Dressing for a Director: Alfred Hitchcock

Hallo, hallo. Ich bin durch den Wald und durch den Brand – mit einer satten Erkältung und jeder Menge Hitchcock Filme. Eigentlich hatte ich vor diese Reihe früher zu starten, aber jetzt hat es den Altmeister des Horrorfilms getroffen.

Wer das Glück hatte, ein Originaldrehbuch von Alfred Hitchcock in die Hände zu bekommen, konnte auf fast jeder Seite genaue Anweisungen lesen. Jedes Kostüm war detailliert angegeben. Es gab einen Grund für jede Farbe, jeden Stil, und er war sich bei allem, wofür er sich entschied, absolut sicher. Die subtilen Details waren für Hitchcock als einer der ikonischen Regisseure Hollywoods am wichtigsten. Der aus dem vereinigten Königreich stammende Regisseur machte sich gemeinsam mit seiner Frau einen Namen, der für seine spannenden und psychologisch komplexen Geschichten bekannt war.

Für den Regisseur von 52 Filmen war es wichtig, eine visuelle Sensation zu schaffen. Dies gelang ihm durch eine Inszenierung, die aufgrund ihrer unterbewussten Wirkung auf den Zuschauer revolutionär war. Alles, vom Kamerawinkel bis zur stimmungsvollen Farbgebung, war ein sorgfältig ausgeklügelter Plan. Hitchcock hatte eine genaue Vorstellung davon, wie er seine Geschichten erzählen wollte. In jedem Hitchcock-Film gibt es eine stilvolle weibliche Figur mit eiskaltem Auftreten: die Hitchcock-Heldin.

Seit 1935 präsentierte Alfred Hitchcock in seinen Filmen die „kühle Blondine“. Weibliche Hauptfiguren, die auf elegante, raffinierte Weise kultiviert und beherrscht waren. Allerdings verbarg sich unserer ihrer äußerlichen, kalten Lieblichkeit eine Skrupellosigkeit, Courage und offensive Sexualität. Als Vorläuferin dieses Typus gilt Marlene Dietrich. Die als „Hitchcock – Blondinen“ bekannten Schauspielerinnen waren Grace Kelly, Kim Novak und Tippi Hedren.

Hitchcock verstand, dass die physischen Elemente bei der Darstellung einer Figur, insbesondere ihre Kleidung, von großer Bedeutung sind, um eine Geschichte zu erzählen. In den 1930er bis 1960er Jahren waren Kostüme eine Sache, aber der Stil war ein ganz anderer. Maßgeschneiderte Kostüme mit taillierten Schnitten und klassische und von der Couture inspirierte Kleider prägten das Bild der rätselhaften Hitchcock-Frau. Die scharfen Silhouetten, die Hitchcock bevorzugte, waren Zeichen der Zeit und griffen oft auf die neueste Mode aus Paris zurück. Viele der Kostümentwürfe für seine Filme wurden von der Pariser Couture inspiriert, und Marlene Dietrich bat den Modeschöpfer Christian Dior, ihr Kostüm zu entwerfen. Die Schauspielerin, eine der größten Diven Hollywoods, wurde bei Verhandlungen mit Hitchcock mit den Worten zitiert: „No Dior, no Dietrich“.

Im Laufe seiner Filmkarriere arbeitete Hitchcock mit mehreren Kostümbildnern zusammen, vor allem aber mit Edith Head. Ihre Zusammenarbeit erstreckte sich auf mehr als 11 gemeinsamen Filmen. Eine der vielleicht größten frühen Arbeiten von Head an der Seite von Hitchcock war der Film „Fenster zum Hof“ von 1954, in dem Kelly die Rolle der mondänen Lisa Fremont spielte, die sich durch ihre Kleidung in Szene setzen wollte. Hitchcocks Vision von Fremont als Modefanatikerin hatte mit dem übergreifenden Thema des Films zu tun, dem Voyeurismus und der Vorstellung, aufgrund seiner Kleidung bewundert und beobachtet zu werden.

Head entwarf für Kellys Figur eine Reihe von Kleidern im Couture-Stil mit wallenden Ballerina-Röcken und Rohseidenanzügen von Cristóbal Balenciaga. Die Stücke waren repräsentativ für den Einfluss der französischen Couture im Amerika der Nachkriegszeit nach der Erfindung des „New Look“ von Dior, bei dem die Taillen minimiert und die Röcke maximiert wurden.

1958 setzten Head und Hitchcock ihre Zusammenarbeit mit „Vertigo“ fort, einem Film über Besessenheit und Identität, in dem Kim Novak die Rolle der Madeleine Elster spielte. Es heißt, dass Hitchcock die Idee für die genaue Farbe eines Anzugs für Novaks Figur im Kopf hatte, noch bevor die Dreharbeiten begannen. Die Kombination aus grauem Rock und schwarzen Pumps, die Head sich vorstellte, sollte die geisterhafte Farbe des Nebels in San Francisco, in dem der Film gedreht wurde, widerspiegeln. Anfänglich wollte Novak den Anzug nicht tragen, weil sie behauptete, sich darin nur schwer bewegen zu können. Doch die Qualität des Anzugs trug schließlich dazu bei, dass sie sich bei der Darstellung ihrer Figur visuell unwohl fühlte.

1960 schuf Hitchcock seinen wohl berühmtesten Film, „Psycho“ . Diesmal arbeitete der Regisseur nicht mit Head zusammen, sondern mit einer ihrer Kolleginnen, der Kostümbildnerin Rita Riggs, die zuvor an „Die Vögel“ und „Marie“ mitgearbeitet hatte. Für „Psycho“ war es von entscheidender Bedeutung, dass Janet Leighs Figur, Marion Crane, so sympathisch war, dass ihr früher Tod im Film einen großen Schock beim Publikum auslösen würde. Und tatsächlich steht ihr Kleid selbst für die Entwicklung ihrer Figur im Film. Für die Produktion bestand Hitchcock darauf, dass Riggs gekaufte Kleidung verwendet, um das Kleiderbudget von Cranes Job als Sekretärin einzuhalten. Riggs kaufte einen Großteil der Kleider im Kaufhaus Jax in Beverly Hills, wo sie Baumwoll- und Jerseykleider bevorzugte.

Hitchcocks Einfluss auf die Filmmode zeigt sich darin, dass die Kostüme über so viele Jahre hinweg ikonische Momente der Filmgeschichte geblieben sind. Im Laufe der Zeit wurden die Looks von den Designern als Inspiration für ihre Kollektionen übernommen. Alexander McQueen hat mehrere seiner Kollektionen dem düsteren Horror der Hitchcock-Filme nachempfunden. Die Liebe des Designers zu Vögeln führte dazu, dass er sich für seine gleichnamige Frühjahr/Sommer-Kollektion 1995 auf den Film The Birds von 1963 bezog. Später, bei seiner Herbst/Winter-Show 2005, zeigte er verschiedene klassische Hitchcock-Stile in gedeckten Farben und zeitloser 50er-Jahre-Schneiderei. Und fast ein Jahrzehnt später schuf Prada mit seiner Herbst/Winter 2013 Show die perfekte Garderobe für einen Krimi mit vielen Nerzstolen und dramatischen Anzügen.

Noch heute üben Hitchcocks Filme eine Faszination aus, die weit über die Modewelt hinausgeht. Die Frauenfiguren, die er für seine Filme schuf, brachten eine neue Art von Femme fatale hervor, eine Frau, die durch ihre Kleidung Raffinesse und Aufregung ausstrahlt. Hitchcock war sehr genau, wenn es um seine Bilder ging, und die Mode war nie ein nachträglicher Gedanke. Wenn es um Hollywood-Klassiker geht, steckte bei den Hitchcock-Heldinnen der Teufel wirklich im Detail.

Fashion Eras I love: 1930er

Mit dem Börsencrash 1928 endeten die wilden 1920er Jahre mit einem dumpfen Schlag, die Folge war eine weltweite Wirtschaftskrise und das junge, enthusiastische Flapper der 1920er Jahre musste die die glitzernde Abendwelt gegen Gediegenheit und Praktikabilität eintauschen.

Die elegante Dame

Mode ändert sich nie über Nacht, sondern langsam. Allerdings deuteten sich bereits ende der 1920er Jahre eine Abkehr von der leichten Mode der 1920er an. Langsam wurden die Farben wieder dunkler. Braun, Grau und Erdtöne wurden im Winter populär, im Sommer blieb es bei hellen, leichten Stoffen, die meistens Pastellfarben oder mit kleinen Mustern bedruckt waren. Die Röcke wurden wieder länger und reichten an die Waden, die Schnitte wurden schmal und sparsam an Stoffen und Taschen an die Röcke.

Die Jacken wurden kurzer und kantiger aber meist mit dramatischen Umschlägen. Beliebt waren abnehmbare Pelzkrägen und Umschläge. Vervollständigt wurde diese Kombination mit einem kleinen Hut, der eng anliegend war, anstelle aber der 1920er Hüte selten zu ausladenden Formen tendierte.

Pinterest

Die Silhouette der Mode wurde insgesamt eleganter und gediegener, dadurch das sie stärker auf Nähte wertlegte und weniger auf Dekor durch Stickerei oder Applikationen oder Accessoires wie Gürtel, Schuhspangen oder starke Farbkontraste.

Cally Blackman fasst es in 100 Years of Fashion treffend zusammen: “By the early 1930s, the fashionable silhouette was evolving into a slender, elongated torso with widening shoulders and a neat head with softly waved short hair” (13). 

Der Schrägschnitt

Neben den strengen Schnitten wurde vor allem in den 1930er Jahren ien Schnitt sehr beliebt: Der Schrägschnitt oder Biascut. Als wichtigste Vertreterin gilt Madeleine Vionnet. Die Designerin begann in den 1920er Jahren, den Schrägschnitt zu verwenden, und in den dreißiger Jahren wurde er zu einer beliebten Methode, um Kleider zu entwerfen, die die weiblichen Kurven umschmeichelten. Schrägschnitt bedeutet, dass der Stoff in einem Winkel von 45 Grad gegen das Gewebe geschnitten wird, wodurch ein fließendes, körperbetontes Kleidungsstück entsteht. Vor allem am Abend schufen Satinkleider mit tiefem Rücken eine schlanke und feminine Silhouette, die sich nach unten hin verbreiterte und Kurven umschloss, die zuvor nicht umschlossen waren. Auch andere Designer wendeten diese Methode an.

Eco Fashion Talk

Während die Abendmode von der körpernahen Silhouette dominiert wurde, kehrte die Tagesmode zu Romantik und Weiblichkeit zurück. Tageskleider gab es in einer Vielzahl von Mustern: geblümt, kariert, gepunktet und mit abstrakteren Mustern. Sie hatten eine klar definierte Taille und fielen von der Mitte der Wade bis knapp über den Knöchel. Beliebt waren elegante Anzüge mit klaren Linien und skulpturalen, definierten Schultern. Die übertriebene Schulterpartie – bei Anzügen oder Kleidern – war ein Markenzeichen der Mode der 1930er Jahre und wurde durch Polsterungen, Stoffschichten oder andere Verzierungen hervorgehoben.

Die Surerealisten und Elsa Schiaparelli

Die in den 1920er Jahren populär gewordene Designerin Elsa Schiaparelli hob ihre Entwürfe in den 1930er Jahren auf ein neues Niveau und arbeitete mit surrealistischen Künstlern wie Salvador Dalí und Jean Cocteau zusammen. Sie benutzte Zeichnungen der letzteren, um ihre Kleidungsstücke zu verzieren oder ganze Designideen neu zu entwickeln. Wie etwa der Hut-Schuh. Viele ihrer Kollektionen orientierten sich zwar an der vorherrschenden Mode, enthielten aber auch einzigartige Verzierungen und Wendungen, die nur ihr eigen waren. Ihre tadellos geschneiderten Entwürfe der dreißiger Jahre vertraten die starke Schulterpartie und die eingeschnürte Taille, die für diese Zeit charakteristisch waren.

Vintage.es

Hollywood-Stars werden Modevorbilder

In dieser Zeit ließen sich die Frauen zunehmend von den Filmstars modisch inspirieren. Hollywood verbreitete die Mode unter den Massen und Stars wie Greta Garbo, Marlene Dietrich und Bette Davis wurden zu den ersten Stilikonen Hollywoods. Viele Frauen in aller Welt versuchten, ihrem Stil nachzueifern. Erleichtert wurde dies durch das Aufkommen von Make-up und der Schönheitsindustrie, die es den Frauen ermöglichten, ihre Lieblingsstars für wenig Geld zu kopieren. Blackman schreibt:

“Every woman could imitate and buy into, at relatively little cost, the look of her favourite stars, if only through copying their makeup and hairstyles: cinema democratized the empire of fashion by making glamour accessible.”

Cally Blackmann: 100 years of Faschion, S. 14

Natürlich hatte auch die Depression Einfluss auf die Mode und trug zu dieser Demokratisierung bei, insbesondere in den Vereinigten Staaten. Vor den 1930er Jahren kauften die Käufer Kopien der Pariser Designs und verkauften sie in ihren Heimatländern weiter. Da die Weltwirtschaftskrise jedoch alle Bereiche der Wirtschaft und des Lebens in den USA betraf, wurden auf diese Kopien neue Zölle in Höhe von neunzig Prozent erhoben (Laver 246). Toiles (ein Musselin- oder anderes billiges Stoffmuster eines Kleidungsstücks) durften jedoch zollfrei eingeführt werden.

Pinterest

Am Ende des Jahrzehnts war Europa in den Zweiten Weltkrieg eingetreten, und die USA hatten die Große Depression noch nicht hinter sich gelassen. Als die dreißiger Jahre zu Ende gingen, hatte sich bereits der beliebte Stil mit breiten, gepolsterten Schultern, schmalen Taillen und kürzeren A-Linien-Röcken herausgebildet, der die frühen vierziger Jahre dominieren sollte.

In den 1930er Jahren wurde die Mode stark vom Film und insbesondere von Hollywood beeinflusst. Männer-, Frauen- und Kindermode orientierten sich an der Filmmode, wobei Stars wie Clark Gable, Jean Harlow und Shirley Temple zu den vielen gehörten, die die Mode direkt beeinflussten. Auch die Rückkehr zum Konservatismus nach den Roaring Twenties prägte die Mode in dieser Zeit.