Museums-Angst adé: Warum man kein Experte sein muss um Staunen zu dürfen

Die Hemmschwelle: Das „White Cube“-Syndrom

Kennst du das Gefühl: Du kommst an einem Museum vorbei und alles wirkt irgendwie einschüchternd. Die strengen historistischen Säulen, die monumentale Architektur, die an Ehrfurcht einzufordern scheint, noch bevor man überhaupt den Gedanken hat, ob man vielleicht hineingehen soll – dann die Plakate, die mit eine Ausstellung werben und einem Namen, den man noch nie gehört hat, innen drin eine fast laute Stille die einem zu verstehen gibt, dass man doch eh nichts verstehen wird, das die nur ein Ort für Gelehrte und Eingeweihte ist. Und man selbst hat erst einmal das Gefühl, gar nichts zu wissen, nichts von dem haus und Geschweige denn von den meisten Künstlern, die ausgestellt werden – ein kurzer Blick in die Suchmaschinen und schon wird man erschlagen, wer dieser Mensch da eigentlich ist.

Und was jetzt? Erst mal eine Einführung, mehrere Vorträge auf YouTube und Sachbücher lesen, um überhaupt einen Anrecht zu haben, die Grundlagen eines Künstlers und seiner Kunstform zu verstehen.

Aber was ist, wenn das alles gar nicht stimmt? Museen sind keine Prüfung, in der man Angst haben muss zu versagen – und ich verrate ein Geheimnis: Man kann es auch gar nicht – denn Museen haben schon lange ihr staubiges, elitäres Selbstverständnis abgestreift. Hier gibt es jetzt ein paar Tipps für deinen stressfreien Museumsbesuch.

Das Museum als Wohnzimmer

Generell ist es erst einmal nur die Frage, welches Museum dich am meisten anzieht. Kein Interesse an Bildern, dafür aber an Maschinen? Dann in ein Freilicht- oder Industriemuseum? Und es ist nicht so, dass es unbedingt ein Haus sein muss, wenn man lieber draußen sein möchte. Skulpturengärten oder generell Gärten mit saisonalen Kunstaktionen sind in vielen Städten auch öffentlich – vielleicht ein perfekter Ort für Namjooning? Einfach hingehen und den Tag bei schönem Wetter genießen und die Skulpturen auf sich wirken lassen.

Das gleiche gilt aber auch, wenn man sich in ein Museum begibt. Das wichtigste ist, sich mit dem Gegenstand auseinander zu setzen. Wie wirkt die Zusammenstellung der Werke, die Atmosphäre des Raumes oder auch die einzelnen Arbeiten auf dich. Welche Objekte sprechen dich am meisten an?

Außerdem bietet dir ein Museumsbesuch die Möglichkeit dich inspirieren zu lassen und die Kraftreserven aufzutanken. Meine Besuche geben mir im Nachgang viel zum Nachdenken – sei es über das Werk an sich oder auch für meine eigenen Hobbys. Wie kann ich Farben für ein Strickprojekt kombinieren? Kann ich die Textur nachahmen? Oder welche Maltechnik wurde verwendet und kann ich es auch versuchen.

Die Kunst des „Wanderns“ (Slow Looking)

Für einen Museumsbesuch ist es auch nicht notwendig so schnell wie möglich alles zu sehen – das führt dazu, dass man hektisch durch alle Räume stürzt. Wenn man das erste Mal in einem Haus ist, ist das auch total logisch – aber hier kann z.B der Audioguide des Museums (Wenn vorhanden) helfen – er führt gezielt zu den Highlights des Hauses und der jeweiligen Räume – ohne dass es zu Stress kommen muss. Und du erinnerst dich eher an das, was du gesehen hast. Und nur weil der Track rum ist, muss es auch nicht in aller Hast weiter gehen – es sei denn es gibt einen Anschlusstermin.

Aber wenn es hinterher nicht noch einen weiteren Programmpunkt gibt – nimm dir Zeit. Wenn es erlaubt ist, nimm ein Notizbuch oder dein Handy mit, nutze die Sitzgelegenheiten und notiere, was du an dem Werk interessant findest. Die jeweiligen Sitzgelegenheiten, helfen sogar dabei noch einmal eine neue Perspektive, auf dei Arbeit zu gewinnen. Anstelle dicht davon zu stehen, ist man ein paar Meter weg.

Und wenn dir das Objekt nicht gefällt? Nimm dir drei Sekunden es zu betrachten, und wenn es dich nicht anspricht, dann geh einfach weiter. Es ist deine Entscheidung, denn das eigene Staunen ist der Kompass. Wer weiß, vielleicht findest du dadurch eine Kunst, über die man dann unbedingt mehr erfahren will!

Academia-Aesthetic: Museen als zeitlose Rückzugsorte

In den sozialen Medien werden immer mehr Reels zu dem Thema Kulturliebhaber gezeigt – oft mit den Thema Nerdy Interests, Old Soul, Art Lover – all das zeigt verschiedene Gesichter, desselben Themas – Museen und Kultur im Allgemeinen als der Wunschu nach Ruhe und Entschleunigung. Aber auch der Romantische Aspekt – die Emotionen durch das interaktive Verhältnis zu jeder Form von Kunst, was uns in einer Welt, die scheinbar immer komplizierter wird, zur Ruhe kommen lässt.

Es ist auch eine Ästhetik die Beständigkeit verspricht: das Knarren von Parkett, die scheinbare historische Kontinuität in sorgsam kuratierten Artefakten oder aber die radikale Freiheit der Moderne – all das bildet einen kreativen Nährboden und verankert den Betrachter in einem Kontext aus Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.

3 praktische Tipps für deinen nächsten „Angst-freien“ Besuch

  • Hör auf dein Bauchgefühl: Welches Objekt zieht dich magisch an? Geh dorthin, ignoriere den Rest.
  • Schreib es auf: Nutze ein Notizbuch für deine eigenen Gedanken („Was flüstert mir dieses Porträt zu?“), statt nur Fakten abzuschreiben. Wenn es erlaubt ist, mach ein Foto oder klebe Postkarten oder einen Print dazu.
  • Such die Details: Schau nicht nur auf das ganze Bild, sondern nur auf eine Hand, einen Saum oder ein Blatt im Hintergrund.

Du gehörst hierher

Und jetzt liegt es an dir, deinen nächsten Museumsbesuch zu planen – denn Geschichte und Kunst gehört uns allen – gönn dir eine kleine Auszeit im Museum, ohne Angst zu haben, dass du kein Experte bist oder du Angst hast in Ehrfurcht zu erstarren.

Planst du schon einen Besuch oder hast du zuletzt eines besucht? Schreib mir dein liebstes Museumserlebnis in die Kommentare!

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