Dentleys & Sopers ist eine Edelboutique im Herzen Londons. Und bei einem Schlussverkauf strömen die Kundinnen in Scharen in den Laden. Als die Bankangestellte Sheila, deren Mann sich vor einiger Zeit von ihr getrennt hat, ein Kleid in der Farbe Arterienrot dort kauft, ahnt sie nicht, dass der Laden ein Geheimnis hat und auch das Kleid ein besonderes ist: Es bringt seinen Besitzern den Tod.

Peter Strickland ist bekannt für seine bizarren Kunstfilme und die Themen auf einem hohen Standard. In diesem Fall allerdings wusste ich erst nicht, wohin er wollte. Ist es ein Horrorfilm? Ein Drama? Ist es Konsumkritik der 1980er (der Film spielt im Jahr 1982)? Ist es ein surrealistischer Ansatz? Visuell spielt „Das blutrote Kleid“ (In Fabric) mit der Ästhetik eines Portmanteau Horrorfilms aber auch gleichzeitig der intalienischen Horrorfilme Filme der 60er und 70er Jahre in den Dario Argento und Mario Bava Handlung zugunsten visueller Albträume hintenanstellten. Dadurch entsteht ein diffuser Mix aus halbdunkeln Räumen im Gegensatz zu den grellen Verkaufsräumen des Kaufhauses, in dem die Verkäuferinnen wie eine Spinne im Netz die Kunden locken.
Luxus ist fetisch
Der Ankerpunkt des Filmes ist das arterienrote Kleid, dass jeden Besetzer in den Tod treibt. Wer nach einer Handlung sucht, der wird vergebens suchen. Denn im Grunde reihen sich Kurzgeschichten aneinander, die verschiedene Filmstile miteinander zu verbinden suchen. Von einem 1960er Hausdrama in mise en scène hin zu einem Fiebertraum aus „Die Maske des Roten Todes“. Der Film hat auch eine absurde Tendenz. In Szenen, in denen ein salbungsvolles Paar von Bankmanagern eine Angestellte und später einen Kreditantragsteller verhört, ist es, als ob Eugène Ionesco eine Adaption von „Office Space“ für eine Amicus-Horror-Anthologie machen würde.
Selbst wenn es Anhaltspunkte über die Vorgeschichte oder Hintergründe spricht, für richtig viel Klarheit sorgt das nicht – und muss es auch nicht. Das blutrote Kleid bleibt selbst dann ein Werk der Bilder und Assoziationen, weniger des Wortes. Der Film behandelt die Konsumgesellschaft der 1980er-1990er und einer Fetischisierung von Luxus.

Das ist besonders in der ersten Hälfte zu beobachten, in der es um Sheila geht. Der Teil des Films, der noch am klarsten eine Handlung hat. Sie müht sich durchs Leben, verspottet von den Arbeitgebern, ignoriert vom Sohn, verachtet von dessen neuer Freundin. Das Kleid ist für sie damit mehr als nur eine Fassade. Das blutrote Kleid inszeniert es als das Tor zu einer anderen Welt. Die Sehnsucht der alleinstehenden, einfachen Frau, etwas Besonderes zu sein oder wenigstens tatsächlich wahrgenommen zu werden, lässt sie zu einem willigen Opfer werden für etwas, das von einer solchen Sehnsucht lebt.
Der Film verbindet Sozialkritik, Drama, Mystery und Horror und wechselt dabei zwischen dem tristen Alltagsleben der jeweiligen Figuren und dem Eigenleben des mysteriösen Kleides. Letztendlich kann ich nicht sagen, ob der Film mir gefällt oder nicht. Durch die Figuren werden hier verschiedenste Thematiken episodenhaft angesprochen, die eigentlich alle nichts miteinander zu tun haben und den Film etwas uneinheitlich wirken lassen.
„In Fabric“ ist ein britischer Undergroundfilm aus dem Jahr 2016 des Regisseurs Peter Strickland, der sich schwer definieren und einordnen lässt.

