Jeanne d’Arc, die Schutzheilige der Popkultur

Die Sache mit Jeanne

Zum Todestag einer der wohl berühmtesten Frau der französischen Geschichte.

Warum kann die Popkultur nicht genug von der jugendlichen Märtyrerin bekommen, die ihr Land zum Sieg führte? Sie ist schon seit langem eine Figur, die in jeder Generation auf großes Interesse stößt und angesichts ihrer asketischen Ausstrahlung eine unwahrscheinliche Ikone darstellt.

Im 14. Jahrhundert in einer Bauernfamilie geboren, wuchs sie während des blutigen hundertjährigen Krieges zwischen England und Frankreich auf. Im Alter von dreizehn Jahren hatte sie göttliche Visionen, dass sie Frankreich zum Sieg führen würde. Ihr Glaube war so stark, dass sie den zukünftigen König Karl VII. kennenlernte und ihn davon überzeugte, sie bei der Belagerung von Orléans anzuführen, als sie erst siebzehn Jahre alt war. Es folgten weitere Siege, die zur Krönung des Königs im Jahr 1429 führten. Jeannes Ruf wurde zur Legende, verstärkt durch das furchteinflößende Bild eines jugendlichen Mädchens in Rüstung, das den Angriff anführte. Im folgenden Jahr wurde sie jedoch von den mit den Engländern verbündeten Burgundern gefangen genommen und wegen Hexerei, Ketzerei und Tragen von Männerkleidung vor Gericht gestellt. Im Jahr 1431 wurde sie auf einem öffentlichen Platz in Rouen auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Sie wurde 1920 von der katholischen Kirche als Schutzpatronin Frankreichs heiliggesprochen.

Jeanne d’Arc und die Popkultur

In der Vorstellung der Modewelt ist der Teenager, der eine französische Armee zum Sieg führte, zum Symbol für Unberührbarkeit geworden – amazonenhaft, androgyn, abwechselnd transgressiv und erotisch. Ihre Jugend ist Teil der Anziehungskraft, ebenso wie ihre Kleidung. Was ist heißer als eine Frau in einer Rüstung? In den letzten dreißig Jahren wurde sie häufig auf Laufstegen und in Leitartikeln zitiert. Jean-Paul Gaultier steckte sie 1994 in eine verzierte Rüstung und ein bäuerliches Korsett. Alexander McQueen huldigte ihr 1998 in einer Kollektion mit dem Titel „Joan“ auf unheimliche Weise. 2006 milderte John Galliano ihre harten Kanten ab, indem er ihr eine goldene Halbschale über schwungvolle Couture-Drapierungen legte.

Für die Popkultur wurde Jeanne sowohl zur Kriegerkönigin als auch zum Opfer des Patriarchats – die unbezwingbare Frau in Rüstung, die dafür bestraft wurde (obwohl man selten zugeben wird, dass Jeanne d’Arc solche Kleidung nicht nur aus Gründen der Bequemlichkeit oder des Pragmatismus oder sogar der Vorliebe trug, sondern auch wegen der allgegenwärtigen Bedrohung durch sexuelle Gewalt).

Oft ist sie mehr Archetyp als reale Person und reiht sich ein in Reihe berühmter Heldinnen und realer oder erfundener Figuren, die häufig als Muse herangezogen werden: Elizabeth I., Alice im Wunderland, Princess Di, Virginia Woolfs Orlando. Sie wird auf den Laufstegen von High-Fashion-Models verkörpert und neigt dazu, in diesen Kontexten sehr schön zu sein, wobei sie sich auf der weiblichen Seite der Androgynität aufhält. In dieser Hinsicht lehnt sie sich an eine visuelle Tradition an, die von den schwülen Gemälden der Präraffaeliten bis zu den vielen Schauspielern reicht, die sie auf der Leinwand gespielt haben, darunter Ingrid Bergman, Jean Seberg und Milla Jovovich, die mitreißende Reden halten, während sie in die Schlacht reiten und sich den männlichen Autoritäten stellen, die sie schließlich töten werden.

Bands wie O.M.D huldigten ihr in Synthie Pop, in der eine Frau mit rotem Mantel durch die schneeweiße Landschaft galoppiert und Leonhard Cohen setzte ihr ein lyrisches Denkmal absoluter Einsamkeit. Jeanne d’Arc ist Heldin, Heilige, Märchenfigur in einem.

Sogar in den japanischen Manga hielt Jeanne Einzug. Die Mangaka Arina Tanemura konzipierte ihre erfolgreichste Serie „Jeanne die Kamikazediebin“ (Kamikaze Kaito Jeanne) um die französische Nationalheldin. Hier wird im Shojo Stil Jeanne in Gestalt einer 16-jährigen Schülerin wiedergeboren und fängt Dämonen, die Sie in Schachfiguren bannt.

Es ist nach wie vor die beste und beunruhigendste Interpretation der Heiligen, mit Modellen in Kettenhemden und kirchlich inspirierten Stücken mit blutroten Kontaktlinsen war die Schau „Joan“ von Alexander McQueen. Das Finale zeigte eine einsame Figur in einem Feuerring, deren roter Perlenrock die Feuersbrunst widerspiegelte. Für McQueen war Jeanne eine faszinierende Figur, nicht nur wegen ihres Charismas oder ihrer maskulinen Kleidung, sondern wegen ihrer Überzeugung.

Jeanne – ein Opfer des Zeitgeist?

In Jeanne d’Arc: The Image of Female Heroism (1981) stellt die Wissenschaftlerin Marina Warner fest, dass das Bild der Jeanne d’Arc im Laufe der Jahrhunderte zu einer Chiffre geworden ist, die „sofort vor dem geistigen Auge präsent ist: knabenhafte Haltung, kurzgeschnittenes Haar, mittelalterliche Kleidung, Rüstung, ein Hauch von spiritueller Erhabenheit gemischt mit physischem Mut“. Warners zentrales Argument ist, dass jede Epoche und jede kulturelle Bewegung Johanna für ihre eigenen Zwecke umgestaltet hat, indem sie von ihr nahm, was sie brauchte.

Obwohl sie eine reale historische Figur ist, ist sie auch „die Protagonistin einer berühmten Geschichte in der zeitlosen Dimension des Mythos, und die Art und Weise, wie diese Geschichte erzählt wird, erzählt eine andere Geschichte“ Jeanne wurde von Feministinnen bis hin zu rechtsextremen Nationalisten als Patriotin, Mystikerin, heilige Jungfrau, Hexe und vieles mehr dargestellt. Sie wurde im Einklang mit unserem Verständnis von Sexualität und Geschlecht neu gelesen und reklamiert. In ihrer Biografie von 1936 deutete Vita Sackville-West an, dass sie lesbisch gewesen sein könnte. In einer Inszenierung des Globe Theaters in London wurde Jeanne als nicht-binär vorgestellt.

Die Mode neigt dazu, den Mut und die Kleidung zu nehmen und das Göttliche wegzulassen. Religiöse Visionen und Stimmen sind künstlerisch schwieriger umzusetzen, da sie eine relativ komplexe Auseinandersetzung mit Fragen der Theologie und Mystik oder des Wahnsinns erfordern. Das Märtyrertum ist ebenfalls heikel, aber es ist reizvoll, in einer Zeit, in der der öffentliche Diskurs von Debatten über Hexenjagden, Annullierungen und Schwarz-Weiß-Moral beherrscht wird, flüchtig darauf anzuspielen. McQueens Antwort zeichnet sich nicht nur durch ihre Tiefe, sondern auch durch ihre Trostlosigkeit aus. Es ist einfach zu sagen, dass man sich auf einen Märtyrer bezieht. Schicken Sie ein Model mit kurzgeschorenem Haar und Kettenhemd, und Joan taucht sofort in der Vorstellung auf.

Es ist gewagter, eine gewisse Affinität zu dem Glauben, der Marginalisierung, dem Fanatismus und der Verletzlichkeit zu suggerieren, die das Märtyrertum erfordert das ist die ultimative Schwierigkeit für jede historische Figur, die von der Modeindustrie aufgegriffen wird. Es liegt in der Natur der Modenschau, dass sie erzählerische Anker braucht – einen Ausgangspunkt, eine „Muse“, eine Reihe visueller und historischer Anhaltspunkte. Ist es nicht unvermeidlich, dass solche Figuren in einem Bereich, in dem es letztlich um die Herstellung und den Verkauf von Kleidung geht, hohl und klischeehaft werden – reduziert auf bloße Oberfläche? McQueen hat bewiesen, dass es auch anders geht; andere sind ihm gefolgt, und in der Zukunft wird es unweigerlich weitere geben.

Get a Life! – Vivienne Westwood

Vivienne Westwood began Get A Life, her online diary, in 2010 with an impassioned post about Native American activist Leonard Peltier. Since then, she has written two or three entries each month, discussing her life in fashion and her involvement with art, politics and the environment.

Reading Vivienne’s thoughts, in her own words, is as fascinating and provocative as you would expect from Britain’s punk dame – a woman who always says exactly what she believes. And what a life! One week, you might find Vivienne up the Amazon, highlighting tribal communities‘ struggles to maintain the rainforest; another might see her visiting Julian Assange in the Ecuadorian Embassy, or driving up to David Cameron’s house in the Cotswolds in a full-on tank. Then again, Vivienne might be hanging out with her friend Pamela Anderson, or in India for Naomi Campbell’s birthday party, or watching Black Sabbath in Hyde Park with Sharon Osbourne.

The beauty of Vivienne Westwood’s diary is that it is so fresh and unpredictable. In book form, generously illustrated with her own selection of images, it is irresistible.

Inhaltsangabe

Vivienne Westwood war viel: Punkikone, Klimaaktivistin, Modeschöpferin, Ehefrau und Mutter. In „Get a life“ öffnete sie ihr Archiv – Notizen und Tagebucheinträge. Das Buch ist schön gebunden, illustriert, mit vielen Grafiken, Slogans und Fotos.

Ich hatte das Gefühl, Vivienne Westwood ist im Raum und redet. Und wir sehen wie sich die Stimme im Laufe der Jahre ändert. Von den knappen, pragmatischen Texten der 1970er Jahre, Ausführungen von Mode, Kunst und Literatur hin zu elaborierten Gedanken der Klimabewegung, der sozialen Umbrüche und ihr Versuch die Welt zu verstehen.

Sie ist die Designerin, die eine einzigartige Sichtweise auf die Welt hatte, die sie durch ihre Kunst, Stoff, und ihren Aktivismus, der ihrer Zeit voraus war, zum Ausdruck brachte.

Ihre Liebe zu Kunst und Mode ist wunderschön beschrieben. Ihre Botschaft zum Klimawandel hat meine eigenen Gewohnheiten in Frage gestellt

Bring no Clothes – Charlie Porter

Why do we wear what we wear? To answer this question, we must go back and unlock the wardrobes of the early twentieth century, when fashion as we know it was born.

In Bring No Clothes, acclaimed fashion writer Charlie Porter brings us face to face with six members of the Bloomsbury Group, the collective of artists and thinkers who were in the vanguard of a social and sartorial revolution. Each of them offers fresh insight into the constraints and possibilities of fashion today: from the stifling repression of E. M. Forster’s top buttons to the creativity of Vanessa Bell’s wayward hems; from the sheer pleasure of Ottoline Morrell’s lavish dresses to the clashing self-consciousness of Virginia Woolf’s orange stockings. As Porter carefully unpicks what they wore and how they wore it, we see how clothing can be a means of artistic, intellectual and sexual liberation, or, conversely, a tool for patriarchal control.

Travelling through libraries, archives, attics and studios, Porter uncovers fresh evidence about his subjects, revealing them in a thrillingly intimate, vivid new light. And, as he is inspired to begin making his own clothing, his perspective on fashion – and on life – starts to change. In the end, he shows, we should all ‚bring no clothes,‘ embracing a new philosophy of living: one which activates the connections between the way we dress and the way we think, act and love.

Inhaltsangabe

Ich weiß ehrlich gesagt nicht, was ich über dieses Buch sagen soll. Ich hatte bereits What Artists wear von Charlie Porter gelesen. Und daher war ich gespannt auf „Bring no clothes: Bloomsbury and the Philosophy of Fashion“ gefreut und dann war ich nur noch entsetzt.

Das Buch scheint eher eine persönliche Selbstverwirklichungsmanie von Charlie Porter gewesen sein. Und das mit Ankündigung. Zunächst erst einmal zu den Kritikpunkten

Queer for everyone

Queer wird dermaßen inflationär benutzt, das ich mich gezwungen fühlte etwas klar zu stellen. Queer ist ein Begriff des 21. Jahrhunderts, denn die Personen der Bloomsbury Group für sich nicht benutzt haben können. Weil es ihn so in der Verwendung noch nicht gab. Und als jemand der Seit Jahren Mode und Modegeschichte unterrichtet ist das einfach eine grobe Fahrlässigkeit, für die das Buch alleine schon dem Autor um die Ohren gehauen gehört.

Bad Taste

Schlecht zusammengerumpelte Kleidung mit fragwürdigen Löchern als großes Statement zu verkaufen gehört da ebenfalls dazu. Ganz ehrlich, das er das in Tradition zu der Bloomsbury Group stellt, spottet jeder Beschreibung. Es stimmt die Angehörigen dieser Gruppe wurden dafür öfter schief angesehen. Aber ob der Autor nun einen Pullove rmit Loch am Bauch trägt und Leute ihn darum im Sommer beneiden – ich bezweifle es.

Das Buch „ The Bloomsbury Look“ von Wendy Hitchmough arbeitet den Einfluss der Bloomsbury Group auf die Mode deutlicher heraus. Dieses Buch nimmt einen etwas spezifischeren Blickwinkel auf Bloomsbury ein – den ihres Einflusses auf die Mode; das Buch befasst sich hauptsächlich mit der Selbstidentität der Gruppe durch ihre eigene Einstellung zur Kleidung (und zum Ausziehen); es gibt ein Kapitel über Familienfotografie – wie sie den individuellen Stil enthüllte und wie sie sich selbst und einander sahen – dies führt zur Projektion dieses Stils durch Gemälde, dann die Textil- und Kleiderentwürfe, Schmuck usw. und die bohèmehaften, avantgardistischen Produktionen der Omega-Werkstätten.

Daher empfehle ich eher „The Bloomsbury Look“ zu lesen.

Fanboy failure

Charlie Porter ist ein Bloomsbury Fanboy. Das wird in jeder Zeile deutlich. Das dass sei ihm gegönnt, denn wir alle haben unsere Helden in der Geschichte, die uns begeistern und inspirieren. Und es steht wohl nicht in Zweifel, dass dieser Zirkel in den 1920er und 30er Jahren einen Einfluss auf moderne Sichtweisen und auch Wirtschaft mitgestalten konnte. Insbesondere John Maynard Keynes und Virgina Woolf sind bis heute fest verankert. Allerdings muss auch deutlich gesagt werden, dass mit Ausbruch des II. Weltkrieges die Bloomsbury Group zunehmend an Bedeutung verlor und bis in die 1970er Jahre nahezu völlig vergessen war, bis die Texte Virgina Woolfs wiederentdeckt wurden.

Charlie Porter fällt in diesem Buch jenem Narrativ zum Opfer, was sich mit der Wiederentdeckung der Gruppe festsetzte. Dass sie auf jede soziale Gruppe Einfluss gehabt hätten, vor allem die geheim gelebte Homo- und Bisexualität. Und da er, Charlie Porter, sich selbst der LGBTQ+ Community zurechnet, steht für ihn außer Frage, dass die Bloomsburys wie eine Art Schutzheilige dieser vorangegangen sind.

Kritische Diskussion? Och nö.

Es mag gemein klingen, aber auch wenn der Autor zunächst versucht zu sagen, dass er sich bewusst ist, dass die Gruppe durchaus diskutabel ist, so scheint es ihn hinterher nicht zu bekümmern. Ich muss zugeben, dass ich einen ziemlich kritischen Blick habe, wenn es um die Bloomsbury-Gruppe geht. Nachdem ich eine Reihe von Büchern über diese Gruppe gelesen habe, entwickelte ich eine Abneigung gegen das cliquenhafte, elitäre Auftreten. Man kann sagen, dass sie wie viele dieser Gruppierungen, innerhalb der Gruppe tolerant waren, aber das gilt nicht zwingend nach Außen.

Sie waren Produkte ihrer Zeit, Erziehung, sozialen Herkunft und den vorherrschenden gesellschaftlichen Strömungen. Virginia Woolfs Tagebücher geben einen umfassenden Einblick, dass sie von Autoren der Working Class nichts hielt, unter anderem James Joyce. Roger Fry und Clive Bell, die ihren eigenen Kreis und eine bestimmte Art französischer Malerei förderten und bewusst jede moderne Kunst ignorierten, die ihnen nicht gefiel oder die sie nicht mitgestalten konnten.

Kontext, Kontext Kontext

All das wird von Charlie Porter ausgespart, um ein eigenes Narrativ zu schaffen, dass weder der Komplexität der Bloomsbury Group Rechnung trägt, noch dem Anspruch des Buch etwas über den Einfluss, den die Gruppe auf Mode und Kleidungsgepflogenheiten hatte, zu sagen. Umso verwunderlicher ist es, dass er 2023 eine Ausstellung in Charleston kuratierte.

Mit welchen Konzepten hat die Gruppe nun gegen das Patriachat aufbegehrt? Es fehlt der Kontext, der zeitliche Rahmen, die gesellschaftlichen Vorgaben und die Umbrüche Großbritanniens in Gänze. Haben diese Menschen in einer Art Vakuum existiert? DAs gehört zum Grundhandwerk, wenn man ein Buch über den Einfluss einer Gruppe auf die Gesellschaft sprechen will. Und allein die Tatsache, dass das fehlt ist für dieses Buch ein Problem. Stattdessen ist es das Schwärmen eines Fanboys, der sein Fantasiegebilde, das er um sich und diese Gruppe herumaufgebaut hat, nicht stören lassen will.

Fazit

Bei einem Buch, welches sich angeblich mit der Philosophie der Mode oder besser der Kleidung der Protagonisten beschäftigt, erwarte ich nicht, dass ich sowohl über deren sexuelle Orientierung, als auch über die des Verfassers informiert werde. Zudem versucht der Autor offenbar seine persönlichen Erfahrungen als „Erbe“ der Bloomsbury Gruppe zu sehen und verliert sich in seinem Fanboy-Kosmos.

Kein Zweifel, dass die Kleidung eines Menschen einiges über seine Persönlichkeit verrät, aber wenn der Autor alle visuellen Informationen nur „queer“ und als „Queer History“ interpretiert ist das wenig überzeugend und auch nicht angemessen. Es ist alarmierend wie sehr offenbar versucht wird, eine Gruppe in eine Geschichtsschreibung zu quetschen, die nicht mehr dazu gedacht ist die Komplexität einer modernen Gesellschaft zu beleuchten, sondern nur noch auf Selbstbeweihräucherung und Klientelpolitik aus ist. Die Geschichte der Sexualität ist lang und genauso ein Teil der Menschheitsgeschichte, aber sicherlich sollte sie nicht dazu dienen sich ständig selbst in der eignen Großartigkeit zu bestätigen.

Alles in allem völlig am Thema vorbei.

Herausgeber : Particular Books
Erscheinungsdatum : 7. September 2023
Sprache : Englisch

Preis: 19,55€ 

Warum kleiden wir uns für Silvester?

Ab und zu ist es schön, die Jogginghose und das bequeme Shirt gegen ein bisschen Lametta und Glitzer zu tauschen. Aber haben Sie sich schon einmal gefragt, warum wir alle Register ziehen, um das neue Jahr einzuläuten? Die Geschichte des Mode zu Silvester ist interessant und führt uns über alle möglichen Umwege zu unseren auffälligen Pailletten und kilometerlangen falschen Wimpern. Von der Verkleidung in Kuhhäuten bis zum Anziehen von weißem Nerz, bevor der Wecker klingelt, haben sich die Menschen seit Tausenden von Jahren für diesen Anlass herausgeputzt.

Die Perlenstickerei und die teuren Kleider sind nur unsere eigene Interpretation in der Zeit, in der wir leben. Es ist nichts Neues, sich zu Beginn eines neuen Jahres herauszuputzen. Im Folgenden erfahren Sie, warum wir uns zu Silvester in Schale werfen – fühlen Sie sich mit den Legionen von Menschen verbunden, die vor tausend Jahren das Gleiche taten wie Sie.

Wie alles begann

Bevor man die Lametta-Version versteht, muss man die heidnische Version verstehen. Man nimmt an, dass die Schotten eine der ersten Gruppen waren, die Silvester feierten, und dass ihre Variante „Hogmanay“ genannt wurde. Und so wie man für eine große Feier eine Perlenkette auf dem Bett ausbreitet, so kleideten sie sich für das Ereignis, indem sie Rinderhäute anzogen. Menschen trugen Rinderhäute und entzündeten Lagerfeuer, wobei das Feuer symbolisch für die Reinigung des Gemenschaft und des Dorfes steht. Noch heute gibt es in Teilen Deutschlands ähnliche Versionen wie die Perchtläufe, in der Frau Perchta mit ihrem Gefolge durch das Dorf zieht.

Während sich die Schotten mit Fellen schmückten, feierten die Römer ihren Vorabend mit einem Bankett Als der heilige Bonifatius, ein Missionar aus England, im Jahr 742 Rom besuchte, war er entsetzt über das Ausmaß der Feierlichkeiten. Die Menschen tanzten auf den Straßen, die Tische waren mit Speisen und Getränken überladen, die Leute sangen in betrunkenem Zustand, und die Frauen trugen Amulette um den Hals, die sie dem Meistbietenden zum Kauf anboten.

In anderen Kulturen – wie im alten Babylon – wurde die Zeit zwischen dem alten und dem neuen Jahr als ein Kampf zwischen Chaos und Ordnung angesehen. Während die beiden miteinander kämpften, wurden die Regeln und die Ordnung umgekehrt, und die Menschen verkleideten sich, um diese Zeit zu markieren, bis die Kontrolle um Mitternacht wiederhergestellt war.

Neuere Traditionen

Spulen wir ein paar Jahrtausende zurück, und der neuere Aberglaube erklärt vielleicht, warum wir das Bedürfnis haben, in unseren besten und glitzerndsten Kleidern den Countdown bis Mitternacht zu zählen.

Für viele galt Neujahr als ein neuer Anfang. Aus diesem Grund begannen viele Menschen gerne so, wie sie es vorhatten, weiterzumachen. Viele Bräuche, Traditionen und Aberglauben sind mit dem gemeinsamen Glauben verbunden, dass das, was man in der Silvesternacht oder am Neujahrstag tut, den Ton oder das Muster für das kommende Jahr vorgibt.

Nach britischem Volksglauben durfte man zum Beispiel am 1. Januar nicht einmal Schmutz aus dem Haus fegen, da sonst die Gefahr bestand, dass man sein Glück wegfegt. Man durfte nur neue Dinge ins Haus bringen, um den Reichtum des kommenden Jahres zu garantieren.

Die 1800er brachten große Partys

Vor dem späten 19. Jahrhundert war Silvester eher eine Familienangelegenheit, bei der die Menschen zu Predigten gingen und das vergangene Jahr Revue passieren ließen. Doch als wir uns dem Goldenen Zeitalter näherten, verdrängten Partys mit Krachmachern und Wunderkerzen diese stillen Besinnungen der Erneuerung.

Da immer mehr Menschen in die Großstädte zogen, wollten sie die Kirchenbänke gegen Partys tauschen. Und das taten sie auch. In einem Artikel der Washington Post vom 1. Januar 1916 heißt es:

„Die New Yorker gaben sich heute Abend dem Feiern und Lärmen hin. Die fröhlichste Silvesternacht aller Zeiten“

so das Urteil derer, die die Geschichte des Broadway und anderer Straßen, in denen die weißen Lichter brennen, genau kennen. Eine halbe Stunde bevor das Glockenspiel der alten Trinity das Jahr 1916 offiziell ankündigte, kündigten das Läuten der Kirchenglocken, das Kreischen der Pfeifen von Fabriken, Fähren und Schiffen aller Art und das Getöse unzähliger Blechhupen das Herannahen von Mitternacht an. Je näher die Stunde rückte, desto lauter wurde das Geschrei.

Mit der Elektrifizierung der Städte wurde das Nachtleben durch eine umfassende Straßenbeleuchtung, die Beleuchtung verschiedener Vergnügungsstätten und elektrische Straßen- und U-Bahnen möglich, die es den Menschen ermöglichten, sich effektiv in den Städten zu bewegen.

Schließlich begannen die Amerikaner, die Uhrzeit genau zu verfolgen: Sie trugen Taschenuhren, füllten ihre Häuser mit Uhren und schmückten ihre öffentlichen Gebäude mit immer größeren Uhren und lauteren Glocken. So wurde der Countdown bis Mitternacht – bis zum exakten Zeitpunkt der Ankunft des neuen Jahres – zu einem sehr aufregenden Moment, in dem eine von Uhren besessene Öffentlichkeit ihre neue Orientierung an der genauen und präzisen Zeit in die Tat umsetzen konnte. Mit dieser Vorfreude im Hinterkopf bildete sich eine neue Partykultur heraus.

Das Nachtleben verwandelte Silvester in eine Modenschau

Und da immer mehr Restaurants üppige Bankette veranstalteten und in den Clubs Shows mit Cocktails und Tanz stattfanden, war Silvester nun nicht mehr nur ein besonderer Anlass, sondern die größte Party des Jahres – was sich auch in der Kleidung der Menschen widerspiegelte.

Viele Silvesterpartys wurden von Clubs, Restaurants und Hotels gesponsert. Sie beinhalteten mehrgängige Mahlzeiten, Champagner und Tanz zu Musik, die von einem Orchester gespielt wurde. Je näher Mitternacht rückte, desto mehr Lärm wurde gemacht, und um Punkt Mitternacht wurden Küsse ausgetauscht und Trinksprüche ausgesprochen“, erzählt sie. Und die Veranstaltung wurde noch spezieller, als sich der ganze Saal in Schale warf.

Aber wenn man nicht zu einem Bankett gehen wollte (oder sich die Eintrittskarte nicht leisten konnte), gab es immer noch zahlreiche Feste, die zu Hause veranstaltet wurden. Von der königlichen Gesellschaft bis hin zu Wohnungseigentümern in bescheidenen Häusern mussten alle in ihren besten Kleidern erscheinen. Andere Leute begannen, Partys zu Hause zu veranstalten und ersetzten die Orchester oft durch das Radio. Radiosender übertrugen aus Veranstaltungsorten und veranstalteten Silvester-‚Tanzpartys‘.

In der Washington Post vom 3. Januar 1909 beschrieb Page Six die Outfits bei einer viel besprochenen Silvesterparty in einem der Häuser der Prominenz.

Eine Silvesterparty wurde von Mrs. J. Ellen Foster, Miss Pierce und Miss Hellen Varick Boswell aus New York veranstaltet. Mrs. Foster trug ein Kleid aus schwarzer Fadenspitze über cremefarbenem Satin und Chiffon, mit vielen Verzierungen. Miss Pierce trug ein Pariser Kleid aus rosafarbener und bronzefarbener Chiffonseide, mit Applikationen aus Indescents. Miss Boswell trug ein Empire-Kleid aus schwarzem Chenille-Netz, das mit goldenen Stoffen besetzt war.

Und von da an wurden Glanz und Glamour nur noch größer. Es reichte nicht mehr aus, einfach das übliche Freitagabendkleid anzuziehen; die Leute mussten alle Register ziehen. In einem Artikel der New York Times vom 3. Januar 1923 wurde über einen Schmuckdiebstahl berichtet, der einer Partygängerin auf dem Heimweg nach den nächtlichen Festivitäten passiert war. Und die Menge an Glitzer, die gestohlen wurde, zeigt, wie sehr sich die Leute für diesen Anlass herausgeputzt haben.

Mrs. Irene Schoellkopf, Frau von C.P. Hugo Schoellkopf, einem Fabrikanten aus Buffalo, wurde am frühen Montagmorgen nach einer Silvesterparty in einer Wohnung in der 64 West Fifty-second Street, zwischen der Fifth und der Sixth Avenue, überfallen und ihres Schmucks im Wert von 500.000 Dollar beraubt.

Von Kuhfellen bis hin zu Glitzer im Wert von einer halben Million – wir hatten schon immer das Bedürfnis, uns für den Jahreswechsel in Schale zu werfen. Möge das diesjährige Outfit dieser langen Geschichte Ehre machen.

Dressing for a Director: Alfred Hitchcock

Hallo, hallo. Ich bin durch den Wald und durch den Brand – mit einer satten Erkältung und jeder Menge Hitchcock Filme. Eigentlich hatte ich vor diese Reihe früher zu starten, aber jetzt hat es den Altmeister des Horrorfilms getroffen.

Wer das Glück hatte, ein Originaldrehbuch von Alfred Hitchcock in die Hände zu bekommen, konnte auf fast jeder Seite genaue Anweisungen lesen. Jedes Kostüm war detailliert angegeben. Es gab einen Grund für jede Farbe, jeden Stil, und er war sich bei allem, wofür er sich entschied, absolut sicher. Die subtilen Details waren für Hitchcock als einer der ikonischen Regisseure Hollywoods am wichtigsten. Der aus dem vereinigten Königreich stammende Regisseur machte sich gemeinsam mit seiner Frau einen Namen, der für seine spannenden und psychologisch komplexen Geschichten bekannt war.

Für den Regisseur von 52 Filmen war es wichtig, eine visuelle Sensation zu schaffen. Dies gelang ihm durch eine Inszenierung, die aufgrund ihrer unterbewussten Wirkung auf den Zuschauer revolutionär war. Alles, vom Kamerawinkel bis zur stimmungsvollen Farbgebung, war ein sorgfältig ausgeklügelter Plan. Hitchcock hatte eine genaue Vorstellung davon, wie er seine Geschichten erzählen wollte. In jedem Hitchcock-Film gibt es eine stilvolle weibliche Figur mit eiskaltem Auftreten: die Hitchcock-Heldin.

Seit 1935 präsentierte Alfred Hitchcock in seinen Filmen die „kühle Blondine“. Weibliche Hauptfiguren, die auf elegante, raffinierte Weise kultiviert und beherrscht waren. Allerdings verbarg sich unserer ihrer äußerlichen, kalten Lieblichkeit eine Skrupellosigkeit, Courage und offensive Sexualität. Als Vorläuferin dieses Typus gilt Marlene Dietrich. Die als „Hitchcock – Blondinen“ bekannten Schauspielerinnen waren Grace Kelly, Kim Novak und Tippi Hedren.

Hitchcock verstand, dass die physischen Elemente bei der Darstellung einer Figur, insbesondere ihre Kleidung, von großer Bedeutung sind, um eine Geschichte zu erzählen. In den 1930er bis 1960er Jahren waren Kostüme eine Sache, aber der Stil war ein ganz anderer. Maßgeschneiderte Kostüme mit taillierten Schnitten und klassische und von der Couture inspirierte Kleider prägten das Bild der rätselhaften Hitchcock-Frau. Die scharfen Silhouetten, die Hitchcock bevorzugte, waren Zeichen der Zeit und griffen oft auf die neueste Mode aus Paris zurück. Viele der Kostümentwürfe für seine Filme wurden von der Pariser Couture inspiriert, und Marlene Dietrich bat den Modeschöpfer Christian Dior, ihr Kostüm zu entwerfen. Die Schauspielerin, eine der größten Diven Hollywoods, wurde bei Verhandlungen mit Hitchcock mit den Worten zitiert: „No Dior, no Dietrich“.

Im Laufe seiner Filmkarriere arbeitete Hitchcock mit mehreren Kostümbildnern zusammen, vor allem aber mit Edith Head. Ihre Zusammenarbeit erstreckte sich auf mehr als 11 gemeinsamen Filmen. Eine der vielleicht größten frühen Arbeiten von Head an der Seite von Hitchcock war der Film „Fenster zum Hof“ von 1954, in dem Kelly die Rolle der mondänen Lisa Fremont spielte, die sich durch ihre Kleidung in Szene setzen wollte. Hitchcocks Vision von Fremont als Modefanatikerin hatte mit dem übergreifenden Thema des Films zu tun, dem Voyeurismus und der Vorstellung, aufgrund seiner Kleidung bewundert und beobachtet zu werden.

Head entwarf für Kellys Figur eine Reihe von Kleidern im Couture-Stil mit wallenden Ballerina-Röcken und Rohseidenanzügen von Cristóbal Balenciaga. Die Stücke waren repräsentativ für den Einfluss der französischen Couture im Amerika der Nachkriegszeit nach der Erfindung des „New Look“ von Dior, bei dem die Taillen minimiert und die Röcke maximiert wurden.

1958 setzten Head und Hitchcock ihre Zusammenarbeit mit „Vertigo“ fort, einem Film über Besessenheit und Identität, in dem Kim Novak die Rolle der Madeleine Elster spielte. Es heißt, dass Hitchcock die Idee für die genaue Farbe eines Anzugs für Novaks Figur im Kopf hatte, noch bevor die Dreharbeiten begannen. Die Kombination aus grauem Rock und schwarzen Pumps, die Head sich vorstellte, sollte die geisterhafte Farbe des Nebels in San Francisco, in dem der Film gedreht wurde, widerspiegeln. Anfänglich wollte Novak den Anzug nicht tragen, weil sie behauptete, sich darin nur schwer bewegen zu können. Doch die Qualität des Anzugs trug schließlich dazu bei, dass sie sich bei der Darstellung ihrer Figur visuell unwohl fühlte.

1960 schuf Hitchcock seinen wohl berühmtesten Film, „Psycho“ . Diesmal arbeitete der Regisseur nicht mit Head zusammen, sondern mit einer ihrer Kolleginnen, der Kostümbildnerin Rita Riggs, die zuvor an „Die Vögel“ und „Marie“ mitgearbeitet hatte. Für „Psycho“ war es von entscheidender Bedeutung, dass Janet Leighs Figur, Marion Crane, so sympathisch war, dass ihr früher Tod im Film einen großen Schock beim Publikum auslösen würde. Und tatsächlich steht ihr Kleid selbst für die Entwicklung ihrer Figur im Film. Für die Produktion bestand Hitchcock darauf, dass Riggs gekaufte Kleidung verwendet, um das Kleiderbudget von Cranes Job als Sekretärin einzuhalten. Riggs kaufte einen Großteil der Kleider im Kaufhaus Jax in Beverly Hills, wo sie Baumwoll- und Jerseykleider bevorzugte.

Hitchcocks Einfluss auf die Filmmode zeigt sich darin, dass die Kostüme über so viele Jahre hinweg ikonische Momente der Filmgeschichte geblieben sind. Im Laufe der Zeit wurden die Looks von den Designern als Inspiration für ihre Kollektionen übernommen. Alexander McQueen hat mehrere seiner Kollektionen dem düsteren Horror der Hitchcock-Filme nachempfunden. Die Liebe des Designers zu Vögeln führte dazu, dass er sich für seine gleichnamige Frühjahr/Sommer-Kollektion 1995 auf den Film The Birds von 1963 bezog. Später, bei seiner Herbst/Winter-Show 2005, zeigte er verschiedene klassische Hitchcock-Stile in gedeckten Farben und zeitloser 50er-Jahre-Schneiderei. Und fast ein Jahrzehnt später schuf Prada mit seiner Herbst/Winter 2013 Show die perfekte Garderobe für einen Krimi mit vielen Nerzstolen und dramatischen Anzügen.

Noch heute üben Hitchcocks Filme eine Faszination aus, die weit über die Modewelt hinausgeht. Die Frauenfiguren, die er für seine Filme schuf, brachten eine neue Art von Femme fatale hervor, eine Frau, die durch ihre Kleidung Raffinesse und Aufregung ausstrahlt. Hitchcock war sehr genau, wenn es um seine Bilder ging, und die Mode war nie ein nachträglicher Gedanke. Wenn es um Hollywood-Klassiker geht, steckte bei den Hitchcock-Heldinnen der Teufel wirklich im Detail.

Andrew Wilson- Alexander McQueen. Blood beneath the Skin

Hinweis: diese Rezension beinhaltet Suizid, Drogenmissbrauch und psychische Erkrankungen. Sollte das jemanden triggern bitte nicht weiterlesen.

When Alexander McQueen committed suicide in February 2010, aged just 40, a shocked world mourned the loss of its most visionary fashion designer.

McQueen had risen from humble beginnings as the youngest child of an East London taxi driver to scale the heights of fame, fortune and glamour. He designed clothes for the world’s most beautiful women including Kate Moss and Naomi Campbell. In business he created a multi-million pound luxury brand that became a favourite with both celebrities and royalty, most famously the Duchess of Cambridge who wore a McQueen dress on her wedding day.

But behind the confident facade and bad-boy image, lay a sensitive soul who struggled to survive in the ruthless world of fashion. As the pressures of work intensified, so McQueen became increasingly dependent on the drugs that contributed to his tragic end. Meanwhile, in his private life, his failure to find lasting love with a string of boyfriends only added to his despair. And then there were the dark secrets that haunted his sleep.

Inhaltsbeschreibung

Ich gebe zu, dass ich vor der Lektüre dieses Buches nur Eckdaten über Leben von Lee Alexander McQueen wusste. Ich bin niemand, der seine unkritisch Arbeit verehrt, aber sie zählt zu den wichtigsten der modernen Mode – fast einzigartig könnte sie alle Funktionen erfüllen und den Rang von bildender Kunst erreichen. Nicht zuletzt widmete das V&A und das MET McQueen Ausstellungen und beide Häuser sind im Besitz zahlreicher Arbeiten. Und ich war neugierig auf die Figur hinter der Gestalt „Alexander McQueen“ – den Privatmann, den seine Freunde Lee nannten.

Für mich war der Widerhall des gesamten Buches ein sehr kreativer Mensch, der mehr als ein problematischer Mensch war, dem aber alle um ihn herum dieses Verhalten „verziehen“ haben, weil er so war, wie er war.

Der Mythos Alexander McQueen

Das Buch wurde von seiner Kindheit bis zu seinem frühen Tod geschrieben. Es schildert das Leben eines Mannes mit Talent, Tatendrang, künstlerischer Selbstüberzeugung und einem Workaholic, der bis in die Nacht hinein arbeitete. Und das Buch zeigt ein Leben in Extremen. McQueen war ein sensibler und schüchterner Mann der, wie die meisten von uns, sowohl zu außergewöhnlicher Liebe und Großzügigkeit fähig war, als auch ein grausamer Tyrann gegenüber seinen Partnern und Arbeitskollegen.

Das Buch schildert eines deutlich: McQueen war nicht in der Lage, die Gefühle anderer zu verstehen. Es war ihm unmöglich, gesunde Beziehungen zu führen und aufgrund seines geringen Selbstwertgefühls und seines Drogenmissbrauchs hatte er ernsthafte Vertrauensprobleme. Sein lebenslanges Gewichtsproblem, dass er teils mit radikalen Diäten zu bekämpfen versuchte, trug wenig zu seinem Selbstwertgefühl in einem Arbeitsumfeld bei, dass von Äußerlichkeiten, Frivolität und Schönheitsidealen lebt.

Isabella Blow

Die wohl wichtigste Figur in McQueens kreativer Wirkung war die Modejournalistin Isabella Blow, die McQueen einmal als eine Mischung aus Herzogin und Fischverkäuferin bezeichnete. Seine Beziehung zu Isabella Blow war der interessanteste Part, denn obwohl sie aus sehr unterschiedlichen Verhältnissen stammten, waren sie sich sehr ähnlich. Im Bezug auf ihren modischen Scharfsinn und kreative Ausdrucksweise, aber auch im Bezug auf ihr geringes Selbstwertgefühl, ihr destruktives Verhalten und ihre psychischen Probleme. Und obwohl Alexander McQueen sich damals bereits von ihr distanziert hatte, traf Blows Selbstmord ihn schwer.

Blow spielte eine wichtige Rolle bei der Förderung der großen, kreativen Köpfe der Modebranche. Die nach ihr benannte Isabella Blow Foundation, fördert bis heute junge Talente.

Was von McQueen übrig blieb

Jedes Kapitel stand für eine Periode mit interessanten Interviews, die Andrew Wilson über diese Zeit geführt hat. Alle Freunde von McQueen verschmolzen in meinem Kopf miteinander, ebenso wie seine Kollegen. Seine Liebe zur Landschaft, zum Meer, zu den schottischen Familienwurzeln und zu seiner Hunde floss in sein Werk ein, stand aber gleichzeitig im Widerspruch zu einer städtischen Existenz, die in rasendem Tempo geführt wurde.

Aber ich hatte das Gefühl, dass über bestimmte Themen geschwiegen wurde. Es gab viele Aussagen von Menschen aus seinem Umfeld, dass er sich gefangen fühlte oder unter großem Druck zu stehen schien. Andere sagten, dass sie ihrem ärgsten Feind den Erfolg in der Modebranche nicht wünschen würden. Warum genau?

Es mag daran liegen, dass viele Weggefährten von McQueen noch leben und das Andenken an McQueen und ihre Profession schützen wollen, ebenso wie die Tatsache das Familie und Freunde natürlich ein ganz bestimmtes Bild vermitteln wollten. Sein kometenhafter Aufstieg führte gleichzeitig zu einem Fall ins Bodenlose, auf Euphorie folgten Phasen tiefster Depressionen.

Er beging Selbstmord. Das ist bitter und schlimm. Aber nach diesem Buch hatte ich keine Kraft für Mitleid mit diesem Mann, außer dass er diese Erde in einem relativ jungen Alter verlassen hat.

Herausgeber ‏ : ‎ Simon + Schuster Inc.

Erscheinungsdatum: 10. März 2016

Sprache ‏ : ‎ Englisch

Taschenbuch ‏ : ‎ 400 Seiten

Preis: 8,39 €

Hinweise:

Telefonseelsorge zur Suizidprävention

Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung – Sucht & Drogenhilfe

Fashion Eras I love: 1960s

In den 1960er Jahren wurde die Mode für alle Geschlechter und Altersgruppen zunehmend legerer. Die Damenmode folgte drei großen Trends: eine Fortsetzung der damenhaften Eleganz des vorangegangenen Jahrzehnts, wie sie die First Lady Jacqueline Kennedy trug, die jugendlichen Stile von Mary Quant und der Einfluss des Space Age sowie der „Hippie“-Stil, vor allem durch östliche Kleidung geprägt wurde, der späten 1960er Jahre. Bei der Herrenmode gab es immer mehr Farben und Muster, militärische Einflüsse und neue Mode-Ikonen in Form von Rockstars. Die Kindermode veränderte sich weniger stark, wurde aber ebenfalls legerer und farbenfroher und gemustert.

Die adrette First Lady

In den 1950er Jahren wurde die Mode vom Geschmack einer wohlhabenden, reifen Dame dominiert. Paris blieb der Motor der Modeindustrie mit anspruchsvoller Haute Couture, die in regelmäßigen Kollektionen von Größen wie Cristóbal Balenciaga und Hubert de Givenchy (dem Schöpfer von Audrey Hepburns ikonischem schwarzen Kleid in Frühstück bei Tiffany, 1961) produziert wurde. Doch die Zeiten änderten sich bald.

In den ersten Jahren des Jahrzehnts knüpfte die Mode an die 1950er Jahre an. Beim Übergang von einem Jahrzehnt zum nächsten wurden Rockanzüge und dazu passende Accessoires betont. Die First Lady Jacqueline Kennedy verkörperte diesen Look während der Präsidentschaftskampagne und der kurzen Präsidentschaft ihres Mannes. Sie wurde auf der ganzen Welt für ihren gepflegten, damenhaften Look bewundert, der aus kastenförmigen Rockanzügen und luxuriösen Mänteln bestand, die alle mit weißen Handschuhen, Perlen und einem passenden Hut kombiniert wurden.

Quelle: Pinterest

Dieser Look wurde von Größen wie Hubert de Givenchy und Cristóbal Balenciaga kreiert, doch im Laufe des Jahrzehnts wurde deutlich, dass sich in den 1960er Jahren eine neue Art von Designer durchsetzte: Das kulturelle Phänomen, das als Swinging London bezeichnet wurde, begann 1955, erreichte aber seinen Höhepunkt Anfang bis Mitte der 1960er Jahre. Es war ein Phänomen, das sich auf die Jugend konzentrierte und Musik und Mode in den Mittelpunkt stellte.

Youthquake und die Jugendmode

In England war zu Beginn der 1960er Jahre war das Einkommen der jungen Leute so hoch wie seit dem Ende des II. Weltkriegs nicht mehr. Die gestiegene Wirtschaftskraft förderte ein neues Identitätsgefühl und das Bedürfnis, dieses zum Ausdruck zu bringen. Die Modeindustrie reagierte schnell, indem sie Mode für junge Leute schuf. Die Beatniks und die Mods waren zu Beginn des Jahrzehnts besonders einflussreich. Mit ihrem Engagement für Kleidung im europäischen Stil, die sich durch kräftige Farben und Linien auszeichnete, und ihrer Vorliebe für amerikanische Soul- und R&B-Musik trugen die Mods dazu bei, den Geschmack junger Menschen überall zu treffen, und inspirierten den Look von Bands wie The Who, The Small Faces und The Beatles.

Es bedurfte einer neuen Art von Geschäften, um die Vorherrschaft von Paris zu brechen und das Potenzial der Jugendmode voll auszuschöpfen. Boutiquen waren kleine Selbstbedienungsläden, die in London von Designern gegründet wurden, die erschwingliche Mode für einfache junge Leute anbieten wollten und damit eine ganz andere Erfahrung als die oft recht formellen „Ausstatter“ und Kaufhäuser alten Stils boten. Da sie direkt vor Ort waren, konnten sie ihre Kunden gut kennen lernen und deren Bedürfnisse schnell erfüllen. Die Designer Mary Quant und John Stephen waren die Pioniere dieser neuen Form des Einzelhandels, denn beide eröffneten ihre ersten Geschäfte bereits Mitte der 1950er Jahre. Sie entwarfen und verkauften äußerst einflussreiche Mode, die sich zunächst an der Mod-Ästhetik des hellen, maßgeschneiderten Minimalismus orientierte.

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Die Designerin, die das „Youthquake“ anführte, war Mary Quant, die 1955 ihr erstes Geschäft, Bazaar, in der King’s Road in Chelsea, London, eröffnete. Die schlichten, farbenfrohen Entwürfe von Quant sprachen Teenager und junge Leute an, die mehr Geld zur Verfügung hatten als jede Generation zuvor. Sie unterschieden sich von der formellen Mode der älteren Generation und sprachen junge Frauen an, die den kindlichen Stil von Quant zu schätzen wussten

Die Boutique Szene – ein Londoner Modell

In nur wenigen Jahren explodierte die Boutiquenszene. Junge Leute strömten in Scharen in die pulsierenden neuen Läden in der Londoner Kings Road und Carnaby Street, um zu sehen und gesehen zu werden. In diesen mittlerweile ikonischen Läden wurden erschwingliche Kleidungsstücke verkauft, die sich für einen geschäftigen, urbanen Lebensstil eigneten und mit denen die Kundinnen kreative Kombinationen anstellen konnten. Die schmal geschnittenen, farbenfrohen Outfits der Londoner Designer wurden im gesamten Vereinigten Königreich sowie in Europa und Amerika sehr einflussreich und trugen dazu bei, das verführerische Image des Swinging London zu schaffen.

Plastik-Welten

In den 1960er Jahren verliebten sich die jungen Designer in neue Materialien und suchten nach neuen Perspektiven für etablierte Formen. Sie nutzten moderne Kunststoffe und synthetischer Fasern – Plexiglas, PVC, Polyester, Acryl, Nylon, Rayon, Spandex usw.

Die Suche nach einer modernen Form der Kleidung wurde durch das „Papierkleid“ verkörpert. Diese aus Zellulose, Viskose oder Polyester hergestellten Einwegkleider wurden erstmals 1966 als Marketing-Gag für einen Hygieneartikel-Hersteller entwickelt.

Into the Space Age

Ab Mitte der 1960er Jahre drängte André Courrèges die Couture-Schneiderei zu kühn moderner Kleidung. Seine kantigen Minikleider und Hosenanzüge, die oft in den Farben Weiß und Silber des Weltraumzeitalters gehalten waren, wurden mit astronautenähnlichen Accessoires wie flachen Stiefeln, Schutzbrillen und Helmen getragen. Er scheute auch nicht davor zurück, neue, billige Materialien zu verwenden, wenn sie seinen auffälligen Entwürfen am besten dienten.

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Pierre Cardin und André Courrèges präsentierten von der Raumfahrt inspirierte Entwürfe in Weiß- und Silberschattierungen. Etuikleider und Minikleider in A-Linie, beide ohne definierte Taille, waren beliebte Silhouetten.

Hippies, Folklore und Maximalismus

In den späten 1960er Jahren war der Stil theatralisch geworden. Mit dem Krieg in Vietnam und den Studentenunruhen in Frankreich begannen die Meinungsbildner, den materialistischen Glanz des Pop zu missbilligen. Dies ging einher mit der Hinwendung zur „Hippie“-Ästhetik.

Die Menschen orientierten sich an der östlichen Kultur, um sich inspirieren zu lassen. Die Ideen und die Mix-and-Match-Ästhetik der kalifornischen Hippie-Bewegung überquerten den Atlantik und gaben den Menschen die Freiheit „anders zu leben“ und Kleidung aus einer Reihe von nicht-westlichen Kulturen zu tragen. Die Modemacher begannen, lange, lockere und mehrlagige Outfits zu tragen, die von Secondhand- oder Vintage-Stilen inspiriert waren, die häufig aus dem späten neunzehnten Jahrhundert und den 1930er Jahren stammten.

Am Anfang steht das Fell

Denken wir an Mode, drängt sich automatisch die Kleidermode auf. Die Trends die uns in regelmäßigen Abständen von Zeitungen, Online-Portalen und Influencern gezeigt werden. Doch die Ursprünge von Kleidung und Mode, ist weitaus mehr und liegt in den Anfängen der Menschheitsgeschichte. Warum sollte man sich überhaupt mit Mode beschäftigen? Weil Mode viel mehr über uns aussagt, als wir zuerst meinen.

Kleidung – Von der Notwendigkeit zum Statussymbol

Kleidung gehört neben Nahrung und Obdach zu den Grundbedürfnissen des Menschen. Sie erfüllt eine Schutzfunktion vor Kälte, Wind und Regen, schützt vor Verletzungen, im Verkehr oder im Sport. Jedoch kann man Bekleidung, die rein Funktional ist und Mode, die eher Selbstdarstellung oder den sozialen Status Ausdruck vermittelt, unterscheiden.

Vor ca. 130 000 Jahren hängten sich Menschen zum Schutz Tierfelle um den Körper, um sich vor Kälte zu schützen. Auch die erste bearbeitete Kleidung der Steinzeit (ca. 35 000 Jahren), bestand aus dem Fell erlegter Tiere sowie aus Pflanzenfasern oder Baumrinden. Bereits in der frühen Steinzeit begannen Menschen Kleidung in verschiedenen Formen, Farben und mit Mustern herzustellen was vermutet, dass Kleidung mehr Zwecken diente als den Schutz vor Witterung. Historiker gehen davon aus, dass schon von Anfang an ein besondere Felle auch als Schmuck oder Auszeichnung gedient hat. Kleidung signalisierte sehr früh etwas über die Stellung in der Gemeinschaft. Die Textilien und Kleidung der Steinzeitmenschen wurden mit Gürtel, Knöpfen und Hüten kombiniert. Somit bestand auch die Eitelkeit und die soziale Ordnung und nicht ausschließlich die Nützlichkeit bereits in den Anfängen der Kleidung.

Durch die Nähnadel revolutioniert

Für den Modehistoriker James Laven ist die Erfindung der Nähnadel einer der bedeutendsten technologischen Fortschritte der Menschheitsgeschichte. Diese bestanden aus Knochen oder Fischgräten. Erste Funde gehen bis in die Jungsteinzeit zurück und auch das Weben und Spinnen von Fasern. Hochkulturen wie die ägyptische Kultur im Nildelta, die griechische und römische Antike beeinflussten die Mode in Europa weit bis in das 20. Jahrhundert.

Die gesellschaftliche Macht der Mode

Mode leitet sich vom lateinischen Wort modus ab, was so viel bedeutet, wie Maß, Art und Weise oder Zeitgeschmack. Das Wort Mode taucht ab dem 15. Jahrhundert in Frankreich als Beschreibung der neuesten Bekleidungsform auf. Die wichtigsten Merkmale der Mode sind immer die Silhouette, die Farbe und die Materialien. Am auffälligsten ist die Silhouette, wie die Form und Länge des Rockes, das Oberteil mit bestimmten Ärmeln und auch die Körperhaltung, die durch die Kleidung angenommen wurde.

Die Mode beeinflusst nicht nur die Kleidung, sondern das ganze Erscheinungsbild, Verhalten und die Lebensumwelt. Dem „Diktat der Mode“ unterwerfen sich die meisten Menschen bewusst oder unbewusst. Das spricht für die Macht, die Mode auf eine Gesellschaft ausübt, indem sie entweder soziale Schichten abgrenzte oder Schönheitsideale vorgab.

Mode in Epochen

Bis zur Romanik unterschied sich die Frauen- und Männerkleidung nur geringfügig. Erst im 14. Jahrhundert begann man Schnitttechniken zu entwickeln, wodurch die Kleidung unterschiedlicher wurde. Gleichzeit begannen auch Reiseunternehmungen neue Eindrücke und Stoffe aus China, Vorderafrika und später dem amerikanischen Kontinent modische Einflüsse mitzubringen.

Fashion Eras I love: 1950s

Die 1950er sind beinahe ein Mythos der Modegeschichte. Nach der stoffsparenden, pragmatischen Mode der 1940er schwelgte Europa und die USA in extravaganten Stoffen und Schnitten. Das letzte Jahrzehnt der Grandezza und dem Schwelgen in Eleganz und Stoffen.

Gleichzeitig sind die 1950er Jahre das Jahrzehnt, in der Mode immer bequemer und lockerer wurde. Insbesondere durch amerikanische Filme und Lebensweise, die sich in Europa etablierte.

Cocktailkleid und Tiki-Party

Obwohl es für Frauen zunehmend akzeptabel wurde, zu bestimmten Anlässen Hosen zu tragen, tendierte die Modestimmung in den fünfziger Jahren insgesamt zu Weiblichkeit und Förmlichkeit. Dies gilt insbesondere für die Abendmode, als das Cocktailkleid in der Öffentlichkeit eingeführt wird. Weniger formell als das bodenlange Abendkleid aber eleganter als Tageskleidung. Diese Kleider, die zu den neuen Cocktailpartys getragen wurden, hatten die Länge eines Tageskleides, waren stilistisch eher an einem Abendkleid orientiert. Populär wurden auch Mottopartys wie etwa die Tikiparty, basierend auf polynesischer, ozeanischer und hawaiianischer Popkultur – Gartenfackeln, bunte Cocktailschirmchen, tropische Blumenmuster und der Mai Tai.

Schwelgen in Haute Couture

Bei der formellen Abendgarderobe blieb das Kleid mit vollem Rock während des gesamten Jahrzehnts die Mode, auch wenn Etuikleider und figurbetonte Kleider populär wurden. Das relativ neue trägerlose Mieder war besonders beliebt.

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Doch obwohl der Look allgegenwärtig war, war er nicht der einzige, der in den fünfziger Jahren an Bedeutung gewann. Tatsächlich entwickelten sich im Laufe der Zeit in der 50er Jahre Mode zwei Strömungen: der volle, schwingende Rock und ein gerader, eleganter Bleistiftrock.

Im Laufe der 50er wurde diese Auswahl vielfältiger. Auch da Couturiers wie Christóbal Balenciaga, Charles James und Hubert de Givenchy andere Silhouetten einführten. Die Mode wurde weniger strukturiert und geradliniger. Chanel und Dior entwarfen Kostüme, die weniger formell waren sondern sich an der Figur von Frauen orientierten. Givenchy führte das Etuikleid ein und Balenciaga Chemise-Kleider, mit der von ihm bevorzugten, schwingenden Silhouette.

Das Kostüm

Es wäre aber auch falsch zu glauben, dass Mode nur rein repräsentativ sein konnte. Die 1950er Jahren brachten nämlich auch eine zunehmende Kultur mit sich, die in den 1920er Jahren bereits begonnen hatte. Frauen wurden in Berufen sichtbar – zum Teil aus Not heraus, da Ehemänner im Krieg geblieben waren, aber auch, weil Berufstätigkeit für Frauen erstrebenswert wurde. Nach wie vor allerdings schieden viele Frauen nach der Heirat aus dem Berufsleben aus.

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Auch wenn in den 1930er und 1940er Jahren Frauen als Arbeitskräfte ebenso beschäftigt waren, wurde in den 50er Jahren das optische Bild dazu geschaffen: Das Kostüm. Ein zweiteiliges Kleidungsstück bestehend aus Rock und Jacke, angelehnt an die klassische Herrenschneiderei und den Uniformen der 1940er. Die Sekretärin, Bürokraft, Verkäuferin, Flugbegleiterin, Lehrerin – das Kostüm war ein perfekte Ergänzung in nahezu jedem, damals für Frauen typischen Beruf.

Sportlich-casual

Während Designer wie Dior, Balenciaga und Charles James wunderschöne Couture-Stücke kreierten, hielt die Begeisterung für Sportbekleidung an. Für Männer und Frauen. James Dean und Elvis Presley avancierten zu Superstars der Jugendlichen.

Die amerikanische Designerin Claire McCardell, die in den 1940er Jahren berühmt wurde, produzierte weiterhin ihre beliebten Wickelkleider. Während die Mode in den 1950er Jahren insgesamt auf Eleganz setzte, wendeten sich junge Frauen sportlichen und weniger formellen Designs wie denen von McCardell zu, wie dem Sommerkleid und dem Badeanzug. Eines der vielleicht dauerhaftesten Bilder der Alltagsmode der fünfziger Jahre ist der Tellerrock. Dieser einfache Bahnenrock wurde mit engen Twinsets, Pullovern oder Blusen kombiniert und obwohl sie viel lässiger waren als die Haute Couture aus Paris, folgten diese Kombinationen der Idee des New Look mit einer definierten Taille und einem vollen Rock. Beliebt wurden zur Mitte der 1950er Jahre auch Capri-Hosen für Frauen – in knie- oder wadenlänge mit seitlichem Schlitz. Populär machte diesen Look Audrey Hepburn,als Gesicht einer jungen, modernen Frau.

Stilvolle Kleidung & Filmstars

Quelle: Pinterest

Unabhängig von der Tageszeit war es in diesem Jahrzehnt außerordentlich wichtig, dass eine Frau tadellos gekleidet war. Das bedeutete perfekt gepflegtes Haar, makelloses Make-up und passende Accessoires: Hut Handschuhe und passende Handtasche. Dies wurde durch die glamouröse Modefotografie der Zeit gefördert. Und nicht zuletzt weil Designer zunehmend auch Popstars ihrer Zeit wurden und in Sachen Stil und Mode Tipps gaben. Christian Dior veröffentlichte seinen Stilratgeber ebenso wie die Hollywood-Designerin Edith Head. Schauspielerinnen wie Grace Kelly, Audrey Hepburn und Marilyn Monroe wurden zu Stilikonen der 50er Jahre. Nicht zuletzt weil Hollywood den Wunsch nach Haute Couture bediente und Schauspielerinnen in abgeänderten Entwürfen von Designern zeigte. Zeitschriften, Schallplatten und Sonderartikel bedienten den Wunsch es Stars in Hollywood gleich zu tun.

Fashion Eras I love: 1940s

Mode in den 1940er Jahren. Aus irgendeinem Grund ist sie gerade im Vintage und Retro Bereich sehr beliebt geworden. Insbesondere die Mode der ersten Hälfte der 1940er Jahre. Diese ist überschattet von dem II. Weltkrieg. Daher ist es verwunderlich, denn die originale Fotos der Zeit zeigen Männer und Frauen hauptsächlich in ihren Uniformen und wenn nicht, dann ist klar zu sehen dass Mode durch Rationierung nicht gerade übermäßig raffiniert ist. Mode wurde vor allem in dieser Zeit in Heimarbeit gefertigt. Magazine und Bücher, ebenso Textile Beispiele geben darüber Aufschluss. Nach dem Krieg lanciert Christian Dior 1947 den Stil, der als New Look bezeichnet wurde. Eine sehr feminine Silhouette, mit weiten schwingenden Röcken und enger Taille, während die Kleidung der von Männern und Kindern durch die sportliche Lässigkeit zunehmend amerikanisiert wirkt.

Das Ende der 1930r Jahre ist der Anfang des II. Weltkrieges. Und genau wie der I. Weltkrieg in den 1910er Jahren, Hatte der II. Weltkrieg einen großen Einfluss auf die Entwicklung der Mode in der ersten Hälfte der 1940er Jahre, und sogar über sein Ende hinaus. Frankreich, das Vereinigte Königreich und die Vereinigten Staaten hatten bereits etablierte Modeindustrien, die von dem II. Weltkrieg beeinflusst wurden. Nach dem Krieg, wurden diese durch Christian Diors New Look Wiederbelebt.

Anfang der 1940er war Frankreich bereits etabliert als das Zentrum für Damenmode. Allerdings wurde im Juni 1940 Paris von den Deutschen Kräften besetzt und diese Besatzung blieb bis 1944. Obwohl diese zu einer Abwanderung der Pariser Couturiers führt, blieben einige in Paris und gingen weiter ihrem Beruf nach. Aber da Paris von den USA und dem UK abgeschnitten wahr, fand kein genauere Austausch zwischen den drei Ländern statt, so dass diese Designs sich vergleichsweise unterschieden. Die Schnitte waren schwingender und weiter, als zu vergleichsweise geradlinigen Konzepte mit einem glatten Rock die in den USA und dem Vereinigten Königreich vorherrschten.

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Außerhalb Frankreich, wurde die Mode von Rationierung dominiert. Kleidung wurde praktisch und sparsam hergestellt und die „Utility clothing“, die durch die Rationierungspolitik im vereinigten Königreich prägend für die 1940er Jahre, dass mit Coupons erworben werden konnte. James Laver schreibt in Costume and Fashion : A Concise History: “ The look was simple but stylish, with good proportion and line. It incorporated padded shoulders, a nipped-in waist, and hems to just below the knee,” (253). Abs 1943 wurde aber auch die Mode ind en USA oder im Deutschen Reich von ähnlcihen Silouhetten gekenntzeichnet. DIe Anzüge waren eher kastenförmig mit aehnlehnung an Militäruniformen und mit runden Krägen. Tweeds und Karomuster wurden von 1930er Jahren übernommen, egenau wie die hellen Farben und Muster, die die sparsame Mode etwas durchbrachen.

Um die rationierte Mode im Vereinigten Königreich etwas Schmeichelnder erscheinen zu lassen wurde vom britischen Parlament die Incorporated Society of London Fashion Designer (Inc.Soc) eingebunden. Designer wie Norman Hartnell, Hardy Amies und Edward Molyneux entwarfen Kleiderschnitte, die in Heimarbeit gefertigt werden konnten um die Coupons für Lebensmittel zu nutzen. Die Historikerin Jayne Shrimpton schreibt in Fashion in the 1940s„: “The [Utility Clothing] initiative might never have succeeded had the government not taken the inspired decision to involve leading London couturiers in the design of Utility clothing” (31). Obwohl das Erscheinen dieses Kleidungsstils sehr einfach war, sollte es durch die Beiträge von namlhaften Designern aufgewertet werden und England als einen Vertreter der Mode über die Kriegsjahre helfen.

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In den USA wurde nie eine so starke Rationierung von Kleidung in die Wege geleitet wie im Vereinigten Königreich, und die Abwanderung von Deutschen und französischen Designern sorgte für ein erstes Aufblühen der amerikanischen Modeindustrie, die aufgrund mangelnder Entwürfe aus Paris sich begann zu emanzipieren. Insbesondere in der Kauffertigen Mode. Die zwei wichtigsten Designer dieser Zeit waren Norman Norell und CLaire McCardell. Norell entwarf qualitativ Hochwertige Mode, die die Lücke der Pariser Couture füllte und mit der Verwendung von Strass und Pallietten wurden glitzernder Abendkleider entworfen. McCardell hingegen war maßgeblich and er Entwicklung der amerikanischen Alltagsmode beteiligt. Sie entwarf sportliche, bequeme und praktische Kleider aus Denim, Seersucker und Jersey.

1940 entwickelte sie ein „Popover“-Kleid. Ein Wickelkleid, dass ursprünglich auch teil der Rationierungsmode war und schnell eine Grundlage von McCardells Kollektionen wurde. McCardells einfache, bequeme aber fröhliche Mode waren bis in die 1950er Populär. In den USA begannen aber auch die geflohenen Designer ihre Arbeit aufzunehmen und einen Beitrag in der Amerikanischen Mode zu leisten und NEW York und San Francisco bildeten seit den 1930er Jahren die zwei wichtigsten Modezentren des Landes. Mit der Befreiung von Paris begann auch Frankreich wieder einen Platz in der internationalen Mode zu behaupten

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Der Krieg endete mit der Bedingungslosen Kapitulation von Naz-.Deutschland im Mai 1945, aber das Leben ging nicht automatisch in die Normalität über. Obwohl die Nachkriegszeit bereits ab März 1945 in den meisten Fällen angefangen hatte. In Großbritannien wurde Mode bis 1949 weiterhin rationiert und auch danach waren die Handelsketten und Lieferungen gestört was zu Materialknappheit in UK und den USA führte. Dennoch verlor die pragmatische Mode der Kriegsjahre ihren Reiz als im Februar 1947 Dior seine erste Kollektion vorstellt, die von der Modejournalistin Carmel Snow als „The New Look“ bezeichnet wurde.

Offiziell trug die Kollektion den Namen „Corolle“ (Blütenkrone) . Charakteristisch waren die runden Schultern, die enge Taille und der lange, volle Rock. Ikonisch dafür war der „Bar Suit“, eine weiße, taillierte Jacke und einen vollen, plissierten schwarzen Rock. Obwohl als „New Look“ bezeichnet nimmt Dior Rückgriff auf Mode des frühen 20 Jahrhunderts und bediente sich der Techniken der 19. Jahrhunderts. Dennoch erschuf es einen genauen Gegenentwurf zu der sparsamen Mode der 1940er.

Quellen: Pinterest, Pinterest, Pinterest

Nach den Jahren der pragmatischen Sparsamkeit und einfachen Linien war der volle Rock Diors sehr verlockend. Magazine und Schnittmuster nahmen relativ Schnell diese Silhouette. Allerdings deutlich Sparsamer als die Entwürfe Diors, die bis zu 10 oder 20 Meter Stoff brauchen konnten. Diese Entwürfe waren allerdings auch durchaus Kontrovers: von Vorwürfen der Verschwendung von Material hin zu veralteten Frauenrollen der Vorkriegszeit. Dennoch wurde der New Look die populäre modische Silhouette der späten 1940er bis in die 1950er hinein.