Das Mädchen, das in den Wellen verschwand – Axie Oh

Korea ist Hip. Ich glaube, damit erzähle ich niemandem etwas Neues. K-Drama, K-Pop tummeln sich bei allen bekannten Verdächtigen und damit wächst auch das Interesse an koreanischer Geschichte und Kultur. Aus diesem Grund habe ich mir den Jugendroman „Das Mädchen, das in den Wellen verschwand“ zu Gemüte geführt.

Jedes Jahr wüten in Minas Heimat tödliche Stürme. Und jedes Jahr wird das schönste Mädchen in die Fluten geworfen. Denn eines Tages, so die Legenden, soll die wahre Braut des Meeresgottes auserwählt werden und den Unwettern ein Ende bereiten. Doch dieses Jahr greift Minas Bruder in das Ritual ein und gerät dabei in Lebensgefahr. Um ihn zu retten, opfert Mina sich freiwillig. Im Reich der Geister stellt sie allerdings fest, dass auf dem Meeresgott ein Fluch liegt. Und ihr nur dreißig Tage bleiben, um ihn zu brechen und die Stürme für immer zu beenden …

Märchen neu erzählt

Der Roman basiert auf einer populären Legende: 심청전 (Shimcheongjeong) oder „Die Geschichte von Shim Cheong“. Die Ursprünge der Geschichte sind nicht genau geklärt, allerdings sind drei verschiedene Versionen vorhanden, die mit 18. Jahrhundert geschrieben wurde, was nahelegt das es unterschiedliche Fassungen und Versionen des Stoffes gegeben hat. Die Ausgangslage ist immer die gleiche, dass die 15 Jahre alte Shim Cheong in das Indang Meer springt und durch eine Gottheit zur Erde zurückgeschickt wird.

Ein historischer Stoff neu erzählt, ist immer was für mich. Die Quellenlage ist ein Erzählungssammlung, die ein Thema hat, dass wir in verschiedenen antiken Stoffen haben; Die Liebe eines Kindes zu seinen Eltern, die insbesondere in den Ländern Asiens ein umfangreiches Konzept darstellt, in dem Kinder für ihre Eltern in jedweder Weise sorge sie Rrspektieren und dieser Respekt ein Teil des Verhaltens innerhalb der Gesellschaft darstellt. Auch die antike, europäische Sagenkultur kennt eine Version der Idee. Die der Charitas Romana (die römische Liebe). Der Verurteilte Valerius Maximus wird durch die Muttermilch seiner Tochter vor dem Hungertod bewahrt und dieser Akt steht so für das Sinnbild der Liebe eines Kindes zu seinen Eltern.

Frischzellenkurs für antike Stoffe

Axie Oh hat sich also dieser populären Geschichte angenommen, und die für ein Jugendlichen Lesepublikum angepasst. Die Hauptfigur Mina tritt an die Stelle von Shim Cheong und gelangt dadurch in die Zwischenwelt von Leben und Tod im Reich des Meeresgottes. Dort hat sie 30 Tage Zeit den Fluch des Meeresgottes zu brechen und nicht eine der zahllosen Verlobten zu werden, die als Wachen, Ehefrauen oder Dienerinnen die Stadt unterhalb des Meeres bevölkern.

Mina ist eine dieser Protagonistinnen, die man schnell ins Herz schließt – sie ist ein fünfzehnjähriges Mädchen, was in eine Welt hineingerät in der sie überleben muss und in der sie durch die Hilfe dreier Freunde zwar die Regeln erfährt, aber sie logischerweise nicht immer beherrscht. Sie macht Fehler, ist temperamentvoll und liebenswert. Aber auch stur, was einen manchmal in den Wahnsinn treibt.

Shin, der Wächter dieser Welt, ist derjenige mit dem Mina am meisten aneinandergerät und dessen Schicksal mit ihrem verbunden ist. Natürlich startet die Beziehung der beiden von einem auf und ab geprägt, was auch viel auf Missverständnissen beruht.

Folklore ist das neue Pop

Alles in Allem, ist es eine schöne Geschichte, eines Vollmärchens, die sich gut lesen lässt. Neben den Protagonisten gibt es einen groben Einblick in die Vorstellungen von Jenseits, Folklore und verschiedenen magischen Wesen, die zugunsten im Stil einer Fantasy-Romance etwas abgemildert wurden und dadurch zu liebenswerten Charakteren werden. Allen voran Shins begleiter – ein Kirin und ein Imugi. Ein Kirin ist ein Fabelwesen in der ostasiatischen Mythologie, oft dargestellt als Mischung aus Hirsch, Drache und Pferd, und gilt als Glückssymbol. Imugi sind in der koreanischen Folklore schlangenartige, unvollständige Drachen, die als Vorstufe zu vollwertigen Drachen gelten. Daneben erfährt man von einer Vorstellung des Jenseits und des naturreligiösen Kults, im koreanischen Raum.