Eine Studie in Pink

Mit den ersten Bildern von Greta Gerwigs Barbie ging es los: Pink kommt mit Wucht zurück. Und nicht zwingend zarte Rosétöne. Nein, das leuchtende „Barbie Pink“. Doch keine Farbe war so unterschiedlich im Laufe der Geschichte wie Pink.

Wie die meisten, habe ich als Kind mit Barbie gespielt. Eine Puppe, die man mit verschiedenen Kleidern in unterschiedliche Situationen stellen konnte. Aber auch die Laufstege zeigten in den letzten zwei Jahren Mut zur Farbe. Barbie konnte alles tragen. Und darum die Frage, warum wird Pink immer als Mädchenfarbe beschrieben

Elegant, rebellisch und nicht nur für Mädchen

Elvis Presley fuhr einen Cadillac, Marilyn Monroes figurformendes Kleid in „Blondinen bevorzugt“ oder der „Pussyhat“. Sie alle sind Pink!

Im laufe der Jahrhunderte wurde Pink in vielen Nuancen und sozialen Konzepten wahrgenommen: feminin, erotisch, kitschig, elegant und progressiv. Pink wandelt sich immer wieder.

Pink wandelte sich in den letzten drei Dekaden von einer zarten, fragilen Farbe in die neue Farbe für hip, androgyn stark. Pink kam und blieb!

Eine bunte Geschichte

In Europa wurde Pink das erste mal Mitte des 18. Jahrhunderts beliebt. Die Europäische Aristokratie, Männer wie Frauen, trugen zarte Farbtöne als Zeichen für Luxus und Aristokratie. Madame de Pompadour, die einflussreichste Geliebte von Ludwig XV und Politikerin, wurde 1757 sogar Namensgeberin eines Farbe der Porzellanmanufaktur Sèvres: Rose Pompadour.

Die Assoziation mit Weiblichkeit begann erst in der Post-Napoleonischen Welt des 19. Jahrhunderts. Die Kleidung der Männer wurde dunkler und gediegener, während Frauen sich in hellen Pastelltönen kleideten. Pink wurde zum Ausdruck von Zerbrechlichkeit. Passend zu dem vorherrschenden, puppenhaften Schönheitsideal. Gleichzeitig wurde Pink auch zunehmend mit Erotik assoziiert. Insbesondere durch die Darstellung in Literatur uns Kunst – und immer in Verbindung mit Weiblichkeit.

Mit der Industrialisierung und der Herstellung chemischer Farben wurde Pink immer billiger in der Herstellung. Vor allem starke, zuweilen grelle Töne wie Magenta. Pink wurde von einer luxuriösen Farbe zu einer billigen Ware, die vor allem mit Prostitution assoziiert wurde.

Seien Rückkehr in die Haute Couture begann erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Der französische Couturier Paul Poiret begann Roben in hellen und pastellenen Tönen zu kreieren, neben Kirschrot, Korallenrot und Fuchsie. Ab den 1950er Jahren wurde Pink zum stereotypen Farbbild für Frauen der Nachkriegszeit.

Pretty in Pink

Pink wurde in den 1960er Jahren wieder neu gedacht. Coco Chanel stellte ihr Kostüm in zarten Pinktönen vor, Jackie Kennedy und Marilyn Monroe verbanden Pinkt mit der Vorstellung von Eleganz und Luxus. Nach und nach wurde von der Musikwelt Pink übernommen, bunter und lauter. Auch wurde dank Madonna Pink 1990 durch ihren Auftritt mit Jean Paul Gaultier erotischer als zuvor. Und obwohl Pink seit den 2000er Jahren erst als Farbe für Männer (wieder) verstanden wird, gab es doch immer ein roséfarbenes Herrenhemd.

Pink in aller Welt

Pink scheint eine Farbe zu sein, die wohl die heftige Diskussionen hervorruft. Im positiven, wie negativen. Und genauso unterschiedlich wird Pink wahrgenommen. Während Pink in asiatischen Kulturen, insbesondere in Japan, oft mit einer jugendlichen, weiblichen Niedlichkeit versehen wird, ist es auf dem indischen Subkontinent Geschlechtsneutral mit Kleidungsstücken, Schmuck und Turbanen in Pinktönen.

Pinke Merkmale

Pink ist aber nicht nur eine Frage von Modeerscheinungen sondern auch sozialen Gruppen. In der NS-Diktatur wurden Rosa Winkel in Konzentrationslagern dazu verwendet, Homosexuelle zu erkennen und in dne 1970er Jahren wurde dieses Symbol verkehrt, und wurde zum Symbol der Schwulenbewegung. Pink wurde zunehmend eine Frage die in verschiedenen Flaggen innerhalb der LGBTQ Bewegung nutzt wurde.

Darüber hinaus wurde Pink das Symbol gegen Brustkrebs, in Form einer Pinken Schleife. In den USA wurde Pink von Protestierenden als Symbol für körperliche Selbstbestimmung und Soziale Gerechtigkeit.

Pink, wie jede Farbe, durchläuft eine Neudeutung in gesellschaftlichen Kontexten. Es ist nicht mehr nur eine Farbe für die für eine kindliche Mädchenhaftigkeit steht. Pink kann hübsch und stark sein, feminin und feministisch.

Quellen

Steele, Valerie: Pink. The History of a punk, pretty, powerfl Color. Thames & Hudson, London 2018.

Paetz, Annette, Isa Fleischmann-Heck (Hrsg.): Zeitkolorit. Mode und Chemie im Farbenrausch 1850-1930, Nünnich-Asmus Verlag und Media GmbH, Oppenheim am Rhein 2019

Von Bild-Lilli zu Barbie

Große Kulleraugen, lange blonde Mähne und ein rosa Lippenstiftlächeln. Jeder redet über Barbie. Oder viel mehr jeder redet über den Trailer von Greta Gerwings neuem Film „Barbie“ und Barbies unvergessenen pinken Puschelheels!

Barbie Teaser Trailer 2

Doch was macht Barbie eigentlich zu diesem dauerhaften Kultphänomen? Das Franchise ist mittlerweile riesig. Barbie hat verschiedene Berufe, einen großen Freundeskreis, drei kleine Schwestern, Haustiere, einen Freund – Ken. Sogar in diversen Filmen hat sie unterschiedliche Rollen gespielt: Ballerina, Prinzessin, Meerjungfrau, Fee, Modejournalistin, Rockstar – Barbie ist wandelbar und immer wieder neu zu entdecken. Und vielleicht ist es auch genau das, was Barbie so interessant macht.

Aber Barbie war nicht immer diese erste emanzipatorische Spielfigur für. Tatsächlich war ihr originales Design angelehnt an eine deutsche Comic Figur. Eine freche Sekretärin namens Lilli. Ja, keine Zahnärztin, keine Chirurgin sondern einmal eine schicke, freche Angestellte. Und ganz sicher war sie nicht als Spielzeug gedacht.

Bild-Lilli

Als Barbie in den 1950ern auf den Markt kam, gab es bereits ihre deutsche Vorgängerin „Bild Lilli“- eine Comicfigur von Reinhard Beuthien, erschienen in der Bild Zeitung. Lilli war ein Phänomen der Nachkriegszeit, schick, ehrgeizig, auf der Suche nach einem reichen Gönner und leicht verrucht.

Sie war schnell und frech mit ihren Antworten. In einem Comic wurde Lilli von einem Polizisten ermahnt, dass es verboten sei einen Bikini auf der Straße zu tragen. Ihre Antwort? „Zweiteilige Badeanzüge sind verboten? Na gut, welches Teil soll ich ausziehen?“

Vom Comic zur Puppe

Lilli wurde in den 1950er Jahren extrem beliebt. So sehr, dass das sie als Puppe verkauft wurde. Sie war in zwei Größen erhältlich – 30 cm und 19cm. Ihre Arme und Beine waren beweglich aber anstelle von geknickten Füßen, trug Lilli angegossene schwarze High Heels. Ihre Lippen und Fingernägel waren rot und ihre halbgeschlossenen Augen mit einem Cat-Eye geschminkt. Ihre Haare waren Blond, Schwarz oder Rot, mit einem Pferdeschwanz und einem gelockten Pony. Dazu eine maßstabsgetreue Bildzeitung.

Sie war als Werbegeschenk in Bars und Tabakläden zu erwerben. Besonders beliebt war sie als Geschenk zu Junggesellenabschieden und hing an den Rückspiegeln von Autos oder LKWs. Allerdings wurde sie zunehmend bei Kindern als Spielzeug beliebt, da es Puppen bis zu diesem Zeitpunkt nur als Kinder gab. Bild-Lilli war eine der ersten Modepuppen, die eine erwachsene Frau darstellten.

Modepuppe

Die Bild-Lilli wurde mit einem Kleiderset verkauft, außerdem gab es zahlreiche Kleidungsstücke für sie. Diese spiegeln den Zeitgeist der 50er Jahre wider – Lilli hatte für alle Gelegenheiten etwas Passendes: Cocktailkleider, Strandanzüge, Baumwollkleider, Pyjamas und Kostüme aus Popeline. Eine Werbebroschüre nannte Lilli als mit ihrer Garderobe „der Star jeder Bar“.

Mitte der 50er Jahre kaufte Ruth Handler, eine der Gründerinnen von Mattel, Modelle von Lilli und schuf nach ihren Vorlagen Barbie. Diese hatte ihr Debut am 9. März 1959

1964 erwarb Mattel die Recht von Bild-Lilli und die Produktion wurde eingestellt. Und jetzt „I’m a Barbie Girl, in my Barbie World – Life in Plastic, I’ts Fantastic!“ – Gerngeschehen Freunde!

Quellen

sammeln-Sammler: Bild-Lilli

Gerling, Peggy und Swantje Köhler: The Truth about Lilli – A Politically Correct Report about Germany’s most Famous Fashion Doll. In: Barbie Bazaar, Februar 1999

Knaak, Silke: Deutsche Modepuppen der 50er und 60er Jahre, 2005