid orientiert. Populär wurden auch Mottopartys wie etwa die Tikiparty, basierend auf polynesischer, ozeanischer und hawaiianischer Popkultur – Gartenfackeln, bunte Cocktailschirmchen, tropische Blumenmuster und der Mai Tai.

Schwelgen in Haute Couture

Bei der formellen Abendgarderobe blieb das Kleid mit vollem Rock während des gesamten Jahrzehnts die Mode, auch wenn Etuikleider und figurbetonte Kleider populär wurden. Das relativ neue trägerlose Mieder war besonders beliebt.

Quelle: Pinterest

Doch obwohl der Look allgegenwärtig war, war er nicht der einzige, der in den fünfziger Jahren an Bedeutung gewann. Tatsächlich entwickelten sich im Laufe der Zeit in der 50er Jahre Mode zwei Strömungen: der volle, schwingende Rock und ein gerader, eleganter Bleistiftrock.

Im Laufe der 50er wurde diese Auswahl vielfältiger. Auch da Couturiers wie Christóbal Balenciaga, Charles James und Hubert de Givenchy andere Silhouetten einführten. Die Mode wurde weniger strukturiert und geradliniger. Chanel und Dior entwarfen Kostüme, die weniger formell waren sondern sich an der Figur von Frauen orientierten. Givenchy führte das Etuikleid ein und Balenciaga Chemise-Kleider, mit der von ihm bevorzugten, schwingenden Silhouette.

Das Kostüm

Es wäre aber auch falsch zu glauben, dass Mode nur rein repräsentativ sein konnte. Die 1950er Jahren brachten nämlich auch eine zunehmende Kultur mit sich, die in den 1920er Jahren bereits begonnen hatte. Frauen wurden in Berufen sichtbar – zum Teil aus Not heraus, da Ehemänner im Krieg geblieben waren, aber auch, weil Berufstätigkeit für Frauen erstrebenswert wurde. Nach wie vor allerdings schieden viele Frauen nach der Heirat aus dem Berufsleben aus.

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Auch wenn in den 1930er und 1940er Jahren Frauen als Arbeitskräfte ebenso beschäftigt waren, wurde in den 50er Jahren das optische Bild dazu geschaffen: Das Kostüm. Ein zweiteiliges Kleidungsstück bestehend aus Rock und Jacke, angelehnt an die klassische Herrenschneiderei und den Uniformen der 1940er. Die Sekretärin, Bürokraft, Verkäuferin, Flugbegleiterin, Lehrerin – das Kostüm war ein perfekte Ergänzung in nahezu jedem, damals für Frauen typischen Beruf.

Sportlich-casual

Während Designer wie Dior, Balenciaga und Charles James wunderschöne Couture-Stücke kreierten, hielt die Begeisterung für Sportbekleidung an. Für Männer und Frauen. James Dean und Elvis Presley avancierten zu Superstars der Jugendlichen.

Die amerikanische Designerin Claire McCardell, die in den 1940er Jahren berühmt wurde, produzierte weiterhin ihre beliebten Wickelkleider. Während die Mode in den 1950er Jahren insgesamt auf Eleganz setzte, wendeten sich junge Frauen sportlichen und weniger formellen Designs wie denen von McCardell zu, wie dem Sommerkleid und dem Badeanzug. Eines der vielleicht dauerhaftesten Bilder der Alltagsmode der fünfziger Jahre ist der Tellerrock. Dieser einfache Bahnenrock wurde mit engen Twinsets, Pullovern oder Blusen kombiniert und obwohl sie viel lässiger waren als die Haute Couture aus Paris, folgten diese Kombinationen der Idee des New Look mit einer definierten Taille und einem vollen Rock. Beliebt wurden zur Mitte der 1950er Jahre auch Capri-Hosen für Frauen – in knie- oder wadenlänge mit seitlichem Schlitz. Populär machte diesen Look Audrey Hepburn,als Gesicht einer jungen, modernen Frau.

Stilvolle Kleidung & Filmstars

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Unabhängig von der Tageszeit war es in diesem Jahrzehnt außerordentlich wichtig, dass eine Frau tadellos gekleidet war. Das bedeutete perfekt gepflegtes Haar, makelloses Make-up und passende Accessoires: Hut Handschuhe und passende Handtasche. Dies wurde durch die glamouröse Modefotografie der Zeit gefördert. Und nicht zuletzt weil Designer zunehmend auch Popstars ihrer Zeit wurden und in Sachen Stil und Mode Tipps gaben. Christian Dior veröffentlichte seinen Stilratgeber ebenso wie die Hollywood-Designerin Edith Head. Schauspielerinnen wie Grace Kelly, Audrey Hepburn und Marilyn Monroe wurden zu Stilikonen der 50er Jahre. Nicht zuletzt weil Hollywood den Wunsch nach Haute Couture bediente und Schauspielerinnen in abgeänderten Entwürfen von Designern zeigte. Zeitschriften, Schallplatten und Sonderartikel bedienten den Wunsch es Stars in Hollywood gleich zu tun.

Von Bild-Lilli zu Barbie

Große Kulleraugen, lange blonde Mähne und ein rosa Lippenstiftlächeln. Jeder redet über Barbie. Oder viel mehr jeder redet über den Trailer von Greta Gerwings neuem Film „Barbie“ und Barbies unvergessenen pinken Puschelheels!

Barbie Teaser Trailer 2

Doch was macht Barbie eigentlich zu diesem dauerhaften Kultphänomen? Das Franchise ist mittlerweile riesig. Barbie hat verschiedene Berufe, einen großen Freundeskreis, drei kleine Schwestern, Haustiere, einen Freund – Ken. Sogar in diversen Filmen hat sie unterschiedliche Rollen gespielt: Ballerina, Prinzessin, Meerjungfrau, Fee, Modejournalistin, Rockstar – Barbie ist wandelbar und immer wieder neu zu entdecken. Und vielleicht ist es auch genau das, was Barbie so interessant macht.

Aber Barbie war nicht immer diese erste emanzipatorische Spielfigur für. Tatsächlich war ihr originales Design angelehnt an eine deutsche Comic Figur. Eine freche Sekretärin namens Lilli. Ja, keine Zahnärztin, keine Chirurgin sondern einmal eine schicke, freche Angestellte. Und ganz sicher war sie nicht als Spielzeug gedacht.

Bild-Lilli

Als Barbie in den 1950ern auf den Markt kam, gab es bereits ihre deutsche Vorgängerin „Bild Lilli“- eine Comicfigur von Reinhard Beuthien, erschienen in der Bild Zeitung. Lilli war ein Phänomen der Nachkriegszeit, schick, ehrgeizig, auf der Suche nach einem reichen Gönner und leicht verrucht.

Sie war schnell und frech mit ihren Antworten. In einem Comic wurde Lilli von einem Polizisten ermahnt, dass es verboten sei einen Bikini auf der Straße zu tragen. Ihre Antwort? „Zweiteilige Badeanzüge sind verboten? Na gut, welches Teil soll ich ausziehen?“

Vom Comic zur Puppe

Lilli wurde in den 1950er Jahren extrem beliebt. So sehr, dass das sie als Puppe verkauft wurde. Sie war in zwei Größen erhältlich – 30 cm und 19cm. Ihre Arme und Beine waren beweglich aber anstelle von geknickten Füßen, trug Lilli angegossene schwarze High Heels. Ihre Lippen und Fingernägel waren rot und ihre halbgeschlossenen Augen mit einem Cat-Eye geschminkt. Ihre Haare waren Blond, Schwarz oder Rot, mit einem Pferdeschwanz und einem gelockten Pony. Dazu eine maßstabsgetreue Bildzeitung.

Sie war als Werbegeschenk in Bars und Tabakläden zu erwerben. Besonders beliebt war sie als Geschenk zu Junggesellenabschieden und hing an den Rückspiegeln von Autos oder LKWs. Allerdings wurde sie zunehmend bei Kindern als Spielzeug beliebt, da es Puppen bis zu diesem Zeitpunkt nur als Kinder gab. Bild-Lilli war eine der ersten Modepuppen, die eine erwachsene Frau darstellten.

Modepuppe

Die Bild-Lilli wurde mit einem Kleiderset verkauft, außerdem gab es zahlreiche Kleidungsstücke für sie. Diese spiegeln den Zeitgeist der 50er Jahre wider – Lilli hatte für alle Gelegenheiten etwas Passendes: Cocktailkleider, Strandanzüge, Baumwollkleider, Pyjamas und Kostüme aus Popeline. Eine Werbebroschüre nannte Lilli als mit ihrer Garderobe „der Star jeder Bar“.

Mitte der 50er Jahre kaufte Ruth Handler, eine der Gründerinnen von Mattel, Modelle von Lilli und schuf nach ihren Vorlagen Barbie. Diese hatte ihr Debut am 9. März 1959

1964 erwarb Mattel die Recht von Bild-Lilli und die Produktion wurde eingestellt. Und jetzt „I’m a Barbie Girl, in my Barbie World – Life in Plastic, I’ts Fantastic!“ – Gerngeschehen Freunde!

Quellen

sammeln-Sammler: Bild-Lilli

Gerling, Peggy und Swantje Köhler: The Truth about Lilli – A Politically Correct Report about Germany’s most Famous Fashion Doll. In: Barbie Bazaar, Februar 1999

Knaak, Silke: Deutsche Modepuppen der 50er und 60er Jahre, 2005