Von Bild-Lilli zu Barbie

Große Kulleraugen, lange blonde Mähne und ein rosa Lippenstiftlächeln. Jeder redet über Barbie. Oder viel mehr jeder redet über den Trailer von Greta Gerwings neuem Film „Barbie“ und Barbies unvergessenen pinken Puschelheels!

Barbie Teaser Trailer 2

Doch was macht Barbie eigentlich zu diesem dauerhaften Kultphänomen? Das Franchise ist mittlerweile riesig. Barbie hat verschiedene Berufe, einen großen Freundeskreis, drei kleine Schwestern, Haustiere, einen Freund – Ken. Sogar in diversen Filmen hat sie unterschiedliche Rollen gespielt: Ballerina, Prinzessin, Meerjungfrau, Fee, Modejournalistin, Rockstar – Barbie ist wandelbar und immer wieder neu zu entdecken. Und vielleicht ist es auch genau das, was Barbie so interessant macht.

Aber Barbie war nicht immer diese erste emanzipatorische Spielfigur für. Tatsächlich war ihr originales Design angelehnt an eine deutsche Comic Figur. Eine freche Sekretärin namens Lilli. Ja, keine Zahnärztin, keine Chirurgin sondern einmal eine schicke, freche Angestellte. Und ganz sicher war sie nicht als Spielzeug gedacht.

Bild-Lilli

Als Barbie in den 1950ern auf den Markt kam, gab es bereits ihre deutsche Vorgängerin „Bild Lilli“- eine Comicfigur von Reinhard Beuthien, erschienen in der Bild Zeitung. Lilli war ein Phänomen der Nachkriegszeit, schick, ehrgeizig, auf der Suche nach einem reichen Gönner und leicht verrucht.

Sie war schnell und frech mit ihren Antworten. In einem Comic wurde Lilli von einem Polizisten ermahnt, dass es verboten sei einen Bikini auf der Straße zu tragen. Ihre Antwort? „Zweiteilige Badeanzüge sind verboten? Na gut, welches Teil soll ich ausziehen?“

Vom Comic zur Puppe

Lilli wurde in den 1950er Jahren extrem beliebt. So sehr, dass das sie als Puppe verkauft wurde. Sie war in zwei Größen erhältlich – 30 cm und 19cm. Ihre Arme und Beine waren beweglich aber anstelle von geknickten Füßen, trug Lilli angegossene schwarze High Heels. Ihre Lippen und Fingernägel waren rot und ihre halbgeschlossenen Augen mit einem Cat-Eye geschminkt. Ihre Haare waren Blond, Schwarz oder Rot, mit einem Pferdeschwanz und einem gelockten Pony. Dazu eine maßstabsgetreue Bildzeitung.

Sie war als Werbegeschenk in Bars und Tabakläden zu erwerben. Besonders beliebt war sie als Geschenk zu Junggesellenabschieden und hing an den Rückspiegeln von Autos oder LKWs. Allerdings wurde sie zunehmend bei Kindern als Spielzeug beliebt, da es Puppen bis zu diesem Zeitpunkt nur als Kinder gab. Bild-Lilli war eine der ersten Modepuppen, die eine erwachsene Frau darstellten.

Modepuppe

Die Bild-Lilli wurde mit einem Kleiderset verkauft, außerdem gab es zahlreiche Kleidungsstücke für sie. Diese spiegeln den Zeitgeist der 50er Jahre wider – Lilli hatte für alle Gelegenheiten etwas Passendes: Cocktailkleider, Strandanzüge, Baumwollkleider, Pyjamas und Kostüme aus Popeline. Eine Werbebroschüre nannte Lilli als mit ihrer Garderobe „der Star jeder Bar“.

Mitte der 50er Jahre kaufte Ruth Handler, eine der Gründerinnen von Mattel, Modelle von Lilli und schuf nach ihren Vorlagen Barbie. Diese hatte ihr Debut am 9. März 1959

1964 erwarb Mattel die Recht von Bild-Lilli und die Produktion wurde eingestellt. Und jetzt „I’m a Barbie Girl, in my Barbie World – Life in Plastic, I’ts Fantastic!“ – Gerngeschehen Freunde!

Quellen

sammeln-Sammler: Bild-Lilli

Gerling, Peggy und Swantje Köhler: The Truth about Lilli – A Politically Correct Report about Germany’s most Famous Fashion Doll. In: Barbie Bazaar, Februar 1999

Knaak, Silke: Deutsche Modepuppen der 50er und 60er Jahre, 2005