Die Pariser Fashion Week ist vorbei und die Augen der Modeinteressierten, Schaffenden, Fans sind auf die Plätze in der ersten Reihe ebenso gerichtet, wie auf den Laufsteg.
Es ist mittlerweile allgemein bekannt, dass Celebrities und A-Lister ein Teil der Modenschau sind. Es nutzt die Bekanntheit zu steigern, die neusten Looks zu präsentieren und ihr Image mit der Marke zu verknüpfen.

Aber auch die Modehäuser profitieren von dem Rummel um Kunst-, Kultur und Medienschaffende, Promis und Schauspieler. Ob Influencer, Schauspieler, bekannte Namen in der ersten Reihe ist ein festes Thema. Aber seit wann, ist das der Fall? Dieses Phänomen ist älter als Anna Wintour oder Doja Cat.
Charles Worth – Erfinder der Modenschau
So lange wie es Modenschauen gibt, gibt es die erste Reihe. Die Idee eines Exklusiven Erlebnisses, die neusten Kollektionen und Entwürfe präsentiert zu bekommen, entstand – wie zu erwarten – in Paris im Haus Worth. Der Engländer Charles Frederick Worth lies in den 1860er Jahren in seinem Modehaus seine Entwürfe von Verkäuferinnen, die als Models fungierten, seiner Kundschaft vorführen. Seine Käuferinnen waren die Adelshäuser Europas, unter anderem die österreichische Kaiserin Elisabeth II. genannt Sisi.

Aber erst in den 1920er Jahren entwickelte sich die Idee hin dazu, dass Desingerinnen wie Coco Chanel, Madeleine Vionnet und Elsa Schiaparelli damen der gehobenen Gesellschaft einluden ihre Couture Schauen zu besuchen. Dabei handelte es sich um Kundinnen der Häuser. Darunter Hollywood Schauspielerinnen wie Marlene Dietrich. 1931 zeigte Elisa Schiaparelli eine Kollektion im Kaufhaus Saks, wozu allerdings keine Fotografen eingeladen wurden.
Fashion Royalty
Wenn es um die Macht von Bildern geht war es Christian Dior, der 1947 die Presse in dazubat. Er hatte bereits einen Kundenkreis von bekannten Persönlichkeiten. So waren der Photojournalist John Chillingworth, Marie Louise Bousquet und Carmel Snow von Harper’s Bazaar eingeladen. Und der Modefotograf Richard Avedon – einige der wichtigsten Vertreter ihrer Generation im Modegeschäft. Die Tatsache, dass Dior ein Genie der Inszenierung war, zeigt sich darin das er nicht nur Gesellschaftsdamen einlud, sondern auch Adelige. So besuchte Prinzessin Margaret (Schwester von Königin Elizabeth II.) eine Dior Schau 1954 in Blenheim Palace. Unter den geladenen Gästen war John Spencer-Churchill, Duke of Marlborough und seine Frau Alexandra Mary Cardogan Spencer-Churchill. Bis in die 1950er Jahre war das Verhältnis einer Modenschau das von Designer, die an Kunden verkaufen wollten und weniger ein großes, internationales Event.
In den 1960er Jahren änderte sich das Wesen einer Modenschau völlig vollkommen ausgebildet. Mit dem Aufstieg von Designern wie Yves Saint Laurent – der 1966 seine Rive Gauche Boutique eröffnet hatte. Stars wie Barbara Streisand, Marlene Dietrich, Catherine Deneuve und Bianca Jagger wurden Gesichter auf den Modenschauen. Mit ihrem Bekanntheitsgrad zogen sie Aufmerksamkeit auf die Marke YSL. Und die ersten Kollaborationen entstanden, mit der legendären Freundschaft zwischen Hubert de Givenchy und Audrey Hepburn. Bereits Givenchy erkannte den Wnadel und lancierte 1952 eine Pret-A-Porter Linie seines Hauses und 1968 eine Herrenkollektion. Allerdings wurde 1973 die erste „Pret -A-Porter“-Schau in Paris abgehalten, entstanden aus dem „Battle of Versailles“ einer Schau zwischen US-Amerikanischen und franzöischen Desigern. Aus diesem Event entstand die erste Ready-to-Wear Modenschau in Paris, während es die New Yorker Fashion Week bereits seit 1943 gab.
Kunst, Parties und das Supermodel
In den 1980er Jahren änderte sich das Wesen einer Modenschau erneut. Ging es bis zu diesem Moment um das Präsentieren von Kleidung entwickelte sich die Modenschau hin zu einer gigantischen Kunstinstallation. 1984 präsentierte Thierry Mugler seinen „Walk of Angels“ eine durchchoreographierte Schau, in der Models nicht mehr nur Kollektionen präsentierten sondern zu Charakteren wurden. Gleichzeitig wurden nicht mehr nur Künstler aus der Unterhaltungsindustrie eingeladen sondern auch Namen wie Andy Warhol saßen in der ersten Reihe. Andere Designer, aber auch persönliche Freunde und Bekannte wurden eingeladen. So etwa lud der amerikanische Designer Halston den Inhaber des Studio 54 Steve Rubell ein, Mick Jagger und Models, mit denen er persönlich befreundet war – Lauren Hutton, Marisa Berenson und Karen Bjornson. Diese Idee von einem intimen Zusammentreffen von Freunden, die aber alle Stars sind, gilt bis heute. So wirkte und wirkt es weniger wie eine geschäftliche Beziehung.

Die Industrie selbst begann auch eigene Superstars zu erzeugen. Waren es zunächst die Designer, bildete sich Ende der 80er Jahre ein Phänomen heraus, dass es zu vor nicht gab: das Supermodel. Bis zu diesem Zeitpunkt waren Models rein zur Präsentation der Kollektion zu verstehen. Mit dem veränderten Wesen der Modenschau mussten Models ein „mehr“ leisten. Sie brauchten eine eigene Persönlichkeit, die diesen Schauen gerecht wurde. Diese Namen sind noch heute bekannt: Naomi Champell, Linda Evangelista, Christy Turlington, Claudia Schiffer und Kate Moss. Supermodels gab es bereits zuvor, aber in den 90er Jahren wurden diese Models zu Prominenten.
Die Jahrhundertwende und darüber hinaus
Mit dem Supermodel und einem neuen Prominenzverständnis änderte sich auch das Verhältnis zu Celebrities. Diese wurden zunehmend auch in Schauen eingebunden. Nicht mehr nur als Gäste, sondern auch als Teil der Schauen. So lief Dita von Teese für Jean Paul Gaultier, Elizabeth Debicki ist Brand Ambassador für Dior, Vincent Cassel für [], Jeff Goldblum war das Gesicht von Prada. Wo die Reise hingeht, werden wir sehen.

